Der Steppenwolf von H. Hesse

Rezension: Der Steppenwolf von Hermann Hesse

Die Inhaltsangabe zum Roman Der Steppenwolf von Hermann Hesse findet ihr oben.

Ich musste ganz ehrlich sagen, dass ich eine Zeit brauchte bis ich mich in den Roman hineingelesen hatte, da es erst einmal mit einem Vorwort des Herausgebers anfängt. Dieses wird von dem ehemaligen Freund des Steppenwolfes geschrieben. Erst danach beginnt das Manuskript des Harry Haller, der von vergangenen Erlebnissen erzählt. Natürlich sind es zwei Erzählebenen, die man nicht durcheinander bringen darf, außerdem sind es zwei männliche Protagonisten, die jeweils ihre Erlebnisse schildern, sodass man sie ziemlich gut verwechseln kann.

Auch wechselte meine Meinung von Harry mehrfach im Laufe des Romans. Auf der einen Seite kann man den triebgesteuerten Harry verstehen, der Geschlechtsverkehr mit Prostituierten hat, Drogen nimmt, trinkt und raucht und seinen Spaß hat, tanzt und nicht an morgen denkt. Aber auf der anderen Seite war mir auch der denkende, der reflektierende, der unglückliche Harry, der gegen den Krieg ist, dem es egal ist, ob er mit seinen Meinungen Menschen vor den Kopf stößt oder deshalb von der Gesellschaft ausgeschlossen wird, sehr gut gefallen. Harry ist gegen den Krieg, ahnt aber, dass er wiederkommen könnte. Er macht sich darüber Gedanken, was er in seinem Leben will, ist sich nicht gewiss über seine Zukunft, hat sich selbst besser kennengelernt durch Hermine und durch das Nachdenken über seine Vergangenheit. Er ändert seine Meinung darüber, ob er den Krieg mag oder nicht. Außerdem verweist er darauf, dass es sinnvoll ist, sich über die Abhängigkeit von den Maschinen nachzudenken. Allerdings ist der Roman schon etwa 90 Jahre alt, sodass Hermann Hesse anscheinend eine Ahnung hatte, was kommen wird, oder es war damals schon kritisch wie sich die Menschen auf ihre Maschinen verlassen.

Die Gewalt, die sich immer mehr in den Alltag von Harry schleicht, wird wirklich beängstigend. So will Hermine, dass Harry sie am Ende der Bekanntschaft umbringen soll, sie fordert von ihm gehorsam, sodass dieser eigentlich kein eigenständiges Denken mehr braucht und einfach nur folgsam sein muss. Dies führt dazu, dass Harry am Ende Hermine umbringt, welche damit nicht rechnete, denn sie lag gerade nackt in den Armen eines anderen Mannes mit dem sie gerade das Liebesspiel genossen hatten. Harry ist sich danach nicht mehr sicher, ob er sie aus eigenem Antrieb umgebracht hatte, oder ob er es getan hat, um ihren Wunsch zu erfüllen. Dieses Nachdenken darüber, finde ich sehr interessant, wobei ich nicht ganz verstehe, warum für Hermine der Roman tödlich enden musste. Ein Grund könnte sein, dass Hermine versucht Harry charakterlich und kognitiv weiterzubringen, sodass sie nicht überleben darf, da sie sonst eine dauerhafte Rolle in seinem Leben spielen müsste. Vielleicht wurde Hermine auch geopfert, damit Harry endlich glücklich werden kann?

Insgesamt werden viele wichtige Themen und Motive angesprochen in Hermann Hesses Steppenwolf, auch wenn mir einige davon nicht besonders gut gefielen und ich mit ihnen nicht so viel anfangen kann, dennoch würde ich den Steppenwolf weiterempfehlen, so man denn mit einer vulgäreren Alltagssprache rechnet.

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