Es handelt sich hierbei um den ersten Band der Regency Murder Mysteries-Reihe, wobei ich den Reihentitel zum einen relativ sperrig und zum anderen als sehr allgemein empfinde.
Lydia Bramwell ist, finde ich, eine sehr sympathische Figur, wobei ich fand, dass sie teilweise inkonsequent wirkt. Auf der einen Seite interessiert sie sich überhaupt nicht fürs Heiraten und scheint eher gebildet zu sein und gerne zu lesen und auf der anderen Seite macht sie bei ihrer Tante nichts den lieben langen Tag außer darauf zu warten, dass man sie unterhält. Ich habe nicht verstanden was sie eigentlich so gemacht hat während ihres Aufenthalts zumindest bis sie mit ihren Mordermittlungen beginnt. Außerdem hat mir so ein richtiger Grund gefehlt warum sie überhaupt damit anfängt, also wie sie darauf kommt, dass sie einen Mörder (oder eine Mörderin) ermitteln kann.
Über John kann ich eigentlich nichts sagen, weil man diese Figur praktisch nicht kennen lernt. Auch bei Lydia erhält man nicht so wahnsinnig viele Infos, aber bei John sind es noch deutlich weniger. Ich habe nicht verstanden, woher sein Vater seinen Reichtum hat, wo er doch „nur“ ein kleines Wirtshaus besitzt und ich finde man erfährt sehr wenig über Johns Zukunftspläne, seine Vergangenheit oder was er eigentlich den ganzen Tag so treibt im Dorf. Irgendwie ist John für mich die gesamte Zeit über ein eher oberflächlicher Charakter geblieben, was ich sehr schade fand.
Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Krimi mit nur etwa 200 Seiten extrem kurz ist. Da bleibt natürlich wenig Zeit sowohl alle Figuren ausführlich vorzustellen als auch einen super komplexen Krimi zu schreiben. Aber etwas mehr Seiten und dafür ein paar Beschreibungen zu den Charakteren der Hauptfiguren wären schon nett gewesen. Und auch der Krimi hätte gerne noch etwas komplexer sein dürfen, wobei das für die wenigen Seiten sogar noch in Ordnung war.
Ich finde auch Lydias Tante Camilla wirkt seltsam: sie wohn alleine und hat nicht mal wirklich Hausangestellte, die dauerhaft bei ihr leben und dennoch ist sie schüchtern, schreckhaft und ein wenig hysterisch. Ich habe mich wirklich gefragt, wie es eine solche Frau geschafft hat komplett alleine zu leben und für sich selbst zu sorgen.
Wie schon beschrieben war der Krimifaktor aber in Ordnung. Es handelt sich hier weder um den besten Krimi, den ich jemals gelesen habe, noch um den schlechtesten. Man hat den Eindruck, dass die Autorin (aka Paul Bethel, also ein männlicher Autor, der unter weiblichem Pseudonym schreibt) noch nicht so wahnsinnig viel Erfahrung hat, aber das da ein paar ganz gute Ansätze vorhanden sind.
Was mich tatsächlich sehr stört, ist, dass auf der Verlagsseite steht, dass es hier um Romantik geht, aber zwei der drei Ehen, die im Krimi gestiftet werden, beruhen nicht auf romantischen Gefühlen: Lydias Schwester heiratet einen alten Adeligen, weil sie scharf auf dessen Titel und Geld ist und Lydia scheint auch keine romantischen Gefühle für John zu hegen (genauso wenig wie er für sie), verlobt sich aber dennoch mit ihm, weil sie ihn grundsätzlich mag. Angeblich sei das höchst rational, aber sich an einen Mann zu ketten, den man praktisch überhaupt nicht kennt und nicht liebt und von dem man auch nicht weiß, wie er sich während der Ehe verhalten wird (in einer Zeit, in der ein Ehemann alle Macht über seine Ehefrau hatte), scheint mir vieles zu sein, aber keine rationale Entscheidung. Und ich verstehe nicht so richtig aus welchem Grund der Verlag meint, dass es hier um Romantik ginge und auch bei den Genres „Regency Romance“ hinterlegt hat. Da ich Krimis mit einer Prise Romantik mag, war das schon eine Enttäuschung.
Alles in allem finde ich den ersten Band der Reihe, Tod in Diddlington von Beth Andrews, nicht schlecht. Ich mag historische Krimis insgesamt ganz gerne und mochte auch diesen. Die Ermittlungsarbeit der beiden war eigentlich ziemlich gut, wenn auch etwas kurz gehalten und die Figuren waren sehr flach, da die Kürze des Krimis es auch gar nicht zulässt, dass man viel mehr über die Protagonist:innen erfährt. Dennoch werde ich den zweiten Band lesen und bin schon sehr gespannt, wie viel ich noch über die Hauptfiguren erfahre und wie sich John und Lydia in ihrem zweiten Band anstellen werden…
Vielen Dank an den Verlag Digital Publishers für das Rezensionsexemplar!