Die Verlobung von St. Domingo von H. von Kleist

Rezension: Die Verlobung von St. Domingo von Heinrich von Kleist

Rezension: Die Verlobung von St. Domingo von Heinrich von Kleist

Die Inhaltsangabe zu der Erzählung „Der Verlobung in St. Domingo“ von Heinrich von Kleist findet ihr oben. 
Irgendwie erwartet man bei einem solchen Titel doch eigentlich eine schöne Erzählung, vielleicht ein bisschen romantisch mit einer Heirat am Ende oder zumindest mit einer prunkvoll gefeierten Verlobung, aber hier finden wir das Gegenteil. Der Verlobung findet im Kleinen, heimlichen statt, nachdem sich die beiden keine zwei Stunden kennen. Gustav verliebt sich in sie und überzeugt sie davon, dass sie heiraten sollten. Ob die beiden miteinander geschlafen haben, weiß ich nicht, aber es wird krude angedeutet, sodass man hier eventuell den Grund für die überhastete Verlobung vermuten könnte. 
Die Darstellung der Figuren war sehr interessant, man erfährt über Congo Hoango so einiges, der aber für den weiteren Verlauf nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, da er in weiten Teilen der Erzählung gar nicht vorkommt. Aber dennoch scheint diese Darstellung notwendig, da man verstehen können sollte, weshalb er so handelt, wie er handelt, wobei ich nicht sicher bin, ob dieses Hintergrundwissen wirklich durchkommt, oder ob das einfach eine Kritik an seinem Verhalten sein soll. Hoango wird von Kleist mit den schlechtesten Eigenschaften ausgestattet, die man sich denken kann: Er ist untreu gegen seine Frau, zeugt dabei sogar Kinder mit anderen Frauen, er ist blutrünstig, brutal, glaubt zwar seiner Frau, aber wendet sich deshalb gegen seine Tochter ohne den Sachverhalt näher zu prüfen, er ist undankbar gegen seinen Herrn, denn dieser beschenkt ihn reich und gibt ihm sehr viel als Lohn. Alles in allem wird auch Babekan nicht besser dargestellt, denn sie legt den Fremden rein, drängt ihre Tochter an den Greueltaten teilzunehmen und ihr ist es egal, welcher Nation der Fremde angehört, denn er ist weiß und damit hat er, in ihren Augen, den Tod verdient. 
Toni wird anders dargestellt. Sie ist das unschuldige Mädchen, das sich zwar an schlimmen Dingen beteiligt hat, diese Schuld aber versucht wieder gut zu machen, sie ist bereit ihr Leben zu opfern um ihren Verlobten zu retten und ihr Blut zu geben um ihre Schuld zu sühnen. 
Alles in allem eine sehr interessante, packende und überraschende Erzählung von Heinrich von Kleist, die man, da man sie meistens nicht in der Schule liest, gerne einmal lesen kann, allerdings sollte man „Die Verlobung in St. Domingo“ nicht rassenkritisch betrachten, denn dieser Aspekt würde die Erzählung zerstören und es könnte passieren, dass man zu viel in sie hinein interpretiert.

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