Adventskalender 2021 ·Hörbücher

Rezension: Northanger Abbey von Jane Austen

Northanger Abbey von Jane Austen habe ich als Hörspiel gehört. Hier werde ich also sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium des Hörspiels selbst eingehen.

Catherine Morland ist, wie viele Austen-Heldinnen, eine nette, etwas leichtgläubige, aber dennoch freundliche junge Dame. Als besonders klug wird sie von Austen nicht dargestellt, wobei eine gewisse Dummheit sogar von Vorteil für junge Damen sein soll, da kluge junge Männer, etwas dummen Damen sofort verfallen, wenn sie denn hübsch sind, so schreibt Austen. Catherine war mir durchaus sympathisch, auch wenn ich sie tatsächlich für deutlich zu leichtgläubig gehalten habe.

Das Frauenbild in diesem Austen-Roman ist wieder einmal schwierig. Ich verstehe ja durchaus, dass das Frauenbild in solchen historischen Romanen im entsprechenden historischen Kontext betrachtet werden muss, aber was Austen da über Frauen schreibt, ist wirklich unglaublich. Vor allem, dass Tilney das Verhalten seines Bruders entschuldigt und meint, dass einzig Isabellas Verhalten unpassend sei, da sie sich über die Aufmerksamkeiten nicht nur freue, sondern sogar maßgeblich daran beteiligt sei. Eleanors Glück wird (so wirkt es zumindest in der gekürzten Hörspiel-Version, die ich gehört habe) einfach an den nächstbesten Heiratskandidaten verschachert, damit ihr Bruder die Frau heiraten darf, die er liebt. Dass der lieben, netten Catherine das schändliche Verhalten eines Mannes zum Vorwurf gemacht wird, passt gut zur Geschichte, hat bei mir aber einen negativen Nachgeschmack hinterlassen. Solche Beispiele könnte ich sicherlich noch weiter aufzählen. Das Frauenbild in Austens Roman ist kurzum archaisch.

Henry Tilney hat mich an der ein oder anderen Stelle an Edmund aus Mansfield Park (eine Ähnlichkeit zwischen Catherine und Fanny aus Mansfield Park war meiner Ansicht nach vor allem bei Beschreibungen des Charakters vorhanden) erinnert. Die Figur Henry Tilney ist meiner Ansicht nach auch ziemlich undynamisch geblieben und ich konnte so einige seiner Verhaltensweisen nicht nachvollziehen, weil man keine Sicht in sein Inneres erhielt. Ich weiß nur leider nicht, ob das am Original, oder an der gekürzten Hörspiel-Adaption lag.

Die Geschichte selbst hat mir gut gefallen. Ein Teil spielt bei Catherines Eltern in ihrem Heimatort, der zweite Teil in Bath und der dritte Northanger Abbey. Danach kehrt sie zurück in ihren Heimatort, wo der Roman dann auch endet. Es handelt sich hier um eine relativ typische (zumindest für Austen) Liebesgeschichte. Eine junge Frau trifft einen jungen Mann, sie verliebt sich in ihn, darf ihm auch ihre Gefühle aufgrund der herrschen gesellschaftlichen Konventionen nicht gestehen. Der junge Mann verliebt sich zwar auch in die junge Dame, braucht aber ein bisschen bevor beide zusammenkommen können. Warum genau Henry Catherine seine Gefühle nicht sofort gestanden hat, ist unklar, außer, dass er vielleicht Angst davor hatte, dass sie ihn nicht liebt.

An einigen Stellen merkt man, dass der Roman gekürzt wurde. Wie oben beschrieben bleiben Henrys Handlungsmotive und sein Charakter den ganzen Roman über unklar. Ich weiß nicht, ob das an dem Austen-Roman liegt, oder an den Kürzungen. Um die Entwicklungen der Liebesgeschichte und die Charakterentwicklungen besser nachvollziehen zu können, wäre es aber schön gewesen, hätte man das Hörspiel etwas länger konzipiert. So wirkte einiges dann doch überstürzt.

Als ich das erste Mal einen Teil des Udolpho-Textes hörte, war ich sehr verwirrt, weil der Roman plötzlich eine englische Passage enthielt. Diese Passagen wurden dann auch noch schauerlich und mit Gewitter-Geräuschen untermalt, sodass ich häufig beim plötzlichen Wechsel vom Deutschen ins Englische Probleme hatte alles zu verstehen. Beim ersten Mal habe ich am Anfang nicht mitbekommen, dass hier ein englischer Einschub folgt und dass die Udolpho-Passagen entsprechend inszeniert sind. Wenn jemand kein englisch spricht, dann ist er bei solchen Passagen aufgeschmissen, wobei das Verstehen der Udolpho-Zitate nicht notwendig ist, um der restlichen Handlung folgen zu können, aber schön wäre es schon, wenn man diese Zitate schon hat. Ich verstehe auch nicht ganz warum man diese nicht übersetzt hat.

Die Musik mit der das Hörspiel untermalt ist, hat mir gut gefallen und sie passt auch ganz wunderbar zur Atmosphäre des Romans. Die Anzahl der Sprecher:innen sorgt dafür, dass jede Figur eine Sprecherin oder einen Sprecher hat. Das sorgt natürlich auch dafür, dass es ein paar Sprecher:innen gibt, die es auseinanderzuhalten gilt, was mir aber ganz gut gelungen ist. Ich denke, hier braucht man einfach ein bisschen Erfahrung mit Hörspielen und so viele Figuren hat der Roman auch nicht.

Das Booklet enthält neben einem fünfzehnseitigen Vorwort, eine Aufzählung der Beteiligten (Autorin, Sprecher:innen, Musiker:innen) auch einige Bilder. Das Vorwort befasst sich mit dem Leben von Jane Austen, ihrer Familie und wie sie zum Schreiben kam. Außerdem enthält es einige Gedanken zum Roman und der damaligen Gesellschaft. Leider kamen diese Details und Informationen im Hörspiel nur an wenigen Stellen durch. So habe ich beispielsweise gelesen, dass Austens Frauenbild nicht so klischeehaft (hätte mich auch gewundert) war wie ich den Eindruck nach dem Hören hatte. Hier sei also der obige Absatz etwas relativiert, den ich aber dennoch so stehen lasse, weil das mein Eindruck nach dem Hören war. Das Booklet ist wirklich sehr informativ und hilft, Northanger Abbey etwas besser einordnen zu können. Für mich bietet es also einen Mehrwert zum Hörspiel selbst.

Alles in allem hat mir die Hörspiel-Adaption von Northanger Abbey von Jane Austen aus dem Hörverlag sehr gut gefallen. Das Cover ist sehr hübsch, die Handlung und Figuren von Austen sind schön und die Adaption vereint tolle Specher:innen und eine passende Musik.

 

 

 

 

 

Danke an Der Hörverlag für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!

Adventskalender 2021 ·Bücherdämmerung

Urheberrecht – Von Eigentum und Diebstahl von Jan Hegemann

Durch Privilegien wurden Autorenrechte das erste Mal in den 1820er Jahren für Goethe anerkannt. In der Folge wurden auch für Drucker und Verleger Privilegien eingeführt, die eines gemeinsam haben: Sie schützen die handwerkliche, organisatorische und finanzielle Leistung des Druckers bzw. Verlegers. Privilegien sollen Autoren davor schützen, dass ihre Werke einfach nachgedruckt werden. Diese Privilegien gelten als Vorläufer der heutigen Urheber- und Leistungsschutzrechte. Es ging natürlich um das Recht am geistigen Eigentum und um finanzielle Rechte, aber es ging auch um veränderte Nachdrucke, da manche Nachdrucker, den Text inhaltlich stark veränderten. Daraus entwickelt sich dann 1965 das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte. Der Urheber gilt als Schöpfer des Werkes; also Werk im materiellen Sinne, nicht bloße Ideen und Schöpfer im Sinne, das etwas individuell, einzigartig und originell geprägt ist und nicht bloß gemacht wird. Die geistige und persönliche Beziehung des Urhebers zu seinem Werk soll geschützt werden (Urheberpersönlichkeitsrechts). Dazu gehören: Das Recht auf Erstveröffentlichung (also ob überhaupt und wenn ja wann und wie), namentliche Bezeichnung als Urheber (oder auch nicht, wenn unerwünscht oder das Verwenden eines Pseudonyms) und das Recht gegen Entstellung und Veränderung vorzugehen (auch im Digitalen ungemein wichtig). Diese Rechte sind unübertragbar und unveräußerlich. Nutzungs- und Verwertungsrechte hingegen sind übertragbar. Rechte des Urhebers müssen immer mit den Rechten der Gesellschaft (bspw. auf Nutzen zum Wohle der Allgemeinheit) abgewogen werden. Kunstwerke bauen aufeinander auf, Diskurse können nur entstehen wenn Zitate erlaubt sind, etc. Rückentwicklung des Rechts im Internet: Piraten veröffentlichen alles ohne Rücksicht auf Urheberrechte. Künstler:innen, die ihre Werke frei im Internet zur Verfügung stellen, und dafür von Sozialleistungen des Staates leben, entwickeln sich zurück zu Hofnarren oder Hofkünstlern, die direkt im Sold ihrer Könige und Kaiser stehen. Freiheit und das Recht des Autors in der digitalen Welt sind Grundfragen unserer Gesellschaft.

Adventskalender 2021 ·Der Tod zu Gast in Kurland Hall von C. Lloyd

Inhaltsangabe: Der Tod zu Gast in Kurland Hall von Catherine Lloyd

Der dritte Band der Harrington-Kurland-Reihe Der Tod zu Gast in Kurland Hall von Catherine Lloyd schließt direkt an den zweiten Band an. Lucy Harrington ermittelt wieder gemeinsam mit Major Robert Kurland. Dieses Mal ermitteln sie wieder in Kurland St. Mary.

Lucys beste Freundin Sophia heiratet den Mann, den sie in London kennen und lieben gelernt hat: Mr. Stanford. Da die Hochzeit in Kurland St. Mary stattfinden soll und sich viele Gäste angekündigt haben, nimmt auch die Pfarrersfamilie einige Gäste auf. Neben Miss Penelope Chingford, Kurlands Ex-Verlobte, und deren jüngeren Schwester Dorothea, lebt auch deren Mutter temporär im Pfarrhaus, denn sie möchte ihre Bekanntschaft mit dem verwitweten Pfarrer wieder aufleben lassen.

Auf der Hochzeitsfeier verkündet der Pfarrer seine Verlobung mit der verwitweten Mrs. Chingford, was diese erzürnt. Lucy und auch die Chingford-Schwestern sind von der Verlobung alles andere als begeistert. In den Tagen vor der Hochzeit hatte sich herausgestellt, dass Mrs. Chingford auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, denn sie sei ehrlich zu den Menschen wie sie behauptet. Sie schafft es selbst sich mit Lucy und Major Kurland anzulegen. Als sie noch während der Hochzeitsfeierlichkeiten tot am Fuß der Treppe aufgefunden wird, vermutet man zuerst einen Unfall. Schnell stellt sich aber heraus, dass sie auch gestoßen worden sein könnte.

Kurland und Harrington beginnen ihre Ermittlungen und versuchen herauszufinden, wer während der Hochzeitsfeier wo war, wer ein Motiv haben könnte und so finden sich schnell einige Verdächtige. Auch Mrs. Chingfords Korrespondenz gibt Aufschluss darüber, dass sie mit vielen Menschen im brieflichen Austausch stand. Bald stellt sich aber auch heraus, dass ihre Verlobung mit dem Pfarrer kaum Ernst gemeint war, sondern lediglich einen anderen Heiratskandidaten eifersüchtig machen sollte.

Kurze Zeit später haben Lucy, Mrs. Fairfax, Mr. Fairfax und Major Kurland einen Kutschenunfall, bei dem sich alle Mitfahrenden leichte Verletzungen zuzogen. Kurz darauf wird Mrs. Fairfax tot in ihrem Bett aufgefunden. Offenbar hat sie eine zu große Menge Laudanum eingenommen. Ob es sich dabei um einen Unfall oder Selbstmord handelt, bleibt ungewiss, wobei sie einen Brief von der Toten finden, in dem sie den Mord als Unfall gesteht. In ihrem Testament macht sie ihren verstoßenen Stiefsohn zum Vormund für ihren Sohn und Grundstücksverwalter bis ihr Sohn volljährig ist. Daraufhin bereitet Mr. Fairfax seinen Weggang aus Kurland St. Mary vor.

Lucy streitet sich auch während dieser Ermittlungen immer wieder mir Robert, sodass sie auf Penelope als ihre Ermittlungspartnerin zurückgreifen muss. Gemeinsam finden sie heraus, dass Mrs. Fairfax und Mrs. Chingford wohl das gleiche Kindermädchen anstellten, wobei Madge Summers wohl in einer weiteren Verbindung zu Mrs. Fairfax steht. Das erklärt aber nicht warum und von wem Madge nach dem Brand in ihrem Haus abgeholt wurde und so wie seitdem steckt.

Nachdem Lucy auf den bewaffneten Mr. Reading in ihrem eigenen Haus gestoßen ist und sie dies Major Kurland gesteht, kommt es zu einem weiteren Streit und sie sprechen nicht mehr miteinander, sodass sie das Angebot von Mr. Fairfax mit ihm sein Elternhaus zu besuchen, annimmt. Sie soll ihm dort helfen nach dem Haus, den Ländereien und dem Personal zu sehen, da er sich nicht sicher ist, ob seine Stiefmutter alles in Ordnung hatte halten können. Neben ihrer Hilfe, scheint sich Thomas Fairfax aber auch für Lucy als potentielle Ehefrau zu interessieren. Soll sie seinen Heiratsantrag annehmen, wenn er ihr einen macht? Und natürlich wüsste sie trotz Kurlands Verbot ihr gegenüber weiter zu ermitteln und seinem Befehl alles einfach auf sich beruhen zu lassen nur zu gerne was wirklich hinter den Morden steckt…

Adventskalender 2021 ·Der Tod zu Gast in Kurland Hall von C. Lloyd

Rezension: Der Tod zu Gast in Kurland Hall von Catherine Lloyd

Bei Der Tod zu Gast in Kurland Hall von Catherine Lloyd handelt es sich um den dritten Band der Harrington-Kurland-Reihe. Da der Krimi direkt an die Geschehnisse des zweiten Bandes anschließt, ergibt es Sinn diesen zuerst zu lesen.

Der Krimi spielt dieses Mal wieder größtenteils in Kurland St. Mary, dem kleinen Heimatdorf von Major Robert Kurland und Miss Lucy Harrington, sodass man einige der Charaktere und die Umgebung schon etwas kennt und beinahe so etwas wie ein Heimkommgefühl hat.

Deshalb brauche ich wohl auch weder zu Lucy noch zu Robert mehr zu schreiben, denn verändert haben sie sich eigentlich nicht. Einzig den abgelehnten Heiratsantrag des zweiten Bandes möchte ich hier kurz erwähnen, denn er sorgt dafür, dass die Stimmung zwischen Lucy und Robert recht angespannt ist. Lucy ist wütend über die Art und Weise wie Robert seinen Heiratsantrag vorgetragen hat. Beide können und wollen sich nicht eingestehen, dass sie trotz der Charakterfehler (oder vielleicht auch gerade aufgrund dieser) mehr füreinander empfinden, was zu einigen Reibereien führt. Dies führt dann leider auch dazu, dass die Ermittlungen manchmal etwas hinten anstehen müssen.

Eine Logiklücke ist mir aufgefallen, die sich in der Folge durch den gesamten Krimi zieht und an der ein oder anderen Stelle vielleicht sogar für eine andere Handlungsrichtung gesorgt hätte: Anna, Lucys Schwester, ist natürlich ebenfalls auf der Hochzeit der besten Freundin ihrer Schwester. Sie taucht auf einmal auf, nachdem im ersten Kapitel noch beschrieben wurde wie sehr Lucy unter anderem ihre Schwester Anna vermisst und verschwindet auch auf genauso mysteriöse Weise wieder. Das letzte Mal, das ich mich erinnere, das Anna erwähnt wurde, war auf einem Ausritt. Danach wird sie nicht wieder erwähnt, was wirklich seltsam wirkt, wenn man bedenkt, dass Lucy sich mit jemandem über den Ermittlungsstand austauschen möchte und sie dafür Miss Chingford (Miss Chingford ist eine arrogante, reiche und verwöhnte junge Dame, die mit Major Kurland verlobt war und regelmäßig mit Lucy aneinandergeraten ist) wählt. Wäre Anna noch dort, hätte sie sich sicherlich mit ihr ausgetauscht. Es kann natürlich sein, dass in irgendeinem Nebensatz erwähnt wurde, dass Anna zurück nach London reist, was aber mitten während der Ermittlungen und vor der Beerdigung des Opfers kaum Sinn ergibt.

Weiterhin gab es mir eindeutig zu viele Zufälle in diesem Band: Zufällig kennen sich Mrs. Fairfax und Mrs. Chingford von früher, und natürlich hat Mrs. Fairfax auch ein Geheimnis, das Mrs. Chingford kennt. Außerdem kennen sich Mrs. Chingford und der Pfarrer von früher. Miss Chingford ist natürlich als Tochter des Opfers auch wieder vor Ort. Ein großer Zufall ist auch, dass Mrs. Chingford mit Mr. Stanford, dem Bräutigam, verwandt ist, und dieser ausgerechnet jemanden aus dem Ort, in dem der Ex-Verlobte von Miss Chingford lebt, heiratet. Miss Stanford, Mr. Stanfords Schwester, ist nun ausgerechnet auch noch mit einem verstoßenen Cousin der Familie Kurland verlobt. Besagter Cousin ist auch noch ein ehemaliger Bekannter der Familie Chingford. Das sind jetzt nur die Zufälle, die mir gerade eingefallen sind, aber mir waren das schlichtweg zu viele Zufälle.

Das klingt jetzt ziemlich negativ, aber ich mochte den dritten Band alles in allem dennoch ziemlich gerne. Ich mag einfach Lucys resolute Art und Major Kurlands Stoffeligkeit. Ich finde es toll wie die beiden umeinander rumtanzen ohne sich ihre Gefühle füreinander einzugestehen. Ich hoffe nur, dass sich die beiden wieder vertragen, damit der nächste Band wieder eher den Fokus auf die Ermittlungen und weniger auf die Streits der Protagonisten richten kann. Ihr merkt also: ich hoffe schon jetzt, dass es einen nächsten Band gegeben wird und freue mich schon jetzt auf diesen.

 

 

 

Danke an den Digital Publishers Verlag für das Rezensionsexemplar!

Adventskalender 2021 ·Tagebuch eines Lesers von A. Manguel

Inhaltsangabe: Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel

Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel ist ein Tagebuch, in dem der Autor offenbar seine eigenen Leseerlebnisse beschreibt.

Manguel beginnt sein Tagebuch im Juni 2002 und führt es ein Jahr lang. Während dieses Jahrs liest er nicht nur die zwölf Bücher, über die er in seinem Tagebuch bis Mai 2003 schreibt, sondern er erwähnt darüber hinaus noch etliche andere Bücher, der er mit den aktuell gelesenen Büchern in Zusammenhang bringt. So stellt er nicht nur Parallelen her, sondern erwähnt auch darüber hinaus andere Werke, und natürlich berichtet er auch über sein weiteres Leben.

Manguel berichtet von Reisen, die er in diesem Jahr unternimmt und er berichtet von seinem bisherigen Leben, von seinen Umzügen in verschiedene Länder und dass er sich zwar in Frankreich heimisch fühlt, dass er aber wohl am Liebsten in Kanada gelebt hat.

Er berichtet aber auch von seiner Katze, von Bekannten und Freunden, mit denen er Kontakt hat, die er besucht und die ihn besuchen. Und er erzählt auch von früheren Erinnerungen, davon welche Erfahrungen er als Jugendlicher so gemacht hat.

Manguel liest in diesem Jahr die folgenden Bücher: Im Juni Morels Erfindung von Adolfo Bioy Casares, im Juli Die Insel des Dr. Moreau von H. G. Wells, im August Kim von Rudyard Kipling, im September Erinnerungen von jenseits des Grabes von François-René de Chateaubriand, im Oktober Das Zeichen der Vier von Sir Arthur Conan Doyle, im November Peter Schlemihls wundersame Geschichte von Adelbert von Chamisso, im Dezember Der Wind in den Weiden von Kenneth Grahame, im Januar Don Quijote von Miguel de Cervantes, im Februar Die Tatarenwüste von Dino Buzzati, im März Das Kopfkissenbuch von Sei Shonagon, im April Der lange Traum von Margaret Atwood und im Mai Die nachträglichen Memoiren des Brás Cubas von Machado de Assis.

Die Bücher hat Manguel alle schon einmal gelesen und so entdeckt er diese Bücher noch einmal für sich und beschreibt seine Leseerfahrungen.

Adventskalender 2021 ·Tagebuch eines Lesers von A. Manguel

Rezension: Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel

Beim Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel handelt es sich um eine fragmentarische Zusammenstellung der Leseeindrücke, die der Erzähler (offenbar Manguel) über ein Jahr hinweg sammelt.

Ich muss zugeben, dass mir die meisten der Hauptbücher, die Manguel in seinem Tagebuch eines Lesers liest nichts sagten. Natürlich kennt man auch den ein oder andere Autor:innen-Namen und das Werk, das er liest nicht, und bei manchen kennt man Werk und Autor:in (vielleicht sogar nur dem Namen nach), aber zumindest hat man schon mal etwas von Autor:in oder Werk gehört.

Gelesen hatte ich von diesen 12 Büchern, ehrlich gesagt, nicht ein einziges, wenngleich mir Margaret Atwood (wenn auch nicht Der lange Traum, sondern Der Bericht der Magd), etwas sagt. Sherlock Holmes kennt man natürlich, Der Wind in den Weiden sagte mir auch etwas. Don Quijote kenne ich selbstverständlich auch und Chamisso und sogar das Werk von ihm der Peter Schlemihl sagten mir etwas, und stehen sogar noch auf meiner Liste, wenngleich ich sie noch nicht gelesen habe. Wells und Kipling kennt man zumindest dem Namen nach.

Auch die vielen anderen Bücher, auf die Manguel verweist sagten mir meistens nichts. Das hängt zum einen sicherlich mit einer anderen Lesesozialisation zusammen. Ich habe bisher viele Deutsche Werke von Deutschen Autor:innen gelesen und kenne vor allem die bekannteren Kanonwerke. Manguel scheint sich auch in anderen Nationalkanons gut auszukennen und hat auch von diesen sehr viele Werke gelesen.

Ich bin mir – auch während des Lesens – nicht sicher gewesen, wie viel Wahrheit und wie viel Fiktion in dem Tagebuch steckt. Geht es hier nur um einen Erzähler, der fiktiv ein Tagebuch zusammenstellt, wobei er eine gewisses Authentizität erreicht indem er nie darüber spricht, dass der Autor und der Erzähler zwei verschiedene Menschen sind. Oder ist der Erzähler wirklich der Autor, der in seinem Tagebuch fragmentarisch seine Leseeindrücke festhält.

Das ist ein weiterer Punkt. Man kann sich das Tagebuch eines Lesers nicht wie ein Lesetagebuch wie man es für die Schule vielleicht schreiben musste vorstellen. Manguel hält seine Eindrücke fragmentarisch fest. Wenn man die Werke selbst nicht gelesen hat, fällt es manchmal wirklich schwer zu folgen. Dennoch ist es mit viel Witz geschrieben und man kann sich natürlich auch seine eigenen Gedanken zu den Gedanken des Lesers machen; das wäre sicherlich ein lustiges Projekt. Auf manchen Seiten finden sich einige recht kurze Absätze, bei denen es sich um fragmentarisch hingeworfene Gedanken handelt.

Insgesamt finde ich das Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel wirklich spannend und ich hatte beim Lesen immer wieder Lust, selbst mal Tagebuch über meine Leseeindrücke zu führen und andere Werke, deren Parallelen und Unterschiede, vergleichbare Motive und Figurenkonstellationen heranzuziehen. Wer sich für die Eindrücke eines Bücherliebhabers interessiert (und sich dann vielleicht sogar eine eigene Leseliste anlegen möchte), der ist mit dem Tagebuch eines Lesers sicherlich gut beraten.

Hanni & Nanni

Rezension: Hanni und Nanni in neuen Abenteuern von Enid Blyton

Bei „Hanni und Nanni in neuen Abenteuern“ von Enid Blyton handelt es sich um den dritten Band der Mädchenbuchserie.

Man findet einige Parallelen zwischen dem zweiten und dem dritten Band. Beispielsweise kommen am Anfang beider Bände neue Schülerinnen nach Lindenhof, wovon dann die Konflikte ausgehen, die im Band thematisiert werden. Eine dieser Schülerinnen ist Helene, welche einen recht schlechten Charakter hat und die versucht ihren Mitschülerinnen das Leben schwer zu machen. Schwierig finde ich es, dass eine Schülerin einen so von Grund auf schlechten Charakter haben soll.

Warum Carlotta so ein gutes Verhältnis zu ihren Klassenkameraden hat und Margaret aus dem zweiten Band es nicht hatte, lässt sich schwer sagen, denn beide waren aufbrausend und temperamentvoll aber eigentlich anständige Mädchen, die nicht lügen oder betrügen.

Petra ist ein sehr schüchternes Mädchen, das, weil sie versucht neue Freunde zu finden, auf Helene hereinfällt und erst merkt, dass sie von dieser ausgenutzt wird, als es eigentlich schon zu spät ist, danach hätte sie es sehr schwer einen neuen Anfang in Lindenhof zu machen, weshalb es vermutlich besser war, dass sie Lindenhof verlassen hat, denn so jung wie sie ist, wäre es fraglich gewesen, ob sie zu dem neuen Anfang in der Lage gewesen wäre.

Bobby wird auch von allen gut aufgenommen, denn sie heckt sehr gerne Streiche aus und das liebt eine solche Klasse, eigentlich schade, denn sie wird von ihrer neuen Klasse ein wenig in ihre Rolle gedrängt und muss dann darunter leider, obwohl das natürlich nicht möglich gewesen wäre, wenn sie von der Schule ohnehin schon viel gehalten hätte. Sie lernt aus ihren Fehlern und macht so eine Entwicklung durch, was ich immer Recht sympathisch finde bei einer Figur.

Alles in allem ist es schade, dass Hanni und Nanni schon wieder eine so untergeordnete Rolle spielen, obwohl der Band ja eigentlich heißt „Hanni und Nanni in neuen Abenteuern“, aber wirkliche Abenteuer erleben die beiden nicht. Im Gegenteil: Als Sadie eines nachts entführt wird, wachen sie zwar auf, aber Carlotta rettet die reiche Amerikanerin und Hanni und Nanni sitzen brav weiter im Internat und warten auf die Rückkehr ihrer Mitschülerinnen. Ich kann diesen Band zwar weiterempfehlen aber richtig gelungen finde ich ihn aufgrund der oben angesprochenen Mängel nicht.

Adventskalender 2021 ·Ankündigungen

Adventskalender 2021

Hallo ihr Lieben,

das Jahr neigt sich dem Ende. Auch dieses Jahr ist viel passiert und so freuen wir uns wahrscheinlich alle auf eine schöne Adventszeit; ich auf jeden Fall. Um uns auch die diesjährige Adventszeit ein bisschen zu versüßen, werde ich wieder in meinem Adventskalender jeden Tag einen Post (Leseaktionen, Inhaltsangaben und Rezensionen) bringen. Manchmal wird es weihnachtliche Buchtipps geben, aber es werden auch ganz normale nicht-weihnachtliche Bücher dabei sein. Außerdem werde ich sowohl über Hörbücher, als auch über E-Books und normale Printbücher schreiben. Hoffentlich ist für jeden etwas dabei.

Ich wünsche euch ein schönes erstes Adventswochenende, viel Spaß mit dem Adventskalender und eine besinnliche Vorweihnachtszeit.

Bleibt gesund und liebe Grüße
Vanessa

Eine Weihnachtsgeschichte von Ch. Dickens ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens

In der Geschichte Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens geht es um Ebenezer Scrooge, einen alten, verbitterten, knausrigen Mann, der sich weder um seine Mitmenschen, noch um seinen Angestellten oder seine Familie kümmert.

Nachdem er die Spendensammler, seinen Mitarbeiter und seinen Neffen vor den Kopf gestoßen hat, erhält Scrooge am Abend Besuch vom Geist seines ehemaligen Partners, der schon seit einigen Jahren verstorben ist. Dieser kündigt ihm den Besuch von drei weiteren Geistern an: in der ersten Nacht soll der Geist der vergangenen Weihnachten, in der zweiten Nacht der der gegenwärtigen Weihnacht und danach der der zukünftigen Weihnacht erscheinen.

Und tatsächlich kommt der erste Geist wie angekündigt zu Scrooge und nimmt ihn mit zu den Weihnachtsfesten vergangener Zeiten: Ebenezer als junger Knabe von seiner Schwester aus der Schule abgeholt, um Zuhause mit seiner Familie Weihnachten feiern zu können. Jahre später hat er ein Weihnachtsfest bei seinem Lehrmeister verbracht, der ein großes Weihnachtsessen mit Musik und Tanz ausgerichtet und alle seine Angestellten dazu eingeladen hat. Das Weihnachtsfest hat er als unglaublich schön in Erinnerung.

Der zweite Geist führt Scrooge erst zu seinem Angestellten Bob Cratchit, der mit seiner Familie Weihnachten feiert. Obwohl die Familie arm ist, erfreuen sie sich aneinander und genießen die weihnachtliche Zeit. Dort lernt Scrooge auch den kleinen, verkrüppelten Sohn von Bob, tim, kennen. Ebenezer entwickelt sofort eine Zuneigung zu dem tapferen Jungen, doch der Geist deutet an, dass Tim das nächste Weihnachtsfest aufgrund der Armut der Familie wohl nicht mehr erleben wird. Auch bei seinem Neffen wirft Scrooge einen Blick auf die Weihnachtsfeier und ist so begeistert von den Spielen, die sie spielen, dass er, obwohl er nicht gehört werden kann, mitspielt.

Der Geist der zukünftigen Weihnacht zeigt Scrooge ein Weihnachtsfest, bei dem kurz zuvor ein Mann gestorben ist. Einige arme Menschen unterhalten sich aber nur darüber wie sie dessen Besitztümer unter sich aufteilen und dass sie ihm sogar die guten Kleider vom Leib zogen, damit sie diese weiterverkaufen können. Auch die Geschäftskollegen erwähnen seinen Tod nur am Rande und sprechen davon, dass man den Toten nicht mochte. Scrooge hofft währenddessen, dass der Geist ihm zeigt was er – durch die Lektionen der anderen Geister – in der Zukunft an guten Taten tut. Aber statt dies gezeigt zu bekommen, erfährt Scrooge, dass Tim verstorben ist und die Familie Cratchit um den Kleinen trauert.

Geläutert durch die Besuche der drei Weihnachtsgeister möchte Scrooge nun etwas gutes tun, doch eigentlich müsste Weihnachten nach den Besuchen längst vorbei sein…

Eine Weihnachtsgeschichte von Ch. Dickens ·Hörbücher

Rezension: Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens

Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gehört zu den bekanntesten Weihnachtsgeschichten und bekanntesten Geschichten von Charles Dickens. Ich habe diesen bekannten Stoff als Hörbuch von cbj audio gehört und werde somit sowohl auf das Medium als auch auf den Inhalt eingehen.

Sie ist auch noch unter anderen Titeln bekannt (Ein Weihnachtslied (in Prosa), Der Weihnachtsabend oder Eine Geistergeschichte zum Christfest), die nicht weniger passend sind, allerdings handelt es sich bei Eine Weihnachtsgeschichte um den bekanntesten Titel.

Diese Weihnachtsgeschichte behandelt einige, wichtige, weihnachtliche Themen wie Familie, Freundschaft, Geiz und Spenden, Geschäftstüchtigkeit und Großzügigkeit. Diese Themen passen wunderbar zu Weihnachten und sorgen gemeinsam für die Atmosphäre, die diese Geschichte ausstrahlt. Es geht nicht einfach nur um einen einsamen, alten Mann, sondern darum, zu zeigen wie dieser so geworden ist und dass es auch für ihn nicht zu spät ist, sich noch zu ändern. Hier schwingt eine unglaublich schöne Hoffnung mit, die auch typisch für Weihnachten ist.

Besonders gut gefällt mir, dass man ein paar Einblick bekommt wie man Weihnachten früher in England gefeiert hat. Einiges hat sich zu unseren heutigen Weihnachtsfesten nicht verändert (wobei es natürlich auch heute in vielen Familien ganz unterschiedliche Weihnachtstraditionen gibt). Hier meine ich beispielsweise, dass man gemeinsam mit seiner ganzen Familie feiert, etwas leckeres ist und dankbar für die nette Gesellschaft ist. In einigen Familien werden sicherlich auch heute noch Spiele in großer Runde gespielt, bei denen viel gelacht und gescherzt wird. Solch ausgelassene Bälle wie der, den Scrooge in der Vergangenheit besucht hat, würde man aber heute wohl kaum noch feiern. In diesem Kontext sollen auch die sozialkritischen und gesellschaftskritischen Züge eine kurze Erwähnung finden.

Mir gefällt auch gut, dass man zwar hauptsächlich Scrooge begleitet, er aber zeitweilig sehr in den Hintergrund rückt und man so Gelegenheit erhält sowohl Cratchit und seine Familie als auch Fred, Scrooges Neffen, und dessen Familie näher kennenzulernen. Die Charaktere erhalten alle, außer Scrooge, keine richtige Tiefe, aber das ist bei Kurzgeschichten ja häufig der Fall.

Da ich vermute, dass die allermeisten mindestens eine der etlichen Filmadaptionen des Stoffes kennt, möchte ich hier nicht viel näher zum Inhalt eingehen, sondern mich stattdessen noch ein bisschen dem Medium widmen: Das Hörbuch beruht auf der ungekürzten Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt.

Cbj audio bringt gerade in seiner Nostalgie für Kinder-Reihe einige Kinderbuch-Klassiker raus. In der Reihe sind bereits Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery, Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri, Nesthäkchen und ihre Puppen von Else Ury, Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden und Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling und eben Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens erschienen. Ich finde es schön, dass viele dieser Klassiker noch einmal neu aufgelegt werden. Das Booklet, das in den physischen Hörbüchern beigelegt ist, ordnet die Stoffe ein.

Die Geschichte wurde von Charles Brauer eingesprochen. Ich habe vor ein paar Monaten tatsächlich Der Seitensprung von Bernhard Schlink, das von ihm gesprochen wurde, gehört und war sehr begeistert. Ich mochte auch bei diesem Hörbuch Brauer wieder sehr gerne und habe ihm unglaublich gerne zugehört. Für mich passte die Stimme einfach zu diesem alten, traditionellen Stoff des historischen Londons. Charles Brauer war für die Weihnachtsgeschichte wirklich eine tolle Wahl.

Das Booklet hält dieses Mal eine Zusammenfassung des Inhalts, die Vita des Autors und eine Einordnung des Werkes bereit. Darin wird unter anderem erläutert wieso Charles Dickens sich mit sozialen und politischen Themen auseinandersetzte. Für mich enthält das Booklet gerade dadurch einen Mehrwert zum Hörbuch. Max Meinzold hat – wie bei den ersten Teilen der Reihe auch – die Bilder für das Cover beigesteuert und ich mag seinen Stil immer noch unglaublich gerne und finde seine Bilder wunderschön.

Insgesamt hat mir Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens in dieser Hörbuchfassung gelesen von Charles Brauer sehr gut gefallen. Es stimmt richtig schön auf Weihnachten ein und man kann es auf jeden Fall auch mehrfach hören, und ich werde es jetzt sicherlich in den nächsten Wochen noch einmal hören. Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für dieses tolle Hörbuch.

 

 

 

Vielen Dank an cbj audio für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!