Der Tote in der Badewanne von D. Sayers

Inhaltsangabe: Der Tote in der Badewanne von Dorothy L. Sayers

Der Tote in der Badewanne von Dorothy L. Sayers ist der erste Teil der Lord Peter Wimsey-Reihe.

Gerade als Wimsey zu einer Auktion aufbrechen will, erhält er einen Anruf seiner Mutter: In der Badewanne von Mr. Thipps wurde eine nackte, männliche Leiche gefunden. Natürlich verdächtigt man zuerst die Bewohner der Wohnung, in der die Leiche aufgetaucht ist, nämlich Thipps und sein Hausmädchen, auch vor der alten Mrs. Thipps machen die Ermittlungsbeamten nicht halt, obwohl ihnen eigentlich klar ist, dass die Frau nichts mit dem Mord zu tun haben kann.

Sofort nach dem Mord wird der Arzt aus dem angrenzenden Krankenhaus Sir Julian Freke hinzugerufen, da er bestätigen soll, ob es sich um eine Leiche zu Studienzwecken aus seinem Krankenhaus handelt. Er verneint dies, soll sich den Leichnam aber dennoch genauer ansehen.

Der Polizeibeamte Sugg hält Thipps und das Hausmädchen weiter für schuldig und verhaftet beide sogar. Weiterhin werden sie sogar zur Voruntersuchung als die beiden möglichen Mordverdächtigen vorgestellt. Währenddessen hält Wimsey die beiden nicht für schuldig, und ermittelt auf Mrs. Thipps‘ Bitte hin mit dem Inspektor Charles Parker in eine andere Richtung. Parker untersucht eigentlich gerade im Vermisstenfall Sir Reuben Levy, der dem Toten aus der Badewanne auf den ersten Blick ähnlich sieht. Beide fragen sich im Laufe der Ermittlungen, ob die Fälle zusammenhängen, können aber bis auf die oberflächliche Ähnlichkeit keine Verbindung entdecken.

Wie sich herausstellt wurde der Tote vom Mörder verändert, denn er hat ihn offenbar rasiert, hat ihn entkleidet und eine Mani- und Pediküre durchgeführt. Gleichzeitig handelt es sich aber offenbar um einen armen Mann, denn er hat sehr schlechte Zähne. Bei den Polizeibeamten kommt deshalb der Verdacht auf, dass der Mann erst kürzlich zu Geld gekommen ist, aber Wimsey vermutet, dass die Zähne eben nicht vom Mörder verändert werden konnten.

Parallel findet sich kaum eine Spur zu Reuben Levy, der in der Nacht von Montag auf Dienstag aus seinem eigenen Schlafzimmer verschwunden zu sein scheint. Abends war er beim Essen mit Freunden guter Stimmung und am nächsten Tag hätte er ein wichtiges Geschäft abschließen sollen. Nun entsteht natürlich der Verdacht, dass derjenige, der einen Nachteil aus dem Geschäft hatte, der Verdächtige sein könnte und Levy auftaucht, sobald das Geschäft geplatzt ist. Aber das Verschwinden ist doch sehr mysteriös, denn Levy hat offenbar in seinem Bett geschlafen, die Zähne geputzt, aber er hat seine Kleidung einfach unordentlich abgelegt und ist morgens früh schon nicht mehr in seinem Bett, außerdem scheint nichts von seiner Kleidung und seinen Schuhen zu fehlen und ein Geschäftsmann wird kaum unbekleidet aus dem Haus spaziert sein.

Da beide Fälle in der gleichen Nacht geschehen zu sein scheinen, könnte es zwischen dem Toten in der Badewanne und Levy doch eine Verbindung geben, die aber niemand findet. Wimsey und Parker gehen aber noch einigen Hinweisen nach, und verhören beispielsweise den Geschäftsrivalen von Levy und Freke, da dieser ein alter Freund der Familie war und Levy am Abend wohl bei ihm war.

Außerdem finden sie bei der Leiche in der Badewanne einen Kneifer, der dem Opfer kaum gehört hat, da er sehr wertvoll gewesen sein muss. Wimsey schaltet ein Inserat in der Zeitung, der Besitzer meldet sich und wird von Wimsey verhört. Wie sich herausstellt hatte der Besitzer den Kneifer auf der Fahrt von London nach hause im Zug liegen lassen. Auch diese Spur scheint also in eine Sackgasse zu führen, doch wie ist der Mörder an den Kneifer gekommen und wieso hat er ihn der Leiche aufgesetzt.

Leseaktionen

SuB-Regal-TAG

Hallo ihr Lieben,

bei Leseratz habe ich diesen etwas älteren Subregal-Tag gefunden und da ich die Fragen ganz cool fand, habe ich sie leicht abgewandelt mal übernommen, um sie zu beantworten.

1) Welches ist das älteste und das neueste Buch auf Deinem SUB, nach dem Datum, an dem Du es gekauft hast?

Das älteste Buch von meinem Sub ist Philosophische Gedankenexperimente von Georg W. Betram und das neuste Buch ist Ein Tag im Dezember von Josie Silver.

2) Welches ist das Buch, auf das Du am wenigsten Lust hast, es zu lesen? Und welches Buch würdest Du gern sofort beginnen?

Leider hat sich mein Lesegeschmack in den letzten paar Jahren ziemlich verändert, sodass es nun ein paar Bücher gibt, auf die ich nicht so viel Lust habe; dazu gehört auch das Buch, das ich unter 4) aufgeführt habe.
Oh, da gibt es auch noch einige Bücher, die ich gerne sofort beginnen würde. Ich habe natürlich auf einige von meinen Sub-Büchern Lust, dazu gehören die Romane von Lilian Jackson Braun und Susan Mallery.

3) Welches bereits gelesene Buch hättest Du am liebsten wieder auf Deinem SUB, um es noch einmal lesen zu können?

Puuh. Da gibt es einige, aber unter anderem der Jugendfantasyroman Feuer & Gold von Sarah Beth Durst. Ich mochte das Buch sehr gerne und würde es auch gerne mal re-readen.

4) Hast Du ein Buch auf Deinem SUB, von einem Genre oder einer/m Autor:in, der/die Dich schon einmal enttäuscht hat?

Leider schon: Früher mochte ich die Autorin Linda Howard sehr gerne und so habe ich mir vor einigen Monaten noch einmal ein Buch von ihr gewünscht: Süße Rache. Es gibt nicht mehr viel von ihr, was ich noch nicht gelesen habe, aber dieser Roman fehlt mir noch und er klingt grundsätzlich noch nach einem der wenigen, die mir noch gefallen könnten. Ich bin aber etwas skeptisch, weil sich mein Buchgeschmack verändert hat.

5) Hast Du eine Reihe auf Deinem SUB, von der Du mindestens zwei Bände da hast?

Tatsächlich sogar mehrere! Zum einen ist da die Percy Jackson-Reihe von Rick Riordan und zum anderen beispielsweise zwei Bände von der Die Katze, die-Reihe von Lilian Jackson Braun.

6) Welches Buch hast Du aufgrund der Empfehlung eines Freundes bzw. Booktubers/Bookstagram Accounts gekauft?

Auf Empfehlung nicht direkt, aber ein paar meiner Sub-Bücher bzw. Reihen, von denen Teile auf meinem Sub sind, habe ich Bände bei anderen Blogger:innen gesehen. Hierzu gehört beispielsweise die Stableford-Reihe.

7) Hast Du ein Buch, das Du hauptsächlich wegen des Covers gekauft hast und nicht weißt, ob es gut ist oder nicht?

Nein. Ich bin der Meinung, dass heute viele Cover gleich aussehen und auch wenn ich diese dann zwar ästhetisch wunderschön finde, heißt das doch, dass man sich auf das Aussehen nicht verlassen kann. Nur bei wenigen Covern kann man wirklich vom Aussehen auf den Inhalt des Buches schließen und das finde ich gut, schließlich ist das Cover ja das, was man beim Kauf als erstes sieht.

8) Gibt es ein Buch, das auf Deinem SUB ist, das Du Dir gekauft hast, obwohl Du viele negative Rezensionen gesehen hast?

Ich glaube nicht. Ich weiß zwar, dass ich hin und wieder anders über Bücher denke als „alle anderen“, aber häufig sehe ich auch die gleichen Schwächen und wäre so bei einem sehr negativ bewerteten Buch eher vorsichtig, außerdem kommt es natürlich auch immer darauf an, um welches Buch es geht. Wenn es mein Lieblingsautor ist, würde ich das Buch wohl trotz vieler negativer Rezensionen kaufen.

9) Hast Du ein Buch, das ein Spontankauf von Dir war?

Den Roman Der Frühjahrsputz von Jennifer Crusie war ein Spontankauf, weil ich zuvor noch nie etwas von dem Buch gehört hatte, es aber eigentlich ganz gut klang. Seitdem liegt es leider bisher ungelesen auf meinem Sub.

10) Gibt es ein Buch auf Deinem SUB, das bereits verfilmt wurde, oder noch verfilmt werden soll?

Prinzipiell lese ich eher selten Bücher, die schon verfilmt wurden oder noch verfilmt werden sollen. Eine Ausnahme sind hier sicherlich die vielen Christie-Krimis. Die wurden ja zum größten Teil bereits (teilweise sogar mehrfach) verfilmt. Aber ich schaue mir dann auch selten die entsprechenden Verfilmungen dazu an.

11) Hast Du Spin-offs auf dem SUB oder Fortsetzungsbände?

Fortsetzungsbände heißt wohl Reihentitel? Ja, habe ich. Zum einen ist da die Percy Jackson-Reihe, von der ich noch zwei Teile auf meinem Sub habe. Außerdem noch einige Detektiv-Conan-Bände, zwei Bände der Die Katze, die-Reihe von Lilian Jackson Braun und einen Band aus der Stableford-Reihe von Rob Reef. Aber auch noch ein paar andere.

12) Hast Du ein Ratgeberbuch, von dem Du Dir eine Veränderung in Deinem Leben erhoffst?

Nicht wirklich, nein. Ich kann mit Ratgebern nicht so viel anfangen und auch mit Bastel- oder Kochbüchern und ähnlichen Büchern kann ich wenig anfangen; oder zumindest wandern sie nicht auf meinen Sub.

13) Wie viele Bücher hast Du momentan auf dem SUB?

Ha! Gute Frage! Das ändert sich ziemlich häufig, aber das ist ja bestimmt bei vielen so. Derzeit versuche ich meinen Sub etwas schrumpfen zu lassen und versuche erst einmal unter 40 zu kommen, was manchmal gar nicht so einfach ist. Der derzeitige Stand ist 42, wobei sich das wohl zeitnah wieder ändert, denn ich bin mit ein paar Büchern schon relativ weit (ja, meistens lese/höre ich zwei oder drei Bücher mehr oder weniger parallel).

Wie sieht euer SuB derzeit so aus?

Liebe Grüße
Vanessa

Der Tote in der Badewanne von D. Sayers

Rezension: Der Tote in der Badewanne von Dorothy L. Sayers

Bei Der Tote in der Badewanne von Dorothy L. Sayers handelt es sich um den ersten Teil der Reihe um Lord Peter Wimsey.

Ich muss sagen, dass ich durch die Verweise auf andere Fälle ein paar Mal das Gefühl hatte, dass es sich bei diesem Krimi nicht um den ersten Teil der Reihe handelte und dann sogar nachgeschaut und mit Erstaunen festgestellt habe, dass es der erste Teil ist. Von diesen Verweisen sollte man sich also nicht zu sehr verunsichern lassen, aber ich habe für mich beschlossen, dass ich gerade deshalb versuchen werde, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Wimsey ist aus mehreren Gründen sympathisch: Eigentlich hat er genug Geld um nicht Detektiv spielen zu müssen, tut dies aber aus reiner Neugier, außerdem sammelt er antiquarische Bücher, was ihn erst recht sympathisch macht. Durch seinen guten Namen und seinen Stand schafft er es in viele Sprechzimmer vorzudringen, in die ein anderer nicht kommen würde, was ihm viele Möglichkeiten gibt. Besonders gut hat mir auch gefallen, dass er einen Großteil der Ermittlungsarbeit selbst übernimmt und sich selbst auch in die Höhle des Löwen wagt, aber gleichzeitig auch zwei treue Freunde an seiner Seite hat: Mervyn Bunter, seinen Diener und Charles Parker, einen Inspektor von Scotland Yard. Auch seine Mutter unterstützt – zumindest bis zu einem gewissen Grad – seine Detektivspiele und vermittelt ihm sogar diesen Fall.

Der Charakter von Lord Peter hat mich an einigen Stellen an Sherlock Holmes erinnert; sowohl seine Art zu reden, der Witz, aber auch seine Ermittlungsarbeit, sein Verhalten gegenüber seinen Freunden haben an den großen Meisterdetektiv erinnert. Hier könnte man sicherlich einige Parallelen ziehen

Besonders hervorheben möchte ich noch die Ermittlungsarbeit, die sich im gesamten Roman stetig entwickelt und durch Befragungen, aber auch durch eine Beweisaufnahme zur Feststellung des Täters führt. Die Komplexität sorgt natürlich dafür, dass nicht so leicht herausgefunden werden kann, was eigentlich geschehen ist. Erschwerend für die Ermittlungsarbeit kommt ein zweiter Fall hinzu, und dass die Zusammenhänger beider Fälle nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Ebenfalls gut gefallen hat mir die Befragungsmethode, die Sir Peter nutzt, um einem jungen Studenten zu helfen sich an vergangene Ereignisse zu erinnern, von denen er zuvor felsenfest behauptet hat, dass er sich an solche Details niemals erinnern könne. Er verweist dabei selbst auf die von Sokrates (mehrfach) erprobte Methode der Mäeutik oder auch Hebammenkunst. Dabei hilft der Fragesteller durch geschicktes Fragen dabei Erinnerungen wachzurufen, die der Antwortende zwar hat, aber nicht selbst darauf zugreifen kann.

Trotz aller Schwärmereien gibt es aber auch noch zwei Dinge, die mir weniger gut gefallen haben: Zum einen sind die Mordmethode und die Umstände des Mordes sehr brutal. Diese werden zwar erst gegen Ende näher erläutert, aber ich dachte, ich erwähne es hier dennoch mal. Auch wie die Studenten über ihre Forschungsobjekte sprechen, fand ich sehr respektlos.

Ein Thema des Krimis ist auch, dass das Opfer, das vermisst wird, Jude ist. Seine religiöse Zugehörigkeit wird thematisiert und ich finde die Äußerungen über ihn im Kontext seiner Religion und das Judentum nicht gerade respektvoll, möchte mir hier aber kein weiteres Urteil erlauben und diese Beobachtung hier nur erwähnen. Schließlich sollte man die Äußerungen der – vielleicht sogar verdächtigen – Figuren nicht mit der Autorenebene vermischen.

Was mich aber ganz massiv gestört hat, war die Wirrheit des Romans: Ich kann es nicht besser erklären als dass ich mir mehr Struktur in der Ermittlungsarbeit und einen schöneren roten Faden gewünscht hätte, weil ich nach dem Lesen das Gefühl hatte, dass noch einige lose Fäden unverknüpft sind.

Insgesamt hat mir Der Tote in der Badewanne, der übrigens auch unter dem verräterischen Titel Ein Toter zu wenig veröffentlicht wurde, sehr gut gefallen und ich werde auf jeden Fall auch den zweiten Teil der Lord Peter Wimsey-Reihe von Dorothy L. Sayers lesen.

Gemeinsam Lesen ·Leseaktionen

Gemeinsam Lesen #35

Hallo ihr Lieben,

wie jeden Dienstag – auch wenn ich nicht immer mitmache – stellen die Schlunzenbücher drei Fragen zu unserer aktuellen Lektüre und eine wechselnde:

 

  1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade Dreizehn Gäste von J. Jefferson Farjeon und bin auf Seite 65.

  1. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Er schaute die Steinplatten entlang. ‚Nein, das ist ein Studio.‘, erwiderte Pratt.“

  1. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Noch kann ich gar nicht so viel zum Buch sagen, weil ich irgendwie noch nicht so weit bin, aber es ist bisher noch kein Mord geschehen. Das erinnert natürlich direkt an die ganzen klassischen Kriminalromane wie beispielsweise von Agatha Christie, die sich ja oft etwas Zeit lassen, damit die Handlung ins Rollen kommen kann. Die 13 Gäste haben wir aber schon kennen gelernt. Der Stil ist sehr interessant. Ich weiß gar nicht genau wie ich ihn beschreiben soll, aber ich brauche immer ein paar Seiten um wieder reinzukommen. Dennoch gefällt mir die Geschichte bisher ganz gut.

  1. Auf welche Veröffentlichung freust du dich dieses Jahr noch besonders?

Die Frage ist für mich gar nicht so einfach zu beantworten, auch wenn ich sie ursprünglich mal gestellt hatte bzw. vorgeschlagen hatte. Ich freue mich noch auf die Veröffentlichung von Beth O’Learys Drive me crazy – Für die Liebe bitte wenden. Ich mochte von ihr Love to Share – Liebe ist die halbe Miete und Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe sehr und da hoffe ich natürlich, dass mir auch der neue Roman der Autorin gut gefällt. Für mich schafft O’Leary immer die perfekte Mischung zwischen Ernst und den Problemen der Charaktere und einer heiteren und leichten Erzählweise.

Auf welche Veröffentlichung fiebert ihr dieses Jahr noch hin?

Liebe Grüße
Vanessa

 

Detektiv Conan Band 11 von G. Aoyama ·Detektiv Conan Re-Read

Rezension: Detektiv Conan Band 11 von Gosho Aoyama

Der Fall im TV-Sender war recht interessant, da dort ein ziemlich komplex wirkender Trick angewendet wurde, um den Mord zu begehen. Solche aufwendigen Tricks sind immer spannend zu rekonstruieren und mit zu verfolgen. Genau aus diesem Grund ist mir der Fall auch im Gedächtnis geblieben. Etwas seltsam fand ich, dass Conan, obwohl er ja dauerhaft Angst haben muss von den Männern in Schwarz entdeckt zu werden, bereit war, Kogoro den Fall live im Fernsehen aufklären zu lassen. Das kam mir irgendwie nicht ganz stimmig vor.

Außerdem lernt man im elften Band Rans Mutter, Eri Kisaki, kennen, was den Band natürlich schon mal spannend macht. Rans Eltern sind seit ungefähr zehn Jahren geschieden und wir erfahren erst relativ spät warum die beiden getrennt sind. Ihren Charakter lernen wir nach und nach kennen, aber im ersten Aufritt von ihr kriegen wir schon mal einen guten Eindruck von ihr und wie sie sich und ihre Beziehung zu Ran und Kogoro in den nächsten Bänden und Fällen entwickeln wird. Das ist ja auch das schöne an den ersten Bänden, dass regelmäßig neue Charaktere hinzu kommen. Warum Ran bei ihrem Vater lebt und nicht bei ihrer Mutter ist mir aber bisher noch nicht klar geworden.

Der Fall im Tempel hat mir persönlich nicht so gut gefallen, obwohl ein Trick dahintersteckte, da der Leichnam des Oberpriester im Turm an der Decke aufgeknüpft war und der Täter aus dem abgeschlossenen Raum fliehen musste. Die Figuren im Tempel waren nicht sonderlich ausführlich gezeichnet und so hatte ich irgendwie Schwierigkeiten mich in die Tempelbewohner einzufühlen. Der Band hat nur zehn Kapitel, somit endet er nach diesem Fall, sodass man hier theoretisch, wenn man sich entscheidet, nicht weiterlesen zu wollen, hier aufhören könnte.

Alles in allem ist dieser Band 11 nicht großartig, sondern einfach durchschnittlich, denn wir lernen zwar Eri Kisaki kennen, aber wir haben auch den Fall im Tempel, der mir nicht gefallen hat und auch der Fall im TV-Sender, der zwar recht interessant war, konnte den Band nicht zu einem Highlight machen.

Hörbücher ·Mansfield Park von J. Austen

Inhaltsangabe: Mansfield Park von Jane Austen

Mansfield Park ist einer der großen Romane von Jane Austen, der Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Der Roman ist in der Familie um Fanny Price angesiedelt, allerdings gibt es etliche wichtige Figuren.

Relevant sind neben Fanny Price ihre Cousinen Julia, Maria und ihre Cousins Tom und Edmund, außerdem deren Eltern Lady und Sir Bertram und ihre andere Tante Mrs. Norris. Hinzu kommen irgendwann noch die Geschwister Crawford und Mr. Rushworth, außerdem ein Freund von Tom und Fannys Bruder William.

Fannys Mutter ist die Schwester von Lady Bertram und Mrs. Norris. Da sie aber einen armen Mann, Mr. Price, heiratete und daraufhin über 10 Kinder von ihm bekam, bittet sie ihre Schwester die Älteste, Fanny, im Alter von etwa 10 Jahren bei sich aufzunehmen. Fanny ist schüchtern und das große Haus ihrer wohlhabenden Verwandten schüchtert sie ein. In den nächsten Jahren lebt sie sich aber auf Mansfield Park gut ein und Edmund wird ihr ein treuer und freundlicher Begleiter.

Als die Kindergeneration im jungen Erwachsenenalter ist, beginnt die eigentliche Handlung des Romans:

Als eines Tages Sir Thomas für eine längere Zeit nach Antigua muss, und die anderen Familienmitglieder „sich selbst überlassen“ sind, lernen sie die Crawfords kennen. Sie sind die Geschwister von Mrs. Grant, der Ehefrau des Pfarrers von Mansfield Park, und bringen einiges an Unruhe in die kleine Gemeinschaft.

Maria verlobt sich beispielsweise mit dem etwas älteren Mr. Rushworth und gemeinsam mit den Geschwister Crawford machen sie einen Ausflug zu dessen Anwesen. Edmund macht mit Fanny und Mr. Crawford einen Spaziergang durch einen nahegelegenen Wald. Als Fanny müde eine Pause braucht, gewähren ihre Begleiter ihr diese, aber schnell wollen sie schon weitergehen und lassen Fanny zurück, die sich einfach abgestellt fühlt. Auch die andere Teilgruppe lässt sie links liegen als sie durch ein Törchen auf den nächstgelegenen Hügel spazieren und bei ihr vorbeikommen.

Auch ein zweites Ereignis ist besonders für die jüngeren wichtig. Gemeinsam mit Tom, dessen Freund, Mr. Rushworth, den anderen Bertram- und den Crawford-Geschwistern wollen sie ein Stück vorbereiten, das sie vor Lady Bertram aufführen wollen. Lange diskutieren sie darüber, welches Stück sie auswählen sollen. Edmund und Fanny halten sich zu Anfang raus, doch während Edmund seine Meinung ändert und ebenfalls eine Rolle übernimmt, fungiert Fanny nur als Souffleuse. Als Sir Bertram zurückkommt, beendet er die Aufführungsvorbereitungen.

Einige Zeit später beginnt Mr. Crawford damit, Fanny den Hof zu machen und als er bei ihrem Onkel vorspricht, um um ihre Hand zu bitten, wehrt sich Fanny dagegen. Auch nachdem er ihr zu ihren Eltern hinterherreist, möchte sie ihn noch nicht heiraten und kurze Zeit später stellt sich heraus, dass sie klug war, diese Entscheidung zu treffen, denn Mr. Crawford zeigt sein wahres Gesicht. Edmund ist schon seit einigen Monaten in Ms. Crawford verliebt, doch als sie erfährt, dass er Pfarrer werden möchte, hat sie kein gesteigertes Interesse mehr an ihm. Obwohl Fanny die Charakterfehler der jungen Frau sieht, scheint Edmund seine Augen komplett davor zu schließen bis er nicht mehr anders kann als ihren und den Charakter ihres Bruders zu erkennen.

Hörbücher ·Mansfield Park von J. Austen

Rezension: Mansfield Park von Jane Austen

Ich habe Mansfield Park von Jane Austen als Hörspiel gehört. Deshalb werde ich, wie bei den Hörbüchern auch, sowohl auf das Medium als auch auf den Inhalt eingehen.

Fanny Price ist ein sehr schüchterner Charakter und sie bleibt auch während der gesamten Romanhandlung ziemlich im Hintergrund, was auch an der Kürze des Hörspiels und der Menge der Figuren liegen kann. Dennoch fand ich Fanny sehr sympathisch. Sie ist nett, freundlich, gläubig und sehr moralisch, aber sie ist auch standhaft und setzt sich gegen ihren Onkel durch. Sie liebt ihre Familie und gerät auch ihrer Tante Mrs. Norris gegenüber niemals in Rage oder dergleichen, obwohl sie von der Frau – eigentlich grundlos – immer von oben herab behandelt wird.

Julia und Maria sind sehr arrogant, sie benehmen sich schlecht ihrer Cousine gegenüber beziehungsweise eigentlich scheinen sie kein wirkliches Verhältnis zueinander zu haben (auch das kann an der Kürze des Hörspiels liegen). Die beiden bilden sich etwas auf ihre Herkunft ein, benehmen sich aber sehr leichtsinnig und flirten herum, was in der damaligen Zeit unmoralisch war. Tom benimmt sich nicht besser und wird durch sein eigenes Verhalten sogar krank.

Mr. und Ms. Crawford benehmen sich ähnlich und scheinen sich ohne Rücksicht auf Verluste so zu verhalten. Ms. Crawford warnt ihren Bruder noch, dass sie das Verhalten Fanny gegenüber nicht so toll findet, aber das kümmert ihn nicht.

Auch das Geld, dass die Bertrams zur Verfügung haben, ist nicht auf ganz unproblematische Weise verdient, obwohl auch Fanny und Edmund davon profitieren. Sir Bertram scheint seine Nichte sehr ins Herz geschlossen zu haben, während Lady Bertram sie offenbar als angenehme Gesellschaft wahrnimmt und sie ihr am Ende, als sich ihre Tochter schlecht verhalten, ein Trost ist. Nur Mrs. Norris verhält sich Fanny gegenüber wie ein Drache. Sie demütigt sie und behandelt sie ständig schlecht, obwohl sie dazu keinen Grund hat, denn sie ist selbst finanziell auch nicht besonders gut gestellt und scheint vom Geld ihres Schwagers zu leben.

Die Handlung selbst hat mir ganz gut gefallen, obwohl oder vielleicht auch gerade, weil sie keine besonderen Höhepunkte hat, auf die sie zusteuert. Die Figuren kommen zusammen, entwickeln Beziehungen zueinander, vertreiben sich die Zeit miteinander und zerstreiten beziehungsweise trennen sich wieder. Natürlich geschieht einiges im Roman, der Besuch von William, der Ausflug zu Rushworth’ Haus und das Theaterstück, aber es bleibt alles in einem sehr häuslichen Rahmen. Dennoch fand ich die Handlung nicht langweilig; auch hier könnte das wieder mit der Kürzung für die Hörspiel-Fassung zusammenhängen.

Das Hörspiel selbst hat ein wunderschönes Cover. Ich finde, man sieht ihm direkt an, dass es sich hier um einen Backlist-Titel handelt, den man auch in einigen Jahren wahrscheinlich noch kaufen kann, was natürlich daran liegt, dass Austen immer aktuell ist und zur großen Literatur gehört. Die Idee eines Booklet fand ich ganz gut, aber ich fand den Text darin irgendwie seltsam. Er vergleicht die Figuren der Fanny Price aus Mansfield Park mit der der Elizabeth Bennet aus Stolz und Vorurteil. Und er versucht Mansfield Park (und Fanny) im Gesamtwerk (und den weiblichen Figuren) der Autorin einzuordnen. Mir wäre ein Text über den Inhalt lieber gewesen, weil ich am Anfang ein paar Schwierigkeiten hatte, reinzukommen.

Ich kannte Mansfield Park von Jane Austen noch nicht als ich das Hörspiel angefangen habe und ich habe auch noch nicht so viele Erfahrungen mit Hörspielen. Vielleicht lag es daran, dass ich am Anfang wirklich Schwierigkeiten hatte, in den Roman reinzukommen. Vor allem die große Anzahl der Figuren hat mir auch Schwierigkeiten bereitet, weil ich kaum die Stimmen auseinanderhalten konnte.

Ich habe es ja in meiner Rezension ein paar Mal angedeutet: Das Hörspiel ist stark gekürzt; immerhin hat der Roman etwa 570 Seiten und das Hörspiel nur etwas mehr als 4 Stunden. Das merkt man natürlich an der ein oder anderen Stelle, aber ich halte es dennoch für eine gute Hörspielbearbeitung, da man nirgendwo wirklich das Gefühl hat, dass wichtige Informationen fehlen.

Da das Hörspiel aber nur drei CDs umfasst, sind alle CDs sehr voll, was dazu führt, dass ich am Anfang Probleme mit dem Abspielen hatte. Nachdem ich das Abspielgerät gewechselt hatte, gab es aber keine solchen Probleme mehr.

Alles in allem hat mir das Hörspiel Mansfield Park von Jane Austen sehr gut gefallen und ich empfehle es sehr gerne weiter.

 

 

 

Danke an Den Hörverlag für das Hörspiel-Rezensionsexemplar!

Hörbücher ·Lebendige Schatten von C. Funke

Inhaltsangabe: Lebendige Schatten von Cornelia Funke

Lebendige Schatten ist der zweite Teil der Reckless-Reihe von Cornelia Funke. Jacob konnte im ersten Teil gerade so das Leben seines Bruders retten, doch der Preis war hoch: Die rote Fee hat ihn dazu gebracht, den Namen der dunklen Fee auszusprechen und ihn so verflucht. Eine Motte auf seiner Brust zeugt von diesem Fluch und mit jedem Biss der Motte vergisst er einen Buchstaben mehr des Namens der dunklen Fee. Sobald er alle Buchstaben vergessen hat, wirkt der Fluch und er stirbt.

Nachdem Fuchs und Jacob in den letzten Monaten alles mögliche versucht haben um den Fluch zu brechen, wobei Fuchs nicht erfährt worum es genau geht, erfährt Jacob von Evenaugh Valiant von einer Armbrust des Hexenschlächters. Wenn die Legenden stimmen, kann ein Pfeil von dieser Armbrust abgefeuert eine ganze Arme zum fallen bringen oder einen geliebten Menschen retten.

Fuchs und Jacob machen sich mit Valiant auf den Weg zur Grabkammer, die man bei Bauarbeiten der Zwerge gefunden hat. Dort finden sie heraus, dass der Leichnam des Hexenschlächters geteilt wurde; das Herz, die Hand und der Kopf befinden sich an anderen Orten. Setzt man den Leichnam wieder zusammen, erscheint das Schloss des Schlächters und mit diesem die Schätze und vor allem die Armbrust.

Es stellt sich heraus, dass der Kopf, die Hand und das Herz bei jeweils einem der Kinder versteckt waren. Und so ergeben sich erste Hinweise für die Suche. Während Jacob den Kopf findet und nur mit knapper Not ein Schiffsunglück überlebt, findet sein Schatzjägerkonkurrent dem Goyl Nerron die Hand. Nerron ist mit einem Wassermann, einem Prinzen und dessen Hauslehrer unterwegs, und obwohl Nerron von seinen Begleitern sehr genervt ist, ist er dennoch recht schnell und erfolgreich unterwegs.

Als Jacob und Fuchs gemeinsam auf dem Weg zum Herz sind, wird Fuchs von einem Blaubart entführt. Jacob folgt ihr gemeinsam mit Donnersmarck, der zwar immer noch sauer auf Jacob ist wegen der Bluthochzeit aus Band 1, der aber selbst seine Schwester an einen Blaubart verloren hat und deshalb gerne bereit ist, Jacob zu helfen. Gemeinsam dringen sie durch das Labyrinth bis zum Herrenhaus vor, wo Donnersmarck allerdings schwer verletzt wird. Jacob kann Fuchs befreien, was ihn selbst aber viel Kraft kostet und bringt den verwundeten Donnersmarck zu einer Kinderfresserin, die ihn heilen soll. Im Haus finden sie aber nicht nur Fuchs und die weiteren Opfer, sondern auch das Herz. Dort werden Fuchs und Jacob von Nerron überrascht, sodass Fuchs mit dem Herz flüchtet.

Jacob wird gefangen genommen und Fuchs trifft sich mit Valiant und gemeinsam verhandeln sie um die Freilassung von Jacob. Jacob und Fuchs können sich nach dem Aufeinandertreffen befreien, setzen den Leichnam zusammen. Doch auch die letzte Strecke der Reise ist gefährlich, denn der Hexenschlächter hätte seinen Kindern die Armbrust niemals gegönnt und hat so einige Fallen in der Stadt und auch im Schloss eingebaut, die Jacob und Fuchs noch viel Zeit kosten könnten; Zeit, die Jacob nicht hat.

Hörbücher ·Lebendige Schatten von C. Funke

Rezension: Lebendige Schatten von Cornelia Funke

Lebendige Schatten von Cornelia Funk ist der zweite Teil der Reckless-Reihe. Auch diesen Band habe ich als Hörbuch gehört.

Da die Handlung direkt an die Geschehnisse aus Band 1 anschließt (wenngleich es einen gewissen zeitlichen Abstand gibt) und auch die Figuren, deren Vorgeschichte, Beziehungen zueinander und die Welt nicht noch einmal ausführlich erklärt werden, sollte man die Reihe in der richtigen Reihenfolge lesen bzw. hören.

Ich fand es schade, dass Jacob Fuchs nichts von seinem Schicksal erzählt bis es unumgänglich ist, weil er keine Möglichkeit mehr weiß wie man den Fluch noch aufhalten könnte. Die beiden haben doch eigentlich ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis, wieso spricht er dann nicht mit ihr? Auch die Beziehung zwischen Fuchs und Jacob entwickelt sich weiter und es zeigen sich erste romantische Gefühle zwischen den beiden (von der Eifersucht mit der Fuchs Clara im ersten Band begegnet abgesehen).

An sich hat mir der Aufbau der Geschichte gut gefallen: Es gibt eine größere Aufgabe, die sich aus dem ersten Teil ergibt und um diese bewältigen zu können, müssen mehrere kleinere Aufgaben absolviert werden. Jacob muss die Armbrust finden, die seinen Tod verhindern soll, dazu braucht er das Herz, die Hand und den Kopf des Hexenschlächters, die er alle einzeln finden muss. Der Aufbau ist klar, logisch und sorgt für Spannung und hat mir deshalb gut gefallen.

Einzig die Sitestory mit dem Blaubart passte in dieses Schema nicht rein und da habe ich mich natürlich nach dem Zweck von dieser gefragt. Auf der einen Seite könnte sie dafür dagewesen sein, dass Jacob merkt, wie wichtig ihm Fuchs ist, auf der anderen Seite sollte ihn diese Geschichte vielleicht wieder mit Donnersmarck versöhnen, oder es ging darum, dass Earlking ihm aus der Klemme hilft.

Earlking ist ein komischer Kauz, den er in seiner Welt kennen gelernt hat, und der ihm sehr verdächtig vorkommt. Durch seine Visitenkarte lässt er ihm Botschaften zukommen und hilft beispielsweise Donnersmarck und Jacob aus dem Labyrinth zu kommen. Dass er Donnersmarck bei der Kinderfresserin zurücklässt, ging nicht anders, aber dass man bis zum Ende nichts mehr von ihm hört, fand ich sehr schade. Es wirkte fast so, als wäre da bei der Hörbuch-Version etwas weggekürzt worden oder als wolle man diese Nebenhandlung noch bis zum nächsten Band spannend halten, weil sie dort noch einmal wichtig wird. Auch bin ich gespannt wie die Geschichte mit Earlking weitergeht, denn ich habe da ja so den Verdacht, dass das die Handlung des dritten Bandes bestimmen könnte.

Ich hatte es beim ersten Band zwar schon einmal erwähnt, aber da sie mir auch beim zweiten Band gut gefallen haben, möchte ich an dieser Stelle noch einmal die musikalischen Zwischenspiele erwähnen. Diese passen für mich unglaublich gut zur Geschichte und machen das Hörbuch für mich zu einem besonderen Hörerlebnis. Gelesen wurde auch der zweite Band von Rainer Strecker, dessen Stimme für mich unglaublich gut zur Geschichte passt.

Aus dem ersten Band kennt man Valiant, Donnersmarck und auch Will und Clara. Diese haben zwar allesamt nur recht kurze Auftritte, aber sowohl Clara und Will als auch Valiant und Donnersmarck kommen zumindest kurz vor. Ich mag so etwas ganz gerne, weil man die Figuren bereits kennt und sich bei den meisten auch über ein Wiedersehen freut.

Alles in allem hat mir der zweite Reckless-Band Lebendige Schatten von Cornelia Funke eigentlich ganz gut gefallen, auch wenn mir leider immer noch nicht ganz klar ist, warum der zweite Band so heißt.

Bücherdämmerung

Der Buchhandel und seine Kunden – Von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Beziehungen von Detlef Bluhm

Vespasiano da Bisticci war ein bekannter und bedeutender Buchhändler in Florenz. Er war so bekannt, dass Fürsten, Könige, Bischöfe und alle anderen reichen und gebildeten Männer zu ihm kamen, damit er ihnen ihre Bibliotheken einrichtete. Bezüglich des Buchdrucks war er sehr skeptisch und äußerte sich auch dahingehend, dass seine Kunden sich schämen würden solch billig hergestellte Massenware in ihre Regale zu stellen. Auch heute gibt es Kritik: Durch die Digitalisierung würde die Fähigkeit, lineare Texte zu lesen, verschwinden, die Leistung des Gedächtnisses nachlassen, die Kommunikation verflachen, Verdummung zunehmen und die Buchästhetik leiden. Sicher ist, dass hierdurch auch die Chance für neue Produkte und Geschäftsmodelle entsteht. Die Buchbranche hat sich auf die Digitalisierung und das digitale Lesen nicht sonderlich gut eingestellt, sodass viele Internetunternehmen nun eine Vormachtstellung inne haben. Woher nehmen Leser:innen ihre Kaufpläne? Es gibt häufig Kund:innen, die sich in der Buchhandlung beraten lassen, die dann aber im Internet kaufen, aber es gibt auch viele andere Kund:innen, die im Internet recherchieren und dann in der Buchhandlung vor Ort ihre Bücher kaufen. Mit dem Onlinebuchhandel wird inzwischen aber auch ein guter Teil des Umsatzes gemacht. Es werden vor allem immer mehr belletristische Bücher digital gelesen. Der Kunde der Zukunft: Mobilität (zeitlich und räumlich), Besitz und zeitlich befristete Nutzung, Minimalismus und Shareeconomy, Zeitorientierung. Bluhm entwirft die Buchhandlung der Zukunft, die eher Treffpunkt und Veranstaltungsort als ökonomischer Betrieb ist. Auch ein kleiner E-Verlag hat sich per Zufall angeschlossen, weil sie die E-Books von Kund:innen als zweites Standbein digital publiziert. Die Buchhandlung bietet aber nicht nur Bücher und E-Books, sondern auch Kinofilme, Fernseh-Serien, Hörbücher, Musik und Spiele an, die man entweder kaufen oder mieten kann. Vernetzung mit Läden in der Nachbarschaft und so Bindung von Kund:innen an diese Geschäfte. Erfolgreich können solche Konzepte nur sein, wenn sie die digitale und die analoge Welt zusammenführen und das beste aus beiden vereinen.

Zitat Goethe: „Was ein Buch sey, bekümmert mich immer weniger; was es mir bringt, was es in mir aufregt, das ist die Hauptsache.“