Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Das letzte Problem von Sir Arthur Conan Doyle

Das letzte Problem ist die letzte Geschichte aus Die Memoiren des Sherlock Holmes von Sir Arthur Conan Doyle. Sherlock Holmes und Professor Moriarty treffen aufeinander! Holmes stellt Ermittlungen gegen seinen Erzfeind an und macht ihm damit das Leben schwer, natürlich lässt das der Professor nicht einfach auf sich sitzen und sucht Holmes auf. Er sagt ihm, dass er besser aufhören sollte, Ermittlungen gegen ihn anzustellen, denn wenn er damit weitermacht, wird ihm das nicht bekommen. Aber Holmes sagt, dass er nicht einfach damit aufhören kann und plötzlich häufen sich die Unfälle und seltsamen Zufälle. Eine Schindel fällt von einem Dach, als er gerade vorbei läuft, eine Droschke überfährt ihn beinahe als er gerade unterwegs ist und auf der Straße wird er von einem Straßenräuber überfallen. Watson und Holmes beschließen, dass es nach den bisher erfolgten Ermittlungen sinnvoll wäre, England für einige Tage zu verlassen. Watson kann mit seinem Freund verreisen, da er seine Patienten an einen Kollegen abgeben kann und seine Frau gerade unterwegs ist. Spät am Abend kommt Holmes und erzählt Watson also von den Vorkommnissen und gemeinsam beschließen sie nun in die Schweiz zu reisen. Da Moriarty es aber an Geisteskraft mit Sherlock aufnehmen kann, denkt sich dieser einen Plan aus, wie sie beide unbemerkt das Land verlassen können. Dabei werden sie, von Watson unentdeckt, sogar von Mycroft Holmes, Sherlocks Bruder, unterstützt. Gemeinsam schaffen sie es unbemerkt in die Schweiz zu kommen, doch als sie gemeinsam wandern wollen, kommt plötzlich ein Junge hinter ihnen her mit einer Nachricht an Dr. Watson. Im Gasthof sei eine Frau, die einen englischen Arzt wünsche, da sie selbst ebenfalls aus England stamme. Eigentlich möchte Watson seinen Freund nicht alleine lassen, aber da dieser von dem Jungen weiter begleitet werden soll, macht er sich doch auf den Rückweg. Als Watson zurück am Gasthof ist, erfährt er, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelte und es gar keine kranke Engländerin gibt und so rennt er zurück an die Reichenbachfälle. Doch dort findet er nur noch den Gehstock und einen Abschiedsbrief seines Freundes. Am Wegesrand, in dessen Abgrund die Reichenbachfälle sprudeln, findet Watson zertretene Büsche und keine Fußspuren, die zurückführen. So muss er seinen Freund für tot erklären.

Das letzte Problem wird ebenfalls unter den deutschen Titeln Der letzte Fall, Sein letzter Fall und Sherlock Holmes‘ Untergang veröffentlich und heißt im Original The Final Problem. So ist der Titel meiner Ausgabe diesmal tatsächlich relativ nah am originalen Titel, was nicht nur das Auffinden in den englischen Sammelbänden vereinfacht, sondern zusätzlich noch dafür sorgt, dass alle vier deutschen hier aufgeführten Titel so ähnlich klingen, dass man merkt, dass es sich um die gleiche Geschichte handelt.

Wenn man aber weiß wie die Geschichte heißt, dann kann diese Geschichte ja eigentlich nur auf zwei verschiedene Weisen enden: Entweder Sherlock Holmes stirbt oder er hängt seine Lupe an den Nagel und wird fortan keine Fälle mehr lösen. Tatsächlich kennt man ja inzwischen so viele Sherlock Holmes-Adaptionen und intertextuelle Verweise, dass man eigentlich weiß wie die Geschichte ausgeht. Hier sei beispielsweise Detektiv Conan erwähnt, wo Shinichi Kudo immer wieder von Sherlock Holmes erzählt und von seiner Sandkastenfreundin Ran sogar den Spitznamen Krimispinner bekommt.

Davon abgesehen welche besondere Stellung diese Geschichte im Werkekanon von Conan Doyle einnimmt, ist sie auch poetisch sehr schön. Ich habe bisher selten gedacht, dass mir der Schreibstil von Conan Doyle wirklich gut gefällt, weil er so malerisch und poetisch ist, aber hier war es tatsächlich anders. Der Autor beschreibt hier in sehr eindrucksvollen, sprachlichen Bildern wie Sherlock Holmes und Dr. John Watson den Wasserfall wahrnehmen und so kann selbst der Leser, der nicht weiß wie diese Geschichte enden wird, erahnen, wie wichtig die Reichenbachfälle im weiteren Verlauf werden.

Gerade auch wegen des sehr poetischen Endes und weil diese Geschichte unglaublich viel an sich hat (man sehe sich die Inhaltsbeschreibungen an), aber auch weil Professor Moriarty in dieser Geschichte fast ausschließlich auftaucht, ist Das letzte Problem besonders lesenswert. Was mich allerdings im Umkehrschluss auch ein bisschen gestört hat: Professor Moriarty taucht fast ausschließlich in Das letzte Problem auf und wirkt so arg konstruiert; hier wäre es schöner gewesen, wenn der Erzfeind vorher schon ein paar Mal auftaucht und so ein Mitfiebern zwischen den Kontrahenten möglich wird. Mir ist aber durchaus klar, dass dieses Vorgehen wohl an der ersten Veröffentlichungsform liegt, denn sie wurde wie viele weitere Geschichten das erste Mal in einer Literaturzeitschrift (im Strand Magazine) veröffentlicht.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der Marinevertrag von Sir Arthur Conan Doyle

Der Marinevertrag von Sir Arthur Conan Doyle ist wieder mal eine Geschichte, die unter diversen Titeln bekannt ist. Dazu später mehr. Sherlock Holmes wird dieses Mal gar nicht vom Klienten direkt beauftragt, sondern Dr. Watson erhält von einem ehemaligen Schulkameraden einen Brief. Watson bringt den Brief direkt zu Holmes und dieser entscheidet sich ziemlich schnell dafür, Watson und dessen ehemaligen Schulkameraden zu helfen. Percy Phelps war schon immer ein etwas strebsamerer Kerl und so arbeitet er inzwischen im Außenministerium. Er wurde gebeten einen Vertrag zwischen mehreren europäischen Parteien abzuschreiben. Der Vertrag wird ihm in einem Büro übergeben, als er alleine mit seinem Chef ist, auch kann sie niemand belauscht haben. Weiterhin haben beide niemandem von dem brisanten Auftrag erzählt und es war auch niemand im Gebäude, außer das Hausmeisterehepaar. Holmes verdächtig also die Frau, da diese sich sehr plötzlich auf den Heimweg begibt. Aber eine Sache findet er sehr verdächtig: Percy lag einige Wochen von Krankheit darnieder gestreckt und dennoch ist der Vertrag bisher nicht an die Öffentlichkeit gekommen. Holmes hat eine Idee was das bedeuten könnte, doch dafür muss er Percy aus der Schusslinie bringen und dessen Verlobte als Helferin einspannen. Kann er das wichtige Dokument zurückbekommen?

Der Marinevertrag ist auch noch untere folgenden anderen Titeln bekannt: Der Flottenvertrag, Das Geheimabkommen, Das Marineabkommen, Der geheime Marinevertrag, Der geheime Seerechtsvertrag. Dadurch wird es natürlich nicht leichter, die Geschichte online zu finden, denn ich habe unter „Der Marinevertrag“ wenig gefunden und habe dann unter dem bekannteren Titel Der Flottenvertrag gesucht. Im Englischen heißt die Geschichte übrigens The Naval Treaty.

Spannend fand ich an dieser Geschichte, dass Holmes nicht vom Klienten selbst beauftrag wird, sondern von Watson, der ihm den Brief bringt. Watson hatte den Brief auch nicht von seinem Schulkameraden direkt, sondern von dessen Verlobten bekommen. Die Verlobte hat den Brief nach dem Diktat geschrieben und beide – Holmes und Watson – bemerkten die schwungvolle, aber dennoch kraftvolle Handschrift der Frau. Dies hat aber keinen Einfluss auf die weitere Handlung.

Die Rätsel um den verschwundenen Vertrag scheinen Holmes aber mal wieder herauszufordern und sein Klient ist sich nicht sicher, ob der Detektiv überhaupt dazu in der Lage ist, nicht nur herauszufinden wer den Vertrag gestohlen hat, sondern auch diesen wiederzubeschaffen. Denn natürlich ist es nicht nur ein Sicherheitsrisiko, dass der Vertrag verschwunden ist und damit in Zusammenhang auch schlecht für Percy, sondern es bedeutet für ihn auch, dass er seinen Job verliert, weil er den Vertrag „verloren“ hat. Dabei scheint es keinerlei Rolle zu spielen, dass er für den Verlust überhaupt nichts kann, denn er hatte einen Kaffee bestellt und als ihm dieser nicht gebracht wurde, musste er hinuntergehen, um nachzusehen wo der Kaffee bleibt.

In diesem Kontext finde ich es seltsam, dass sehr viele Zufälle zusammenkommen. Percy bestellt Kaffee, aber dieser wird ihm nicht gebracht. Er wird immer müder und muss hinuntergehen, um nachzusehen, wo sein Kaffee ist. Gerade zu dem Zeitpunkt kommt der Dieb in sein Zimmer und stiehlt den Vertrag. Der Dieb ist wusste aber gar nichts von dem Vertrag, sondern heckte den Plan sehr kurzfristig aus. Insgesamt doch alles ein paar seltsame Zufälle, obwohl ich nicht ausschließen würde, dass so etwas nicht zufällig passieren kann.

Gerade diese ganzen Zufälle machen die Geschichte wieder etwas unglaubwürdiger und ich fragte mich auch, was am Ende mit Percy und seiner Verlobten geschieht, denn schließlich interessiere ich mich auch für das Schicksal meiner Protagonisten, dass der Autor hier relativ unerwähnt lässt. Dennoch hat mir Der Marinevertrag von Sir Arthur Conan Doyle recht gut gefallen und ich empfehle die Geschichte durchaus weiter.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der griechische Dolmetscher von Sir Arthur Conan Doyle

Holmes und Watson besuchen Mycroft Holmes, Sherlock Holmes‘ Bruder, in einem Club. Dort erfahren sie von Mycroft von einem neuen Fall, der Sherlocks Aufmerksamkeit fesselt. Ein griechischer Dolmetscher hatte ihm diese Geschichte zugetragen, die ihm selbst passiert ist, die ihm allerdings von der Polizei nicht geglaubt wird. Mr. Melas wurde von einem seltsamen Mann gekidnappt, wobei er sich erst einmal nicht so viel denkt, denn schließlich wird er als griechischer Dolmetscher häufig auch zu nächtlichen Zeiten zu Einsatzorten gerufen. Dass er aber bedroht wird und ihm unter Strafe gestellt wird, mit jemandem über seinen Auftrag zu sprechen, ist ihm noch nie geschehen. Er kommt in ein Landhaus, in dem ein ausgemergelter Mann irgendwelche Geheimnisse Preis geben soll. Dieser wehrt sich dagegen. Deshalb wird Mr. Melas zurückgebracht, kann aber die Füße nicht still halten und wird deshalb kurz nachdem er mit Holmes gesprochen hat, entführt. Nun müssen Holmes, Watson und Mycroft nicht nur herausfinden, was für seltsame Männer den armen Griechen und den Dolmetscher entführt hatten, sondern auch wo sich das Haus befindet, in das er damals gebracht worden war, denn die Detektive ahnen, dass Mr. Melas und der Grieche in Lebensgefahr schweben. Erreichen sie das Haus noch rechtzeitig?

Die Geschichte ist aus zwei Gründen relativ spannend: zum einen lernen wir endlich mal ein bisschen mehr über Sherlocks Vergangenheit und lernen mal Mycroft Holmes in Aktion kennen. Und zum anderen gibt es ein Detektivduo, das hier ermittelt. Natürlich ist der eine gar kein richtiger Detektiv, aber Mycrofts Fähigkeit Schlüsse zu ziehen steht der von Sherlock in nichts nach und so ermitteln sie gemeinsam. Watson kann am Anfang auch gar nicht glauben, dass es einen Menschen gibt, der vielleicht sogar noch besser im Schlussfolgerungen ziehen ist, denn von Mycroft hat er bisher noch nichts gehört. Sherlock erklärt das so, dass sein Bruder zwar besser im Kombinieren wäre, aber er nicht der Typ ist, der sich nach draußen begibt um seine Schlussfolgerungen zu überprüfen und dass er auch nicht der Typ ist, der überhaupt draußen weitere Informationen zusammenträgt. Dafür ist er zu gemütlich und dennoch macht er sich mit Sherlock auf die Suche nach dem Griechen.

Abgesehen davon finden wir aber viele bereits bekannte Motive: Sherlock wird engagiert ohne dass es ein richtiges Verbrechen oder einen Mord gibt. Er muss nun ermitteln und das seltsame Vorkommnis oder Rätsel lösen. Meistens steht hinter seltsamen Machenschaften eben doch ein Verbrechen und manchmal auch mehrere (wie hier beispielsweise auch). Es geht um zwei Entführungen, um Mord, um Erpressung und Raub. Natürlich schafft es nur Holmes alle Puzzleteile zusammenzusetzen, sodass er nicht nur herausfindet, wer die Täter sind und was sie im Schilde führen, sondern auch inwiefern ihre Taten mit Verbrechen in Zusammenhang stehen. Und was man bei Sherlock Holmes irgendwie auch nicht ganz selten findet: Er lässt die Verbrecher entkommen bzw. diese schaffen es, sich davonzustehlen. Doch sie haben die Rechnung ohne die Schwester des armen Griechen gemacht bzw. haben das Schicksal unterschätzt. Und auch wenn hier ein weiteres Unrecht geschehen sein könnte, meinen Holmes und Watson, dass sie damit nichts zu tun haben, denn schließlich ist es im Ausland passiert und somit außerhalb ihrer Reichweite.

Insgesamt ist Der griechische Dolmetscher von Sir Arthur Conan Doyle also alleine aufgrund des Auftauchens von Mycroft Holmes lesenswert, sodass ich die Geschichte gerne weiterempfehle.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der Doktor und sein Patient von Sir Arthur Conan Doyle

Der Doktor und sein Patient ist eine weitere Geschichte von Sir Arthur Conan Doyle, in der Sherlock Holmes und sein Freund Dr. Watson von einem Klienten engagiert werden. Dr. Percy Trevelyan ist Arzt und eigentlich hatte er keine Chance so schnell eine eigene Praxis zu eröffnen, obwohl er wirklich gut abgeschlossen hat. Er bekommt die Chance für einen Mann namens Blessington zu arbeiten. Dieser bietet ihm an, dass er sich um Praxisräume, Ausstattung, etc. kümmert. Die Einnahmen darf der junge Doktor bis auf ein bisschen was behalten, allerdings muss er Blessington rund um die Uhr als Arzt zur Verfügung stehen. Darauf lässt sich Trevelyan gerne ein und eine Zeit lang funktioniert dieses Arrangement ziemlich gut. Eines Tages taucht ein neuer Patient auf, ein älterer Russe, der zusammen mit seinem Sohn kommt. Beide kommen gerade als Blessington aus dem Haus ist, was Trevelyan nicht wirklich verdächtig vorkommt. Blessington hatte vor einigen Wochen schon einmal einen Zusammenbruch, doch in den letzten Wochen hatte er sich eigentlich beruhigt, doch als die beiden Russen weg sind, rastet Blessington wieder vollkommen aus. Sherlock Holmes wird dazu gebeten und soll ermitteln, doch er merkt schnell, dass man ihm Details vorenthält. Er weigert sich weiter zu ermitteln, schätzt aber, dass er bald wieder von dem Doktor und seinem Patienten hören wird. Schon am nächsten Morgen bekommt er Nachricht, dass sich Blessington erhängt haben soll. Der Polizist, der Vorort ist um zu ermitteln, kennt Holmes und so nimmt er es ihm nicht übel als dieser sagt, dass es sich nicht um Selbstmord, sondern um Mord handelt.

Die Geschichte Der Doktor und sein Patient wurde außerdem unter den Titeln Der Dauerpatient, Der niedergelassene Patient, Der Hauspatient und Die Brook-Street-Affäre veröffentlicht. Der Doktor und sein Patient gehört mit 10 anderen Fällen zu Die Memoiren des Sherlock Holmes. Ich finde es immer schwierig, wenn eine Geschichte unter vielen verschiedenen Namen veröffentlicht wurde. Bei den ersten vier Namen kann man ja noch rückschließen, dass es sich um ein und dieselbe Geschichte handelt. Aber Die Brook-Street-Affäre klingt nicht mal dem Namen nach ähnlich und macht es somit schwerer, herauszufinden, dass es sich hier um die gleiche Geschichte handelt (die dann ja vielleicht auch noch aus einer anderen Übersetzung besteht). Das ergibt Schwierigkeiten, wenn man sich mit dem Werk von Sir Arthur Conan Doyle auseinandersetzt.

Interessant ist an diesem Fall, dass Sherlock Holmes bisher selten einen Fall abgelehnt hat – auch wenn er dies hier nur vorübergehend tut. Holmes lehnt den Fall ab, weil er das Gefühl hat, dass ihm Dinge vorenthalten werden, was sich letztendlich sogar als wahr herausstellt. Da er ohne die volle Wahrheit nicht vernünftig seine Schlüsse ziehen kann, zieht er sich temporär von dem Fall zurück und natürlich kommt, was kommen musste: Blessington stirbt. Ich persönlich war erst einmal geschockt, denn wenn er von Anfang an ehrlich zu Holmes gewesen wäre, könnte er am nächsten Morgen noch leben.

Was außerdem interessant an dem Fall ist, ist, dass er mit einem früheren Kriminalfall zusammenhängt, der zwar nicht direkt mit Holmes und Watson zusammenhängt und von ihnen bearbeitet wurde, der aber dennoch massiv zur Aufklärung des Falles beiträgt. Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass die seltsamen Vorkommnisse im Hause des Doktors mit den beiden Russen in Zusammenhang stehen. Das kann man sich als Leser sehr schnell denken, schließlich gibt es keine anderen Verdächtigen.

Insgesamt ist Der Doktor und sein Patient von Sir Arthur Conan Doyle eine recht kurzweilige Geschichte, die aber wenig besonderes vereint und somit keine besondere, sondern bloß eine durchschnittliche Leseempfehlung von mir bekommt.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle kommt Holmes und Watson an einen Tatort in einem abgeschlossenen Raum. Die Hausangestellten hören einen Streit aus einem Zimmer und machen sich kurzentschlossen daran, durch die Fenster in das Zimmer einzusteigen. Im Zimmer finden sie den Hausherren mit grausig verzerrtem Gesicht und seine Ehefrau liegt ohnmächtig daneben. Natürlich fällt der Verdacht erst einmal auf die Ehefrau, doch Holmes und Watson entdecken bei ihren Untersuchungen seltsame Pfotenabdrücke im Raum und auch das Gerücht, das ein Krüppel in der Nähe des Tatorts gesehen wurde, scheint zumindest den Verdacht etwas von der Ehefrau abzurücken. Holmes und Watson erfahren von einer Freundin der Ehefrau, dass diese am Abend zufällig von einem Mann auf der Straße angesprochen wurde, den man durchaus als Krüppel bezeichnen könnte und sie bat sie dieses Zusammentreffen vor ihrem Ehemann geheim zu halten. Daran ist nach den Verdächtigungen natürlich nicht mehr zu denken. Und tatsächlich finden Holmes und Watson den Krüppel und dieser kann nicht nur eine interessante Geschichte zum Toten liefern, sondern kann auch weitere wertvolle Hinweise geben.

Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle ist eine etwas andere Geschichte des Autors, aber worin die Andersartigkeit genau besteht, kann ich hier nicht so genau erklären, weil das zu viel verrät und vermutlich verrät es auch schon recht viel, wenn ich a) sage, dass die Geschichte anders ist und b), dass ich nicht genau sagen kann, woran das liegt. Aber mit diesem Spoiler müsst ihr an der Stelle eben leben.

Davon abgesehen mochte ich an der Geschichte besonders, dass es sich um den Mord in einem halbwegs abgeschlossenen Zimmer handelt. Die Tür ist von innen abgeschlossen und der Schlüssel verschwindet, allerdings ist es noch möglich durch die Fenster in das Zimmer zu gelangen. Da der Schlüssel zum Zimmer fehlt, ist aber klar, dass noch eine dritte Person am Tatort gewesen sein muss, weil irgendwie der Schlüssel ja verschwunden sein muss.

Besonders interessant finde ich hier mal wieder, dass man am Anfang bei der Besichtigung des Tatorts einige Bröckchen hingeworfen bekommt als Leser und danach entscheiden muss, was in welcher Weise zusammenpasst. Natürlich merkt man am Ende, dass alles passt, aber am Anfang wirkt es eben überhaupt nicht so. Ein Krüppel wird gesehen und man findet seltsame Pfotenabdrücke, die Ehefrau und Hauptverdächtige streitet sich mit ihrem Mann, obwohl vorher eigentlich überhaupt nichts vorgefallen ist, das Zimmer wird abgeschlossen und der Schlüsse löst sich in Luft auf, der Mann hat ein grausig verzerrtes Gesicht, scheint ansonsten aber ziemlich unverletzt gewesen zu sein und die Frau fällt einfach in Ohnmacht. Alles in allem eine sehr merkwürdige Szenerie, aber nach und nach ergibt es eben Sinn, und so findet Holmes gemeinsam mit Watson heraus, was in dem abgeschlossenen Zimmer vorgefallen ist.

Obwohl ich an dieser Stelle nicht zu viel zum Tathergang sagen möchte, konnte ich mir den Gedanken nicht verkneifen, dass der Tote es irgendwie verdient hatte. Ja, eigentlich hat niemand den Tod verdient, aber so wie er sich verhalten hat und irgendwie könnte man schon sagen, dass ihn das Schicksal am Ende heimgesucht hat, denn er wurde für seine Grausamkeiten in der Vergangenheit mit dem Tod bestraftet. So ganz ungerechtfertigt war dieser Fall also nicht.

Insgesamt ist Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle eine interessante Geschichte, die mal einen etwas anderen Verlauf nimmt und deshalb in einer längeren Sammlung ein bisschen Abwechslung bietet und alleine schon deshalb lesenswert ist.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Die Gutsherren von Reigate von Sir Arthur Conan Doyle

In der Geschichte die Gutsherren von Reigate von Sir Arthur Conan Doyle ist eine Geschichte, in der Holmes und Watson zusammen nach Reigate fahren, nachdem Holmes einen Schwächeanfall hatte. Dort soll er sich eigentlich erholen, aber sie erfahren von einem Einbruch in der Nachbarschaft und bei einem zweiten Einbruch gibt es sogar ein Mordopfer, das offensichtlich den Einbrecher überrascht hat. Sherlock Holmes möchte an den Ort des Verbrechens gebracht werden und lässt sich von den beiden Einbruchsopfern alles genau zeigen. Gemeinsam mit dem Ermittler findet er heraus, wer nicht nur der Einbrecher war, sondern auch wer den Mann ermordet hat. Watson macht sich natürlich Sorgen um seinen Freund, doch er merkt, dass ihm der neue Fall recht gut tut.

Die Gutherren von Reigate sind mal etwas anders, weil Holmes und Watson sind unterwegs und stoßen dort auf einen Fall. Sonst ist es ja normalerweise anders: Holmes bekommt einen Auftrag von einem Klienten zugetragen. Danach fährt er gemeinsam mit Watson dann dorthin, wo es den Vorfall gab. Dieses Mal sind Watson oder Holmes schon Vorort. Auch zieht sich Holmes alleine zurück um den Fall zu untersuchen und lässt Watson zurück, sodass der weder kontrollieren kann wie es seinem Freund geht noch irgendwie in die Auflösung involviert wird.

Holmes wirkt durch diesen Schwächeanfall und die Notwendigkeit mal ein paar Tage in Urlaub zu fahren sehr menschlich; dies hat mir gut gefallen. Ich mochte es, dass er dadurch nicht wie der Übermensch erscheint, als der er sonst häufig dargestellt wird. Andererseits wirkt Holmes natürlich wieder besonders toll wenn es darum geht, dass er trotz seiner Schwäche wieder einmal einen Fall löst, obwohl die Polizei den Fall nicht lösen konnte. Vor allem ist er danach wieder so weit geheilt, dass er wieder zurück nach London fährt und dort weiter arbeiten kann.

Besonders interessant finde ich, dass hier ein Einbruch und ein Mord verknüpft sind. Holmes kommt natürlich dahinter, dass diese beiden Vorfälle zusammenhängen und dass das Motiv der Einbrechers ganz woanders herrührt, denn er stiehlt ausgesprochen komische Gegenstände wie beispielsweise Garn. So liegt es natürlich nahe, dass es dem Einbrecher niemals um finanzielle Dinge ging, sondern dass er ein anderes Motiv haben muss. Doch dieses muss man sich erst einmal herleiten und natürlich auch die ganzen Hintergrundinformationen bereits kennen, bevor man die Schlussfolgerungen, die Holmes gezogen hat, ziehen kann.

Insgesamt mochte ich die Geschichte Die Gutsherren von Reigate, die auch unter dem Titel Die Junker von Reigate veröffentlicht wurde, relativ gerne und empfehle sie gerne weiter. Vor allem weil Holmes hier endlich mal richtig menschlich wirkt und ich ihn in dieser Geschichte besonders lieb gewonnen habe, wobei er seine Schwäche auch schamlos ausnutzt, um mithilfe mehrerer Tricks den Mörder zu entlarven.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der Katechismus der Familie Musgrave von Sir Arthur Conan Doyle

Watson bittet Holmes ihre gemeinsame Wohnung mal ein bisschen aufzuräumen, was Holmes widerwillig machen möchte. Dabei zeigt er seinem Freund die Akten alter Fälle als sie noch nicht zusammenarbeiteten. Holmes erzählt davon wie ihn Reginald Musgrave, mit dem Holmes zusammen auf die Universität ging, mit einer sehr seltsamen Angelegenheit beauftragte. Brunton ist der Hausmeister des Hauses Hurlstone und eigentlich viel zu klug für diesen Job. Dennoch war er sehr lange für die Familie Musgrave tätig. Umso seltsamer ist es, dass er nach so vielen Jahren in ihrem Dienst plötzlich anfing in persönlichen Papieren der Familien herumzustöbern. Musgrave entlässt ihn, gibt ihm aber ein bisschen Zeit, seine Dinge zu klären und den anderen Hausangestellten zu erklären warum er geht. Plötzlich verschwindet der Mann spurlos und kurz darauf auch noch eines der Hausmädchen, mit dem Brunton erst vor kurzem die Verlobung gelöst hatte. Holmes fährt mit seinem ehemaligen Kommilitonen zu dessen Haus und bekommt dort Einblick in die Papiere, die Brunton eingesehen hat: Der Katechismus der Familie Musgrave. Dieser besteht aus vielen seltsamen Fragen und verworrenen Antworten und jeder Musgrave muss seit Jahrhunderten diesen Katechismus auswendig lernen. Brunton kommt dahinter, dass der Katechismus mit seinen Fragen und den Antworten darauf eigentlich eine Art Karte zu einem verborgenen Schatz ist. Brunton scheint diesem Schatz auf die Spur gekommen zu sein und so finden sie seine Leiche in der Kammer, in der der Schatz versteckt war. Doch wo ist der Schatz hin und was genau war der Schatz? Und wo ist das Hausmädchen hin? Hat sie etwas mit dem Leichnam des Hausmeisters zu tun?

Hier ist die Inhaltsangabe recht lang geworden, weil in dieser Geschichte ziemlich viel geschieht, was man auch ein bisschen genauer beschreiben muss. Zum einen ist Der Katechismus der Familie Musgrave am Anfang nicht so klar zu lösen und auch am Ende bleibt die Frage, ob Holmes mit seinen Schlussfolgerungen Recht hat offen, denn er kann seine Schlüsse nicht beweisen, hat keine Zeugen dafür und findet weder das Hausmädchen noch den Schatz. Für mich gab es neben Holmes‘ Schlussfolgerungen noch eine zweite Möglichkeit, auf die Holmes gar nicht eingeht. Mich stört es immer, wenn die Fälle am Ende nicht aufgelöst werden. Ja klar manchmal stimme ich nicht mit dem Detektiv überein, weil die Ergebnisse häufig ein bisschen aus der Luft gegriffen wirken (vor allem bei den Sherlock Holmes-Kurzgeschichten ist mir das schon öfter aufgefallen), aber dann gibt es meistens eine Lösung.

Außerdem erfährt man als Holmes-Fan hier wieder etwas über den Protagonisten. Man erfährt ein paar weitere Einzelheiten zur Studienzeit von Holmes und man erfährt von seinem Verhältnis zu diesem Kommilitonen. Insofern passt diese Geschichte ganz gut zu ihrem Vorgänger, in dem es um den ersten Fall von Holmes geht. Seltsam ist in diesem Kontext nur, dass Holmes und Watson hier noch zusammen zu wohnen scheinen und in der Geschichte davor hatte Watson gerade einige Monate vorher geheiratet und wohnt somit nicht mehr mit dem Detektiv zusammen. Dies fand ich seltsam. Die Aufzeichnungen von Watson scheinen somit nicht chronologisch zu sein und auch die Zusammenstellung scheint nicht „in der Gegenwart“ chronologisch stattzufinden. Für mich was das eine Unstimmigkeit in dem Kurzgeschichtenband.

Insgesamt ist Der Katechismus der Familie Musgrave mal wieder eine Geschichte mit einem Zeitsprung, somit wird der Mord und die seltsamen Rätsel sozusagen hinterher noch einmal aufgelöst, weil Holmes seinem Freund davon erzählt. Watson kommt deshalb leider kaum vor, obwohl ich ihn eigentlich recht gerne habe. Dennoch ist diese Geschichte interessant und liefert mehr Einblicke in die Figur Sherlock Holmes.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle

Diese Geschichte Holmes‘ erstes Abenteuer ist auch unter dem Namen Die Gloria Scott bekannt. In meiner Ausgabe heißt sie allerdings Holmes‘ erstes Abenteuer. Holmes erzählt Watson Jahre später von seinem Abenteuer, indem er ihm eine Reihe von Papieren vorlegt. Damals besuchte Holmes einen Freund, den er auf der Universität kennenlernte, in seinen Ferien. Der Vater des Freundes wird von einem Fremden bedroht und nachdem Holmes abreist, liegt dieser Vater im Sterben. Victor Trevor bittet Holmes zurückzukommen und mit ihm den Fall um diesen bedrohlichen Fremden aufzuklären, denn er macht ihn für den nahen Tod seines Vaters verantwortlich. Sein Vater hinterlässt Victor einen langen Brief, in dem er ihm erklärt, woher sie ihr vieles Geld haben und warum er den Besuch des Fremden so sehr gefürchtet hat. Auf dem Gefangenenschiff Gloria Scott sollte Mr. Trevor nach Australien verschifft werden, doch an Bord geschah ein Ausbruchsversuch…

Diese Geschichte spielt auf drei Zeitachsen. Zum einen ist da die Gegenwartsachse. Holmes erzählt Watson von seinem ersten Fall, aber diese Erzählung ist nur relativ kurz und somit geht es ziemlich schnell in die Vergangenheit. Der zweite Teil spielt in der Vergangenheit, allerdings ist diese „erst“ 10 Jahre oder so her. Holmes erzählt von seiner Studienzeit und erzählt dabei auch besonders von seinem Freund Victor Trevor und von seinem Besuch bei dessen Familie. Die dritte Zeitspanne spielt noch einmal 30 Jahre oder so früher. Sie spielt in den frühen Erwachsenenjahren des Vaters von Victor. Diese Zeitachse wird mithilfe eines Briefes beschrieben und lässt somit keinerlei Rückfragen zu. Sein Vater ist zum Zeitpunkt als Holmes und Victor den Brief lesen bereits tot. Dieses Spiel mit den verschiedenen Zeiten hat mir gut gefallen und es wirkt auch nicht so verwirrend, weil die Figuren nicht die selben sind, wobei Holmes natürlich in zwei verschiedenen „Zeiten“ seine Erlebnisse schildert.

Außerdem mochte ich, dass man wieder mehr über Holmes erfährt. Man bekommt nach einigen Geschichte so das Gefühl, dass man immer mehr über Holmes weiß. Mit jeder Geschichte wird ein kleines Stückchen zum Puzzle des Charakters Sherlock Holmes zusammengesetzt. Das macht es natürlich für richtige Holmes-Fans schwierig oder im umgekehrten Fall besonders interessant alle Fälle von Holmes zu lesen oder sie beinahe schon zu studieren. Gleichzeitig erfährt man auch noch etwas über die Beziehung zwischen Holmes und Watson, da sich in der Gegenwart beide ja darüber unterhalten, dass man noch mehr Aufzeichnungen anfertigen könnte und Holmes scheint das richtig zu gefallen.

Was mir an einigen Stellen aufgefallen ist, sind die Titel der Geschichten. Ich finde es schrecklich, wenn manche Geschichten komplett andere Namen als im Original oder in der bekanntesten Übersetzung haben. So auch bei dieser Geschichte. Die Gloria Scott hat mit Holmes‘ erstes Abenteuer wenig zu tun und man kommt auf den ersten Blick nicht mal darauf, warum diese Geschichten solche verschiedenen Namen haben und wie man auf die diversen Namen kommt. Holmes‘ erstes Abenteuer ist ja noch relativ logisch, denn es handelt sich hier tatsächlich um Holmes‘ erstes Abenteuer. Gloria Scott war das Schiff, das den Vater des Freundes nach Australien bringen sollte. Somit ist auch dieser Name relativ logisch, aber man muss erst einmal darauf kommen.

Insgesamt hat die Geschichte über Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle den ungemeinen Vorteil, dass man etwas mehr über Holmes‘ Vergangenheit und seinen Charakter (er schildert beispielsweise, dass er schon in jungen Jahren wenige Freunde hatte) erfährt. Deshalb empfehle ich die Geschichte, wenngleich sie inhaltlich und was den Fall betrifft nicht wirklich interessant ist und wenig kriminalistischen Spürsinn von Seiten unseres Detektivs erfordert gerne weiter.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle

Watson ist gerade frisch verheiratet und so haben er und sein Freund sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen. Watson arbeitet in seiner neuen Praxis so viel, deshalb kommt er nicht dazu, Holmes zu besuchen und dieser besucht höchst selten andere in privaten Angelegenheiten. Holmes kommt Watson besuchen und bittet ihn, ihm bei einem neuen Fall zu helfen. Watson willigt freudig ein, denn er hat die Abenteuer mit seinem Freund vermisst. Hall Pycroft bittet Holmes ein Rätsel für ihn zu lösen. Er wurde von einer Finanzfirma eingestellt, die Bezahlung ist super. Doch die Aufgaben sind seltsam. Er soll eine Liste mit Kontakten zusammenstellen, für die er sehr lange braucht. Irgendwie wirkt es wie Beschäftigungstherapie. Pycroft stellt seinem Chef, Mr. Pinner, Holmes und Watson unter falschem Namen vor, sodass diese dem Mann ein bisschen auf den Zahn fühlen können. Holmes kommt dahinter: Für ihn kann es nur einen Grund geben, warum Pinner ihn von seiner eigentlichen Stellung ferngehalten und ihn selbst eingestellt hat.

Hier handelt es sich mal wieder um eine Geschichte, in der eine seltsame Stellung vergeben wird. Für Holmes muss dies besondere Beweggründe haben, sodass er diese Tatsache als Ermittlungsansatz verwendet. Für den Leser ist auch schnell klar, dass da irgendetwas dahintersteckt, schließlich zahlt niemand einem jungen Mann ein halbes Vermögen für eigentlich ziemlich überflüssige Aufgaben, die eher nach Beschäftigungstherapie klingen als nach einer sinnvollen Beschäftigung.

Die Geschichte an sich ist also nicht besonders spannend, aber einige Elemente sind durchaus bekannt. Wie bei Christie hat man auch bei Doyle das Gefühl, dass er bekannte Motive immer wieder neu variiert. Das ist auf der einen Seite natürlich schade, auf der anderen ist es auch spannend und vor allem die Verbindungen zwischen den Geschichten aufzuzeigen, interessieren mich. Leider bin ich im Werkekanon von Doyle nicht so bewandert, um diese Verbindungen aufzeichnen zu können.

Darüber hinaus finde ich aber den Anfang der Geschichte besonders interessant, da man dort ein bisschen was über die Geschichte von Holmes und Watson erfährt. Man kann erahnen wie die Beziehung der beiden funktioniert, denn Watson kann seinen Freund Holmes die ersten Monate nach der Hochzeit nicht besuchen und so sehen sich die beiden nicht, weil Holmes auch nicht auf die Idee kommt, ihn zu besuchen. Als sie sich aber wieder sehen, scheinen beide glücklich darüber zu sein, wenngleich Holmes wirkt, als hätte er Angst von seinem Freund aufgrund von dessen Ehe zurückgewiesen zu werden. Auch erfährt man mal wieder etwas von den Aufzeichnungen, die Watson über ihre gemeinsamen Abenteuer anfertigt. Er beschreibt, dass er erst kürzlich einige ältere Abenteuer verschriftlicht habe und dass er durchaus gewillt sei, auch zukünftig solche Abenteuer mit ihm zu erleben. Hier merkt man, dass da eine gegenseitige Männerfreundschaft besteht. Watson ist nicht derjenige, der unterwürfig an Holmes‘ Lippen hängt und wartet bis dieser ihn zu sich ruft, sondern die Beziehung wirkte für mich ebenbürtiger als man sonst so das Gefühl hat und als man in Adaptionen der beiden Figuren sonst so spürt.

Insgesamt hat mir die Geschichte Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle durchaus gefallen, wenngleich sie für mich nicht zu den stärksten Geschichten aus dem Holmes-Kanon gehört, dennoch gefiel sie mir aufgrund der Details zur Beziehung der beiden Hauptcharaktere nicht schlecht und gerade aus letzterem Grund würde ich sie weiterempfehlen.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle geht es um Grant Munro, der eigentlich eine glückliche Ehe führt. Seine Frau war vorher schon einmal verheiratet, allerdings sind ihre Tochter und ihr Mann damals gestorben. Sie kam danach nach England, wo sie ihren jetzigen Mann kennenlernte. Gleichzeitig geschehen auch in der Nachbarschaft des Mannes seltsame Dinge: Ein lange leer stehendes Haus wird erneut vermietet, doch als er sich vorstellen möchte, wird er von einer Haushälterin abgewiesen. Seine Frau interessiert sich aber für das Haus. Nachts verschwindet sie zusätzlich auf einmal und schleicht sich heimlich aus dem Haus. Er bekommt das zwar mit, stellt sie aber erst zur Rede als sie wiederkommt, wobei sie ihm eine fadenscheinige Ausrede liefert. Sie hat ihn mehrfach gebeten, es auf sich beruhen zu lassen, und dass sie ihm alles mitteilen wird sobald sie kann. Munro kann es aber nicht einfach auf sich beruhen lassen und so engagiert er Holmes um den Fall zu lösen. Dieser hat auch sofort einen Verdacht, was die Frau vor ihrem Mann verbirgt. Doch dieses Mal hat er nicht Recht damit…

Obwohl ich nicht zu viel verraten will, möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass Holmes am Ende nicht wusste, was eigentlich vor sich geht. Er hat einen Verdacht und mit diesem begleitet er gemeinsam mit Watson den Klienten, allerdings stellt sich dann vor Ort heraus, dass er danebengetippt hat. Das kann ja auch den Besten mal passieren. Aber es machte mir Holmes sehr viel sympathischer. Er hätte es tatsächlich besser wissen können, wenn er einfach mal alle Details bedacht hätte und diese zusammengesetzt hätte. Das was am Ende herauskam, war eigentlich die einzig mögliche Lösung. (Ihr erratet: Ich habe dieses Mal tatsächlich richtig getippt).

Die Geschichte entsprach aber dem normalen Schema. Watson und Holmes werden engagiert, um einen Fall zu lösen. Dafür kommt der Klient zu ihnen und trägt ihnen sein Anliegen vor. Meistens sind es ja in den Zeitungen bereits bekannte Fälle, das war dieses Mal anders. Aber abgesehen davon liegt auch hier eine seltsame Angelegenheit vor. Diese Angelegenheit scheint auf den ersten Blick nicht logisch erschließbar, obwohl die Puzzleteile eigentlich alle vor dem Klienten liegen und dieser sie nur an den richtigen Platz legen müsste, dann würde sich ein Gesamtbild ergeben. Aber den Klienten gelingt dies nicht und so wird Holmes gebraucht, um den Fall zu lösen.

Möglicherweise kann Holmes hier nicht richtig schlussfolgern, weil sein Klient dann sehr plötzlich die Konfrontation mit seiner Frau sucht, sodass Holmes ihn eigentlich nur als Vermittler begleiten möchte.

Insgesamt macht dieser Fall um Das gelbe Gesicht (das übrigens am Fenster des Nachbarhauses den armen Munro in Angst und Schrecken versetzt) von Sir Arthur Conan Doyle den Protagonisten deutlich sympathischer und ich kann ihn nur empfehlen.