Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle

Diese Geschichte Holmes‘ erstes Abenteuer ist auch unter dem Namen Die Gloria Scott bekannt. In meiner Ausgabe heißt sie allerdings Holmes‘ erstes Abenteuer. Holmes erzählt Watson Jahre später von seinem Abenteuer, indem er ihm eine Reihe von Papieren vorlegt. Damals besuchte Holmes einen Freund, den er auf der Universität kennenlernte, in seinen Ferien. Der Vater des Freundes wird von einem Fremden bedroht und nachdem Holmes abreist, liegt dieser Vater im Sterben. Victor Trevor bittet Holmes zurückzukommen und mit ihm den Fall um diesen bedrohlichen Fremden aufzuklären, denn er macht ihn für den nahen Tod seines Vaters verantwortlich. Sein Vater hinterlässt Victor einen langen Brief, in dem er ihm erklärt, woher sie ihr vieles Geld haben und warum er den Besuch des Fremden so sehr gefürchtet hat. Auf dem Gefangenenschiff Gloria Scott sollte Mr. Trevor nach Australien verschifft werden, doch an Bord geschah ein Ausbruchsversuch…

Diese Geschichte spielt auf drei Zeitachsen. Zum einen ist da die Gegenwartsachse. Holmes erzählt Watson von seinem ersten Fall, aber diese Erzählung ist nur relativ kurz und somit geht es ziemlich schnell in die Vergangenheit. Der zweite Teil spielt in der Vergangenheit, allerdings ist diese „erst“ 10 Jahre oder so her. Holmes erzählt von seiner Studienzeit und erzählt dabei auch besonders von seinem Freund Victor Trevor und von seinem Besuch bei dessen Familie. Die dritte Zeitspanne spielt noch einmal 30 Jahre oder so früher. Sie spielt in den frühen Erwachsenenjahren des Vaters von Victor. Diese Zeitachse wird mithilfe eines Briefes beschrieben und lässt somit keinerlei Rückfragen zu. Sein Vater ist zum Zeitpunkt als Holmes und Victor den Brief lesen bereits tot. Dieses Spiel mit den verschiedenen Zeiten hat mir gut gefallen und es wirkt auch nicht so verwirrend, weil die Figuren nicht die selben sind, wobei Holmes natürlich in zwei verschiedenen „Zeiten“ seine Erlebnisse schildert.

Außerdem mochte ich, dass man wieder mehr über Holmes erfährt. Man bekommt nach einigen Geschichte so das Gefühl, dass man immer mehr über Holmes weiß. Mit jeder Geschichte wird ein kleines Stückchen zum Puzzle des Charakters Sherlock Holmes zusammengesetzt. Das macht es natürlich für richtige Holmes-Fans schwierig oder im umgekehrten Fall besonders interessant alle Fälle von Holmes zu lesen oder sie beinahe schon zu studieren. Gleichzeitig erfährt man auch noch etwas über die Beziehung zwischen Holmes und Watson, da sich in der Gegenwart beide ja darüber unterhalten, dass man noch mehr Aufzeichnungen anfertigen könnte und Holmes scheint das richtig zu gefallen.

Was mir an einigen Stellen aufgefallen ist, sind die Titel der Geschichten. Ich finde es schrecklich, wenn manche Geschichten komplett andere Namen als im Original oder in der bekanntesten Übersetzung haben. So auch bei dieser Geschichte. Die Gloria Scott hat mit Holmes‘ erstes Abenteuer wenig zu tun und man kommt auf den ersten Blick nicht mal darauf, warum diese Geschichten solche verschiedenen Namen haben und wie man auf die diversen Namen kommt. Holmes‘ erstes Abenteuer ist ja noch relativ logisch, denn es handelt sich hier tatsächlich um Holmes‘ erstes Abenteuer. Gloria Scott war das Schiff, das den Vater des Freundes nach Australien bringen sollte. Somit ist auch dieser Name relativ logisch, aber man muss erst einmal darauf kommen.

Insgesamt hat die Geschichte über Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle den ungemeinen Vorteil, dass man etwas mehr über Holmes‘ Vergangenheit und seinen Charakter (er schildert beispielsweise, dass er schon in jungen Jahren wenige Freunde hatte) erfährt. Deshalb empfehle ich die Geschichte, wenngleich sie inhaltlich und was den Fall betrifft nicht wirklich interessant ist und wenig kriminalistischen Spürsinn von Seiten unseres Detektivs erfordert gerne weiter.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle

Watson ist gerade frisch verheiratet und so haben er und sein Freund sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen. Watson arbeitet in seiner neuen Praxis so viel, deshalb kommt er nicht dazu, Holmes zu besuchen und dieser besucht höchst selten andere in privaten Angelegenheiten. Holmes kommt Watson besuchen und bittet ihn, ihm bei einem neuen Fall zu helfen. Watson willigt freudig ein, denn er hat die Abenteuer mit seinem Freund vermisst. Hall Pycroft bittet Holmes ein Rätsel für ihn zu lösen. Er wurde von einer Finanzfirma eingestellt, die Bezahlung ist super. Doch die Aufgaben sind seltsam. Er soll eine Liste mit Kontakten zusammenstellen, für die er sehr lange braucht. Irgendwie wirkt es wie Beschäftigungstherapie. Pycroft stellt seinem Chef, Mr. Pinner, Holmes und Watson unter falschem Namen vor, sodass diese dem Mann ein bisschen auf den Zahn fühlen können. Holmes kommt dahinter: Für ihn kann es nur einen Grund geben, warum Pinner ihn von seiner eigentlichen Stellung ferngehalten und ihn selbst eingestellt hat.

Hier handelt es sich mal wieder um eine Geschichte, in der eine seltsame Stellung vergeben wird. Für Holmes muss dies besondere Beweggründe haben, sodass er diese Tatsache als Ermittlungsansatz verwendet. Für den Leser ist auch schnell klar, dass da irgendetwas dahintersteckt, schließlich zahlt niemand einem jungen Mann ein halbes Vermögen für eigentlich ziemlich überflüssige Aufgaben, die eher nach Beschäftigungstherapie klingen als nach einer sinnvollen Beschäftigung.

Die Geschichte an sich ist also nicht besonders spannend, aber einige Elemente sind durchaus bekannt. Wie bei Christie hat man auch bei Doyle das Gefühl, dass er bekannte Motive immer wieder neu variiert. Das ist auf der einen Seite natürlich schade, auf der anderen ist es auch spannend und vor allem die Verbindungen zwischen den Geschichten aufzuzeigen, interessieren mich. Leider bin ich im Werkekanon von Doyle nicht so bewandert, um diese Verbindungen aufzeichnen zu können.

Darüber hinaus finde ich aber den Anfang der Geschichte besonders interessant, da man dort ein bisschen was über die Geschichte von Holmes und Watson erfährt. Man kann erahnen wie die Beziehung der beiden funktioniert, denn Watson kann seinen Freund Holmes die ersten Monate nach der Hochzeit nicht besuchen und so sehen sich die beiden nicht, weil Holmes auch nicht auf die Idee kommt, ihn zu besuchen. Als sie sich aber wieder sehen, scheinen beide glücklich darüber zu sein, wenngleich Holmes wirkt, als hätte er Angst von seinem Freund aufgrund von dessen Ehe zurückgewiesen zu werden. Auch erfährt man mal wieder etwas von den Aufzeichnungen, die Watson über ihre gemeinsamen Abenteuer anfertigt. Er beschreibt, dass er erst kürzlich einige ältere Abenteuer verschriftlicht habe und dass er durchaus gewillt sei, auch zukünftig solche Abenteuer mit ihm zu erleben. Hier merkt man, dass da eine gegenseitige Männerfreundschaft besteht. Watson ist nicht derjenige, der unterwürfig an Holmes‘ Lippen hängt und wartet bis dieser ihn zu sich ruft, sondern die Beziehung wirkte für mich ebenbürtiger als man sonst so das Gefühl hat und als man in Adaptionen der beiden Figuren sonst so spürt.

Insgesamt hat mir die Geschichte Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle durchaus gefallen, wenngleich sie für mich nicht zu den stärksten Geschichten aus dem Holmes-Kanon gehört, dennoch gefiel sie mir aufgrund der Details zur Beziehung der beiden Hauptcharaktere nicht schlecht und gerade aus letzterem Grund würde ich sie weiterempfehlen.

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Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle geht es um Grant Munro, der eigentlich eine glückliche Ehe führt. Seine Frau war vorher schon einmal verheiratet, allerdings sind ihre Tochter und ihr Mann damals gestorben. Sie kam danach nach England, wo sie ihren jetzigen Mann kennenlernte. Gleichzeitig geschehen auch in der Nachbarschaft des Mannes seltsame Dinge: Ein lange leer stehendes Haus wird erneut vermietet, doch als er sich vorstellen möchte, wird er von einer Haushälterin abgewiesen. Seine Frau interessiert sich aber für das Haus. Nachts verschwindet sie zusätzlich auf einmal und schleicht sich heimlich aus dem Haus. Er bekommt das zwar mit, stellt sie aber erst zur Rede als sie wiederkommt, wobei sie ihm eine fadenscheinige Ausrede liefert. Sie hat ihn mehrfach gebeten, es auf sich beruhen zu lassen, und dass sie ihm alles mitteilen wird sobald sie kann. Munro kann es aber nicht einfach auf sich beruhen lassen und so engagiert er Holmes um den Fall zu lösen. Dieser hat auch sofort einen Verdacht, was die Frau vor ihrem Mann verbirgt. Doch dieses Mal hat er nicht Recht damit…

Obwohl ich nicht zu viel verraten will, möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass Holmes am Ende nicht wusste, was eigentlich vor sich geht. Er hat einen Verdacht und mit diesem begleitet er gemeinsam mit Watson den Klienten, allerdings stellt sich dann vor Ort heraus, dass er danebengetippt hat. Das kann ja auch den Besten mal passieren. Aber es machte mir Holmes sehr viel sympathischer. Er hätte es tatsächlich besser wissen können, wenn er einfach mal alle Details bedacht hätte und diese zusammengesetzt hätte. Das was am Ende herauskam, war eigentlich die einzig mögliche Lösung. (Ihr erratet: Ich habe dieses Mal tatsächlich richtig getippt).

Die Geschichte entsprach aber dem normalen Schema. Watson und Holmes werden engagiert, um einen Fall zu lösen. Dafür kommt der Klient zu ihnen und trägt ihnen sein Anliegen vor. Meistens sind es ja in den Zeitungen bereits bekannte Fälle, das war dieses Mal anders. Aber abgesehen davon liegt auch hier eine seltsame Angelegenheit vor. Diese Angelegenheit scheint auf den ersten Blick nicht logisch erschließbar, obwohl die Puzzleteile eigentlich alle vor dem Klienten liegen und dieser sie nur an den richtigen Platz legen müsste, dann würde sich ein Gesamtbild ergeben. Aber den Klienten gelingt dies nicht und so wird Holmes gebraucht, um den Fall zu lösen.

Möglicherweise kann Holmes hier nicht richtig schlussfolgern, weil sein Klient dann sehr plötzlich die Konfrontation mit seiner Frau sucht, sodass Holmes ihn eigentlich nur als Vermittler begleiten möchte.

Insgesamt macht dieser Fall um Das gelbe Gesicht (das übrigens am Fenster des Nachbarhauses den armen Munro in Angst und Schrecken versetzt) von Sir Arthur Conan Doyle den Protagonisten deutlich sympathischer und ich kann ihn nur empfehlen.

Adventskalender 2020 ·Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle

Die Geschichte Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle, auch häufig unter dem Titel Silberstern oder Silberpfeil veröffentlicht, behandelt die Entführung des Pferdes Silberstrahl und die Ermordung des Trainers John Straker.

Eines Nachts verschwindet das Pferd aus seinem Stall und der Trainer John Straker wird erschlagen im Moor aufgefunden. Das Pferd bleibt verschwunden, doch schnell taucht ein erster Verdächtiger auf: Fitzroy Simpson war am Tag zuvor auf dem Landgut gesehen worden, außerdem hält der Trainer seine Krawatte in der Hand und so vermutet man, dass er ihm diese während des Mordes abgenommen hat. Als die Ermittlungen ins Stocken geraten, werden Holmes und Watson hinzugezogen. Inspektor Gregory weiß nicht wer der Täter ist, aber es ist der Besitzer des Pferdes Colonel Ross, der die beiden engagiert. Man findet bei John Straker neben der Krawatte auch noch ein kleines Messerchen, mit dem er sich unmöglich verteidigt haben kann, außerdem findet man eine hohe Rechnung und einer der Stallknechte wird mithilfe des Abendessens betäubt. Schnell findet Holmes heraus, dass dies alles nicht von Fitzroy Simpson eingefädelt worden sein kann. Im Moor finden Holmes und Watson die Spuren von Silberstrahl, der hin und hergeführt wurde. Wie sich herausstellt, hatte der Pferdebesitzer, der den zweiten Favoriten für das nächste Rennen stellte, Silberstrahl im Wald gefunden und sich, nachdem er ihn erst zurückbringen wollte, eines besseren besonnen und ihn nachhause gebracht. Als ihm Holmes Angst macht, bringt er das Tier zum Rennen und so deckt sich der Fall auf: Holmes entlarvt den wahren Täter und findet sogar heraus, warum er es getan hat und was hinter dieser ominösen Rechnung steckt.

Sherlock Holmes wird zu einem Mord gerufen, den die Polizei vorher nicht lösen konnte und soll nun herausfinden, was geschehen ist. Die Beweislage ist, wie oben beschrieben, ziemlich dürftig, aber natürlich findet er dennoch die Fußspuren des Pferdes und von Silas Brown, was es ihm erlaubt, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Er schließt daraus, dass Silas Brown das Pferd fand, er erst zurückbringen wollte und es dann aber doch in die eigenen Stallungen führt. Da er dies so ausführlich beschreiben kann, fürchtet Silas Brown, dass er beobachtet wurde und bringt das Pferd zurück. Nachdem er die Entführung des Pferdes soweit geklärt hat, ist für ihn auch klar, wer den Mann erschlagen haben muss.

Mich störte diese Selbstverständlichkeit mit der Holmes mal wieder einen Fall löst. Und es wirkte wie immer so mysteriös, so als gibt es keine andere Möglichkeit, was geschehen sein könnte. Holmes fährt sogar zwischenzeitlich zurück nachhause, weil er sich so sicher fühlt. Das machte ihn für mich nicht gerade zu einem sympathischen Charakter.

Insgesamt ist mir Sherlock Holmes zwar keine besonders sympathische Figur, wenngleich er natürlich dennoch ein sehr guter Detektiv ist und aus wenigen Details seine Schlussfolgerungen zu ziehen vermag. Man kann sich also mit Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle durchaus mal die Zeit vertreiben, wenngleich es sich nicht um die beste Geschichte des Autors handelt.

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Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle

In der Geschichte Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle kommt eine junge Frau zu Holmes und Dr. Watson, die seltsame Dinge zu berichten hat. Sie arbeitet bei einer reichen Familie als Kindermädchen. Aber wie sie die Stelle bekommen hat und wie sich diese Familie verhält, findet sie seltsam und es beunruhigt sie, weshalb sie Holmes beauftragt näheres herauszufinden. Die Familie zahlt gut und deshalb möchte sie die Stelle eigentlich behalten. Sie wurde von dem Mann aus mehreren Mädchen ausgewählt, allerdings unter der Bedingung, dass sie sich die Haare kurz schneide und sich ab und zu in einem blauen Kleid zeigen solle. Obwohl das Mädchen, Violet Hunter, ihre Haare liebt, ist sie bereit sie abzuschneiden. Sie findet allerdings einen zweiten Zopf, der dem ihren ziemlich ähnlich sieht. Dann soll sie sich eines Tages in einem Raum mit großen, vielen Fenstern, die zur Straße rausgehen auf einen Stuhl setzen. Sie soll dort sitzen und den Geschichten und Witzen, die der Hausherr erzählt, lauschen. Bald bemerkt sie, dass draußen auf der Straße ein Mann ist, der sie beobachtet. Außerdem findet sie heraus, dass in einem Flügel des Hauses niemand Zutritt hat, außer dem Hausherren und den Hausangestellten. Sie möchte wissen, woran es liegt, schleicht sich in den Flügel. Der Hausherr wird ihr gegenüber immer aggressiver, sodass sie sich entscheidet, Holmes und Dr. Watson aufzusuchen, damit sie für sie dieses mysteriöse Rätsel lösen. Holmes möchte sich in dem Flügel umsehen und kommt schnell dahinter, dass dort eine junge Frau, vermutlich die Tochter der Hausbesitzer eingesperrt war, die angeblich verreist sein soll. Sie wollte heiraten, sodass das Geld, das sie von ihrer Mutter, an den Mann übergehen würde, der sie heiratete. Mr. Rucastle sorgte also dafür, dass seine Tochter gequält wurde bis sie beinahe starb. Sie überlebte zwar, aber wurde weiterhin gefangen gehalten. Als die Tochter dann freikam heiratete sie ihren Verlobten doch noch.

Auch hierbei handelt es sich mal wieder um eine junge Frau, die sich nicht mehr zu helfen weiß. Ihr ist etwas seltsames beziehungsweise fragwürdiges zugestoßen und möchte herausfinden, was dahintersteckt. Der einzige, der ihr dabei helfen kann, ist wie immer Sherlock Holmes. Die junge Frau erzählt also erst einmal ihre Geschichte, ihre Erlebnisse, auf die sich auch ein Leser im ersten Durchgang erst einmal keinen Reim machen kann. Erst sobald Sherlock Holmes dann auch die anderen Hinweise zusammengetragen hat, kommt langsam ein konsistentes Gesamtbild zustande, mit dessen Hilfe Holmes dann die Lösung des Falles präsentiert, worauf man als Leser aber meistens nicht einfach so kommt. So ist es auch hier. Interessant fand ich an diesem Fall besonders, dass Holmes sich kurz vor Schluss noch immer nicht über die genauen Ereignisse und Beweggründe im Klaren ist. Diese Tatsache macht den Fall besonders interessant und spannend.

Diese Geschichte bildet den Abschluss dieses Bandes Die Abenteuer des Sherlock Holmes. Allerdings merkt man der Geschichte es nicht an. Das fand ich irgendwie schade, andererseits wenn man überlegt, dass alle Serien heute mit einem Staffelfinale enden, dass die Zuschauer nur dazu bringen soll, auch die nächste Staffel wieder zu sehen, hat diese andere Vorgehensweise auch einen gewissen Charme, die mir aus dieser Perspektive nicht schlecht gefiel.

Insgesamt fand ich diesen Fall wirklich mysteriös, spannend und durchaus lesenswert, weshalb ich Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle gerne weiterempfehle, denn es beschließt einen gelungenen Band der Geschichten des Detektives Sherlock Holmes.

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Die Geschichte des Beryll-Kopfschmuckes von Sir Arthur Conan Doyle

Alexander Holder kommt mit einem schwerwiegenden Anliegen zu Sherlock Holmes und Dr. Watson, denn so erzählt er, er arbeitet als Direktor und Miteigentümer einer Bank. Es kam ein berühmter Mann zu ihm in die Bank und bittet um ein Darlehen, dass er drei Tage später schon wieder zurückzahlen wolle. Als Sicherheit bietet er den Beryll-Kopfschmuck an, der mindestens 100.000 Pfund wert ist. Dem Bankdirektor ist nicht wohl bei der Verantwortung, aber er willigt dennoch ein. Da er aber dem Banktresor nicht vertraut, nimmt er den Schmuck mit sich nachhause und schließt ihn bei sich im Arbeitszimmer ein. Er erzählt seiner Nichte Mary und seinem Sohn Arthur von dem Schmuck. Arthur scheint abzurutschen, ständig ist er pleite und so bittet er auch nun seinen Vater wieder nach Geld, das dieser ihm nicht wieder geben möchte. Mary hingegen kümmert sich um den Haushalt und verhält sich immer nett und freundlich gegen ihren Ziehvater. Als er nachts Geräusche hört und auf diese Geräusche zustürmt, findet er seinen halbnackten Sohn mit dem zerbrochenen Schmuckstück in der Hand vor. Natürlich glaubt der Vater sofort, dass sein Sohn die Krone zerbrochen hat, doch man findet das abgebrochene Stück nicht. Dafür sieht man aber Fußabdrücke und das Schweigen Arthurs. Alexander ist verunsichert. Er weiß nicht nur nicht, was er von seinem Sohn halten soll, sondern braucht er auch die verschwundenen Steine, denn er muss die Krone zurückgeben. Sollten die Steine nicht wieder auftauchen, würde das seine Bank in Misskredit bringen.

Rückblickend betrachtet muss ich sagen, dass mich extrem stört, warum der Bankdirektor seinem eigenen Tresor so wenig traut, dass er den Beryll-Kopfschmuck lieber mit sich nachhause nimmt, statt ihn in der Bank einzuschließen. Natürlich kann man davon ausgehen, dass in der Bank noch andere den Tresor betreten können, aber diesen Leuten vertraut er bei normalen Geschäften auch. Wieso sollte er ihnen also nicht bei diesem Beryll-Schmuck trauen?

Davon abgesehen, fand ich es sehr faszinierend wie hier mit den Charakteren gespielt wurde. Arthur wird für den Versager gehalten, der seinen Vater ständig um Geld bittet, nichts auf die Reihe kriegt und von allen und sogar seinem Vater für einen Dieb gehalten wird. Wie sich herausstellt ist er aber ein guter Mensch und ist somit anders als er von anderen wahrgenommen wird. Mary hingegen verhält sich ebenfalls anders als man es von ihr vermuten würde, allerdings scheint sich das nach den Beschreibungen ihres Ziehvaters schon abzuzeichnen, zumindest für mich war klar, dass es bei ihr noch zu irgendeiner Wendung kommen würde.

Ich mochte Die Geschichte des Beryll-Kopfschmuckes von Sir Arthur Conan Doyle durchaus, auch wenn es sich hier mal wieder um eine Geschichte handelt, in der erst einmal sehr viel erzählt wird, was bisher vorgefallen ist, wonach die Protagonisten dann gemeinsam in das Haus des Bankdirektors Alexander Holder gehen um dort weiter zu ermitteln und Holmes dann aufgrund der Beweise eine Entscheidung trifft, wie genau der Tathergang gewesen sein muss.

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Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle

Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle ist eine Kurzgeschichte, in welcher Lord St. Simon zu Holmes und Dr. Watson kommt um ihnen mitzuteilen, dass seine Braut am Hochzeitstags verschwunden ist. Seine Braut freut sich seit Tagen auf die Hochzeit und weicht nicht von seiner Seite. Auch am Hochzeitstag ist sie guter Laune, sogar in der Kirche noch bis sie dort ihren Blumenstrauß fallen lässt und einen Mann in einer der Stuhlreihen sieht. Nachdem sie zurück sind und beim Hochzeitsessen sitzen, verschwindet sie kurz, weil sie sich nicht gut fühlt und taucht daraufhin nicht wieder auf. Sherlock Holmes weiß gleich, weshalb die Braut wohin verschwunden ist. Holmes geht los um einige Dinge in die Wege zu leiten und kommt später wieder. Er bestellt sowohl den Lord als auch zwei weitere Personen zu sich. Wie sich herausstellt, dass die junge Frau noch nicht so lange in England ist, sodass sie hier den Mann, von dem sie in der Kirche so erschreckt wurde, nicht in England kennengelernt haben kann, sondern ihn aus den USA kennen muss. Weiterhin geht Holmes davon aus, dass eine Frau nicht einfach so mit irgendeinem Mann mitgegangen worden wäre und ein Mann, der sie so erschrecken kann, jemand sein muss, den sie gut kannte. Es steht also für ihn fest, dass die Frau einen Geliebten oder gar einen anderen Ehemann (von sich) getroffen haben muss. Wie sich dann relativ schnell herausstellt, wohnt der entsprechende Mann in der Nähe in der Stadt, sodass Holmes ihn und seine Frau besuchen geht. Er stellt sich heraus, dass Hatty Doran, die verschwundene Braut, die eigentlich aus San Francisco stammt, dort mit einem Mann verheiratet war. Sie heirateten damals heimlich und Frank, ihr Ehemann, wollte erst einmal Geld verdienen bevor er seine Ansprüche offenlegt. Als Hatty die Nachricht erhält, dass ihr Ehemann bei einem Unglück starb, ist sie totunglücklich, heiratet einige Zeit später aber in England Lord St. Simon, oder hat er zumindest vor bis sie ihren Ehemann in England wiedertrifft. Dieser, weil sie sich erst in der Kirche zur Trauung wiedertreffen, bittet sie heimlich, Lord St. Simon zu heiraten bevor sie am Abend danach zu ihrem Ehemann geht. Lord St. Simon ist natürlich nicht begeistert, als er davon erfährt, doch er akzeptiert diese Entwicklung, da er ohnehin keine andere Wahl hat.

Der Titel dieser Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle erinnerte mich ein bisschen an den Stil E.T.A. Hoffmanns, wobei es hier auch auf die Übersetzung ankommt. Insgesamt aber ein passender Titel. Eine junge Frau heiratet gegen den Willen ihres Vaters, ihr Mann will sich die Hand seiner Frau erst noch verdienen, obwohl er sie schon geheiratet und damit ja eigentlich sicher hat. Als sie glaubt, er sein tot, lernt sie einen Engländer kennen, der zwar Adelig aber ohne Geld ist, aber dennoch den Schein bewahrt. Sie als Tochter eines reichen Mannes, allerdings ohne Adelstitel, hat genauso viel von der Verbindung wie er, wenn nicht sogar weniger als der Lord, der es mit Hilfe des Reichtums seiner Braut schaffen könnte, sein eigenes Leben und die Besitztümer seiner Familie wieder neu zu sichern. Als sie ihren eigentlichen Ehemann in der Kirche trifft, will sie doch wieder bei ihm sein. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich diese Verwicklungen, so logisch die Schlussfolgerungen von Holmes in diesem Fall auch sein mögen, auf den ersten Blick nicht nachvollziehen kann. Ich habe es in der Inhaltsangabe erwähnt, aber irgendwie finde ich es auch hier schwierig zu glauben, dass die Schlussfolgerungen von Holmes die einzig möglichen sind. Wenn man ihn mit heutigen Kriminalisten und Detektiven vergleicht, merkt man schnell, dass die heutigen Helden immer etwas länger brauchen um auf die richtige Lösung zu kommen, was wohl auch mit daran liegt, dass es heute mehrere Möglichkeiten für das Verhalten geben könnte, die es damals nicht so einfach gab. Interessant finde ich hier besonders die Beschreibungen der Recherche. Der Klient kündigt sich an, und Holmes lässt sich erst einmal von Watson darüber informieren, was in dieser Geschichte bisher schon bekannt ist, indem es eben über Zeitungen veröffentlicht wurde. Nachdem er all diese Informationen zusammen hat, scheint er den Fall schon halb gelöst zu haben und braucht nur noch ein paar Beschreibungen des Lords um den Fall abschließen zu können. Dieses Gehabe erscheint mir auch für damalige Verhältnisse ein bisschen idealisiert, aber ich wollte eigentlich auf die Recherchemethode raus. Heute würde man wohl vermutlich auf das Internet zurückgreifen und damals eben auf Zeitungsausschnitte. Dies einmal mitzuerleben, fand ich total spannend auch wenn es das damalige Publikum unter Umständen nicht so fasziniert hat wie heutige Rezipienten.

Insgesamt ist Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle aber durchaus lesenswert und hat mir besser gefallen als die vorherige Geschichte, sodass ich diese Kurzgeschichte gerne weiterempfehle.

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Der Daumen des Ingenieurs von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Der Daumen des Ingenieurs von Sir Arthur Conan Doyle geht es um einen Ingenieur, der schwerverletzt in Dr. Watsons Praxis kommt. Dr. Watson versorgt ihn und verweist ihn an seinen Freund und „Kollegen“ im Detektivjob Sherlock Holmes. Dieser soll für den Ingenieur die mysteriösen Umstände seines letzten Jobs und damit zusammenhängend auf den Verlust seines Daumens untersuchen. Holmes kommt sehr schnell dahinter, dass der junge noch ein wenig unerfahrene Ingenieur dem Lockruf des Geldes folgte. Er wurde angeheuert, eine Maschine zu reparieren. Man behauptet die Maschine sei dort zur Beförderung von harmlosem, aber recht teuren Zeug. Um die Beförderung von diesem Material geheim zu halten, soll der Ingenieur gut entlohnt werden und den Standort des Materials und der Maschine geheim halten. Er macht sich also auf den Weg zu seinem Auftraggeber und trifft dort auf zwei seltsame Männer und eine junge Frau, die ihn warnt, dass er verschwinden soll. Der Ingenieur denkt gar nicht daran, denn er wird für den Auftrag ja gut bezahlt. Als er die Maschine repariert hat, wird er bedroht und soll beinahe zerquetscht werden, allerdings schafft er es mithilfe der jungen Frau zu fliehen, verliert dabei aber seinen Daumen. Im Garten wird er ohnmächtig, als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in der Nähe des Bahnhofes. Mit dem nächsten Zug fährt er in die Stadt und wird dort von einem Bahnbeamten an Dr. Watson verwiesen, welcher ihn dann zu Holmes führt. Holmes kann zwar die Rätsel lösen, aber als sie an dem Ort ankommen, stellt sich heraus, dass die Männer und die Frau schon verschwunden sind. Sie haben ihr Haus, von dem aus sie operierten angezündet, denn sie hatten Angst, dass sie dort erwischt werden könnten.

In dieser Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle weht der Wind oder besser Dr. Watson einen neuen Klienten bei Holmes in die Stube. Dieser erzählt seine Geschichte, kommt aber, wie viele andere zuvor mit einem besonderen Anliegen, denn er weiß nicht genau, wieso ihm passiert ist, was ihm passiert ist. Das Geschehene ist für ihn so unbegreiflich und so nachhaltig erschütternd, dass er Holmes einschaltet, damit dieser für ihn ermittelt. Sherlock Holmes schafft es mithilfe seiner berühmtberüchtigten Spürnase herauszufinden, was genau dem Ingenieur wiederfahren ist, obwohl er nur ein paar Anhaltspunkte von seinem Klienten bekommt. Allerdings sind die drei zu spät dran, denn die Bösewichter sind schon wieder unterwegs um ihre Lager woanders aufzuschlagen. Holmes verkraftet dies wie immer recht gut, aber natürlich ist es schon nicht ganz ideal, dass sich mal wieder Verbrecher der gerechten Strafe entzogen haben. Was mich in diesem Kontext als Leserin immer recht dolle stört ist nicht nur, ob oder ob der Gerechtigkeit nicht genüge getan wurde, sondern auch, warum sich die Gauner so verhalten wie sie sich verhalten. Der eine, der sogar bereit ist den Ingenieur zu töten, der verhält sich wohl so um nicht erwischt zu werden, allerdings ist sein Verhalten einer Ansicht nach unverhältnismäßig. Warum sich allerdings die Frau, die ja anscheinend mit der Praxis Männer in ihr Haus zu locken und sie nach getaner Arbeit zu töten, nicht einverstanden zu sein scheint, immer noch dort ist und die beiden anderen Männer unterstützt, obwohl sie den Ingenieur sogar warnt, verstehe ich nicht, denn man erhält keinerlei Erklärungen dafür und auch warum der Komplize ihr sogar hilft, den Ingenieur in die Nähe des Bahnhofs zu bringen, damit er sich in Sicherheit bringen kann, ist für mich nicht so ganz klar.

Abgesehen davon, dass es die gleiche Geschichte in anderer Verkleidung ist und man keinen Zugang zu den Bösewichtern erhält, ist diese Geschichte aber ganz in Ordnung, auch wenn ich sie aufgrund ihrer Mängel nicht so wirklich gut weiterempfehlen kann.

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Das getupfte Band von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Das getupfte Band von Sir Arthur Conan Doyle kommt eine junge Frau, auf Sherlock Holmes und Dr. Watson zu. Sie erzählt den beiden ihre Geschichte und die ihres Stiefvaters und ihrer Schwester. Ihre Schwester ist vor einige Zeit, kurz vor ihrer Hochzeit, gestorben. Die junge Frau, Helen Stoner, erzählt ihnen, dass ihr Stiefvater ein schwieriger Mann ist, sodass nie eine Haushälterin länger bei ihnen bleibt, weshalb sich ihre Schwester und nun sie alleine um ihn und den Haushalt kümmern. Ihr Stiefvater mag indische Tiere und hat so wilde Tiere in ihr Haus und den Garten gebracht, außerdem leben Zigeuner in ihrem Garten und obwohl diese weiter weg vom Haus wohnen, fühlt sie Helen und damals auch ihre Schwester nicht sicher, weshalb sie nachts ihre Zimmertüren abschließen. Helen hatte kurz vor ihrem Tod öfter ein seltsames Pfeifen gehört, welches Helen nun auch schon ein paar Mal gehört hat. Holmes hat eine Idee woran es liegen könnte, sodass er Helen darum bittet sich einmal in dem Haus umsehen zu dürfen, weshalb die junge Frau sie verlässt und sie sich für später verabreden. Ihr Stiefvater sucht Holmes und Watson auf, allerdings lassen sich die beiden nicht von ihm bedrohen und fahren dennoch zu dem Anwesen Stoner. Helen zeigt den beiden Männern ihr Zimmer und das Zimmer ihrer Schwester, in welchem sie im Moment aufgrund von Umbaumaßnahmen im Haus wohnt. Sie sagt, dass es eigentlich dennoch möglich wäre, dass sie in ihrem Zimmer lebt, aber ihr Stiefvater habe darauf bestanden, dass sie in das Zimmer ihrer Schwester zieht. Holmes findet heraus, dass aufgrund der abgeschlossenen Zimmertür und der Fenster niemand in das Zimmer eindringen könnte, sodass so Julia, ihre Schwester nicht hat ermordet werden können. Holmes findet in dem Zimmer aber weiterhin heraus, dass das Bett am Boden festgenagelt ist, dass ein Luftloch zum Nachbarzimmer besteht und dass ein Klingelzug bis zum Kissen herunterreicht, der allerdings keine Klingel am anderen Ende hat. In ihm keimt ein furchtbarer Verdacht, sodass sie einen Plan aushecken mit dessen Hilfe Holmes und Watson nachts in das Zimmer einsteigen während Helen im Nachbarzimmer wartet. Nachts pfeift es plötzlich, Holmes schlägt auf den Klingelzug an und plötzlich zerreißt ein heller Schrei die Nacht. Der Stiefvater wird tot in seinem Zimmer gefunden, eine Schlange ringelt sich auf seinem Kopf, welche Holmes zurück in ihren Schrank sperrt.

Allgemein mochte ich an dieser Geschichte wieder die Aufteilung, denn am Anfang kommt eine Klientin zu Holmes und bittet ihn um Hilfe, weil sie den Verdacht hat, dass sie das gleiche Schicksal ereilen könnte wie ihre Schwester. Sie erzählt auch, dass sie in der gleichen Situation ist wie Julia damals kurz bevor sie starb, denn auch Helen möchte heiraten und damit das Haus ihres Stiefvaters verlassen, sodass Holmes den Verdacht bekommt, dass Helen mit ihrem Verdacht wirklich recht haben könnte. Der Stiefvater kommt sogar zu Holmes, verfolgt seine Tochter und sagt ihm noch, dass er Helen nicht glauben solle, was Holmes natürlich nicht befolgt. Dann machen sich der Detektiv und sein Gehilfe auf den Weg um den Fall zu lösen. Sie haben mal wieder viele Informationen gesammelt und müssen nun den Fall lösen indem sie sich den Ort des Geschehens einmal näher ansehen und dabei mehr Informationen erhalten und sich die Umstände auflösen. Diese Wechselbeziehung mag ich bei einer Kriminalgeschichte eigentlich recht gerne, sodass mir dieser Aspekt recht gut gefallen hat.

Holmes hat sogar, als sie in der Nacht in das Zimmer von Ms. Stoner klettern ein bisschen Angst vor den wilden Tieren, die dort frei herumlaufen, was ich persönlich sehr erfrischend fand. Holmes ist nicht der mutige Mann, der vor keinem Kontrahenten Angst hat, sondern eben ein Mensch, den er auch gruselt nachts in ein fremdes Haus zu klettern und dann zumindest von einem wilden Tier bedroht zu werden.

Insgesamt hat mir die Kurzgeschichte Das getupfte Band – den Namen trägt die Geschichte übrigens aufgrund der Schlange, welche der Stiefvater nutzt um seine erste Stieftochter umzubringen und mit deren Hilfe er auch die zweite Tochter umbringen möchte und welche wohl ein getupftes Muster auf der Schlangenhaut trägt – von Sir Arthur Conan Doyle interessant und obwohl der Todesfall schon einige Zeit her ist und hier nur eine Bedrohung der zweiten Schwester stattfindet und somit eigentlich kein Mord während der Spielzeit der Geschichte geschieht, empfehle ich diese Geschichte gerne weiter.

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Das blaue Karfunkel von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte das blaue Karfunkel von Sir Arthur Conan Doyle werden Holmes eine Gans und ein alter Hut gebracht, mit deren Hilfe er herausfinden möchte, wer der Besitzer der Gans war, denn in dieser wurde ein blauer, funkelnder Diamant gefunden. Watson ist sich sicher, dass nicht einmal sein genialer Freund, herauszufinden vermag, wer der Besitzer des Hutes war. Doch da hat sich Watson getäuscht, denn Holmes hat schon herausgefunden, dass der Besitzer früher einmal Geld gehabt hatte, in den letzten drei Jahren aber recht herunter gekommen ist. Er ist außerdem ein kluger Mann, denn der Zylinder ist recht groß und es sind blaue Tintenflecken darauf. Außerdem werden auf dem Hut die Initialen HB gefunden. Watson und Holmes schreiben aus, dass sie einen Hut und eine Gans gefunden haben, und sich der Besitzer bei ihnen melden soll. Der Mann, Henry Baker, kommt zu ihnen und nimmt den Hut und die neue Gans entgegen. Als Holmes ihm sagt, dass die eigentliche Gans gegessen wurde und dies nur ein Ersatz ist, damit die andere Gans nicht verdirbt, ist der Mann damit sofort einverstanden, sodass sie ahnen, dass er von dem blauen Diamanten nichts wusste. Von ihm wissen sie, wo er die Gans herhat, sodass sie sich auf die Spur des Diamanten machen. Dieser wusste anscheinend auch nichts von dem Diamanten, sagt ihnen aber – nachdem Holmes ihn überlistet hat – von welchem Hof er die Gänse hat. Holmes und Watson finden heraus, dass der Bruder der Gänsewirtin ihm eine Gans versprochen hat. Er kam kurz bevor die Gänse abgeholt wurden zu ihr und versteckte einen Stein in einer der Gänse; diese wurde aber unmittelbar danach abgeholt, sodass der Stein verschwunden war. Der junge Mann, Ryder, muss sich die Gans zurückholen, wird aber von Holmes gestellt. Sherlock Holmes sagt dem jungen Mann, dass er ihn, da dieser um Gnade bittet, verschont und keine Anzeige bei der Polizei erstattet, allerdings müsse der Stein zurückgegeben werden.

Diese Kurzgeschichte spielt hauptsächlich in der Wohnung von Sherlock Holmes. Er bekommt den Hut und die Gans und findet dabei den Edelstein, sodass er nun herausfinden möchte, wem dieser Hut und die Gans und damit vielleicht auch der Edelstein gehörte. Da es sich dabei um Diebesgut handelt, ist es schon wichtig, dass dieser zurück zu seinem Besitzer findet. Erst im zweiten Teil der Geschichte machen sich Holmes und Watson auf den Weg um den Fall genauer zu untersuchen, da sie die Informationen, die ihnen zugetragen worden waren, bereits verarbeitet hatten und ihre Schlüsse daraus gezogen hatten. Um weiterzukommen, müssen sie neue Informationen sammeln.

Was mich massiv gestört hat, an dieser Geschichte, war die Unwahrscheinlichkeit. Natürlich gab es Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht so viele Menschen in London, aber es werden dennoch so viele gewesen sein (laut Wikipedia etwa 6,7 Mio. am Ende des 19. Jahrhunderts), dass man nicht alle Einwohner kennen konnte und dass es schwierig ist überhaupt einen anhand von ein paar Hinweisen, die ein Hut einem offenbar, zu finden. Diese Ungereimtheit gefiel mir gar nicht und ich habe mich wirklich daran gestört, weil Holmes durch so etwas immer wirkt wie ein Zauberer.

Weiterhin gefällt es mir nicht so gut, dass Holmes seine eigenen Regeln macht. Er hält sich nicht an Recht und Gesetz und lässt den Dieb hier wieder nicht verhaften; natürlich kann ich seine Beweggründe verstehen, aber ich empfinde es als willkürlich und deshalb finde ich es schwer, dieses Haltung zu unterstützen

Insgesamt bringt Das blaue Karfunkel von Sir Arthur Conan Doyle eine gekonnte Mischung aus Informationen sammeln und Informationen verwerten, allerdings fehlte mir die Plausibilität ein bisschen, sodass ich diese Geschichte eher schwächer finde und somit nicht wirklich weiterempfehlen kann.