Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle kommt Holmes und Watson an einen Tatort in einem abgeschlossenen Raum. Die Hausangestellten hören einen Streit aus einem Zimmer und machen sich kurzentschlossen daran, durch die Fenster in das Zimmer einzusteigen. Im Zimmer finden sie den Hausherren mit grausig verzerrtem Gesicht und seine Ehefrau liegt ohnmächtig daneben. Natürlich fällt der Verdacht erst einmal auf die Ehefrau, doch Holmes und Watson entdecken bei ihren Untersuchungen seltsame Pfotenabdrücke im Raum und auch das Gerücht, das ein Krüppel in der Nähe des Tatorts gesehen wurde, scheint zumindest den Verdacht etwas von der Ehefrau abzurücken. Holmes und Watson erfahren von einer Freundin der Ehefrau, dass diese am Abend zufällig von einem Mann auf der Straße angesprochen wurde, den man durchaus als Krüppel bezeichnen könnte und sie bat sie dieses Zusammentreffen vor ihrem Ehemann geheim zu halten. Daran ist nach den Verdächtigungen natürlich nicht mehr zu denken. Und tatsächlich finden Holmes und Watson den Krüppel und dieser kann nicht nur eine interessante Geschichte zum Toten liefern, sondern kann auch weitere wertvolle Hinweise geben.

Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle ist eine etwas andere Geschichte des Autors, aber worin die Andersartigkeit genau besteht, kann ich hier nicht so genau erklären, weil das zu viel verrät und vermutlich verrät es auch schon recht viel, wenn ich a) sage, dass die Geschichte anders ist und b), dass ich nicht genau sagen kann, woran das liegt. Aber mit diesem Spoiler müsst ihr an der Stelle eben leben.

Davon abgesehen mochte ich an der Geschichte besonders, dass es sich um den Mord in einem halbwegs abgeschlossenen Zimmer handelt. Die Tür ist von innen abgeschlossen und der Schlüssel verschwindet, allerdings ist es noch möglich durch die Fenster in das Zimmer zu gelangen. Da der Schlüssel zum Zimmer fehlt, ist aber klar, dass noch eine dritte Person am Tatort gewesen sein muss, weil irgendwie der Schlüssel ja verschwunden sein muss.

Besonders interessant finde ich hier mal wieder, dass man am Anfang bei der Besichtigung des Tatorts einige Bröckchen hingeworfen bekommt als Leser und danach entscheiden muss, was in welcher Weise zusammenpasst. Natürlich merkt man am Ende, dass alles passt, aber am Anfang wirkt es eben überhaupt nicht so. Ein Krüppel wird gesehen und man findet seltsame Pfotenabdrücke, die Ehefrau und Hauptverdächtige streitet sich mit ihrem Mann, obwohl vorher eigentlich überhaupt nichts vorgefallen ist, das Zimmer wird abgeschlossen und der Schlüsse löst sich in Luft auf, der Mann hat ein grausig verzerrtes Gesicht, scheint ansonsten aber ziemlich unverletzt gewesen zu sein und die Frau fällt einfach in Ohnmacht. Alles in allem eine sehr merkwürdige Szenerie, aber nach und nach ergibt es eben Sinn, und so findet Holmes gemeinsam mit Watson heraus, was in dem abgeschlossenen Zimmer vorgefallen ist.

Obwohl ich an dieser Stelle nicht zu viel zum Tathergang sagen möchte, konnte ich mir den Gedanken nicht verkneifen, dass der Tote es irgendwie verdient hatte. Ja, eigentlich hat niemand den Tod verdient, aber so wie er sich verhalten hat und irgendwie könnte man schon sagen, dass ihn das Schicksal am Ende heimgesucht hat, denn er wurde für seine Grausamkeiten in der Vergangenheit mit dem Tod bestraftet. So ganz ungerechtfertigt war dieser Fall also nicht.

Insgesamt ist Der Krüppel von Sir Arthur Conan Doyle eine interessante Geschichte, die mal einen etwas anderen Verlauf nimmt und deshalb in einer längeren Sammlung ein bisschen Abwechslung bietet und alleine schon deshalb lesenswert ist.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Die Gutsherren von Reigate von Sir Arthur Conan Doyle

In der Geschichte die Gutsherren von Reigate von Sir Arthur Conan Doyle ist eine Geschichte, in der Holmes und Watson zusammen nach Reigate fahren, nachdem Holmes einen Schwächeanfall hatte. Dort soll er sich eigentlich erholen, aber sie erfahren von einem Einbruch in der Nachbarschaft und bei einem zweiten Einbruch gibt es sogar ein Mordopfer, das offensichtlich den Einbrecher überrascht hat. Sherlock Holmes möchte an den Ort des Verbrechens gebracht werden und lässt sich von den beiden Einbruchsopfern alles genau zeigen. Gemeinsam mit dem Ermittler findet er heraus, wer nicht nur der Einbrecher war, sondern auch wer den Mann ermordet hat. Watson macht sich natürlich Sorgen um seinen Freund, doch er merkt, dass ihm der neue Fall recht gut tut.

Die Gutherren von Reigate sind mal etwas anders, weil Holmes und Watson sind unterwegs und stoßen dort auf einen Fall. Sonst ist es ja normalerweise anders: Holmes bekommt einen Auftrag von einem Klienten zugetragen. Danach fährt er gemeinsam mit Watson dann dorthin, wo es den Vorfall gab. Dieses Mal sind Watson oder Holmes schon Vorort. Auch zieht sich Holmes alleine zurück um den Fall zu untersuchen und lässt Watson zurück, sodass der weder kontrollieren kann wie es seinem Freund geht noch irgendwie in die Auflösung involviert wird.

Holmes wirkt durch diesen Schwächeanfall und die Notwendigkeit mal ein paar Tage in Urlaub zu fahren sehr menschlich; dies hat mir gut gefallen. Ich mochte es, dass er dadurch nicht wie der Übermensch erscheint, als der er sonst häufig dargestellt wird. Andererseits wirkt Holmes natürlich wieder besonders toll wenn es darum geht, dass er trotz seiner Schwäche wieder einmal einen Fall löst, obwohl die Polizei den Fall nicht lösen konnte. Vor allem ist er danach wieder so weit geheilt, dass er wieder zurück nach London fährt und dort weiter arbeiten kann.

Besonders interessant finde ich, dass hier ein Einbruch und ein Mord verknüpft sind. Holmes kommt natürlich dahinter, dass diese beiden Vorfälle zusammenhängen und dass das Motiv der Einbrechers ganz woanders herrührt, denn er stiehlt ausgesprochen komische Gegenstände wie beispielsweise Garn. So liegt es natürlich nahe, dass es dem Einbrecher niemals um finanzielle Dinge ging, sondern dass er ein anderes Motiv haben muss. Doch dieses muss man sich erst einmal herleiten und natürlich auch die ganzen Hintergrundinformationen bereits kennen, bevor man die Schlussfolgerungen, die Holmes gezogen hat, ziehen kann.

Insgesamt mochte ich die Geschichte Die Gutsherren von Reigate, die auch unter dem Titel Die Junker von Reigate veröffentlicht wurde, relativ gerne und empfehle sie gerne weiter. Vor allem weil Holmes hier endlich mal richtig menschlich wirkt und ich ihn in dieser Geschichte besonders lieb gewonnen habe, wobei er seine Schwäche auch schamlos ausnutzt, um mithilfe mehrerer Tricks den Mörder zu entlarven.

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Der Katechismus der Familie Musgrave von Sir Arthur Conan Doyle

Watson bittet Holmes ihre gemeinsame Wohnung mal ein bisschen aufzuräumen, was Holmes widerwillig machen möchte. Dabei zeigt er seinem Freund die Akten alter Fälle als sie noch nicht zusammenarbeiteten. Holmes erzählt davon wie ihn Reginald Musgrave, mit dem Holmes zusammen auf die Universität ging, mit einer sehr seltsamen Angelegenheit beauftragte. Brunton ist der Hausmeister des Hauses Hurlstone und eigentlich viel zu klug für diesen Job. Dennoch war er sehr lange für die Familie Musgrave tätig. Umso seltsamer ist es, dass er nach so vielen Jahren in ihrem Dienst plötzlich anfing in persönlichen Papieren der Familien herumzustöbern. Musgrave entlässt ihn, gibt ihm aber ein bisschen Zeit, seine Dinge zu klären und den anderen Hausangestellten zu erklären warum er geht. Plötzlich verschwindet der Mann spurlos und kurz darauf auch noch eines der Hausmädchen, mit dem Brunton erst vor kurzem die Verlobung gelöst hatte. Holmes fährt mit seinem ehemaligen Kommilitonen zu dessen Haus und bekommt dort Einblick in die Papiere, die Brunton eingesehen hat: Der Katechismus der Familie Musgrave. Dieser besteht aus vielen seltsamen Fragen und verworrenen Antworten und jeder Musgrave muss seit Jahrhunderten diesen Katechismus auswendig lernen. Brunton kommt dahinter, dass der Katechismus mit seinen Fragen und den Antworten darauf eigentlich eine Art Karte zu einem verborgenen Schatz ist. Brunton scheint diesem Schatz auf die Spur gekommen zu sein und so finden sie seine Leiche in der Kammer, in der der Schatz versteckt war. Doch wo ist der Schatz hin und was genau war der Schatz? Und wo ist das Hausmädchen hin? Hat sie etwas mit dem Leichnam des Hausmeisters zu tun?

Hier ist die Inhaltsangabe recht lang geworden, weil in dieser Geschichte ziemlich viel geschieht, was man auch ein bisschen genauer beschreiben muss. Zum einen ist Der Katechismus der Familie Musgrave am Anfang nicht so klar zu lösen und auch am Ende bleibt die Frage, ob Holmes mit seinen Schlussfolgerungen Recht hat offen, denn er kann seine Schlüsse nicht beweisen, hat keine Zeugen dafür und findet weder das Hausmädchen noch den Schatz. Für mich gab es neben Holmes‘ Schlussfolgerungen noch eine zweite Möglichkeit, auf die Holmes gar nicht eingeht. Mich stört es immer, wenn die Fälle am Ende nicht aufgelöst werden. Ja klar manchmal stimme ich nicht mit dem Detektiv überein, weil die Ergebnisse häufig ein bisschen aus der Luft gegriffen wirken (vor allem bei den Sherlock Holmes-Kurzgeschichten ist mir das schon öfter aufgefallen), aber dann gibt es meistens eine Lösung.

Außerdem erfährt man als Holmes-Fan hier wieder etwas über den Protagonisten. Man erfährt ein paar weitere Einzelheiten zur Studienzeit von Holmes und man erfährt von seinem Verhältnis zu diesem Kommilitonen. Insofern passt diese Geschichte ganz gut zu ihrem Vorgänger, in dem es um den ersten Fall von Holmes geht. Seltsam ist in diesem Kontext nur, dass Holmes und Watson hier noch zusammen zu wohnen scheinen und in der Geschichte davor hatte Watson gerade einige Monate vorher geheiratet und wohnt somit nicht mehr mit dem Detektiv zusammen. Dies fand ich seltsam. Die Aufzeichnungen von Watson scheinen somit nicht chronologisch zu sein und auch die Zusammenstellung scheint nicht „in der Gegenwart“ chronologisch stattzufinden. Für mich was das eine Unstimmigkeit in dem Kurzgeschichtenband.

Insgesamt ist Der Katechismus der Familie Musgrave mal wieder eine Geschichte mit einem Zeitsprung, somit wird der Mord und die seltsamen Rätsel sozusagen hinterher noch einmal aufgelöst, weil Holmes seinem Freund davon erzählt. Watson kommt deshalb leider kaum vor, obwohl ich ihn eigentlich recht gerne habe. Dennoch ist diese Geschichte interessant und liefert mehr Einblicke in die Figur Sherlock Holmes.

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Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle

Diese Geschichte Holmes‘ erstes Abenteuer ist auch unter dem Namen Die Gloria Scott bekannt. In meiner Ausgabe heißt sie allerdings Holmes‘ erstes Abenteuer. Holmes erzählt Watson Jahre später von seinem Abenteuer, indem er ihm eine Reihe von Papieren vorlegt. Damals besuchte Holmes einen Freund, den er auf der Universität kennenlernte, in seinen Ferien. Der Vater des Freundes wird von einem Fremden bedroht und nachdem Holmes abreist, liegt dieser Vater im Sterben. Victor Trevor bittet Holmes zurückzukommen und mit ihm den Fall um diesen bedrohlichen Fremden aufzuklären, denn er macht ihn für den nahen Tod seines Vaters verantwortlich. Sein Vater hinterlässt Victor einen langen Brief, in dem er ihm erklärt, woher sie ihr vieles Geld haben und warum er den Besuch des Fremden so sehr gefürchtet hat. Auf dem Gefangenenschiff Gloria Scott sollte Mr. Trevor nach Australien verschifft werden, doch an Bord geschah ein Ausbruchsversuch…

Diese Geschichte spielt auf drei Zeitachsen. Zum einen ist da die Gegenwartsachse. Holmes erzählt Watson von seinem ersten Fall, aber diese Erzählung ist nur relativ kurz und somit geht es ziemlich schnell in die Vergangenheit. Der zweite Teil spielt in der Vergangenheit, allerdings ist diese „erst“ 10 Jahre oder so her. Holmes erzählt von seiner Studienzeit und erzählt dabei auch besonders von seinem Freund Victor Trevor und von seinem Besuch bei dessen Familie. Die dritte Zeitspanne spielt noch einmal 30 Jahre oder so früher. Sie spielt in den frühen Erwachsenenjahren des Vaters von Victor. Diese Zeitachse wird mithilfe eines Briefes beschrieben und lässt somit keinerlei Rückfragen zu. Sein Vater ist zum Zeitpunkt als Holmes und Victor den Brief lesen bereits tot. Dieses Spiel mit den verschiedenen Zeiten hat mir gut gefallen und es wirkt auch nicht so verwirrend, weil die Figuren nicht die selben sind, wobei Holmes natürlich in zwei verschiedenen „Zeiten“ seine Erlebnisse schildert.

Außerdem mochte ich, dass man wieder mehr über Holmes erfährt. Man bekommt nach einigen Geschichte so das Gefühl, dass man immer mehr über Holmes weiß. Mit jeder Geschichte wird ein kleines Stückchen zum Puzzle des Charakters Sherlock Holmes zusammengesetzt. Das macht es natürlich für richtige Holmes-Fans schwierig oder im umgekehrten Fall besonders interessant alle Fälle von Holmes zu lesen oder sie beinahe schon zu studieren. Gleichzeitig erfährt man auch noch etwas über die Beziehung zwischen Holmes und Watson, da sich in der Gegenwart beide ja darüber unterhalten, dass man noch mehr Aufzeichnungen anfertigen könnte und Holmes scheint das richtig zu gefallen.

Was mir an einigen Stellen aufgefallen ist, sind die Titel der Geschichten. Ich finde es schrecklich, wenn manche Geschichten komplett andere Namen als im Original oder in der bekanntesten Übersetzung haben. So auch bei dieser Geschichte. Die Gloria Scott hat mit Holmes‘ erstes Abenteuer wenig zu tun und man kommt auf den ersten Blick nicht mal darauf, warum diese Geschichten solche verschiedenen Namen haben und wie man auf die diversen Namen kommt. Holmes‘ erstes Abenteuer ist ja noch relativ logisch, denn es handelt sich hier tatsächlich um Holmes‘ erstes Abenteuer. Gloria Scott war das Schiff, das den Vater des Freundes nach Australien bringen sollte. Somit ist auch dieser Name relativ logisch, aber man muss erst einmal darauf kommen.

Insgesamt hat die Geschichte über Holmes‘ erstes Abenteuer von Sir Arthur Conan Doyle den ungemeinen Vorteil, dass man etwas mehr über Holmes‘ Vergangenheit und seinen Charakter (er schildert beispielsweise, dass er schon in jungen Jahren wenige Freunde hatte) erfährt. Deshalb empfehle ich die Geschichte, wenngleich sie inhaltlich und was den Fall betrifft nicht wirklich interessant ist und wenig kriminalistischen Spürsinn von Seiten unseres Detektivs erfordert gerne weiter.

Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle

Watson ist gerade frisch verheiratet und so haben er und sein Freund sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen. Watson arbeitet in seiner neuen Praxis so viel, deshalb kommt er nicht dazu, Holmes zu besuchen und dieser besucht höchst selten andere in privaten Angelegenheiten. Holmes kommt Watson besuchen und bittet ihn, ihm bei einem neuen Fall zu helfen. Watson willigt freudig ein, denn er hat die Abenteuer mit seinem Freund vermisst. Hall Pycroft bittet Holmes ein Rätsel für ihn zu lösen. Er wurde von einer Finanzfirma eingestellt, die Bezahlung ist super. Doch die Aufgaben sind seltsam. Er soll eine Liste mit Kontakten zusammenstellen, für die er sehr lange braucht. Irgendwie wirkt es wie Beschäftigungstherapie. Pycroft stellt seinem Chef, Mr. Pinner, Holmes und Watson unter falschem Namen vor, sodass diese dem Mann ein bisschen auf den Zahn fühlen können. Holmes kommt dahinter: Für ihn kann es nur einen Grund geben, warum Pinner ihn von seiner eigentlichen Stellung ferngehalten und ihn selbst eingestellt hat.

Hier handelt es sich mal wieder um eine Geschichte, in der eine seltsame Stellung vergeben wird. Für Holmes muss dies besondere Beweggründe haben, sodass er diese Tatsache als Ermittlungsansatz verwendet. Für den Leser ist auch schnell klar, dass da irgendetwas dahintersteckt, schließlich zahlt niemand einem jungen Mann ein halbes Vermögen für eigentlich ziemlich überflüssige Aufgaben, die eher nach Beschäftigungstherapie klingen als nach einer sinnvollen Beschäftigung.

Die Geschichte an sich ist also nicht besonders spannend, aber einige Elemente sind durchaus bekannt. Wie bei Christie hat man auch bei Doyle das Gefühl, dass er bekannte Motive immer wieder neu variiert. Das ist auf der einen Seite natürlich schade, auf der anderen ist es auch spannend und vor allem die Verbindungen zwischen den Geschichten aufzuzeigen, interessieren mich. Leider bin ich im Werkekanon von Doyle nicht so bewandert, um diese Verbindungen aufzeichnen zu können.

Darüber hinaus finde ich aber den Anfang der Geschichte besonders interessant, da man dort ein bisschen was über die Geschichte von Holmes und Watson erfährt. Man kann erahnen wie die Beziehung der beiden funktioniert, denn Watson kann seinen Freund Holmes die ersten Monate nach der Hochzeit nicht besuchen und so sehen sich die beiden nicht, weil Holmes auch nicht auf die Idee kommt, ihn zu besuchen. Als sie sich aber wieder sehen, scheinen beide glücklich darüber zu sein, wenngleich Holmes wirkt, als hätte er Angst von seinem Freund aufgrund von dessen Ehe zurückgewiesen zu werden. Auch erfährt man mal wieder etwas von den Aufzeichnungen, die Watson über ihre gemeinsamen Abenteuer anfertigt. Er beschreibt, dass er erst kürzlich einige ältere Abenteuer verschriftlicht habe und dass er durchaus gewillt sei, auch zukünftig solche Abenteuer mit ihm zu erleben. Hier merkt man, dass da eine gegenseitige Männerfreundschaft besteht. Watson ist nicht derjenige, der unterwürfig an Holmes‘ Lippen hängt und wartet bis dieser ihn zu sich ruft, sondern die Beziehung wirkte für mich ebenbürtiger als man sonst so das Gefühl hat und als man in Adaptionen der beiden Figuren sonst so spürt.

Insgesamt hat mir die Geschichte Eine sonderbare Anstellung von Sir Arthur Conan Doyle durchaus gefallen, wenngleich sie für mich nicht zu den stärksten Geschichten aus dem Holmes-Kanon gehört, dennoch gefiel sie mir aufgrund der Details zur Beziehung der beiden Hauptcharaktere nicht schlecht und gerade aus letzterem Grund würde ich sie weiterempfehlen.

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Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle

In der Kurzgeschichte Das gelbe Gesicht von Sir Arthur Conan Doyle geht es um Grant Munro, der eigentlich eine glückliche Ehe führt. Seine Frau war vorher schon einmal verheiratet, allerdings sind ihre Tochter und ihr Mann damals gestorben. Sie kam danach nach England, wo sie ihren jetzigen Mann kennenlernte. Gleichzeitig geschehen auch in der Nachbarschaft des Mannes seltsame Dinge: Ein lange leer stehendes Haus wird erneut vermietet, doch als er sich vorstellen möchte, wird er von einer Haushälterin abgewiesen. Seine Frau interessiert sich aber für das Haus. Nachts verschwindet sie zusätzlich auf einmal und schleicht sich heimlich aus dem Haus. Er bekommt das zwar mit, stellt sie aber erst zur Rede als sie wiederkommt, wobei sie ihm eine fadenscheinige Ausrede liefert. Sie hat ihn mehrfach gebeten, es auf sich beruhen zu lassen, und dass sie ihm alles mitteilen wird sobald sie kann. Munro kann es aber nicht einfach auf sich beruhen lassen und so engagiert er Holmes um den Fall zu lösen. Dieser hat auch sofort einen Verdacht, was die Frau vor ihrem Mann verbirgt. Doch dieses Mal hat er nicht Recht damit…

Obwohl ich nicht zu viel verraten will, möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass Holmes am Ende nicht wusste, was eigentlich vor sich geht. Er hat einen Verdacht und mit diesem begleitet er gemeinsam mit Watson den Klienten, allerdings stellt sich dann vor Ort heraus, dass er danebengetippt hat. Das kann ja auch den Besten mal passieren. Aber es machte mir Holmes sehr viel sympathischer. Er hätte es tatsächlich besser wissen können, wenn er einfach mal alle Details bedacht hätte und diese zusammengesetzt hätte. Das was am Ende herauskam, war eigentlich die einzig mögliche Lösung. (Ihr erratet: Ich habe dieses Mal tatsächlich richtig getippt).

Die Geschichte entsprach aber dem normalen Schema. Watson und Holmes werden engagiert, um einen Fall zu lösen. Dafür kommt der Klient zu ihnen und trägt ihnen sein Anliegen vor. Meistens sind es ja in den Zeitungen bereits bekannte Fälle, das war dieses Mal anders. Aber abgesehen davon liegt auch hier eine seltsame Angelegenheit vor. Diese Angelegenheit scheint auf den ersten Blick nicht logisch erschließbar, obwohl die Puzzleteile eigentlich alle vor dem Klienten liegen und dieser sie nur an den richtigen Platz legen müsste, dann würde sich ein Gesamtbild ergeben. Aber den Klienten gelingt dies nicht und so wird Holmes gebraucht, um den Fall zu lösen.

Möglicherweise kann Holmes hier nicht richtig schlussfolgern, weil sein Klient dann sehr plötzlich die Konfrontation mit seiner Frau sucht, sodass Holmes ihn eigentlich nur als Vermittler begleiten möchte.

Insgesamt macht dieser Fall um Das gelbe Gesicht (das übrigens am Fenster des Nachbarhauses den armen Munro in Angst und Schrecken versetzt) von Sir Arthur Conan Doyle den Protagonisten deutlich sympathischer und ich kann ihn nur empfehlen.

Adventskalender 2020 ·Sherlock Holmes Kurzgeschichten

Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle

Die Geschichte Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle, auch häufig unter dem Titel Silberstern oder Silberpfeil veröffentlicht, behandelt die Entführung des Pferdes Silberstrahl und die Ermordung des Trainers John Straker.

Eines Nachts verschwindet das Pferd aus seinem Stall und der Trainer John Straker wird erschlagen im Moor aufgefunden. Das Pferd bleibt verschwunden, doch schnell taucht ein erster Verdächtiger auf: Fitzroy Simpson war am Tag zuvor auf dem Landgut gesehen worden, außerdem hält der Trainer seine Krawatte in der Hand und so vermutet man, dass er ihm diese während des Mordes abgenommen hat. Als die Ermittlungen ins Stocken geraten, werden Holmes und Watson hinzugezogen. Inspektor Gregory weiß nicht wer der Täter ist, aber es ist der Besitzer des Pferdes Colonel Ross, der die beiden engagiert. Man findet bei John Straker neben der Krawatte auch noch ein kleines Messerchen, mit dem er sich unmöglich verteidigt haben kann, außerdem findet man eine hohe Rechnung und einer der Stallknechte wird mithilfe des Abendessens betäubt. Schnell findet Holmes heraus, dass dies alles nicht von Fitzroy Simpson eingefädelt worden sein kann. Im Moor finden Holmes und Watson die Spuren von Silberstrahl, der hin und hergeführt wurde. Wie sich herausstellt, hatte der Pferdebesitzer, der den zweiten Favoriten für das nächste Rennen stellte, Silberstrahl im Wald gefunden und sich, nachdem er ihn erst zurückbringen wollte, eines besseren besonnen und ihn nachhause gebracht. Als ihm Holmes Angst macht, bringt er das Tier zum Rennen und so deckt sich der Fall auf: Holmes entlarvt den wahren Täter und findet sogar heraus, warum er es getan hat und was hinter dieser ominösen Rechnung steckt.

Sherlock Holmes wird zu einem Mord gerufen, den die Polizei vorher nicht lösen konnte und soll nun herausfinden, was geschehen ist. Die Beweislage ist, wie oben beschrieben, ziemlich dürftig, aber natürlich findet er dennoch die Fußspuren des Pferdes und von Silas Brown, was es ihm erlaubt, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Er schließt daraus, dass Silas Brown das Pferd fand, er erst zurückbringen wollte und es dann aber doch in die eigenen Stallungen führt. Da er dies so ausführlich beschreiben kann, fürchtet Silas Brown, dass er beobachtet wurde und bringt das Pferd zurück. Nachdem er die Entführung des Pferdes soweit geklärt hat, ist für ihn auch klar, wer den Mann erschlagen haben muss.

Mich störte diese Selbstverständlichkeit mit der Holmes mal wieder einen Fall löst. Und es wirkte wie immer so mysteriös, so als gibt es keine andere Möglichkeit, was geschehen sein könnte. Holmes fährt sogar zwischenzeitlich zurück nachhause, weil er sich so sicher fühlt. Das machte ihn für mich nicht gerade zu einem sympathischen Charakter.

Insgesamt ist mir Sherlock Holmes zwar keine besonders sympathische Figur, wenngleich er natürlich dennoch ein sehr guter Detektiv ist und aus wenigen Details seine Schlussfolgerungen zu ziehen vermag. Man kann sich also mit Silberstrahl von Sir Arthur Conan Doyle durchaus mal die Zeit vertreiben, wenngleich es sich nicht um die beste Geschichte des Autors handelt.

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Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle

In der Geschichte Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle kommt eine junge Frau zu Holmes und Dr. Watson, die seltsame Dinge zu berichten hat. Sie arbeitet bei einer reichen Familie als Kindermädchen. Aber wie sie die Stelle bekommen hat und wie sich diese Familie verhält, findet sie seltsam und es beunruhigt sie, weshalb sie Holmes beauftragt näheres herauszufinden. Die Familie zahlt gut und deshalb möchte sie die Stelle eigentlich behalten. Sie wurde von dem Mann aus mehreren Mädchen ausgewählt, allerdings unter der Bedingung, dass sie sich die Haare kurz schneide und sich ab und zu in einem blauen Kleid zeigen solle. Obwohl das Mädchen, Violet Hunter, ihre Haare liebt, ist sie bereit sie abzuschneiden. Sie findet allerdings einen zweiten Zopf, der dem ihren ziemlich ähnlich sieht. Dann soll sie sich eines Tages in einem Raum mit großen, vielen Fenstern, die zur Straße rausgehen auf einen Stuhl setzen. Sie soll dort sitzen und den Geschichten und Witzen, die der Hausherr erzählt, lauschen. Bald bemerkt sie, dass draußen auf der Straße ein Mann ist, der sie beobachtet. Außerdem findet sie heraus, dass in einem Flügel des Hauses niemand Zutritt hat, außer dem Hausherren und den Hausangestellten. Sie möchte wissen, woran es liegt, schleicht sich in den Flügel. Der Hausherr wird ihr gegenüber immer aggressiver, sodass sie sich entscheidet, Holmes und Dr. Watson aufzusuchen, damit sie für sie dieses mysteriöse Rätsel lösen. Holmes möchte sich in dem Flügel umsehen und kommt schnell dahinter, dass dort eine junge Frau, vermutlich die Tochter der Hausbesitzer eingesperrt war, die angeblich verreist sein soll. Sie wollte heiraten, sodass das Geld, das sie von ihrer Mutter, an den Mann übergehen würde, der sie heiratete. Mr. Rucastle sorgte also dafür, dass seine Tochter gequält wurde bis sie beinahe starb. Sie überlebte zwar, aber wurde weiterhin gefangen gehalten. Als die Tochter dann freikam heiratete sie ihren Verlobten doch noch.

Auch hierbei handelt es sich mal wieder um eine junge Frau, die sich nicht mehr zu helfen weiß. Ihr ist etwas seltsames beziehungsweise fragwürdiges zugestoßen und möchte herausfinden, was dahintersteckt. Der einzige, der ihr dabei helfen kann, ist wie immer Sherlock Holmes. Die junge Frau erzählt also erst einmal ihre Geschichte, ihre Erlebnisse, auf die sich auch ein Leser im ersten Durchgang erst einmal keinen Reim machen kann. Erst sobald Sherlock Holmes dann auch die anderen Hinweise zusammengetragen hat, kommt langsam ein konsistentes Gesamtbild zustande, mit dessen Hilfe Holmes dann die Lösung des Falles präsentiert, worauf man als Leser aber meistens nicht einfach so kommt. So ist es auch hier. Interessant fand ich an diesem Fall besonders, dass Holmes sich kurz vor Schluss noch immer nicht über die genauen Ereignisse und Beweggründe im Klaren ist. Diese Tatsache macht den Fall besonders interessant und spannend.

Diese Geschichte bildet den Abschluss dieses Bandes Die Abenteuer des Sherlock Holmes. Allerdings merkt man der Geschichte es nicht an. Das fand ich irgendwie schade, andererseits wenn man überlegt, dass alle Serien heute mit einem Staffelfinale enden, dass die Zuschauer nur dazu bringen soll, auch die nächste Staffel wieder zu sehen, hat diese andere Vorgehensweise auch einen gewissen Charme, die mir aus dieser Perspektive nicht schlecht gefiel.

Insgesamt fand ich diesen Fall wirklich mysteriös, spannend und durchaus lesenswert, weshalb ich Das Landhaus in Hampshire von Sir Arthur Conan Doyle gerne weiterempfehle, denn es beschließt einen gelungenen Band der Geschichten des Detektives Sherlock Holmes.

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Die Geschichte des Beryll-Kopfschmuckes von Sir Arthur Conan Doyle

Alexander Holder kommt mit einem schwerwiegenden Anliegen zu Sherlock Holmes und Dr. Watson, denn so erzählt er, er arbeitet als Direktor und Miteigentümer einer Bank. Es kam ein berühmter Mann zu ihm in die Bank und bittet um ein Darlehen, dass er drei Tage später schon wieder zurückzahlen wolle. Als Sicherheit bietet er den Beryll-Kopfschmuck an, der mindestens 100.000 Pfund wert ist. Dem Bankdirektor ist nicht wohl bei der Verantwortung, aber er willigt dennoch ein. Da er aber dem Banktresor nicht vertraut, nimmt er den Schmuck mit sich nachhause und schließt ihn bei sich im Arbeitszimmer ein. Er erzählt seiner Nichte Mary und seinem Sohn Arthur von dem Schmuck. Arthur scheint abzurutschen, ständig ist er pleite und so bittet er auch nun seinen Vater wieder nach Geld, das dieser ihm nicht wieder geben möchte. Mary hingegen kümmert sich um den Haushalt und verhält sich immer nett und freundlich gegen ihren Ziehvater. Als er nachts Geräusche hört und auf diese Geräusche zustürmt, findet er seinen halbnackten Sohn mit dem zerbrochenen Schmuckstück in der Hand vor. Natürlich glaubt der Vater sofort, dass sein Sohn die Krone zerbrochen hat, doch man findet das abgebrochene Stück nicht. Dafür sieht man aber Fußabdrücke und das Schweigen Arthurs. Alexander ist verunsichert. Er weiß nicht nur nicht, was er von seinem Sohn halten soll, sondern braucht er auch die verschwundenen Steine, denn er muss die Krone zurückgeben. Sollten die Steine nicht wieder auftauchen, würde das seine Bank in Misskredit bringen.

Rückblickend betrachtet muss ich sagen, dass mich extrem stört, warum der Bankdirektor seinem eigenen Tresor so wenig traut, dass er den Beryll-Kopfschmuck lieber mit sich nachhause nimmt, statt ihn in der Bank einzuschließen. Natürlich kann man davon ausgehen, dass in der Bank noch andere den Tresor betreten können, aber diesen Leuten vertraut er bei normalen Geschäften auch. Wieso sollte er ihnen also nicht bei diesem Beryll-Schmuck trauen?

Davon abgesehen, fand ich es sehr faszinierend wie hier mit den Charakteren gespielt wurde. Arthur wird für den Versager gehalten, der seinen Vater ständig um Geld bittet, nichts auf die Reihe kriegt und von allen und sogar seinem Vater für einen Dieb gehalten wird. Wie sich herausstellt ist er aber ein guter Mensch und ist somit anders als er von anderen wahrgenommen wird. Mary hingegen verhält sich ebenfalls anders als man es von ihr vermuten würde, allerdings scheint sich das nach den Beschreibungen ihres Ziehvaters schon abzuzeichnen, zumindest für mich war klar, dass es bei ihr noch zu irgendeiner Wendung kommen würde.

Ich mochte Die Geschichte des Beryll-Kopfschmuckes von Sir Arthur Conan Doyle durchaus, auch wenn es sich hier mal wieder um eine Geschichte handelt, in der erst einmal sehr viel erzählt wird, was bisher vorgefallen ist, wonach die Protagonisten dann gemeinsam in das Haus des Bankdirektors Alexander Holder gehen um dort weiter zu ermitteln und Holmes dann aufgrund der Beweise eine Entscheidung trifft, wie genau der Tathergang gewesen sein muss.

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Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle

Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle ist eine Kurzgeschichte, in welcher Lord St. Simon zu Holmes und Dr. Watson kommt um ihnen mitzuteilen, dass seine Braut am Hochzeitstags verschwunden ist. Seine Braut freut sich seit Tagen auf die Hochzeit und weicht nicht von seiner Seite. Auch am Hochzeitstag ist sie guter Laune, sogar in der Kirche noch bis sie dort ihren Blumenstrauß fallen lässt und einen Mann in einer der Stuhlreihen sieht. Nachdem sie zurück sind und beim Hochzeitsessen sitzen, verschwindet sie kurz, weil sie sich nicht gut fühlt und taucht daraufhin nicht wieder auf. Sherlock Holmes weiß gleich, weshalb die Braut wohin verschwunden ist. Holmes geht los um einige Dinge in die Wege zu leiten und kommt später wieder. Er bestellt sowohl den Lord als auch zwei weitere Personen zu sich. Wie sich herausstellt, dass die junge Frau noch nicht so lange in England ist, sodass sie hier den Mann, von dem sie in der Kirche so erschreckt wurde, nicht in England kennengelernt haben kann, sondern ihn aus den USA kennen muss. Weiterhin geht Holmes davon aus, dass eine Frau nicht einfach so mit irgendeinem Mann mitgegangen worden wäre und ein Mann, der sie so erschrecken kann, jemand sein muss, den sie gut kannte. Es steht also für ihn fest, dass die Frau einen Geliebten oder gar einen anderen Ehemann (von sich) getroffen haben muss. Wie sich dann relativ schnell herausstellt, wohnt der entsprechende Mann in der Nähe in der Stadt, sodass Holmes ihn und seine Frau besuchen geht. Er stellt sich heraus, dass Hatty Doran, die verschwundene Braut, die eigentlich aus San Francisco stammt, dort mit einem Mann verheiratet war. Sie heirateten damals heimlich und Frank, ihr Ehemann, wollte erst einmal Geld verdienen bevor er seine Ansprüche offenlegt. Als Hatty die Nachricht erhält, dass ihr Ehemann bei einem Unglück starb, ist sie totunglücklich, heiratet einige Zeit später aber in England Lord St. Simon, oder hat er zumindest vor bis sie ihren Ehemann in England wiedertrifft. Dieser, weil sie sich erst in der Kirche zur Trauung wiedertreffen, bittet sie heimlich, Lord St. Simon zu heiraten bevor sie am Abend danach zu ihrem Ehemann geht. Lord St. Simon ist natürlich nicht begeistert, als er davon erfährt, doch er akzeptiert diese Entwicklung, da er ohnehin keine andere Wahl hat.

Der Titel dieser Kurzgeschichte von Sir Arthur Conan Doyle erinnerte mich ein bisschen an den Stil E.T.A. Hoffmanns, wobei es hier auch auf die Übersetzung ankommt. Insgesamt aber ein passender Titel. Eine junge Frau heiratet gegen den Willen ihres Vaters, ihr Mann will sich die Hand seiner Frau erst noch verdienen, obwohl er sie schon geheiratet und damit ja eigentlich sicher hat. Als sie glaubt, er sein tot, lernt sie einen Engländer kennen, der zwar Adelig aber ohne Geld ist, aber dennoch den Schein bewahrt. Sie als Tochter eines reichen Mannes, allerdings ohne Adelstitel, hat genauso viel von der Verbindung wie er, wenn nicht sogar weniger als der Lord, der es mit Hilfe des Reichtums seiner Braut schaffen könnte, sein eigenes Leben und die Besitztümer seiner Familie wieder neu zu sichern. Als sie ihren eigentlichen Ehemann in der Kirche trifft, will sie doch wieder bei ihm sein. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich diese Verwicklungen, so logisch die Schlussfolgerungen von Holmes in diesem Fall auch sein mögen, auf den ersten Blick nicht nachvollziehen kann. Ich habe es in der Inhaltsangabe erwähnt, aber irgendwie finde ich es auch hier schwierig zu glauben, dass die Schlussfolgerungen von Holmes die einzig möglichen sind. Wenn man ihn mit heutigen Kriminalisten und Detektiven vergleicht, merkt man schnell, dass die heutigen Helden immer etwas länger brauchen um auf die richtige Lösung zu kommen, was wohl auch mit daran liegt, dass es heute mehrere Möglichkeiten für das Verhalten geben könnte, die es damals nicht so einfach gab. Interessant finde ich hier besonders die Beschreibungen der Recherche. Der Klient kündigt sich an, und Holmes lässt sich erst einmal von Watson darüber informieren, was in dieser Geschichte bisher schon bekannt ist, indem es eben über Zeitungen veröffentlicht wurde. Nachdem er all diese Informationen zusammen hat, scheint er den Fall schon halb gelöst zu haben und braucht nur noch ein paar Beschreibungen des Lords um den Fall abschließen zu können. Dieses Gehabe erscheint mir auch für damalige Verhältnisse ein bisschen idealisiert, aber ich wollte eigentlich auf die Recherchemethode raus. Heute würde man wohl vermutlich auf das Internet zurückgreifen und damals eben auf Zeitungsausschnitte. Dies einmal mitzuerleben, fand ich total spannend auch wenn es das damalige Publikum unter Umständen nicht so fasziniert hat wie heutige Rezipienten.

Insgesamt ist Die verschwundene Braut von Sir Arthur Conan Doyle aber durchaus lesenswert und hat mir besser gefallen als die vorherige Geschichte, sodass ich diese Kurzgeschichte gerne weiterempfehle.