Der Junge, der Träume schenkte von L. Di Fulvio ·Hörbücher

Abgebrochen: Der Junge, der Träume schenkte von Luca Di Fulvio

Der Junge, der Träume schenkte von Luca Di Fulvio ist ein inzwischen 10 Jahre alter, aber dennoch sehr bekannter Roman (Dez. 2011). Ich habe ihn damals in der ein oder anderen Buchhandlung rumliegen sehen, mir gefiel das Cover und der Titel war so wunderbar poetisch, dass ich den Roman schon damals gerne lesen wollte. Auch die nachfolgenden Bände waren ganz hübsch und die Titel nicht weniger poetisch. Damals haben mir 780 Seiten nicht nur verunsichert, sondern komplett abgehalten. Ein Buch von diesem Umfang von einem unbekannten Autoren in einem Genre, das nicht wirklich meins war? Das musste nicht sein. Auch heute brauche ich keine 800 Seiten-Schinken. Aber ich habe herausgefunden, dass es den Roman als Hörbuch gibt und dachte mir, da ich derzeit gerne Hörbücher höre, wäre das doch eine Idee.

Ich habe den Roman nach nicht mal 20 Minuten abgebrochen. Weder zum Inhalt noch zum Sprecher kann ich also so viel sagen. Aber ein bisschen dennoch; vor allem natürlich den Grund für meinen Abbruch und warum ich hier darüber schreiben, obwohl ich kaum etwas über den Roman weiß.

Der Sprecher, Sascha Rotermund, war ganz in Ordnung. Ich war etwas verwirrt, warum ein Mann einen Roman liest, in dem Frauen beziehungsweise eine junge Frau am Anfang die Protagonistin ist, aber ich ging mal davon aus, dass das daran lag, dass es später mehr um ihren Sohn geht.

Gleich am Anfang mochte ich schon die Mutter nicht, weil sie ihre Tochter, Cetta, misshandelt und verstümmelt, damit diese nicht vom Gutsbesitzer vergewaltigt oder verführt wird. Ich konnte einfach nicht verstehen wie eine Mutter ihre kleine Tochter so misshandeln kann. Aber dann auch noch der Freund des Gutsbesitzers, der das Mädchen einfach vergewaltigt. Mal davon abgesehen, dass das total unrealistisch schien, fand ich die Vergewaltigung auch unnötig. Gefühlte drei Minuten später die nächste Vergewaltigung, weil Cetta ihre Überfahrt nach Amerika offenbar mit Geschlechtsverkehr bezahlt.

Zwei Vergewaltigungen in nicht mal 20 Minuten Hörbuchdauer. Danach hatte ich keine Lust mehr und als ich dann gelesen habe, dass das mehr oder weniger genau so weitergeht, habe ich das Hörbuch endgültig abgebrochen.

Schade, dass sich hinter einem Titel wie Der Junge, der Träume schenkte so eine schreckliche Geschichte verbirgt. Luca Di Fulvio ist damit für mich unten durch und zu diesem Roman (und auch zur ganzen Reihe) werde ich wohl nie weder greifen.

Das Leben ist zu kurz für irgendwann von C. Geraghty ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty

Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty ist ein Roman über die Freundschaft von Terry und Iris.

Terry ist Hausfrau und Mutter und lebt mit ihrer Familie in Dublin. Als sie zufällig bei Iris vorbeikommt, öffnet niemand die Tür. Da Iris an MS leidet, macht sich Terry Sorgen und steigt ins Haus ein. Dort findet sie niemanden vor außer zwei Briefen, von denen der erste an sie adressiert ist.

Iris schreibt darin, dass sie sich entschieden hat, ihr Leben in einer Schweizer Klinik für Sterbehilfe zu beenden. Terry kann das nicht zulassen und folgt Iris zur Fähre, deren Buchung sie im Computer gefunden hat. Iris ist alles andere als begeistert, gestattet Terry und deren Vater aber sie zumindest bis nach England zu begleiten. Terry hat ihren Vater gerade bevor sie zu Iris‘ Haus fuhr aus dem Altenheim abgeholt, da sie dort Probleme mit Ungeziefer haben. Terrys Vater ist sehr dement und erinnert sich kaum noch an seine eigene Tochter. Eine Reise mit einem ständigen Ortswechsel ist eigentlich nichts mehr für ihn.

In London will Iris sich ein Konzert ansehen und Terry ruft heimlich Iris‘ Mutter Vera an, damit die beiden sich endlich versöhnen können. Iris ist zwar nicht begeistert, spricht aber zumindest mit ihrer Mutter. Außerdem kauft Terry sich neue Kleidung, da sie ja für sich nichts einpacken konnte.

Während sie unterwegs sind, rufen ihre Töchter Kate und Anna und ihr Mann Brandon immer wieder an, denn sie bräuchten ihre Mutter beziehungsweise ihre Frau in Dublin. Während Brandon gerade Verhandlungen mit Geschäftspartnern führt, wo er seine Frau als moralische Unterstützung Zuhause brauchen könnte, sind Anna und Kate gerade in stressigen Phasen. Die eine lernt gerade für ihre Abschlussprüfungen an der Uni und die andere plant ein Theaterstück. Terry fällt es schwer so weit weg von ihren Töchtern zu sein; schließlich ist es ihre Aufgabe sich um ihre Kinder und ihren Ehemann zu kümmern.

Terry und Iris fahren in der Folge quer durch Frankreich und genießen ihren gemeinsam Roadtrip. Sie machen Halt in einem französischen Schloss, in dem Iris mit dem einzigen Angestellten schläft und Iris und Terry gemeinsam im Garten kiffen. Nachdem Terrys Vater ihren Wagen gegen den nächstbesten Baum gesetzt hat, läuft Terry ins nächste Dorf, um dort Hilfe zu holen. Terry fährt mit dem Motorrad des Mechanikers zurück zu ihrer Freundin und ihrem Vater, obwohl sie Angst vor Motorrädern hat.

Am Abend gehen die drei gemeinsam in einen Jazz-Club, der nur bei Vollmond existiert und tanzen dort stundenlang. Nach diesem wunderschönen Abend streiten sich Iris und Terry fürchterlich und in der Folge reist Iris alleine ab. Terry und ihr Vater reisen Iris panisch hinterher, denn Terry möchte ihre Freundin in ihren letzten Stunden auf keinen Fall alleine lassen, auch wenn sie mit Iris‘ Entscheidung nicht einverstanden ist.

Mit dem notdürftig reparierten Auto fährt Terry Iris hinterher und sucht in ganz Zürich nach ihr. Sie ruft alle Hotels an und fragt nach allen möglichen Kombinationen von ihren Vor- und Nachnamen, allerdings ist keine Frau mit einem dieser Namen in irgendeinem Hotel in Zürich. Erst als sie nach Mary Lennox, der Protagonistin aus Der geheime Garten, Iris‘ Lieblingsbuch, fragt, findet sie Iris und ruft sie an. Terry verspricht ihr, sie am nächsten Tag in die Klinik zu begleiten und bis zum Ende bei ihr zu bleiben…

Das Leben ist zu kurz für irgendwann von C. Geraghty ·Hörbücher

Rezension: Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty

Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty habe ich als Hörbuch gehört, sodass ich sowohl etwas zum Inhalt als auch zum Medium schreiben werde.

Die Figuren, Terry und Iris vor allem, haben mir sehr gut gefallen. Obwohl es eigentlich um Iris geht, liegt der Fokus klar auf Terry. Aus ihrer Sicht wird die gesamte Reise geschildert und sie lernt unglaublich viel über sich selbst während sie mit ihrer besten Freundin und ihrem dementen Vater quer durch Europa reist. Terry versucht viele Dinge, vor denen sie früher Angst hatte und traut sich immer wieder aus ihrem eigenen Schneckenhaus, obwohl sie eigentlich eine sehr ängstliche Person ist und sich ständig Gedanken darüber macht was alles schief gehen könnte.

Iris ist egoistischer, aber auch sie hat ein gutes Herz. Sie hat wirklich viel durchmachen müssen, ihr Vater, der schwerkrank war, ihre eigene Krankheit, ihre Mutter, die wegläuft als Iris noch sehr jung ist, aber gerade das alles scheint sie gestärkt zu haben. Sie ruht in sich und ihr ist die Meinung der anderen allzu oft egal, wodurch sie wahrscheinlich egoistischer wirkt als sie eigentlich ist. Dennoch ist mir Iris sympathisch.

Die Handlung selbst hat mir ebenfalls gut gefallen. Ich hatte ja gedacht, dass die Reise sehr bedrückt und traurig ablaufen würde und war nicht so sicher, ob ich das Hörbuch wirklich hören will, aber es war viel lustiger als ich befürchtet hatte. Terry hat eine unglaublich lustige Art und auch Iris trägt ihres zur Leichtigkeit des Romans bei.

Die Beschreibungen der Landschaft und all das, was Terry ausprobiert, sorgen dafür, dass der Roman sich sehr leicht hat weghören lassen. Ich mag solche Romane, in denen die Protagonistin aus ihrem Leben ausbricht, neue Dinge ausprobiert, über sich hinauswächst und dann ihr Leben ändert und genau so ist es hier mit Terry. Der Vorgang, was gedanklich und emotional in ihr passiert, bleibt zwar undurchsichtig; zumindest für mich. Hier hätte ich mir mehr Gedanken- und Gefühlsschilderungen gewünscht, aber dennoch sind Terry Beweggründe nachvollziehbar.

Ich mag es in letzter Zeit ja auch ganz gerne, wenn die Romane eine gewisse Leichtigkeit haben und dennoch eine wichtige Botschaft vermitteln und das ist Ciara Geraghty sehr gut gelungen. Obwohl Terrys Vater Demenz hat, scheint ihm die Reise auch irgendwie gut zu tun; was nicht heißt, dass man seine älteren dementen Verwandten aus dem Altenheim reißen und quer durch Europa schleifen sollte. Aber ich finde es wichtig, dass sich in diesem Roman so viel um das Thema Demenz dreht. Iris arbeitet in diesem Bereich, Terry wollte ihren Vater Zuhause pflegen und schildert ihre widersprüchlichen Gefühle. Sie erzählt davon wie verzweifelt sie war, weil ihre alte Mutter ihren Mann bis zu ihrem Tod gepflegt hat, Terry es aber trotz Pflegekraft, die ihr hilft, nicht länger als ein halbes Jahr konnte. Und sie schildert, dass sie ihren Vater liebt und dennoch Unverständnis und an manchen, schlechten Tagen oder in schlimmen Situationen beinahe sogar Hass für ihn empfindet. Das ist unglaublich hart, zeigt aber wie komplex Gefühle, gerade in einer solch schwierigen Situation, sein können.

Auch dass das Thema Sterbehilfe hier so präsent ist, hat mir gut gefallen. Das ist ein unglaublich schwieriges Thema, zu dem es etliche verschiedene Meinungen gibt, die sicherlich auch meistens ihre Berechtigung haben. Natürlich wird das Thema auch in der Schule thematisiert und dann muss eine Pro und Kontra-Argumentation dazu geschrieben werden, aber sich einmal in die Figuren im Roman hineinzuversetzen und diese widersprüchlichen Ansichten vorgestellt und vorgelebt zu bekommen, hilft, darüber auch noch einmal selbst nachzudenken. Auf der einen Seite eine Frau, die Angst vor einem qualvollen Tod hat und auf der anderen Seite ihre beste Freundin, die die Freundin noch nicht verlieren möchte.

Inka Friedrich ist die Sprecherin von Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Ich mochte ihre Stimme sehr gerne und sie hat toll zu Terry gepasst. Auch den dementen Vater von Terry hat sie toll gesprochen und auch Iris konnte man gut von Terry unterscheiden und sie hat ihr ihre eigene Charakteristik gegeben. Das Hörbuch selbst ist ungekürzt, was ich ja immer ganz gut finde. Zumal es keine Längen im Roman gab, wo man sich dann doch mal eine Kürzung gewünscht hätte. Schade finde ich, dass es den Roman nur als Download-Hörbuch gab, weil ich das Cover wirklich schön finde, aber so ist das leider manchmal.

Insgesamt hat mir Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty sehr gut gefallen und ich empfehle das Hörbuch gerne weiter.

 

 

 

Danke an Der Hörverlag für das Hörbuch-Rezensionsexemplar.

Hörbücher ·Klara und die Sonne von K. Ishiguro

Inhaltsangabe: Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro

In Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro geht es um die KF (Künstliche Freundin) Klara. Klaras Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich eine Jugendliche mit ihr weniger einsam fühlt.

Klara lebt am Anfang des Romans mit vielen anderen KFs gemeinsam in einem Geschäft. Durch das Schaufenster können die KFs die Menschen draußen beobachten. Während Klara eine sehr gute Beobachtungsgabe hat und schnell ihre Schlüsse zieht, erkennt Rosa, ihre beste Freundin, nicht so viel. Einmal sitzen Klara und Rosa direkt im Schaufenster und beobachten zwei Männer, die sich prügeln. Rosa ist der festen Überzeugung, dass die beiden Männer ein Spiel gespielt haben, dass ihnen und den anderen Anwesenden gefallen hat; Klara hingegen ist erschüttert wieso Menschen sich verletzten möchte.

Weiterhin beobachtet Klara auch seltsames Verhalten im Laden selbst: Nachdem neue Modelle im Geschäft eingetroffen sind, beobachtet Klara wie die neuen Modelle von den älteren abrücken, obwohl diese älteren Modelle sehr nett zu den neuen sind. Die neuen Modelle lachen immer wieder über die älteren. Sie versteht dieses missgünstige Verhalten nicht und fragt sich wie diese neuen KFs denn auf diese Weise vernünftig für ihre Jugendlichen da sein sollen.

Als Klara Josie kennenlernt, verspricht Josie ihr, dass sie sie bald kaufen wird. Nachdem Klara den Kauf durch ein anderes Mädchen abgelehnt hat, ist die Managerin des Geschäfts skeptisch, denn sie weiß, dass KFs häufig Versprechungen von Kindern erhalten, die diese dann aber nicht einhalten. Entweder sie kommen überhaupt nicht wieder oder sie kommen wieder und kaufen einen anderen KF. Klara fristet ihr Dasein weiterhin im Laden und wird letztendlich in die hinterste Ecke des Ladens gestellt. Dort ist sie nur für Käufer zu sehen, wenn diese sehr weit ins Geschäft kommen und sich genau umsehen; ihre Verkaufschancen sinken also.

Josie kommt vorbei und möchte Klara immer noch kaufen. Ihre Mutter ist, nach anfänglicher Skepsis, doch überzeugt und kauft Klara. Nach anfänglichen Missverständnissen – Klara hält die Haushälterin für eine Managerin, die sie anleiten soll und läuft ihr immer hinterher – lebt sich Klara gut ein. Josie lebt sehr weit außerhalb der Stadt. In der Nähe gibt es nur noch ein weiteres Haus der Nachbarn. Dort wohnt ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, Miss Helene, mit ihrem Kind, Rick.

Klara hat also einen sehr engen Kontakt zu Josies Mutter, Josie, Miss Helene, Rick und der Haushälterin. Da Josie viel Zeit Zuhause, bei ihrem privaten, digitalen Unterricht verbringt, kriegt Klara wenig von der Menschenwelt mit. Dennoch kriegt sie an der ein oder anderen Stelle etwas von der Außenwelt mit.

Einmal lädt Josie einige gleichaltrige Mädchen und Jungen zu einem Interaktionstreffen ein. Das muss sie aus gesellschaftlichen Gründen tun, allerdings wird nicht so genau klar, woher diese Vorgabe kommt; nur, dass Josie das Treffen eigentlich nicht veranstalten möchte und die Jugendlichen sich auch ziemlich unmöglich verhalten.

Ein anderes Mal wollen Josie, ihre Mutter, die Haushälterin und Klara gemeinsam zu einem nahegelegenen Wasserfall fahren. Alle freuen sich tagelang auf den Ausflug bis die Mutter diesen kurzfristig absagt, da sie merkt, dass Josie krank ist. Die Mutter fährt alleine mit Klara und bittet diese beim Wasserfall Josie zu sein, was Klara tut.

Klara merkt, dass es Josie teilweise sehr schlecht geht und so vereinbart sie etwas mit der Sonne, die sie für eine Art Göttin hält: Wenn sie die Maschine, die sie vom Laden aus gesehen hat und die eine große Umweltbelastung ausstößt, zerstört, dann bittet sie die Sonne im Gegenzug Klara mit ihrer heilenden Kraft zu heilen genau so wie sie es bei Bettelmann und dessen Hund während ihrer Zeit im Laden gesehen hat.

Als Klara zusammen mit Josie, ihrer Mutter, Josies Vater, Miss Helene und Rick in der Stadt ist, schafft Klara es gemeinsam mit dem Vater die Maschine zu zerstören, allerdings schickt die Sonne nicht sofort Hilfe. Ricks Treffen mit jemandem, der ihm helfen soll aufs College zu kommen, verläuft schlechter als erhofft, aber Rick möchte von dem Mann auch gar keine Hilfe mehr, da dieser seine Mutter niedermacht. Weiterhin lernt Klara Mr. Capaldi kennen. Dieser soll ein Gemälde von Josie anfertigen, doch wie sich herausstellt, handelt es sich dabei gar nicht um ein einfaches Gemälde, sondern um eine Art KF, die die Tochter nach deren Tod ersetzen soll. Josies Mutter würde es nicht ertragen nach ihrer ältesten Tochter noch eine zweite Tochter zu verlieren und so plant sie einen Ersatz für den Fall, dass Josies Krankheit zum Tod führt. In der Folge stellt die Mutter Klara die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Josie zu werden und Klara antwortet, dass sie das gerne tun wird, wenn es die einzige Möglichkeit ist, Josie zu helfen, doch sie hofft, dass es noch eine andere gibt und denkt dabei an ihr Abkommen mit der Sonne.

Josie wird in den folgenden Wochen immer schwächer und der Arzt kommt häufig, die Mutter verbringt viel Zeit Zuhause und wacht gemeinsam mit der Haushälterin und Rick immer wieder am Bett ihrer Tochter.

Hörbücher ·Klara und die Sonne von K. Ishiguro

Rezension: Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro

Den Roman Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro habe ich als Hörbuch gehört, deshalb werde ich etwas zum Inhalt und auch zum Medium schreiben.

Die Handlung hat mir sehr gut gefallen. Wenngleich zeitweilig nicht so wahnsinnig viel passiert, weil sich der größte Teil der Handlung im Haus abspielt, mochte ich diese ganz gerne.

Die Charaktere haben mir auch ganz gut gefallen. Josies Mutter fand ich aber Anfang etwa seltsam, aber sie hat sich für mich positiv entwickelt und ich mochte sie dann eigentlich ganz gerne, sobald man sie besser kennenlernt und ihre Gefühle begreift. Josie mochte ich am Anfang, doch sie wurde mir in den folgenden Jahren unsympathischer. Sie behandelt Klara zwischenzeitlich nicht so sonderlich gut und auch Rick wird von ihr häufig von oben herab behandelt. Rick und Miss Helene sind schwieriger einzuschätzen. Auf der einen Seite tat mir Rick häufig leid. Er tut viel für Josie und seine Mutter, aber er wird von beiden häufig nicht so liebevoll behandelt. Miss Helenes Charakter ist schwer zu durchschauen. Sie wirkt sozial sehr tollpatschig und scheint ständig in irgendwelche Fettnäpfchen zu tappen. Klara war mir mit Abstand am sympathischsten. Sie ist eine kluge, neugierige und fürsorgliche KF und versucht so gut sie kann für Josie da zu sein. Sie stellt ihre Rolle im Haushalt zwar nicht wirklich in Frage und kommt allen Aufforderungen nach, so wie sich das für eine gute KF gehört, doch sie denkt auch eigenständig und löst sich so in gewisser Weise auch von Josie.

Die Gesellschaftsordnung im Roman blieb für mich die ganze Zeit über etwas abstrakt, weil Klara – dazu komme ich gleich noch – natürlich nicht versteht wie genau die Menschen ihre Leben organisieren und deshalb wenig dazu berichtet. Wie wir das aus der aktuellen Lage kennen, scheint dort häufig Distanzunterricht gemacht zu werden. Josie geht offenbar in eine Klasse, in der die Kinder alle digitalen Unterricht haben. Um dennoch für das College und die Interaktion mit Gleichaltrigen gewappnet zu sein, nimmt sie an so genannten Interaktionstreffen teil. Offenbar teilt sich die Gesellschaft in zwei Klassen: Die Gehobenen und die, die nicht gehoben wurden. Was man tun muss um gehoben zu werden, bleibt unklar, aber offenbar ist es mit irgendwelchen Risiken verbunden, denn die Krankheit von Josie scheint mit diesem Gehobensein zusammen zu hängen. Ich fand es sehr schade, dass man nicht mehr über die Gesellschaft und das Schulsystem dort erfährt, wobei man über den Roman hinweg natürlich hier und da mal ein paar Details erhält, aber so der große Zusammenhang fehlte mir und ich hätte mir auch noch einige Details mehr gewünscht.

Klara ist die Erzählerin des Romans und obwohl das natürlich Sinn ergibt, macht es den Roman alleine deshalb schon total spannend. Klara kann die menschlichen Belange, Beziehungen, Gefühle, Tagesabläufe und Handlungen zwar beobachten – und sie ist eine wirklich gute Beobachterin, weil sie so neugierig und klug ist – aber ihre Erzählung hat doch einige Lücken. Sie versteht manche Dinge schlichtweg nicht und kann für anderes keine Gründe angeben. Sie ist also eine ziemlich unzuverlässige Erzählerin, aber eben nicht aus Absicht. Gerade das finde ich an der Erzählform so spannend. Wie sieht jemand, der die Welt nicht versteht, sondern aus ihr herausgehoben ist, unsere Welt und unsere Gesellschaft?

Hier fand ich ein bisschen schade, dass es sich um eine zukünftige Welt handelt, in der der Roman spielt. Das sorgt dann dafür, dass man keinen Außenblick auf unsere aktuelle Gesellschaft erhält, was ich schade fand, weil ich es mir erhofft hatte. Als ich mich aber daran gewöhnt hatte, dass meine Hoffnungen nicht erfüllt werden, hat mir der Roman dennoch gut gefallen, weil natürlich auch in dieser Welt eine Außensicht auf die Gesellschaft spannend ist.

Besonders spannend sind an diesem Roman natürlich die Hauptfragen: Kann eine KF ein Mensch werden? Ist sie dazu in der Lage einen Menschen so gut zu lernen, dass sie ihn so gut imitieren kann, dass kein Unterschied zwischen KF und Mensch erkennbar ist? Gibt es eine Seele, die nicht erlernbar ist? Oder steckt unsere Seele vielleicht nicht in uns selbst, sondern in den Menschen um uns herum? Was macht uns, unseren Kern aus?  Ist der irgendwo physisch in uns und kann erkannt, gemessen, festgestellt werden? Oder ist das, was uns zu uns selbst macht, etwas nicht Greifbares? All diesen Fragen geht Ishiguro in Klara und die Sonne nach. Und diese Fragen regen toll zum Nachdenken an und haben mich tief beeindruckt, denn Mr Capaldi geht davon aus und kann das auch beweisen, dass nichts in einem Menschen ist, was ein KF nicht nachempfinden und lernen könnte. Doch gegen diese These wehrt sich natürlich etwas in uns. Irgendetwas muss da doch sein, das uns einzigartig macht? Oder müsste eine Maschine nur komplex genug „denken“ können, um alle möglichen Entscheidungsmatrizes eines Menschen durchrechnen und so letztendlich doch so entscheiden zu können wie ein Mensch? Davon unabhängig: Ist die Entscheidung möglicherweise das, was einen Mensch zu einem Mensch macht? Also die Fähigkeit Entscheidungen wissentlich zu treffen?

Bei dieser Überlegung hatte ich noch einen interessanten Eindruck vom Roman: Josie darf keine eigenen Entscheidungen treffen oder fast gar nicht. Die Gesellschaft, ihre Mutter, die Haushälterin entscheiden für sie. Erst nach und nach löst sich Josie davon und trifft ihre eigenen Entscheidungen. Auch Klara darf eigentlich nicht selbst entscheiden, sondern muss machen, was man ihr aufträgt. Manchmal muss sie die Entscheidung treffen, ob ein Mensch in einer Aussage eine implizite Aufforderung verpackt hat, aber diese Art der Entscheidung ist die größte Entscheidung, die sie treffen muss. Auch dieser Aspekt regt zum Nachdenken an und könnte sicher diskutiert werden. Dieser gesamte Ideenkomplex hat mir gut gefallen.

Das Hörbuch selbst habe ich als physisches Hörbuch erhalten. In der quadratischen Box waren die CDs in Hüllen eingelegt. Die Box selbst sieht ein bisschen aus wie die Box eines Spiels, solch eine Art der Verpackung habe ich bisher noch nie gesehen, gefiel mir aber ausgesprochen gut.

Bei dem Hörbuch handelt es sich um die ungekürzte Version, die von Johanna Wokalek gelesen wurde. Ich habe ein bisschen gebraucht, mich an die Stimme zu gewöhnen, aber am Ende hat sie doch ganz gut zur Klara gepasst, wobei sie mir persönlich etwas zu rau war. Dennoch hat die Stimme gut zu Klaras Charakter und zur Stimmung im Buch gepasst. Ich würde das Buch nicht ausschließlich aufgrund der Sprecherin empfehlen, aber würde es auch nicht nicht empfehlen ihretwegen.

Alles in allem hat mir Klara und die Sonne von Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro sehr gut gefallen. Man kann über die zuvor genannten Fragen sicherlich ausführlich diskutieren, sodass ich der Roman auch für das Lesen im Lesekreis oder ähnlichem anbietet. Trotz der vielen wichtigen Fragen fand ich den Roman leicht verständlich und ich werde auf jeden Fall mal wieder zu einem Ishiguro greifen.

 

 

 

Vielen Dank an Random House Audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

A Whisper of Stars Erwacht von T. Fischer ·Hörbücher

Inhaltsangabe: A Whisper of Stars: Erwacht von Tami Fischer

A Whisper of Stars: Erwacht ist der erste Teil der Reihe, geschrieben von Tami Fischer. Das Jugendbuch habe ich als Hörbuch für eine Hörrunde gehört.

Liv und Finn leben gemeinsam mit ihren Familien auf Hawaiki, doch schon immer merken sie, dass sie anders sind als alle anderen. Beide sind neugierig und hinterfragen viel zu viel um sich problemlos in ihre Gemeinschaft einordnen zu können. Während Liv eine Affäre mit einem der Springer hat, führt Finn schon seit geraumer Zeit eine weitgehend heimliche Beziehung zu einem der Mädchen aus dem Dorf, doch ihre Eltern dürfen aufgrund von Finns Andersartigkeit nichts von der Beziehung wissen.

Hawaiki ist eine Insel, die offenbar weit ab von allen anderen Inseln und dem Festland liegt. Die Springer fahren immer wieder nach Los Angeles, allerdings erzählen sie von ihren Reisen wenig und abgesehen von Finn und Liv interessiert sich das Inselvolk auch nicht für die Außenwelt. Hawaiki wird mit Lebensmitteln und allen möglichen Materialien, Rohstoffen, Kleidung und anderen Dingen durch eine Bucht versorgt. Zwar kommen niemals Fremde an Land oder werden angespült, aber in regelmäßigen Abständen erscheinen Boote und Schiffe in allen möglichen Größen in dieser Bucht. Niemand weiß wie sie dort hinkommen und wieder verschwinden, aber die Springer haben die Aufgabe diese Schiffe nach Sachen zu durchsuchen, die die Bewohner der Insel brauchen können. Livs und Finns größter Traum ist es, ebenfalls ein Teil dieser Mannschaft zu werden.

Außerdem gibt es im Dorf eine eigene Ordnung: Der heilige Wald darf nicht betreten werden, im Dorf gibt es die Ältesten, die die Entscheidungen zusammen mit dem Chief für die Gemeinschaft treffen und die Rollenaufteilung scheint sehr archaisch zu sein. Frauen können keine Springer werden, aber sie lernen lesen und schreiben, damit sie die Familiengeschichte aufschreiben können; dazu werden alte Bücher verwendet, wenn diese nicht gerade zum Heizen benutzt werden, was Liv und Finn natürlich in der Seele weh tut. Liv und Finn können lesen, und lesen alles, was sie in die Finger bekommen, da sie sich sehr für die Außenwelt interessieren.

Eines Tages hören Liv und Finn einen Ruf, gegen den sie sich nicht wehren können. Sie werden in den heiligen Wald gezwungen bis sie vor einer Höhle stehen. Dort trennen sie sich und Liv und Finn wandern getrennt durch die Höhle. Liv findet eine seltsame Steintafel und einen seltsamen Sand, den sie berührt. Finn kann sie gerade noch rechtzeitig aus der Höhle retten bevor diese einstürzt. Draußen werden die beiden von Jenkins begrüßt, der sich als Freund der Ältesten und ihrer Großeltern entpuppt.

Jenkins berichtet ihnen von der Geschichte ihrer Insel: Damals haben sich einige Krieger geopfert, die sich würdig erweisen mussten, um einige Sterne in ein Gefängnis, die Höhle, in der Finn und Liv beinahe verschüttet wurden, einzusperren. Wie sich herausstellt gibt es für diese eingesperrten Sterne in einem Jahr die Gelegenheit sich aus ihrem Gefängnis zu befreien wenn sie nicht von Liv und Finn aufgehalten werden. Aber um sie aufhalten zu können müssen sie die anderen Beschenkten finden, denn Liv und Finn wurden jeweils von einem der mächtigen Sterne beschenkt und sie müssen den Sternenstaub aller Mächtigen finden und berühren. Dieses Schicksal erklärt auch ihre Andersartigkeit.

Kaum in Arizona angekommen, wohin sie die Karte als erstes geschickt hat, werden sie von einigen Feuer bändigenden Jugendlichen angegriffen, die sie beinahe töten, weil sie die beiden für die Mörder einer Freundin halten. Auch Jamie greift die beiden erst einmal an, lässt sie dann aber doch heilen um dem Mord besser auf die Spur kommen zu können. Liv kann zwar ihre Unschuld beweisen, doch irgendwer scheint es auf sie und Finn abgesehen zu haben und so werden sie von ihren neuen Freunden immer wieder angegriffen. Wie sich herausstellt ist einer ihrer Verbündeten in Wirklichkeit ein Feind, der sie immer wieder verzaubert und so die Freunde gegeneinander hetzt.

Als sie sich nach einigen Wochen auf die Suche nach einer weitern Zone eines Mächtigen machen, damit sie auch dort den Sternenstaub berühren können, versucht dieser Feind an den Sternenstaub zu gelangen und schreckt auch nicht davor zurück, Liv auf ein Himmelfahrtskommando zu schicken, was diese mitmacht, da sie wieder von ihm verzaubert wurde.

Letztendlich gelingt es Finn und Liv nicht nur heil an den Sternenstaub zu gelangen, sie brechen auch den Zauber, befreien so ihre Freunde, finden den dritten Beschenkten und lösen noch einen jahrelangen Fluch, der Jamie eigentlich das Leben hätte kosten müssen. Ihr Feind verschwindet aber erst einmal und die Freunde ahnen, dass man ihnen noch weitere Widersacher auf ihrem Weg hinterherschicken wird, um zu verhindern, dass sie die gefangenen Sterne in ihrem Gefängnis halten zu können.

A Whisper of Stars Erwacht von T. Fischer ·Hörbücher

Rezension: A Whisper of Stars: Erwacht von Tami Fischer

A Whisper of Stars: Erwacht von Tami Fischer ist der erste Teil einer Jugend-Fantasy-Reihe, den ich als Hörbuch gehört habe und deshalb sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen werde.

Der Anfang der Geschichte ist wunderschön, da die Insel Hawaiki, auf der Finn und Liv leben, beschrieben wird. Die Insel ist sehr idyllisch und vor allem die Naturbeschreibungen waren wirklich toll. Schade, dass danach weite Teile der Geschichte gar nicht mehr dort spielen, aber vielleicht kehrt man ja im zweiten Teil noch mal etwas länger dahin zurück, wobei ich es nicht glaube, da es aufgrund der Handlung nicht wirklich viel Sinn ergeben würde.

Ich hatte bei der Geschichte, wie es ja bei Jugendfantasy häufig ist, eine Art Reiseroman erwartet, aber Finn und Liv kommen mit ihrer Reise nicht so wirklich weit. Erst reisen sie nach Los Angeles und danach nach Arizona, nach Flagstaff und zum Grand Canyon. Die Reisen selbst spielen allerdings keine wirkliche Rolle, was ich sehr schade fand.

Liv und Finn wurden mir im Laufe der Handlung immer unsympathischer. Ich kann gar nicht mal genau sagen, woran es lag, aber zum einen sicherlich an der Passivität von Finn, der sich einfach immer von den anderen lenken lässt und Liv das Handeln überlässt und zum anderen an Livs Unterwürfigkeit wenn es um Jamie ging. Ja, sie wurde verzaubert und ja, auch er wurde verzaubert, aber mir hat dieses ganze Beziehungsgeflecht einfach nicht behagt, sodass mir die Figuren selbst leider auch immer unsympathischer wurden. Auch die Entscheidungen, die Liv immer wieder trifft, konnte ich einfach nicht nachvollziehen, sodass ich mich nicht wirklich in sie hineinversetzen konnte.

Die Handlung selbst wirkt als sei sie irgendwelchen alten Mythen entnommen. Ich weiß nicht genau, woher die Autorin ihre Idee hatte, aber es wirkte so als hätte sie sich bei allen möglichen alten Geschichten, Sagen und Mythen von irgendwelchen Inselvölkern bedient und daraus ihre eigene Geschichte zusammengezimmert. Es wirkte einfach wenig innovativ, sondern irgendwie alles bekannt, wenngleich mir die Idee mit den Sternen ganz gut gefiel. Aber auch hier hatte ich das Gefühl, dass man als Leser:in bzw. Hörer:in lange Zeit nichts relevantes erfährt und dann mit den wichtigen Informationen überrollt wird. Hier wäre eine etwas vorsichtigere Streuung der Informationen ganz nett gewesen, was aber vielleicht auch mit der Kürzung zusammenhing.

Die Kürzung selbst merkt man eigentlich nicht, aber ich habe gelesen, dass einige Kapitel komplett herausgelassen wurden und vielleicht würde die Geschichte für mich mit diesen Kapiteln mehr Sinn ergeben und ich könnte dann auch besser die Verhaltensweisen der Figuren nachvollziehen.

Die Sprecherin hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Sie passte gut zu Liv und ich konnte mir diese Stimme wirklich für die Protagonistin vorstellen. Auch die ganzen Ausdrücke aus der Sprache von Liv und Finn und die Bezeichnungen, die die beiden verwenden, hat die Sprecherin gut ausgesprochen. Diese Stimme passte einfach auch zur Sprache der beiden.

Insgesamt hat mir A Whisper of Stars: Erwacht von Tami Fischer nicht so gut gefallen und ich glaube, ich werde den zweiten Teil erst einmal nicht auf meine Wunschliste schreiben.

 

 

 

Danke an den Audiobuch Verlag für das Veranstalten der Hörrunde und das Rezensionsexemplar!

Der kleine Gasthof an der Schlei von I. Bartels ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels

Isa und Jette Petersen sind die beiden Protagonistinnen von Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels.

Isa ist Luises Enkelin und bekommt den Anruf, dass ihre Großmutter gestorben ist. Isa taucht auf der Beerdigung auf und will danach eigentlich sofort zurück nach London, aber durch die Testamentseröffnung, einen streikenden Mietwagen und verschiedene andere Verwicklungen, muss sie erst einmal in Nordernby bleiben.

Luise hat nämlich vor ihrem Tod verfügt, dass Jette und Isa gemeinsam einen Monat lang den Seestern führen sollen, damit sich ihre Mädchen, ihre Enkelin Isa und ihre Tochter Jette, endlich wieder versöhnen. Jette ist kurz nach der Geburt ihrer Tochter nämlich zurück nach Frankreich um dort eine gute Köchin zu werden und ist danach in der Weltgeschichte herumgereist, während ihre Tochter bei ihrer Mutter bleiben musste. Isa wurde also von Luise in Nordernby aufgezogen. Aber nach dem Abitur wollte sie unbedingt auch die Welt sehen, kochen lernen und ist dafür nach London gezogen. In den letzten Jahren kam sie gar nicht mehr nach Nordernby, weil sie aufgrund der stressigen Londoner Food-Szene, keine Zeit mehr dafür hatte. Auch Jette ist mit den Jahren immer seltener nach Nordernby gekommen und nun auch schon seit einer ganzen Zeit gar nicht mehr.

Isa und Jette bekommen ihr Erbe aber nur wenn sie gemeinsam vier Wochen lang den Seestern schmeißen, allerdings erfahren sie erst nach und nach von den großen Schulden, die Luise ihnen hinterlassen hat. Also müssen sie, selbst wenn sie das Erbe bekommen, erst einmal die Schulden bezahlen, sodass vom Verkauf des Seesterns nicht mehr allzu viel übrig bleibt; zumal Isa ebenfalls hohe Schulden hat.

Isa hatte in London ein Restaurant, aber nachdem sie an einem wichtigen Abend, einen vollkommenen Zusammenbruch hatte, verliert sie alles und musste ihr Restaurant schließen. Dadurch hat sie nun hohe Schulden, die sie gerne zeitnah abzahlen möchte. Leider bekommt Isa nun jedes Mal Panikattacken wenn sie auch nur ein Schälmesser in der Hand hält um Kartoffeln zu schälen. Ans Kochen in einer Restaurantküche ist nicht zu denken, doch das verstehen Meta und Momme, Luises beste Freundin und deren Sohn, so gar nicht.

Jette kommt nach Nordernby und nachdem es anfänglich natürlich zu Reibereien zwischen Jette und Isa kam, schaffen sie es, sich auszusprechen. Als Isa das Gerücht zu Ohren kommt, dass der schleimige Bürgermeister ihr Vater sein soll, denn darüber haben sich Luise und Jette bis heute ausgeschwiegen, konfrontiert sie ihre Mutter damit, die daraufhin das Weite sucht. Nun muss Isa mit Tim, ihrem besten Freund aus Kindertagen, Wiebke, Meta und Momme den Seestern retten. Zum einen will sie den Restaurantbetrieb natürlich am Laufen halten, zum anderen will sie verhindern, dass sich der Bürgermeister den Gasthof unter den Nagel reißt, denn dieser hat mehrfach Interesse bekundet und schreckt auch nicht vor illegalen Methoden zurück. So behauptet der Bürgermeister selbst Isas Vater zu sein und ihre Zustimmung deshalb so gut wie in der Tasche zu haben, denn er möchte den Seestern so weit schließen und drum herum ein riesiges Hotel mit Golfplatz und so etwas bauen lassen. Dafür braucht er eben den Seestern und das Land, dar darum liegt. Er macht bei der Sparkasse Druck, damit diese ihre Schulden endlich einfordern, und bietet sich selbst als Käufer an. Die Bankangestellten unterstützen das noch und lassen sich vom Bürgermeister manipulieren, verraten Bankgeheimnisse und all solche Sachen.

Als Isa schon beinahe aufgeben will, steht Jette wieder in der Tür und gemeinsam starten sie eine Spendenaktion, zu der jeder aus dem Dorf etwas beisteuert, denn der Seestern ist ihre Dorfmitte, denn dort hat jeder schon ein Familienfest gefeiert, egal ob es Hochzeit, Geburtstag oder Beerdigung war.

Am Tag der Abrechnung rechnen Isa und Tim sämtliche Spenden zusammen, doch wie sich herausstellt, fehlt ihnen noch immer der horrende Betrag von 20.000€. Woher sollen sie in wenigen Stunden so viel Geld bekommen?

Der kleine Gasthof an der Schlei von I. Bartels ·Hörbücher

Rezension: Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels

Ich habe Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels als Hörbuch gehört und werde deshalb sowohl auf den Inhalt eingehen, als auch mich mit dem Medium befassen.

Isa ist eine sympathische junge Frau, die in der Vergangenheit große Verletzungen erlitten hat. Sie wurde von ihrer Mutter verlassen und hat in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr gehabt. Isa kann nicht verstehen, warum ihre Mutter sie verlassen hat und lieber durch die Weltgeschichte reist als bei ihrer Tochter zu sein. Außerdem hat Isa erst kürzlich eine Panikattacke gehabt, die sie alles gekostet hat und so hat sie noch immer Hemmungen zu kochen. Mich hat sehr enttäuscht, dass die Panik dann irgendwann so runtergespielt wurde, keine Rolle mehr gespielt hat. Das hätte doch wunder nach Konfliktpotential geliefert; Jette hätte beispielsweise Isa helfen können über ihre Panikattacken hinweg zu kommen. Dass sie Jette so einfach ihren zweiten Weggang verziehen hat, habe ich auch nicht ganz verstanden, schließlich wurde sie erneut von ihrer Mutter verlassen und enttäuscht, aber thematisiert wurde das kaum.

Jettes Erklärung wirkte für mich auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Sie wurde mir zwar im Laufe der Handlung sympathischer, aber vor allem am Ende als sie das zweite Mal, nach dem Streit mit Isa, verschwindet, wurde sie mir wieder weniger sympathisch. Einen richtigen Zugang habe ich zu ihr leider die ganze Zeit über kaum gefunden.

Jette behauptet, dass Luise nicht wollte, dass sich Jette um ihre Tochter kümmert und sie Isa lieber bei sich in Nordernby behalten wollte. Jette hatte keine Chance die Herausgabe ihrer Tochter zu verlangen, auch wenn es ihr schwer gefallen ist. Ich habe einfach nicht verstanden wieso a) eine Mutter ihrer eigenen Tochter nicht zutraut, sich um ein Kind zu kümmern und b) Jette sich nicht durchgesetzt hat, und c) Isa Jette diese Erklärung einfach so abkauft und d) wieso Luise allen so sympathisch war, obwohl sie ihrer eigenen Tochter deren Tochter abgenommen hat. Das ergab für mich alles überhaupt keinen Sinn. Aber ich hatte so den Eindruck, dass die Autorin dann am Ende eben noch eine gute Erklärung brauchte warum Jette sich nicht um Isa gekümmert hat und das schien ihr wohl das Sinnvollste. Klar, eine Vergewaltigung und dass Jette deshalb keine Verbindung zu ihrer Tochter aufbaut, wäre ungemein tragisch gewesen und vor allem hätte es nicht erklärt warum sie als Erwachsene besser damit klarkommt (außer, dass sie die Vergewaltigung inzwischen verarbeitet haben könnte), aber es hätte nicht ganz so unlogisch gewirkt.

Schwierig fand ich auch, dass die Nordernbyer am Anfang so unsympathisch waren. Meta, Momme und ein paar andere scheinen Isa nicht gerade willkommen zu heißen, sie sind gemein, nehmen ihre Probleme nicht ernst und machen sich sogar noch über ihre Pleite in London lustig. Ja, Isa kommt mit ihrem Lebenskonzept nicht klar und ist deshalb weggezogen, aber sie verurteilt ja nicht die Personen, die das Konzept für sich gut finden. Sie sagt nur, dass es sich nicht ihr Lebensweg ist. Die Nordernbyer verurteilen aber allesamt Isa, weil sie ihr schönes Dörfchen Nordernby verlassen hat. Als ob Isa die einzige wäre, die weggezogen ist.

Der Bürgermeister war natürlich der große Gegenspieler in dem Roman. Er musste natürlich möglichst unsympathisch sein, damit sich alle gegen ihn stellen, aber ich habe nicht verstanden, warum niemand zur Polizei geht. Der Bürgermeister veranlasst die Bank die Schulden sofort einzutreiben. Er bringt die Bankangestellten dazu gegen das Bankgeheimnis zu verstoßen. Er scheint Bestechungsgelder zu bezahlen und hat seine Finger auch sonst in unlauteren Machenschaften zu haben. Dennoch kommt niemand auch nur auf die Idee, dass man damit zur Polizei gehen könnte, was ich unglaublich unlogisch finde.

Svenja Pages hat das Hörbuch eingesprochen, das ich als digitales Hörbuch in einer Leserunde bekommen habe. Am Anfang fand ich es sehr schwierig mich an die Sprecherin zu gewöhnen, weil ich ihre Stimme schon fast zu ruhig fand. Aber mit der Zeit bin ich etwas besser mit ihr warm geworden. Ich finde sie hat die verschiedenen Stimmen gut gesprochen, vor allem wenn es um Meta, Momme und Johann ging. Man konnte die Figuren meistens gut voneinander unterscheiden, zumal diese drei Figuren ja auch sprachliche Auffälligkeiten hatten: Meta spricht leichten Dialekt und man hört ihr ihr Alter an, Momme spricht deutlichen Dialekt und Johann, der aus Dänemark kommt, hat natürlich einen leicht dänischen Akzent.

Alles in allem war Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels ein nettes Hörbuch, das man gerne hört und mir ganz gut gefallen hat.

 

 

 

Danke an den Audiobuch Verlag für das Veranstalten der Hörrunde und das Rezensionsexemplar!

Der Lavendelgarten von L. Riley ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Der Lavendelgarten von Lucinda Riley

In Der Lavendelgarten von Lucinda Riley geht es um Emilie de la Martinières. Nachdem ihre Mutter gestorben ist, ist sie die letzte der de la Martinières. Außerdem geht es um Constance, die während des zweiten Weltkriegs als Agentin von England nach Frankreich kam. Dort hatte sie engen Kontakt zur Familie der de la Martinières. In den 1990er Jahren sind ihre Schicksale miteinander verbunden.

Der eine Teil des Romans spielt 1999 und in den folgenden Monaten und Jahren. Emelie muss nach dem Tod ihrer Mutter einige Entscheidungen treffen. Dazu gehört auch, ob sie das Château in der Provence verkaufen möchte. Auf der einen Seite braucht sie es nicht, denn sie lebt in Paris und hat Veterinärmedizin studiert und liebt ihren Job als Tierärztin. Auf der anderen Seite ist es schon seit vielen Jahren im Besitz ihrer Familie und sie verbindet es mit ihren schönsten Kindheitserinnerungen.

Als sie in einem Café zufällig Sebastian Carruthers kennenlernt, hilft er ihr. Auf seine Hilfe kann sie sich verlassen. Er verkauft ein Gemälde, das im Château hängt. Mit dem Erlös kann sie das dringend renovierungsbedürftige Haus renovieren. Als ein Jahr später der Schmuck ihrer Mutter versteigert wird, hat Emelie gute Rücklagen. Und als Sebastian ihr dann auch noch einen Antrag macht, nimmt sie diesen an und gibt ihren Job endgültig auf. Mit ihm zusammen fährt sie nach England und lebt dort in seinem Landhaus, während in Südfrankreich ihr Haus renoviert wird. Allerdings erfährt sie erst als sie in England angekommen sind, dass in dem Haus Alex, Sebastians Bruder, mit ihnen leben wird, dass Sebastian die meiste Zeit ohne sie in London verbringt und sie sich in der Zeit das Haus mit ihrem Schwager teilen muss und dass dieser im Rollstuhl sitzt, auf Hilfe angewiesen ist und angeblich ein Alkoholiker und Drogenabhängiger sei.

Emelie erfährt durch mehrere Zeitsprünge in das Jahr 1943 und 1944, dass Constance, Alex‘ und Sebastians Großmutter, eine enge Verbindung zu ihrer Familie hatte. Constance wurde in England zur Agentin ausgebildet und wird nach Frankreich geschickt, wo kurz zuvor das Netzwerk, dem sie sich anschließen sollte, ausgehoben wurde. Nachdem an zwei Treffpunkten niemand auftaucht, der sie mitnimmt, geht sie zu Plan C über. Sie macht sich auf den Weg zum Haus von Hero. Hero ist eigentlich Édouard de la Martinières. Er ist überrascht als eine englische Agentin plötzlich vor ihm steht, entscheidet sich aber, sie zu decken und stellt sie als eine Cousine vor, denn er hat das ganze Haus voller deutscher, hochrangiger Soldaten.

Constance lebt sich dort ein, kann aber ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht nachkommen bis sie eine Freundin wiedersieht, die mit ihr die Ausbildung absolviert hat. Diese bittet sie um den Gefallen, von ihrem Haus aus funken zu dürfen, um wichtige Nachrichten nach London zu übermitteln. In der Folge wird Édouard Identität entlarvt, weite Teile des Netzwerks der Freundin verhaftet, Édouard angeschossen, Sophia, die Haushälterin und Constance müssen flüchten und auf der Flucht wird die Haushälterin verhaftet. Sophia und Constance kommen zwar wohlbehalten in Südfrankreich an, doch Sophia ist schwanger von einem Mann, den sie in Paris kennengelernt hat, einem hochrangigen Deutschen. Dieser liebt sie zwar, aber Constance ist klar, dass Sophia und Frederick nie zusammen sein können; egal wie der Krieg ausgehen wird. Als Frederick Monate später in Südfrankreich Sophia sehen möchte, ist sein brutaler Zwillingsbruder ihm gefolgt. Constance erschießt Falk, damit dieser nicht Sophia und Frederick töten kann. Nachdem Frederick erneut geflüchtet ist, bekommt Sophia Wehen und stirbt in Folge der Geburt ihrer Tochter Victoria. Édouard ist so erschüttert vom Tod seiner Schwester, dass er seine kleine Nicht in ein Waisenhaus geben lässt.

Emelie erfährt in der Gegenwart, dass Alex eigentlich kein schlimmer Mann ist, auch wenn er in der Vergangenheit Fehler gemacht hat. Sie sieht ihren Mann nur noch über das Wochenende, weil er unter der Woche in London ist und sie auch telefonisch nur selten meldet. So wird ihre Beziehung zu ihrem Schwager immer enger und sie werden zu guten Freunden, da er sich auch sehr einsam fühlt in dem abgeschiedenen Haus. Außerdem erfährt Emelie von den Dorfbewohnern, vor allem von einer ehemaligen Haushälterin, was für einen Charakter ihr Mann hat. Und nachdem sie durch einen Zufall von der langjährigen Geliebten ihres Mannes erfährt und erfährt, dass sie sich eine Wohnung teilen wenn er in London ist, und dass er von dem verkauften Gemälde, das er am Anfang ihrer Beziehung für sie verkauft hat, eine horrende Provision erhalten hat, von dessen Geld sie aber nie erfahren hat, wird sich sauer und will sich scheiden lassen. Zurück in Blackmoor Hall bittet sie Alex ihr die ganze Geschichte zu erzählen und erfährt so noch mehr über die Beziehung von Alex und Sebastian und dass Sebastian von wertvollen Büchern aus dem Besitz der de la Martinières erfahren hat.

Emelie fragt sich nun, ob sie nicht den falschen Bruder geheiratet hat und während sie in Südfrankreich ihre Seele heilen lässt, erfährt sie wer Sophias Tochter war und baut eine Verbindung zu den letzten Familienangehörigen ihrer Familie auf…