Hörbücher ·Mein Glück in deinen Händen von M. Simses

Inhaltsangabe: Mein Glück in deinen Händen von Mary Simses

Mein Glück in deinen Händen von Mary Simses ist ein Roman über die zwei Schwestern Mariel und Sara. Sara ist mit Carter zusammen bis dieser sie am Silvesterabend für ihre Schwester Mariel verlässt. Offenbar sind die beiden schon seit einigen Wochen ein Paar gewesen, hatten aber nicht den Mut, es Sara mitzuteilen.

Etwa 18 Monate später bekommt Sara einen Anruf von ihrer Mutter, in dem diese behauptet im Sterben zu liegen und dass Sara sofort nachhause kommen soll. Überstürzt macht sich Sara auf den Weg nach Connecticut, um bei ihrer Mutter zu sein. Als sie ankommt, merkt sie jedoch, dass ihre Mutter sie belogen hat, damit sich ihre Töchter noch vor Mariel Hochzeit aussprechen. Sara ist sauer und geht ins Hotel. Am nächsten Morgen fährt sie rückwärts vom Parkplatz und in die Skulptur eines Künstlers. Da diese aus Pappmaschee ist, ist diese zerstört und sie muss nun mit David für die Reparatur sorgen. Im Bastelgeschäft würden sie zwar alle Materialien bekommen, aber sie trauen sich so eine schwierige Reparatur dann doch nicht mehr zu.

David möchte seiner Freundin reinen Wein einschenken, doch er erreicht sie nicht. Anna ist die Assistentin von Alex, dem Künstler. Da David Anna nicht erreichen kann, hat Sara noch eine Idee wie sie die Skulptur repariert werden könnte. Ihre alte Lehrerin in der Highschool war eine gute Künstlerin und könnte ihnen vielleicht helfen. Sara recherchiert und findet heraus, dass sie noch in der Nähe wohnt und fährt mit David und der Skulptur dort vorbei. Ihre Lehrerin, die inzwischen sehr alternativ lebt, erklärt sich bereit, die Hand zu reparieren, weil sie glaubt, dass Sara in einer Protestaktion ihren Kunstraum in Brand gesteckt hat.

David und Sara kommen am Sonntag drauf wieder zum Haus der Lehrerin, weil diese versprochen hatte an dem Sonntag fertig zu sein. Als sie ankommen ist aber niemand Zuhause und statt einfach wegzufahren, verschaffen sie sich durch ein offenstehendes Fenster Zugang zum Haus. Dort nehmen sie nicht nur die reparierte Skulptur, sondern auch einen Kuchen mit, der in der Küche steht. Als sie gerade aus dem Haus kommen, werden David und Sara verhaftet, weil sie eingebrochen sind. Später stellt sich heraus, dass sie auch noch weiterer Kuchendiebstähle verdächtigt werden. David ist stinksauer und spricht erst einmal nicht mehr mit Sara.

Parallel versucht diese auch noch die Hochzeit von Mariel und Carter zu sabotieren, da ihre Schwester die gebeten hat, Ersatzbrautjungfer zu werden. Sara übernimmt die Hochzeitsplanungen und ändert einfach alles: Menü, Blumen, Musik, das Brautkleid, die Sitzordnung. Außerdem stellt sich heraus, dass ihre Mutter an Bluthochdruckt leidet, als diese auf dem Markt zusammenbricht.

Als dann auch noch ein Video von Carter im Internet kursiert, in dem er mit nichts als Rasierschaum bekleidet in einem Brunnen mit seinen Kumpels rumalbert, löst Mariel die Verlobung und Sara meint, dass ihre Chance gekommen ist, doch dann wäscht ihr David, der inzwischen wieder mit ihr spricht, den Kopf und bringt sie zum Umdenken. Doch kann sie in so wenigen Tagen noch alle Änderungen rückgängig machen? Und wer ist nun ihr Partner fürs Leben?

Hörbücher ·Mein Glück in deinen Händen von M. Simses

Rezension: Mein Glück in deinen Händen von Mary Simses

Mein Glück in deinen Händen von Mary Simses habe ich wieder als Hörbuch gehört und werde deshalb sowohl zum Inhalt als auch zum Medium etwas schreiben.

Fangen wir mit den Figuren an: Mariel wirkte auf mich wie ein unglaublich kaltes Luder. Sie spannt erst ihrer Schwester den Freunde aus und bittet sie dann auch noch, ihre Brautjungfer zu werden, aber nicht eine reguläre, sondern als Ersatz für eine Freundin, die krank geworden ist. Und dann haut sie auch noch so Sätze raus wie „Du weißt ja gar nicht, wie stressig das ist, wenn man selbst heiratet.“ Also wie kann man denn bloß so blöd oder so boshaft sein?

Sara ist auch nicht viel besser mit ihren ständigen Sabotageaktionen gegen ihre Schwester. Vor allem weil das so offensichtlich Sabotage ist. Ich meine, wenn das falsche Essen geliefert würde oder das Brautkleid zu eng wäre oder die falschen Blumen kommen würden, dann könnte man das noch als Zufall abtun, auch noch ein zweites Missgeschick könnte man als Zufall ansehen. Aber so viel wie Sara sabotiert ist doch klar, dass Mariel und Carter dahinter kommen wer dahintersteckt. Und dann erfährt sie, dass ihre Mutter zu hohen Blutdruck hat. Ihr Blutdruck geht im Krankenhaus sogar noch hoch als sich ihre Töchter vor ihr streiten und dennoch macht sie mit ihrer Sabotage weiter. Macht sie sich nicht eine Sekunde mal Gedanken, ob das vielleicht schädlich für ihre Mutter sein könnte? Das machte sie einfach unglaublich unsympathisch.

Auch ein Mann, der erst mit einer Frau zusammen ist, und sich dann in deren Schwester verliebt, ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Wenn er dann aber auch noch parallel mit beiden Frauen zusammen ist, weil er der ersten Schwester nicht sagen kann, dass er sie nicht mehr liebt, wirkt er noch unsympathischer, noch dazu wenn man bedenkt, dass er zu diesem Zeitpunkt schon mit der zweiten Schwester zusammen ist.

Und wieso die Mutter meint, dass ihre Töchter sich vertragen sollen und Sara sich nicht so anstellen soll wenn ihre Schwester und ihr Ex-Freund, den sie immer noch liebt, heiraten, muss man auch nicht verstehen. So grundsätzlich hatte man das Gefühl, dass die Mutter viele Unstimmigkeiten zwischen ihren Töchtern verursacht oder zumindest nicht aktiv verhindert hat. Und so wirkte auch sie insgesamt nicht sonderlich sympathisch.

Der Handlung des Buches plätschert so dahin und hat keinen Tiefgang. Die Geschichte mit den gestohlenen Kuchen war dann vollends absurd und machte die Geschichte einfach lächerlich. Dass sie die ganze Zeit versuchen, das Kunstwerk eines Kindes zu retten, macht auch die beiden Figuren lächerlich und kann schon fast als Kunstkritik ausgelegt werden.

Die Liebesgeschichte hat praktisch nicht stattgefunden. Erst ganz am Ende merken die Protagonisten, dass sie sich ineinander verliebt haben. Vorher lernen sich die beiden zwar kennen, aber auf nicht besonders romantische Weise und sie lernen sich auch eher freundschaftlich kennen. Dass die beiden sich plötzlich verlieben, obwohl Sara immer in Carter verliebt war und David ja eine Freundin hatte, der er sogar einen Antrag machen wollte, wirkte irgendwie künstlich.

Die Lesung ist ungekürzt, sodass man nichts verpasst durch das Medium. Julia Nachtmann hat das Hörbuch eingesprochen und ich finde, dass sie das wirklich gut gemacht hat. Ich habe ihr gerne zugehört und auch die anderen Figuren (vor allem die unterschiedlichen Charaktere von Mariel und Sara) hat sie super interpretiert, sodass deren Stimmen gut zu den geschilderten Charakteren passten.

Das Cover der MP3-CD hat mir gut gefallen, denn es entspricht dem Cover des Buches (nur eben ohne den farbigen Buchschnitt). Die Blumen passten gut zu einem leichten Sommerroman, aber ich habe nicht verstanden, warum gerade solche Blumen ausgewählt wurden, weil es im Buch selbst ja nicht um Blumen ging (nur um die bei der Hochzeit und die Blumen sind nicht auf dem Cover abgebildet). Dennoch ist das Cover ganz hübsch.

Insgesamt hat mir Mein Glück in deinen Händen von Mary Simses nicht so besonders gut gefallen, obwohl Julia Nachtmann ihren Job wirklich gut gemacht hat. Die Figuren waren teilweise wirklich unausstehlich oder zumindest recht unsympathisch, sodass ich das Hörbuch manchmal sogar unterbrechen musste, weil ich Sara und Mariel nicht mehr ertragen habe.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Der Seitensprung von B. Schlink ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Der Seitensprung von Bernhard Schlink

Der Seitensprung ist eine Geschichte von Bernhard Schlink aus der Sammlung von Erzählungen Liebesfluchten. Die Geschichte wurde einzeln vom Diogenes Verlag als Hörbuch veröffentlicht.

In der Geschichte geht es um den westdeutschen Jurist, der nicht namentlich genannt wird. Er kommt neu nach Berlin und hat dort keine Freunde. Auf seinen Erkundungsfahrten fährt er häufiger über die Grenze nach Ostberlin und lernt dort Sven kennen. Die beiden spielen Schach und da sie mit ihrer Partie nicht fertig werden, kommt der Jurist am nächsten Wochenende wieder, damit sie weiterspielen können. In der Folgezeit kommt der Jurist noch häufiger und Sven und er spielen Schach und freunden sich an.

Paula mag den Juristen am Anfang nicht sonderlich, da Sven immer Angst hat, dass dieser nicht wiederkommt, und sie nicht möchte, dass ihr Mann verletzt wird. Sven und Paula haben auch eine gemeinsame Tochter. Die Familie freundet sich mit dem unverheirateten Juristen an, denn dieser und Paula entdecken die gemeinsame Leidenschaft für griechische Literatur. Sven und Paula fahren mit dem Jurist sogar gemeinsam in den Urlaub, müssen dort aber in unterschiedlichen Hotels wohnen; eins für Westdeutsche und das andere ist für Ostdeutsche.

Der Jurist wird von Paule und Sven gebeten, Botschaften weiterzugeben. Zu Anfang denken sie sich eine abstruse Geschichte über Freunde, die ihre Freunde im Westen nicht erreichen können und deshalb über andere die Nachricht weitergeben müssen, aus. Nachdem diese Art der Botschaftenübermittlung kein Einzelfall bleibt, weigert sich der Jurist die Nachrichten weiterzugeben, wenn er nicht erfährt was das für Botschaften sind. Er meint, er hat kein Problem damit, die Nachrichten weiterzugeben, denn schließlich hat er keine Informationen bei sich, wenn er die Grenze überquert, da er sich die Nachrichten nur merkt, aber er möchte wenigstens wissen, was er tut; so viel Vertrauen erwartet er von seinen Freunden.

Die Freundschaft entwickelt sich also in den späten 80er Jahren bis es zum Mauerfall kommt. Danach wird die Freundschaft ausgeglichener, und obwohl in dieser Zeit viele Freundschaften kaputt gehen, bleibt diese erhalten. Später unterhalten sie sich einmal darüber, dass sie kaum noch Kontakt zu früheren Freunden haben, da man inzwischen weniger Zeit hat.

Eines Abends bleibt der Jurist bei seinen Freunden, da sie gemeinsam getrunken und gefeiert haben. Er schläft im Wohnzimmer bis plötzlich Paula in der Tür steht und sich zu ihm legt. Die beiden schlafen miteinander und sie verschwindet. Einige Zeit später steht die Tochter von Sven und Paula in der Tür und meint, dass sie nicht schlafen könne, weil ihr Eltern streiten. Der Jurist kümmert sich um sie, denn er ist inzwischen so etwas wie ihr Onkel geworden. Als er davon schleicht um herauszufinden, ob Paula und Sven sich wegen des Seitensprungs streiten, wird er entdeckt und von Sven angeschrien. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass etwas anderes dahintersteckt…

Der Seitensprung von B. Schlink ·Hörbücher

Rezension: Der Seitensprung von Bernhard Schlink

Da ich diese Erzählung als Hörbuch gehört habe, werde ich zu Der Seitensprung von Bernhard Schlink sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen.

Interessant finde ich vor allem, dass die Geschichte ursprünglich aus einem Sammelband mit Geschichten stammt und von Diogenes losgelöst als Einzelgeschichte aufgenommen und veröffentlicht wurde. Ich weiß nicht genau, woran das lag, aber ich finde die Idee dahinter ganz interessant.

Ebenfalls spannend finde ich den Titel der Geschichte: Der Seitensprung. Das lässt natürlich direkt eine Idee im Kopf entstehen, worum es in der Geschichte gehen könnte. Aber der Seitensprung von Paula und dem Juristen ist nur ein sehr untergeordneter Punkt in der Handlung. Natürlich hat der Seitensprung Konsequenzen, aber man erwartet irgendwie, dass dieser und die daraus erwachsenden Konsequenzen mehr im Mittelpunkt stehen würden. Dabei geht es sehr lange um Freundschaft.

Schaut man sich die Themen in der Geschichte an, sind diese sehr vielfältig: Freundschaft, Liebe und Ehe, Treue und Untreue sind natürlich sehr offensichtliche Themen. Aber die ganze Geschichte wird ja in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und den darauf folgenden Jahren angesiedelt. Es geht um Freundschaft, die zwischen Ost- und Westdeutschen existiert und wie sich diese darstellt. Aufgrund meines Alters habe ich nie darüber nachgedacht, aber es ist ja ganz klar: Beide Teile Deutschlands hatten sehr unterschiedliche gesellschaftliche Systeme. Da ist es ganz klar, dass die Menschen in den beiden Deutschlands unterschiedliche Lebensentwürfe haben und dass so eine Freundschaft nicht symmetrisch ist. Dass das früher oder später zur Vergiftung der Freundschaft führt oder führen kann, scheint nur eine logische Konsequenz zu sein. Natürlich geht es auch um Politik und alles was damit zusammenhängt. Mir hat es unglaublich gut gefallen, mit welcher Präzision Bernhard Schlink diese Freundschaft entwirft. Die Verwicklungen, die daraus erwachsen, sind nicht klar und bleiben unvorhersehbar, aber wenn man die Geschichte hört, ist klar, dass alles genau so kommen musste.

Interessant ist auch, dass der eigentliche Protagonist keinen Namen bekommt. Der Jurist wird nie von seinen Freunden mit Namen angesprochen. Liegt es daran, dass er einfach ein Westdeutscher ist, der ihnen gelegen kommt und sie könnten auch jeden anderen Westdeutschen für ihre Pläne benutzen? Versucht der fiktive Ich-Erzähler selbst anonym zu bleiben, um keine beruflichen und politischen Repressalien fürchten zu müssen? Oder ist es für ihn einfach nicht notwendig seinen Namen zu nennen? Ehrlich gesagt, bin ich mir da nicht so sicher, aber eine Diskussion darüber könnte sicherlich interessant werden.

Charles Brauer ist ein sehr bekannter Name und obwohl ich wissentlich noch nichts von ihm gehört habe, sagte mir zumindest der Name etwas. Charles Brauer hat sowohl im Theater als auch im Fernsehen einige Rollen übernommen, aber natürlich macht er auch Synchronisationen und spricht Hörbücher ein. Für mich hat die Stimme sehr gut zum unbenannten Juristen in Der Seitensprung gepasst. Ich mochte es gerne ihm zuzuhören und konnte ganz in die Geschichte eintauchen.

Ich mag auch, dass auf dem Backcover der Pappverpackung des Hörbuchs ein Absatz zu Schlink, und Brauer ist. So kann man Autor und Vorleser besser einordnen. Vor allem mochte ich, dass es auch einen Absatz zum Inhalt gibt; wenngleich es diesmal nicht so viele Namen zum Nachschlagen gab. Hilfreich fand ich diesen Absatz dennoch.

Mir hat die Erzählung Der Seitensprung von Bernhard Schlink sehr gut gefallen und ich empfehle die Geschichte und vor allem das Hörbuch sehr gerne weiter; vor allem wenn man sich für Themen wie Freundschaft zwischen Menschen, die aus verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Systemen stammen und speziell für Deutsch-deutsche-Freundschaften interessiert.

Hörbücher ·Jedes Jahr im Juni von L. Louis

Inhaltsangabe: Jedes Jahr im Juni von Lia Louis

In Jedes Jahr im Juni von Lia Louis führen Emmie und Lucas eine Fernfreundschaft. Kennengelernt haben sich Emmie und Lucas vor 14 Jahren im Alter von 16 Jahren als Emmie einen Luftballon in Südengland in den Himmel steigen ließ und Lucas ihn an einem Strand im Norden Frankreichs gefunden hat. In der Folge verbindet Lucas und Emmie eine immer tiefergehende Freundschaft.

Emmie hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter, denn diese glänzt immer wieder mit Abwesenheit, was bereits in Emmies früher Jugend beginnt. Ihren Vater hat Emmie nie kennengelernt und als sie jetzt Anstalten macht, ihn kennenlernen zu wollen, stellt ihre Mutter sie vor die Wahl: Er oder sie. Wenn sie auch nur weiterrecherchiert, wird sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter haben können. Kurz zuvor erfährt Emmie auch noch, dass Lucas heiratet und er bittet sie, seine Trauzeugin zu werden. Natürlich tut sie ihm den Gefallen, aber dennoch zieht ihr diese Tatsache den Boden unter den Füßen weg.

Lucas ist kurz bevor er Emmies Ballon findet gerade mit seinen Eltern und seinem Bruder Eliot nach Frankreich gezogen. Er vermisst England, seine alten Freunde, seine vertraute Umgebung und das englische Essen. Als er Emmies Luftballon findet, schreiben sich die beiden am Anfang E-Mails, sie telefonieren und schicken sich Päckchen hin und her bis sie sich irgendwann das erste Mal richtig treffen. Lucas manövriert sich immer wieder in schwierige Lebenslagen, ist aber auch ein recht kluger Mensch, wenngleich er häufig wechselnde Freundinnen hat und es mit der Treue nicht so richtig genau nimmt, dennoch ist er immer für Emmie da und ihr bester Freund.

Emmie hat ein großes Problem: Sie wurde von ihrem Lehrer und Vater ihrer besten Freundin auf der Highschool sexuell missbraucht. Diesen Vorfall meldet sie anonym dem Lehrerkollegium, allerdings glaubt ihr niemand. In der Folge wird sie von sämtlichen Lehrern und allen Mitschülern geschnitten und als Lügnerin bezeichnet; die Freundschaft zu ihrer besten Freundin ist natürlich ebenfalls vorbei. Nur Lucas und Eliot werden zu ihrer Ersatzfamilie. Die beiden glauben ihr, sie unternehmen gemeinsam Sachen. Und sie sind immer für sie da, da in der Folge des Missbrauchs ihre Mutter zwar nachhause kommt, aber nach kurzer Zeit ihre traumatisierte Tochter wieder alleine lässt. Einige Jahre später plaudert einer der Brüder bei einer Party aus, dass Emmie von ihrem Lehrer missbraucht wurde. Stacy, Eliots Freundin, verkündet allen Anwesenden, dass sie noch nie das Leben eines Lehrers durch falsche Anschuldigungen verpfuscht hätte. Emmie rutscht in der Folge wieder in ihre Depression zurück, zieht Hals über Kopf um und bricht ihre Ausbildung ab.

In der Gegenwart angekommen, plant Emmie nun mit den anderen Freunden des Brautpaares deren Hochzeit. Sie fährt häufiger nach Frankreich um bei den Vorfeierlichkeiten dabei zu sein und kommt unter anderem zur Maries Geburtstag; Marie ist Lucas‘ Braut. Emmie verbringt wieder mehr Zeit mit Eliot, der inzwischen nicht nur geschieden, sondern wieder in einer neuen Beziehung ist. Dessen Freundin, Anna, kann Emmie aber gar nicht leiden, was Emmie nicht nachvollziehen kann, da sie sich ja gar nicht kennen. Emmie merkt immer mehr, dass Lucas nun erwachsen wird, denn er kann sie nicht mehr so oft besuchen und kann sie manchmal auch nicht zur Fähre fahren und überlässt es ihr den Weg dorthin zu finden. Zumal er davon ausgeht, dass sie sich auch ein Taxi nehmen kann, das sich Emmie aber nicht leisten kann, da sie nur als Küchenhilfe in einem Hotel arbeitet.

Also bittet sie Eliot, sie zur Fähre zu bringen oder sie nach dem Geburtstag bei Marie abzuholen, da sie es dort nicht länger ausgehalten hat, weil alle anwesenden Frauen darüber gesprochen haben, wie toll die Männer, an ihrer jeweiligen Seite doch sind. So erwacht die Freundschaft zwischen Emmie und Eliot langsam wieder und erst recht als sie merkt, dass Eliot ganz in ihrer Nähe wohnt. In der Folge treffen sie sich häufiger und Eliot versteht sich auch super mit Emmies Vermieterin, die mit Emmie in einem Haus wohnt. Beide pflegen und kümmern sich um die ältere Dame, die inzwischen schwer krank ist und dann sogar stirbt.

Emmie muss in der Folge mit dem Tod ihrer guten Freundin klarkommen, sich damit auseinandersetzen, dass ihr bester Freund heiratet, dass sie sich in Eliot verliebt hat, sie aber immer wieder Steine in den Weg gelegt bekommen, dass sie ihren Vater gefunden hat, dieser aber zögert mit ihr Kontakt haben zu können, ihre Mutter keinen Kontakt mehr mit ihr wünscht, ihre finanzielle Lage sehr kritisch ist und der sexuelle Missbrauch an ihr immer noch Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben hat.

Emmie lernt zu kämpfen. Nicht nur darum, ihr Leben zurückzuerhalten und endlich den Job zu bekommen, den sie haben möchte und keine Angst mehr vor dem Geschwätz der anderen zu haben und dass sie selbst genug ist. Sie lernt, dass sie niemanden braucht, der sie ausfüllt; keine Mutter, keinen Vater, keinen Mann und keine Kinder. Aber sie kämpft auch um ihre Liebe, denn sie spürt, dass sie und Eliot füreinander bestimmt waren und dann sind da auch noch so ein paar Wahrheiten, die endlich ans Licht kommen…

Hörbücher ·Jedes Jahr im Juni von L. Louis

Rezension: Jedes Jahr im Juni von Lia Louis

Ich habe Jedes Jahr im Juni von Lia Louis als Hörbuch gehört und werde deshalb sowohl etwas zum Inhalt als auch zum Medium schreiben.

Fangen wir mit dem Inhalt an: Ich brauchte am Anfang ein bisschen um in die Handlung reinzukommen, denn dort stehen erst einmal die Details zum Luftballon, den Emmie in den Himmel geschickt hat. Diese wirken natürlich am Anfang recht kryptisch und dann wird man mitten in die Handlung geschmissen. Emmie und Lucas sind zusammen in einem Restaurant und feiern ihren gemeinsamen Geburtstag. Dieses Schmeißen in die Situation, sorgte am Anfang bei mir für Verwirrung, wofür sicherlich auch das Medium verantwortlich war, denn wenn man es liest, wird es sicherlich klarer.

Ansonsten fand ich die Handlung sehr komplex, aber nicht überkomplex, sodass sie auf jeden Fall spannend blieb. Natürlich beschäftigt sich das Buch mit der Freundschaft von Lucas und Eliot und Emmie, aber auch mit den Folgen des Missbrauchs, weil Emmie ziemlich lange braucht um damit klarzukommen. Ich fand das Thema sehr berührend, aber nicht so, dass man während des gesamten Buchs weinend auf dem Bett liegt. Es ist ein unglaublich schwieriges Thema, bei dem ich auch nicht das Gefühl hatte, dass es hier trivialisiert wurde. Es findet ein durchaus respektvoller Umgang damit statt und die Auswirkungen, die so etwas auf ein junges Mädchen haben kann, werden ausführlich und gut dargestellt; etwas seltsam fand ich, dass sie sich einen Freund sucht und mit dem sogar einige Zeit zusammenlebt. Abgesehen davon war die Darstellung des Themas wirklich gelungen.

Emmie ist ein sehr sympathischer Mensch, auch wenn ihre Geschichte unglaublich traurig ist. Irgendwie hatte ich immer wieder den Wunsch, dieses arme Mädchen in den Arm zu schließen und dann habe ich mir wieder vergegenwärtigt, dass sie schon 30 Jahre alt ist und eigentlich kein kleines Kind mehr ist. Ihr ständiger Liebeskummer ging mir so langsam auf die Nerven, aber abgesehen davon mochte ich Emmie wirklich gerne.

Lucas war mir am Anfang sympathisch; schließlich kann er ja nichts dafür, dass seine beste Freundin in ihn verliebt ist und verhält sich ihr gegenüber ja immer nett und freundlich. Aber im Laufe der Handlung wurde er mir immer unsympathischer. Erst recht nachdem er Emmie in Frankreich ohne Geld alleine zur Fähre kommen lassen wollte und seine Arbeit über seine Freundschaft gestellt hat und dabei Emmie im Stich gelassen hat. Auch was man sonst noch so über ihn erfährt; dass er beispielsweise anderen Frauen flirtende Nachrichten schickt, obwohl er eine Freundin hat, hat ihn mir unsympathisch gemacht.

Eliot wirkte am Anfang sehr sympathisch und wurde mir im Laufe der Handlung, im Gegensatz zu seinem Bruder, immer sympathischer. Einzig, dass er mit seiner komischen Freundin zusammen ist und diese sich Emmie gegenüber wie ein Biest aufführt, hat ihn für mich ebenfalls unsympathisch gemacht. Als er sich aber immer weiter von dieser zurückgezogen hat und immer mehr für Emmie da war, mit ihr unternommen hat, sich mit ihr getroffen hat und sich sehr freundlich um ihre kranke Vermieterin gekümmert hat, wurde er mir richtig sympathisch. Eliot stellt sich als verlässlicher, hilfsbereiter und netter Kerl heraus.

Insgesamt hat mir die Zeichnung der Charaktere gut gefallen und diese wirkten auf keinen Fall zu platt oder eindimensional.

Kommen wir nun zum Medium: Das Hörbuch selbst hat mir gut gefallen, wenngleich es nur als Download vorliegt und man somit kein Cover oder ähnliches hat. Dass das Hörbuch ungekürzt ist, hat mir auch gut gefallen. Heike Warmuth, die Sprecherin, ist Schauspielerin und hat auch schon einiges an Hörbüchern eingesprochen. Ich kannte sie bisher nicht, mochte ihre Art zu sprechen aber sehr gerne. Für mich hat die Stimme gut zu Emmie gepasst und ich konnte mich richtig reinfühlen in das Hörbuch.

Ich hatte oben bereits erwähnt, dass mir Emmies ständiger Liebeskummer nicht so gut gefallen hat. Ich glaube, wenn ich das Buch gelesen hätte, wäre ich davon wirklich genervt gewesen, aber da ich es gehört habe, fand ich es gar nicht so schlimm. Da hat das Hörbuch wirklich einen großen Vorteil gehabt, weil man es beim Hören einfach mitgehört hat, es aber nicht so störend wirkte. Ich bin also nicht sicher, ob mir die gedruckte Version des Buches so gut gefallen hätte. Vom Hörbuch hingegen war ich wirklich begeistert. Ein großer Vorteil des Mediums.

Insgesamt hat mir Jedes Jahr im Juni von Lia Louis sehr gut gefallen. Das Thema ist gut beschrieben, die Charaktere sind sympathisch und vor allem hat mir die Sprecherin und die Eigenschaften des Mediums gut gefallen, sodass ich es gerne weiterempfehle.

 

 

 

Vielen Dank an den Hörverlag für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Heidis Lehr- und Wanderjahre von J. Spyri ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri

In dem Kinderbuchklassiker Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri geht es um die heranwachsende Schweizerin Adelheid, genannt Heidi.

Heidi wird mit etwa 5 Jahren von ihrer Tante Dete zu deren Großvater gebracht. Dete ist die Schwester von Heidis Mutter Adelheid und Tobias, dem Sohn des Almöhi. Adelheid und Tobias heiraten sehr junge und sind nur kurz verheiratet als beide sterben. Die 1-jährige Heidi kommt zu Dete und deren Mutter und lebt dort bis Dete nach dem Tod ihrer Mutter in Frankfurt eine Stellung angeboten bekommt. Da sie die kleine Heidi nicht mitnehmen kann, bringt sie sie zum Großvater auf die Alm.

Heidi lebt von nun an mit ihrem Großvater auf der Alm und genießt das offene und unbeschwerte Leben dort. Sie geht mit dem Geißenpeter und den Geißen mit und weidet diese, sie bewacht sie und achtet auf sie und genießt die Sonne, die Natur und die Tiere zu beobachten und Zeit mit ihnen zu verbringen. Außerdem liebt sie es, Zeit mit der Großmutter zu verbringen, wobei damit Peters Großmutter gemeint ist.

Heidi wird von ihrem Großvater, der von allen sehr kritisch beäugt wird, sehr gut behandelt. Er sorgt für das Kind, kümmert sich darum, dass es immer in sauberer Kleidung herumläuft und er gibt ihr zu essen. Der Almöhi liebt seine Enkeltochter sehr und überrascht so alle Bewohner im Dörfli. Allerdings weigert er sich, Heidi in die Schule zu schicken, denn sie könne ja schlecht den ganzen Weg von der Alm jeden Tag in die Schule laufen und er werde auch nicht im Winter zurück ins Dörfli ziehen, sodass sie von dort aus in die Schule gehen könnte.

Als einige Jahre später Dete wieder auf der Alm auftaucht und das Kind mitnehmen möchte, wehrt sich der Almöhi praktisch nicht dagegen. Sie möchte Heidi als Gesellschafterin für eine im Rollstuhl sitzende reiche Tochter in Frankfurt mitnehmen. Klara Sesemann lebt in einer großen Wohnung mit einigen Bediensteten darunter Fräulein Rottenmeier, die sich um die Wohnung, die Ordnung der Bediensteten und Klara kümmert. Klara ist etwa 12 Jahre alt und ein liebes, nettes Mädchen, aber sie langweilt sich, weil sie keine Freunde hat und ständig nur Zuhause ist.

Heidi soll also nun eine Freundin für Klara sein, allerdings ist sie deutlich jünger. Dete lässt das verwirrte Mädchen einfach in der Wohnung der Sesemanns stehen und verschwindet. Nun muss sich Fräulein Rottenmeier um Heidi kümmern, die sich mit den ganzen Konventionen der gehobenen Gesellschaft nicht auskennt und nicht einmal lesen kann. Vor allem fällt es Heidi schwer, ihre anderen Namen anzunehmen, denn sie wird von Fräulein Rottenmeier Adelheid gerufen, da dies ihr Taufname ist. Außerdem vermisst sie den Ausblick ins Tal und das Rauschen der Tannen, und die Menschen, die ihr in ihrer Heimat so wichtig sind und natürlich auch die Geißen.

Einmal macht sich Heidi heimlich auf den Weg um von irgendwo auf die Stadt herunterzugucken, dabei werden ihre einige Kätzchen vom Turmwärter geschenkt. Da Fräulein Rottenmeier panische Angst vor kleinen Katzen hat, müssen Heidi und Klara diese verstecken, allerdings nicht bevor die hysterische Frau diese nicht entdeckt hat. Als Heidi das Lesen einfach nicht lernen will, zweifelt Fräulein Rottenmeier schon am Verstand des Kindes, zumal dieses ständig irgendwelche abenteuerlichen Geschichten erzählt. Vollkommen verzweifelt wendet sie sich an Herrn Sesemann, der sofort nach Frankfurt kommt um sich das sonderbare Geschöpf näher anzusehen. Als Klara ihrem Vater versichert, dass Heidi ein ganz feines Mädchen ist, und er sich selbst davon auch überzeugt hat, ist er beruhigt.

Einige Tage später kommt Klaras Großmutter, die Heidi sehr ins Herz schließt und sich viel mit dem Mädchen beschäftigt. Zwar mag Heidi die Großmutter, Herrn Sesemann und vor allem Klara ganz gerne, aber sie kriegt immer größeres Heimweh. Allerdings traut sie sich nicht, dies zu äußern, da sie nicht undankbar wirken möchte. Ihr Unglück äußert sich irgendwann darin, dass sie anfängt, Schlafzuwandeln und dabei immer die Haustür öffnet und zurück ins Bett geht. Als herauskommt, dass Heidi der Geist ist, der nachts herumgeht, wird sie vom Arzt untersucht, der herausfindet, dass Heidi zurück nachhause möchte, was Herr Sesemann auch sofort veranlasst.

Zurück in den Bergen nimmt ihr Großvater sie überglücklich wieder auf. Sie verbringt wieder Zeit mit dem Geißenpeter, mit der Großmutter und vor allem mit ihrem Großvater. Sie liebt es, wieder ins Tal hinuntersehen zu können und den Sonnenuntergang von den Bergen aus beobachten zu können.

Heidis Lehr- und Wanderjahre von J. Spyri ·Hörbücher

Rezension: Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri

Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri habe ich als Hörbuch gehört, sodass ich sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen werde.

Die Charaktere in Heidi sind meistens recht nett. Sowohl Peters als auch Klaras Großmutter sind beide unglaublich freundliche und nette ältere Dame und entsprechend ziemlich genau dem, was man sich unter einer Großmutter vorstellt. Der Großvater ist zu Heidi sehr nett, wird von den Dorfbewohnern zwar sehr kritisch gesehen und ist sich mit diesen auch nicht ganz grün, liebt aber seine Enkelin offenbar sehr. Seltsam fand ich nur, dass er gar nicht darauf reagiert hat als Dete ihm Heidi gebracht hat, denn schließlich hätte er ja durchaus Argumente wie Ist das überhaupt meine Enkelin? Oder Ich weiß gar nichts über Kindererziehung und ähnliches hervorbringen können. Klara scheint gar nicht zu ahnen wie sehr ihre Freundin unter dem Heimweh leidet, das sie kurz nach ihrer Ankunft schon befällt. Ich denke aber nicht, dass es bei Klara Kaltschnäuzigkeit oder etwas derartiges ist, sondern vermute, dass diese sich einfach nicht in Heidi hineinversetzen kann. Peter ist ebenfalls ein netter Kerl und obwohl er ein ganz anderes Leben führt als Heidi, verstehen sich die beiden von Anfang an gut und werden schnell gute Freunde.

Heidi ist von der so anderen Welt in Frankfurt verwirrt und kann sich dort nicht einfügen, ansonsten ist sie aber ein sehr offenherziges, nettes und freundliches Mädchen. Etwas verwundert hat es mich als sie von ihrer Tante auf die Alm ihres Großvaters gebracht wird, weil sie sich dagegen überhaupt nicht wehrt, obwohl sie doch eigentlich eine gute Beziehung zu ihrer Tante haben sollte; schließlich hat sie dort mehrere Jahre gewohnt und kann sich an ihre Eltern nicht einmal mehr erinnern. Hinzu kommt noch, dass sie den Almöhi ja gar nicht kennt und von nun an dort leben soll, zumal es sich um eine ganz fremde Umgebung handelt. Das hat mich irgendwie befremdet.

Es gab für mich aber auch zwei ziemlich negative Figuren: Dete und Fräulein Rottenmeier. Dete bringt ihre Nichte einfach zu einem Mann, den diese nicht kennt, damit sie eine Stellung in Frankfurt annehmen kann. Das kann man vielleicht noch nachvollziehen, aber dass sie Heidi dann auch einfach aus ihrer Umgebung wieder herausreißt um sie als Gesellschafterin mit nach Frankfurt zu nehmen, fand ich seltsam. Zumal sie ihrer Nichte Versprechungen macht, von denen sie genau weiß, dass sie nicht haltbar sind. Hierzu gehört etwa, dass Heidi zurück zur Großmutter möchte und Dete meint, dass sie ja schon am nächsten Tag zurückfahren könne wenn sie Frankfurt nicht mag. Außerdem fand ich es seltsam, dass sie sich – zumindest im Hörbuch – gar nicht mehr nach dem Kind erkundigt. Sie bringt ihre Nichte in einen mehr oder weniger fremden Haushalt und schaut dann gar nicht mehr nach ihr. Natürlich ergibt es nur so Sinn, dass Heidi so lange dort bleibt, denn sonst hätte sie ihrer Tante vielleicht ihr Leid geklagt und wäre schon früher nachhause zurückgekehrt, aber gerade deshalb finde ich das Verhalten von Dete einfach nur scheußlich.

Auch Fräulein Rottenmeier ist so eine Person. Sie behandelt Heidi ständig schlecht und von oben herab. Sie stellt sie als schreckliche Person da, die Tiere ins Haus holt und ständig für Radau sorgt, außerdem weiß sie sich nicht zu benehmen, lügt und scheint auch noch dumm zu sein. Dass sie selbst überhaupt keinen Blick für das Kind hat und ich absolut nicht verstehe wieso Herr Sesemann dieser Person seine geliebte Tochter anvertraut, kann ich nicht begreifen. Aber natürlich ist die Figur genau so angelegt und sie soll den Aufenthalt in Frankfurt für Heidi ja offenbar so schrecklich wie möglich machen, damit diese zurück nachhause kehren kann.

Die Handlung selbst hat mir gut gefallen, wenngleich es sich hier natürlich um die mittleren Kindheitsjahre von Heidi handelt. Wie ich oben schrieb ist Heidi am Anfang etwa fünf und wird am Ende des Romans ungefähr neun Jahre alt sein. In diesen Jahren erlebt sie viele Abenteuer und findet einige neue Freunde. Sie lernt und wird erwachsener, hat aber auch noch viel zu lernen, denn schließlich wird sie erst am Ende des Romans eingeschult.

Das Hörbuch ist gekürzt und ich weiß leider nicht genau wo, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Fokus im Original eher noch auf den Jahren bei ihrem Großvater liegt. Hier hätte ich mir noch mehr Abenteuer gewünscht, denn schließlich wird nur der Beinaheabsturz einer Geiß und das Essen mit Peter und die wunderschöne Natur beschrieben, aber ich bin sicher man kann in den Bergen noch mehr Abenteuer erleben. Hier weiß ich leider nicht, ob nicht das ein oder andere davon weggelassen wurde.

Das Booklet, das den CDs beiliegt, ist nicht so hilfreich, schafft es aber dennoch einige Begriffe von früher zu erklären, außerdem gibt es ein Geleitwort der Sprecherin, Martina Gedeck, eine Inhaltsangabe und eine Einordnung des Textes. Diese hat mir besonders gut gefallen.

Martina Gedeck, die Sprecherin, sagte mir vom Namen her nichts, aber ich finde sie hat ihren Job ganz gut gemacht. Der Text ist teilweise in Dialekt geschrieben und mit vielen älteren Begriffen gespickt, die wir teilweise nicht mehr verwenden. Sie hat es gut geschafft die Atmosphäre des Buchs rüberzubringen und mir hat auch ihr Dialekt gefallen. Er wirkte nicht gekünstelt oder zu modern, sondern hat wunderbar zur Sprache des Buchs gepasst.

Alles in allem hat mir Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri ganz gut gefallen und ich würde gerne den nächsten Band ebenfalls als Hörbuch hören. Von mir gibt es also eine Empfehlung für dieses Hörbuch von cbj audio.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Hörbücher ·Nesthäckchen und ihre Puppen von E. Ury

Inhaltsangabe: Nesthäckchen und ihre Puppen von Else Ury

In Nesthäckchen und ihre Puppen von Else Ury geht es um die 6-Jähirge Annemarie Braun. Der erste Band behandelt die Zeit von kurz vor einem Osterfest bis etwa zum Osterfest im nächsten Jahr und ihrer darauf folgenden Einschulung. Annemarie ist das Nesthäckchen der Familie, da sie zwei ältere Brüder hat, Klaus und Hans.

Das Nesthäckchens, das manchmal auch Annemi oder Lotte genannt wird, erlebt ihre Abenteuer gemeinsam mit ihren Puppen. Sie lebt mit ihrem Vater, Dr. Braun, einem Arzt und ihrer Mutter, ihrem Kinderfräulein und ihren Brüdern, ihrem Hund und ihrem Vögelchen in einer Wohnung in Berlin. Außerdem gibt es in dem Haushalt noch die Köchin, Hanne, und das Stubenmädchen, Frieda.

Annemarie macht mit ihrem Kinderfräulein regelmäßig Spaziergänge in den Tiergarten. Bei einem dieser Spaziergänge lernt sie das Schiffer-Lenchen kennen. Ein kleines Mädchen, das mit ihren Eltern auf einem Schiff lebt, weil ihr Vater der Kapitän ist. Sie unterhält sich mit der kleinen und die beiden sehr unterschiedlichen Mädchen freunden sich an bis Lenchen eines Tages erzählt, dass sie wieder abreisen; wahrscheinlich sogar sehr bald. Vor dem Abschied tauschen die Mädchen noch ihre Schuhe, da Annemarie die Holzpantinen von Lenchen toll findet und Lenchen Annemaries Stiefelchen mag. Annemaries Fräulein schimpft das Mädchen aus, weil diese ihre Schuhe wegegeben hat.

Mit ihrem Bruder und Fräulein Lena fährt Annemarie nach Arnsdorf zu ihrer Tante und ihrem Onkel. Gemeinsam verbringen sie dort die Ferien, damit die Eltern mal ihre Ruhe vor den Kindern haben und der abgearbeitete Vater sich erholen kann. Dort tollt Annemarie mit Klaus und ihren Cousins und manchmal auch ihrer Cousine im Wald und auf den Wiesen herum. Einmal verstecken sich die Kinder mit Puppe Gerda im Baum, um von dort die Kaffeegesellschaft von Tante Kätchen zu belauschen, weil es bei diesen Gesellschaften immer so lustig zugehen soll. Die Kinder erleben in dieser Zeit einige Abenteuer und Annemarie verwildert in dieser Zeit auch ziemlich. Als sie wieder nachhause kommt, weiß sie nichts mit sich anzufangen und so meldet ihre Mutter sie im Kindergarten an.

Annemarie freut sich sehr auf den Kindergarten, weil sie doch in Arnsdorf so gerne draußen gespielt hat. Als der Kindergarte nur aus einer Wohnung besteht, und es keinen Garten gibt, ist die Enttäuschung groß. Weil die Betreuerin und die Kinder so nett sind, freut sich Annemarie dann aber auf den Kindergarten und seitdem ist ihr auch Zuhause nicht mehr langweilig.

Nesthäckchen erlebt noch etliche weitere Abenteuer, die ich jetzt nicht alle erwähnen werde, aber mit ihren Brüdern, vor allem mit dem nur wenig älteren Klaus, gerät das Mädchen oft aneinander. Er malt ihren Puppen Schnurrbärte auf, entführt Gerda und versteckt sie vor Annemarie oder steckt eine Kiste mit Insekten in ihr Zimmer. Ihr Bruder Hans findet solche Sachen zwar auch ziemlich witzig, aber er und Annemarie verstehen sich grundsätzlich ganz gut.

Das Mädchen wird durch die Geschenke und ihre Spielsachen ziemlich darauf getrimmt, in die entsprechende Rolle hineinzuwachsen. Sie hat jede Menge Puppen, die sie wie ihre Kinder behandelt; jede mit eigenem Charakter und mit Gerda hat sie sogar ein eigenes Nesthäckchen bekommen. Sie hat auch jede Menge Puppenzubehör, um für ihre Kinder zu sorgen, dazu gehört eine Küche und ein Bügeleisen, das man sogar wirklich heiß machen kann. Ihre Kinder erhalten nicht nur zu Annemaries Weihnachtsfest Geschenke, sondern auch von ihr selbst selbstgebastelte Geschenke.

Das Buch endet mit Annemaries Geburtstag und ihrer Einschulung an der örtlichen Mädchenschule. Zum Geburtstag hat sie jede Menge Zubehör für die Schule bekommen, das sie stolz herumzeigt und sogar damit in der Wohnung auf- und abläuft und so wie ein richtiges Schulmädchen aussieht.

Hörbücher ·Nesthäckchen und ihre Puppen von E. Ury

Rezension: Nesthäckchen und ihre Puppen von Else Ury

Nesthäckchen und ihre Puppen von Else Ury ist der erste Band der Reihe und auch diesen habe als Hörbuch gehört, sodass ich erst auf den Inhalt und dann auf das Medium eingehen werde.

Ich finde es ganz spannend mal ein, mutmaßlich halbwegs authentisches Leben, einer Familie in der Deutschen Kaiserzeit zu erleben. Der Fokus liegt zwar auf Annemarie, aber dennoch werden einige gesellschaftliche und auch familiäre Inhalte beschrieben. Einige Sachen kommen einem auch aus der heutigen Zeit sehr bekannt vor: die Kinder ärgern sich gegenseitig, man macht Ausflüge in den Tierpark und spielt sehr viel. Das hat mir sehr gut gefallen.

Aber natürlich gibt es auch einige Unterschiede zur heutigen Gesellschaft. Annemarie wird sehr in ihre Rolle als Frau hineinerzogen. Es gibt zwar heute noch Kinderküchen und Puppenzubehör, aber es ist nicht mehr so strikt nach Jungs und Mädchen getrennt. Außerdem kann ich mich nicht erinnern, jemals ein funktionsfähiges Bügeleisen für Kinder gesehen zu haben. Annermarie besitzt sowas und bügelt die Kleidung ihrer Puppen. Sie wird zur perfekten kleinen Frau erzogen. Auch als Annemarie sich eines ihrer Zöpfchen abschneidet, weil ihrer Puppe die Haare ausgegangen sind, wird sie als Junge bezeichnet. Als ihre Eltern ihr dann das zweite Zöpfchen auch noch abschneiden, weint sie bitterlich, weil sie keine Jungenfrisur wie die ihrer Brüder haben möchte. Hier sind die Rollenverteilungen also klar und es ist auch klar wie ein Mädchen auszusehen und sich zu benehmen hat und wie ein Junge, wenngleich Klaus mehr als einmal gerügt wird, wenn er seine Schwester wieder einmal ärgert. Das mochte ich gar nicht, denn natürlich müssen solche alten Rollenbilder kritisch von jungen Hörerinnen und Hörern betrachtet werden.

In diesem Kontext noch ein Hinweis zum Booklet. Dort findet sich eine Seite, die die traditionellen Werte reflektiert und daraus eingeht, dass ein solches Hörbuch im Kontext der damaligen Zeit, also der Zeit, in der das Kinderbuch dazu geschrieben wurde, gehört werden muss. Das ist absolut richtig, aber irgendwie hat mir da noch ein bisschen was dazu gefehlt, dass solche Werte heute anders sind und Mädchen heute nicht mehr als typische Hausfrauen erzogen werden. Bei Der Trotzkopf ist diese Einordnung irgendwie besser gelungen, finde ich. Die Worterklärungen sind sicherlich – auch für bereits erwachsene Hörer:innen – sehr hilfreich und auch die Inhaltsbeschreibung hat mir gut gefallen. Die Illustrationen von Max Meinzold haben mir wie immer gut gefallen. Ich mochte das Booklet zum Hörbuch auf jeden Fall sehr gerne und wünsche mir sowas eigentlich immer; zumindest damit man weiß wie die Figuren heißen (und geschrieben werden) und damit man den Inhalt nochmal kurz nachlesen kann.

Kommen wir nochmal kurz zum Inhalt: Die Figuren sind mir grundsätzlich sympathisch gewesen, wenngleich ich den Erziehungsstil mit Sätzen in die Richtung „Was bist du für ein dummes Kind“ oder „So kann ich dich nicht lieb haben“ überhaupt nicht mochte. Annemarie ist auf jeden Fall eine unglaublich sympathische Figur und auch die anderen Figuren müssen natürlich im Kontext der Zeit betrachtet werden.

Der Inhalt hat mir mit dem episodischen Erzählen recht gut gefallen und ich habe auch nicht großartig gemerkt, dass irgendwo groß gekürzt wurde, wenngleich es sich auch hier um eine gekürzte Lesung handelt.

Der Absatz zum Booklet gehört ja so halb schon zum Thema Medium, aber um nochmal auf die Sprecherin selbst zu kommen: Ich mag Andrea Sawatzki eigentlich sehr gerne. Aber ich finde, dass ihre Stimme nicht zum Hörbuch gepasst hat, weil diese für mich nicht zu Annemarie gepasst hat und es schließlich immer um diese geht. Ich habe die anderen Hörbücher der Reihe (Anne auf Green Gables und Der Trotzkopf) sehr gerne gehört, aber bei diesem musste ich mich manchmal schon fast zwingen, weiterzuhören. Das lag mit Sicherheit nicht nur an der Stimme der Sprecherin, sondern auch am Inhalt.

Für mich ist Das Nesthäckchen und ihre Puppen von Else Ury deshalb leider das bisher schwächste der Reihe (wenngleich diese noch sehr klein ist). Wer sich für ältere Kinderbücher interessiert und eine gute Aufbereitung wünscht, ist hiermit sicherlich dennoch gut beraten. Mein Liebling in der Reihe wird das Hörbuch aber wohl leider trotzdem nicht mehr.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!