Adventskalender 2021 ·Hörbücher ·Northanger Abbey von J. Austen

Rezension: Northanger Abbey von Jane Austen

Northanger Abbey von Jane Austen habe ich als Hörspiel gehört. Hier werde ich also sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium des Hörspiels selbst eingehen.

Catherine Morland ist, wie viele Austen-Heldinnen, eine nette, etwas leichtgläubige, aber dennoch freundliche junge Dame. Als besonders klug wird sie von Austen nicht dargestellt, wobei eine gewisse Dummheit sogar von Vorteil für junge Damen sein soll, da kluge junge Männer, etwas dummen Damen sofort verfallen, wenn sie denn hübsch sind, so schreibt Austen. Catherine war mir durchaus sympathisch, auch wenn ich sie tatsächlich für deutlich zu leichtgläubig gehalten habe.

Das Frauenbild in diesem Austen-Roman ist wieder einmal schwierig. Ich verstehe ja durchaus, dass das Frauenbild in solchen historischen Romanen im entsprechenden historischen Kontext betrachtet werden muss, aber was Austen da über Frauen schreibt, ist wirklich unglaublich. Vor allem, dass Tilney das Verhalten seines Bruders entschuldigt und meint, dass einzig Isabellas Verhalten unpassend sei, da sie sich über die Aufmerksamkeiten nicht nur freue, sondern sogar maßgeblich daran beteiligt sei. Eleanors Glück wird (so wirkt es zumindest in der gekürzten Hörspiel-Version, die ich gehört habe) einfach an den nächstbesten Heiratskandidaten verschachert, damit ihr Bruder die Frau heiraten darf, die er liebt. Dass der lieben, netten Catherine das schändliche Verhalten eines Mannes zum Vorwurf gemacht wird, passt gut zur Geschichte, hat bei mir aber einen negativen Nachgeschmack hinterlassen. Solche Beispiele könnte ich sicherlich noch weiter aufzählen. Das Frauenbild in Austens Roman ist kurzum archaisch.

Henry Tilney hat mich an der ein oder anderen Stelle an Edmund aus Mansfield Park (eine Ähnlichkeit zwischen Catherine und Fanny aus Mansfield Park war meiner Ansicht nach vor allem bei Beschreibungen des Charakters vorhanden) erinnert. Die Figur Henry Tilney ist meiner Ansicht nach auch ziemlich undynamisch geblieben und ich konnte so einige seiner Verhaltensweisen nicht nachvollziehen, weil man keine Sicht in sein Inneres erhielt. Ich weiß nur leider nicht, ob das am Original, oder an der gekürzten Hörspiel-Adaption lag.

Die Geschichte selbst hat mir gut gefallen. Ein Teil spielt bei Catherines Eltern in ihrem Heimatort, der zweite Teil in Bath und der dritte Northanger Abbey. Danach kehrt sie zurück in ihren Heimatort, wo der Roman dann auch endet. Es handelt sich hier um eine relativ typische (zumindest für Austen) Liebesgeschichte. Eine junge Frau trifft einen jungen Mann, sie verliebt sich in ihn, darf ihm auch ihre Gefühle aufgrund der herrschen gesellschaftlichen Konventionen nicht gestehen. Der junge Mann verliebt sich zwar auch in die junge Dame, braucht aber ein bisschen bevor beide zusammenkommen können. Warum genau Henry Catherine seine Gefühle nicht sofort gestanden hat, ist unklar, außer, dass er vielleicht Angst davor hatte, dass sie ihn nicht liebt.

An einigen Stellen merkt man, dass der Roman gekürzt wurde. Wie oben beschrieben bleiben Henrys Handlungsmotive und sein Charakter den ganzen Roman über unklar. Ich weiß nicht, ob das an dem Austen-Roman liegt, oder an den Kürzungen. Um die Entwicklungen der Liebesgeschichte und die Charakterentwicklungen besser nachvollziehen zu können, wäre es aber schön gewesen, hätte man das Hörspiel etwas länger konzipiert. So wirkte einiges dann doch überstürzt.

Als ich das erste Mal einen Teil des Udolpho-Textes hörte, war ich sehr verwirrt, weil der Roman plötzlich eine englische Passage enthielt. Diese Passagen wurden dann auch noch schauerlich und mit Gewitter-Geräuschen untermalt, sodass ich häufig beim plötzlichen Wechsel vom Deutschen ins Englische Probleme hatte alles zu verstehen. Beim ersten Mal habe ich am Anfang nicht mitbekommen, dass hier ein englischer Einschub folgt und dass die Udolpho-Passagen entsprechend inszeniert sind. Wenn jemand kein englisch spricht, dann ist er bei solchen Passagen aufgeschmissen, wobei das Verstehen der Udolpho-Zitate nicht notwendig ist, um der restlichen Handlung folgen zu können, aber schön wäre es schon, wenn man diese Zitate schon hat. Ich verstehe auch nicht ganz warum man diese nicht übersetzt hat.

Die Musik mit der das Hörspiel untermalt ist, hat mir gut gefallen und sie passt auch ganz wunderbar zur Atmosphäre des Romans. Die Anzahl der Sprecher:innen sorgt dafür, dass jede Figur eine Sprecherin oder einen Sprecher hat. Das sorgt natürlich auch dafür, dass es ein paar Sprecher:innen gibt, die es auseinanderzuhalten gilt, was mir aber ganz gut gelungen ist. Ich denke, hier braucht man einfach ein bisschen Erfahrung mit Hörspielen und so viele Figuren hat der Roman auch nicht.

Das Booklet enthält neben einem fünfzehnseitigen Vorwort, eine Aufzählung der Beteiligten (Autorin, Sprecher:innen, Musiker:innen) auch einige Bilder. Das Vorwort befasst sich mit dem Leben von Jane Austen, ihrer Familie und wie sie zum Schreiben kam. Außerdem enthält es einige Gedanken zum Roman und der damaligen Gesellschaft. Leider kamen diese Details und Informationen im Hörspiel nur an wenigen Stellen durch. So habe ich beispielsweise gelesen, dass Austens Frauenbild nicht so klischeehaft (hätte mich auch gewundert) war wie ich den Eindruck nach dem Hören hatte. Hier sei also der obige Absatz etwas relativiert, den ich aber dennoch so stehen lasse, weil das mein Eindruck nach dem Hören war. Das Booklet ist wirklich sehr informativ und hilft, Northanger Abbey etwas besser einordnen zu können. Für mich bietet es also einen Mehrwert zum Hörspiel selbst.

Alles in allem hat mir die Hörspiel-Adaption von Northanger Abbey von Jane Austen aus dem Hörverlag sehr gut gefallen. Das Cover ist sehr hübsch, die Handlung und Figuren von Austen sind schön und die Adaption vereint tolle Specher:innen und eine passende Musik.

 

 

 

Danke an Der Hörverlag für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!

Eine Weihnachtsgeschichte von Ch. Dickens ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens

In der Geschichte Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens geht es um Ebenezer Scrooge, einen alten, verbitterten, knausrigen Mann, der sich weder um seine Mitmenschen, noch um seinen Angestellten oder seine Familie kümmert.

Nachdem er die Spendensammler, seinen Mitarbeiter und seinen Neffen vor den Kopf gestoßen hat, erhält Scrooge am Abend Besuch vom Geist seines ehemaligen Partners, der schon seit einigen Jahren verstorben ist. Dieser kündigt ihm den Besuch von drei weiteren Geistern an: in der ersten Nacht soll der Geist der vergangenen Weihnachten, in der zweiten Nacht der der gegenwärtigen Weihnacht und danach der der zukünftigen Weihnacht erscheinen.

Und tatsächlich kommt der erste Geist wie angekündigt zu Scrooge und nimmt ihn mit zu den Weihnachtsfesten vergangener Zeiten: Ebenezer als junger Knabe von seiner Schwester aus der Schule abgeholt, um Zuhause mit seiner Familie Weihnachten feiern zu können. Jahre später hat er ein Weihnachtsfest bei seinem Lehrmeister verbracht, der ein großes Weihnachtsessen mit Musik und Tanz ausgerichtet und alle seine Angestellten dazu eingeladen hat. Das Weihnachtsfest hat er als unglaublich schön in Erinnerung.

Der zweite Geist führt Scrooge erst zu seinem Angestellten Bob Cratchit, der mit seiner Familie Weihnachten feiert. Obwohl die Familie arm ist, erfreuen sie sich aneinander und genießen die weihnachtliche Zeit. Dort lernt Scrooge auch den kleinen, verkrüppelten Sohn von Bob, tim, kennen. Ebenezer entwickelt sofort eine Zuneigung zu dem tapferen Jungen, doch der Geist deutet an, dass Tim das nächste Weihnachtsfest aufgrund der Armut der Familie wohl nicht mehr erleben wird. Auch bei seinem Neffen wirft Scrooge einen Blick auf die Weihnachtsfeier und ist so begeistert von den Spielen, die sie spielen, dass er, obwohl er nicht gehört werden kann, mitspielt.

Der Geist der zukünftigen Weihnacht zeigt Scrooge ein Weihnachtsfest, bei dem kurz zuvor ein Mann gestorben ist. Einige arme Menschen unterhalten sich aber nur darüber wie sie dessen Besitztümer unter sich aufteilen und dass sie ihm sogar die guten Kleider vom Leib zogen, damit sie diese weiterverkaufen können. Auch die Geschäftskollegen erwähnen seinen Tod nur am Rande und sprechen davon, dass man den Toten nicht mochte. Scrooge hofft währenddessen, dass der Geist ihm zeigt was er – durch die Lektionen der anderen Geister – in der Zukunft an guten Taten tut. Aber statt dies gezeigt zu bekommen, erfährt Scrooge, dass Tim verstorben ist und die Familie Cratchit um den Kleinen trauert.

Geläutert durch die Besuche der drei Weihnachtsgeister möchte Scrooge nun etwas gutes tun, doch eigentlich müsste Weihnachten nach den Besuchen längst vorbei sein…

Eine Weihnachtsgeschichte von Ch. Dickens ·Hörbücher

Rezension: Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens

Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens gehört zu den bekanntesten Weihnachtsgeschichten und bekanntesten Geschichten von Charles Dickens. Ich habe diesen bekannten Stoff als Hörbuch von cbj audio gehört und werde somit sowohl auf das Medium als auch auf den Inhalt eingehen.

Sie ist auch noch unter anderen Titeln bekannt (Ein Weihnachtslied (in Prosa), Der Weihnachtsabend oder Eine Geistergeschichte zum Christfest), die nicht weniger passend sind, allerdings handelt es sich bei Eine Weihnachtsgeschichte um den bekanntesten Titel.

Diese Weihnachtsgeschichte behandelt einige, wichtige, weihnachtliche Themen wie Familie, Freundschaft, Geiz und Spenden, Geschäftstüchtigkeit und Großzügigkeit. Diese Themen passen wunderbar zu Weihnachten und sorgen gemeinsam für die Atmosphäre, die diese Geschichte ausstrahlt. Es geht nicht einfach nur um einen einsamen, alten Mann, sondern darum, zu zeigen wie dieser so geworden ist und dass es auch für ihn nicht zu spät ist, sich noch zu ändern. Hier schwingt eine unglaublich schöne Hoffnung mit, die auch typisch für Weihnachten ist.

Besonders gut gefällt mir, dass man ein paar Einblick bekommt wie man Weihnachten früher in England gefeiert hat. Einiges hat sich zu unseren heutigen Weihnachtsfesten nicht verändert (wobei es natürlich auch heute in vielen Familien ganz unterschiedliche Weihnachtstraditionen gibt). Hier meine ich beispielsweise, dass man gemeinsam mit seiner ganzen Familie feiert, etwas leckeres ist und dankbar für die nette Gesellschaft ist. In einigen Familien werden sicherlich auch heute noch Spiele in großer Runde gespielt, bei denen viel gelacht und gescherzt wird. Solch ausgelassene Bälle wie der, den Scrooge in der Vergangenheit besucht hat, würde man aber heute wohl kaum noch feiern. In diesem Kontext sollen auch die sozialkritischen und gesellschaftskritischen Züge eine kurze Erwähnung finden.

Mir gefällt auch gut, dass man zwar hauptsächlich Scrooge begleitet, er aber zeitweilig sehr in den Hintergrund rückt und man so Gelegenheit erhält sowohl Cratchit und seine Familie als auch Fred, Scrooges Neffen, und dessen Familie näher kennenzulernen. Die Charaktere erhalten alle, außer Scrooge, keine richtige Tiefe, aber das ist bei Kurzgeschichten ja häufig der Fall.

Da ich vermute, dass die allermeisten mindestens eine der etlichen Filmadaptionen des Stoffes kennt, möchte ich hier nicht viel näher zum Inhalt eingehen, sondern mich stattdessen noch ein bisschen dem Medium widmen: Das Hörbuch beruht auf der ungekürzten Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt.

Cbj audio bringt gerade in seiner Nostalgie für Kinder-Reihe einige Kinderbuch-Klassiker raus. In der Reihe sind bereits Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery, Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri, Nesthäkchen und ihre Puppen von Else Ury, Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden und Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling und eben Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens erschienen. Ich finde es schön, dass viele dieser Klassiker noch einmal neu aufgelegt werden. Das Booklet, das in den physischen Hörbüchern beigelegt ist, ordnet die Stoffe ein.

Die Geschichte wurde von Charles Brauer eingesprochen. Ich habe vor ein paar Monaten tatsächlich Der Seitensprung von Bernhard Schlink, das von ihm gesprochen wurde, gehört und war sehr begeistert. Ich mochte auch bei diesem Hörbuch Brauer wieder sehr gerne und habe ihm unglaublich gerne zugehört. Für mich passte die Stimme einfach zu diesem alten, traditionellen Stoff des historischen Londons. Charles Brauer war für die Weihnachtsgeschichte wirklich eine tolle Wahl.

Das Booklet hält dieses Mal eine Zusammenfassung des Inhalts, die Vita des Autors und eine Einordnung des Werkes bereit. Darin wird unter anderem erläutert wieso Charles Dickens sich mit sozialen und politischen Themen auseinandersetzte. Für mich enthält das Booklet gerade dadurch einen Mehrwert zum Hörbuch. Max Meinzold hat – wie bei den ersten Teilen der Reihe auch – die Bilder für das Cover beigesteuert und ich mag seinen Stil immer noch unglaublich gerne und finde seine Bilder wunderschön.

Insgesamt hat mir Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens in dieser Hörbuchfassung gelesen von Charles Brauer sehr gut gefallen. Es stimmt richtig schön auf Weihnachten ein und man kann es auf jeden Fall auch mehrfach hören, und ich werde es jetzt sicherlich in den nächsten Wochen noch einmal hören. Von mir gibt es also eine klare Empfehlung für dieses tolle Hörbuch.

 

 

 

Vielen Dank an cbj audio für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!

Das Dschungelbuch von R. Kipling ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling ist ein Sammelband mit einigen Erzählungen. Die bekanntesten sind sicherlich die um Mowgli, allerdings besteht der Band (bzw. die beiden Bände) noch aus anderen Geschichten. Bei dem Hörbuch, das ich gehört habe, handelt es sich um eine gekürzte Fassung. Das Hörbuch enthält die Geschichten Mowglis Brüder, Kaas Jagd, Tiger! Tiger!, Die weiße Robbe und Rikki-Tikki-Tavi.

In Mowglis Brüder kommt Mowgli in den Dschungel und wird von Shir Khan, einem lahmenden Tiger, gejagt. Die Mutter eines Wolfrudels nimmt den kleinen Menschen bei sich auf und so ziehen die beiden Wolfseltern ihn gemeinsam mit ihrem aktuellen Wurf groß. Als der Junge in der Familie der Wölfe vorgestellt wird, sind die anderen Wölfe erst dafür, Mowgli Shir Khan zu überlassen, doch Bagheera erkauft die Zugehörigkeit zum Rudel und tritt so für Mowgli ein, denn wenn zwei Rudelmitglieder, die nicht mit dem „jungen Wolf“ verwandt sind, sich für ihn einsetzen, kann dieser dennoch im Rudel bleiben. Baloo, der Bär, der für die Erziehung und den Unterricht der Wolfskinder verantwortlich ist, unterstützt dieses Anliegen und so wird Mowgli aufgenommen und reift heran.

Kaas Jagd beginnt damit, dass Baloo und Bagheera erfahren, dass Mowgli mit den Affen gespielt hat. Der Bär und der Panther sind darüber ungehalten, können es aber nicht mehr ändern, aber sie schärfen Mowgli ein, dass die Affen gefährlich sind, weil sie weder ein Gesetz noch einen Anführer haben. Außerdem schmieden sie immer große Pläne um diese dann kurz darauf wieder fallen zu lassen und sich etwas anderem zuzuwenden. Als Mowgli kurz darauf von der Affenbande entführt wird, können weder Bagheera noch Baloo eingreifen und so bitten sie die Schlange Kaa um Hilfe, denn die Affen haben Angst vor ihr. Kaa lässt sich überzeugen, doch auch zu dritt, wird dieser Kampf alles andere als einfach…

Tiger! Tiger! Ist die letzte Geschichte mit Mowgli. Die Anführer des Wolfsrudels wird immer älter und Mowglis Situation damit schwierig, denn Shir Khan ist der nächste Anwärter für den Posten. Als der Anführer bei der Jagd nicht erfolgreich ist, wird er als Anführer abgesetzt. Da Bagheera aber die Stimmung im Rudel bemerkt hatte, hatte er Mowgli vorsorglich losgeschickt um die rote Blume (das Feuer) von den Menschen zu holen und so schafft er es seine Wolfskameraden einzuschüchtern. Mowgli wird dennoch aus dem Dschungel vertrieben und kommt in ein Dorf, wo er um Essen bittet. Die Dorfbewohner nehmen ihn auf und da er einem kleinen Jungen, der vor vielen Jahren im Dschungel verschwand sehr ähnlich sieht, nimmt die Mutter des Vermissten Mowgli bei sich auf. Doch mit den Gepflogenheiten der Menschen kommt Mowgli nur schwer zurecht. Als sich eines Tages die Chance bietet, macht Mowgli Jagd auf Shir Khan, denn mit diesem Tiger hat er noch eine Rechnung offen.

Die weiße Robbe behandelt die Geschichte von Kotick. Seine Eltern sind wie abertausende andere Robben auch auf einer Insel im Pazifik Zuhause. Jedes Jahr kehren sie hierhin zurück um ihre Kinder zu bekommen und sie die ersten Monate aufzuziehen. Kotick entdeckt bei einem sehr Ausflüge auf der Insel zufällig wohin die Robben, die von den Menschen weggetrieben werden, gebracht werden: Sie werden getötet. Kotick möchte nicht mehr, dass weitere Robben sterben und möchte deshalb eine sichere Zuflucht für seine Kolonie finden. Die nächsten Jahre schwimmt er durch sämtliche Weltmeere und hat bei seiner Suche relativ wenig Erfolg.

Die letzte Geschichte des Hörbuchs ist die um Rikki-Tikki-Tavi, die auch den gleichnamigen Titel trägt. Rikki-Tikki-Tavi ist ein Mungo, der durch ein Unwetter in den Garten einer Familie kommt, die ihn bei sich aufnimmt und ihn pflegt. Kurze Zeit später rettet Rikki-Tikki-Tavi den kleinen Sohn der Familie vor einem Krait. Auch die beiden Königskobras aus dem Garten machen sich den Mungo zum Feind als sie die Familie angreifen und so versucht Rikki-Tikki-Tavi seine Familie und sein Zuhause zu schützen.

Das Dschungelbuch von R. Kipling ·Hörbücher

Rezension: Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling

Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling habe ich als Hörbuch gehört. Es handelt sich um eine gekürzte Version, in der dennoch mehr als die bekannten Geschichten um Mowgli zu finden sind.

Ich persönlich kannte eine Dschungelbuch-Adaption, die sich nur mit den Geschichten um Mowgli befasst und war so etwas überrascht, dass das Original noch einige weitere Geschichten enthält. Neben den drei Geschichten mit Mowgli enthält auch dieses Hörbuch noch weitere Geschichten, was natürlich einen gewissen Mehrwert gegenüber anderen nur auf Mowgli beschränkte Veröffentlichungen.

Die Geschichten selbst sind alles spannend erzählt, wobei ich mich ein bisschen gewundert habe, dass es nur so wenige Abenteuer mit Mowgli geben soll. Ein kleiner Junge, der von wilden Tieren aufgezogen wird, hat doch sicherlich großes Potential für etliche Abenteuer, die er im Dschungel erlebt haben könnte.

Obwohl es sich natürlich um ein älteres Kinderbuch (veröffentlicht Ende des 19. Jahrhunderts) handelt, war ich von dem Ausmaß der Brutalität doch etwas überrascht. Vor allem eine Szene ist mir dabei im Gedächtnis geblieben: Die Beschreibung des Mordes an den Robben in der Geschichte Die weiße Robbe. Vielleicht ist das der Grund, warum die Geschichte in anderen Zusammenstellungen des Dschungelbuchs fehlen. Hier wird ziemlich offensichtlich geschildert wie die Robben getötet werden, was mir persönlich schon etwas zu viel war. Auch weil noch dazu beschrieben wird wie viele Robben von den Menschen bereits getötet wurden. Ich kann mir vorstellen, dass das für viele junge Menschen (das Hörbuch ist ab zehn Jahren) doch etwas zu viel ist. Hier wäre vielleicht eine vorsichtige Kürzung hilfreich gewesen, die die Explizitheit etwas herausnimmt und damit ein bisschen weniger schrecklich wirkt.

Dietmar Bär, der Sprecher des Hörbuchs, passt von seiner Stimmfärbung sehr gut zum Dschungelbuch. Seine Interpretation der Charaktere im Dschungel, von Mowgli und den anderen Tieren haben mir unglaublich gut gefallen und passten toll zur Atmosphäre des Buches.

Die Zeichnungen von Max Meinzold, vor allem Baloo und Bagheera, fand ich unglaublich schön und vor allem Baloos Gesicht auch ziemlich niedlich. Das Booklet mit Inhaltsbeschreibungen der einzelnen Geschichten und der Einordnungen der Filmadaptionen helfen bei der Kontextualisierung dieses berühmten Stoffes.

Insgesamt hat mir Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling in der Hörbuch-Adaption von cbj audio sehr gut gefallen. Ich kannte diesen eigentlich recht bekannten Stoff noch nicht in der Ausführlichkeit wie ich ihn hier kennengelernt habe und habe mich – trotz der Brutalität des Stoffes – gefreut, diesen hier einmal näher kennenzulernen. Besonders schön fand ich, dass die Geschichten sich nicht nur um Mowgli drehten, sondern auch noch darüber hinausgehende Geschichten aus dem Dschungelbuch hier versammelt sind.

 

 

 

Herzlichen Dank an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Drive me Crazy von B. O'Leary ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden von Beth O’Leary

Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden von Beth O’Leary ist ein Roadtrip-Roman, in dem Addie und Deb gemeinsam zur Hochzeit einer Freundin, Cherry, fahren wollen, wobei sie noch einen fremden Hochzeitsgast, Rodney, mitnehmen. Dylan und Marcus sind gemeinsam ebenfalls auf dem Weg zur Hochzeit der gleichen Freundin. Dylan und Addie waren bis vor fast zwei Jahren ein Paar, wobei die Beziehung alles andere als rosig endete.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in der Vergangenheit, wobei die Vergangenheit das Kennenlernen, die Monate der Beziehung und die Trennung von Dylan und Addie umfasst.

Damals lernten Dylan und Addie sich in Südfrankreich kennen. Während sie als Betreuerin des Hauses von Cherrys Eltern die Sommergäste, die im Haus ihren Urlaub verbringen, begrüßt und sich um kleinere Reparaturen im Haus kümmert, soll Dylan eigentlich Urlaub mit seiner ganzen Familie machen. Kurz vorher sagt sein Vater den Urlaub jedoch ab und so fährt Dylan alleine. Er verbringt einige Tage dort bis sein Onkel ankommt. Gerade in dieser Zeit verbringen Addie und Dylan wunderschöne Tage und beginnen eine leidenschaftliche Beziehung bis plötzlich Marcus vor ihnen steht, der auch noch sämtliche Freunde von Dylan einlädt. Panisch bittet Addie ihre Schwester Deb, wieder zurück in die Villa zu kommen, denn obwohl sie gemeinsam für das Haus verantwortlich sind, hatte Deb sich anderswo herumgetrieben.

Nach Südfrankreich macht sich Dylan auf eine kleine Weltreise mit Marcus und bleibt dabei länger als ursprünglich geplant, denn sein Vater verlangt von ihm, dass er sich endlich überlegt, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Dylan kann sich nicht entscheiden, hat mit den Konflikten mit seinen Eltern (vor allem seinem Vater zu kämpfen) und leidet unter „der dunklen Wolke“. Addie wartet in der Zwischenzeit auf ihn, beginnt ihren Job als Lehrerin (bzw. Referendarin) und vermisst ihren Freund. Sie wartet auf ihn und versteht einfach nicht, warum er nicht nachhause kommen kann, denn auch in England könnte er sich darüber klar werden, was er vom Leben möchte.

Nachdem Dylan wieder zurück ist, verbringen Addie und Dylan viel Zeit miteinander, doch immer wenn sie gerade innige Zeit miteinander verbringen, gibt es bei Marcus einen Vorfall, sodass Dylan los muss, um sich um seinen besten Freund zu kümmern. So zieht er auch mit Marcus zusammen in eine extra für sie erbaute, luxuriöse Hütte im Garten von Marcus‘ Vater. Als Dylan sich endlich überlegt hat, dass er sein Masterstudium machen möchte, sein Vater entscheidet ihm dafür kein Geld mehr zu zahlen und mit Addie zusammenzuziehen, geht es Marcus immer schlechter bis die Situation schließlich eskaliert und es zur Trennung von Addie und Dylan kommt.

Knappe zwei Jahre später sind Dylan und Marcus und Addie, Deb und Rodney in zwei verschiedenen Autos auf dem Weg zu Cherrys Hochzeit bis die beiden Autos in einen Auffahrunfall verwickelt werden. Notgedrungen bieten Addie und Deb Marcus und Dylan an, sie mitzunehmen. Durch diverse Staus, Pannen, verschwundene Schwestern, sexhungrige LKW-Fahrer und andere Umstände verzögert sich die Reise immer weiter.

In einem kleinen Hotelzimmer, das sich die fünf in der Nacht vor der Hochzeit teilen müssen, werden einige Dinge endlich geklärt, doch andere Probleme haben die Protagonist:innen noch längst nicht aufgearbeitet.

Als Cherry erfährt, dass Rodney mit den vieren im Auto sitzt, rastet sie aus: Rodney ist ihr Stalker und ganz sicher nicht zur Hochzeit eingeladen. Natürlich müssen die vier ihn irgendwo loswerden, doch Rodney ist ein ziemlich schneller Läufer, schnappt sich die Schlüssel und lässt seine vier Reisegefährt:innen auf einer Raststätte zurück. Die vier sind verzweifelt, denn sie müssen nicht nur Rodney aufhalten, sondern schaffen es so auch kaum noch pünktlich zur Hochzeit…

Drive me Crazy von B. O'Leary ·Hörbücher

Rezension: Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden von Beth O’Leary

Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden von Beth O’Leary ist mein dritter Roman der Autorin, den ich wieder als Hörbuch gehört habe. Deshalb werde ich sowohl etwas zum Inhalt als auch zum Medium schreiben.

Addie, die weibliche Protagonistin, war mir nicht so sonderlich sympathisch. Manchmal fand ich ihr Verhalten und ihre Meinungen einfach nicht in Ordnung, sodass ich wirklich Schwierigkeiten hatte, mit ihr warm zu werden. Auch Dylan hat mir nicht so wirklich gefallen, obwohl durch sein schwieriges Verhalten am Anfang seine Entwicklung natürlich besonders deutlich wird. Am Anfang war er mir einfach egoistisch und ignorant und er hat Addie nicht so wahnsinnig gut behandelt. Marcus ist ein unglaublich nerviger und ziemlich arroganter Charakter, aber mit der Zeit versteht man ihn besser, was aber nicht heißt, dass er mir sympathisch wurde. Einzig Deb, Addies ältere Schwester, hat mir richtig gut gefallen. Sie hat einen Freigeist-Charakter, kümmert sich nicht darum, wie sie auf andere wirkt und lebt ihr Leben genau so wie sie es für richtig hält. Sie liebt ihren kleinen Sohn sehr und kommt kaum ein paar Stunden ohne ihn aus. Außerdem zeigt sie, dass man als Frau keinen Mann braucht, um ein Baby zu bekommen und man auch ohne absolut glücklich und zufrieden sein kann.

Die Beziehung zwischen Addie und Dylan fand ich schon schwierig, aber die Beziehung zwischen Marcus und Dylan wirkte auf mich einfach nur seltsam. Ich fand die Beziehung ging schon über eine normale Freundschaft hinaus und wirkte schrecklich. Vielleicht lag es daran, dass beide aus schwierigen Elternhäusern stammen, aber ich fand, dass Marcus und Dylan einander mehr geschadet, als geholfen haben.

Die Geschichte selbst hat mir ziemlich gut gefallen, wobei es auch hier ein paar kleinere Makel gab. Ich fand es wirkte etwas unrealistisch, dass die zwei Grüppchen sehr früh losfahren und sie sich am Ende dann dennoch hetzen müssen und unklar ist, ob sie es noch pünktlich zur Hochzeit schaffen. Es kamen einfach viel zu viele Dinge dazwischen als das man es noch hätte als Zufall abtun können. Außerdem war es wirklich ein unglaublich großer Zufall, dass Dylans und Addies Reisegruppen sich zufällig „treffen“, aber ohne diesen Zufall hätte es die gesamte Handlung nicht gegeben. Das wirkte alles in allem wenig plausibel auf mich, was mir ein bisschen den Hörspaß verdorben hat.

Hinzu kommt, dass ich es nicht sonderlich mag, wenn Autor:innen ihren Protagonist:innen immer wieder neue Steine in den Weg legen. Das wirkt dann immer so als wolle man verzweifelt die Spannung hochhalten. Dass die Nackenverletzung, die Addie beim Unfall davonträgt und die ihr am Anfang auch ziemlich wehtut, später keine Erwähnung mehr findet, fand ich inkonsistent.

Die Montage-Technik, bei der Teile der Geschichte in der Vergangenheit geschehen und andere Teile in der Gegenwart und so immer mehr Hintergründe der Beziehung offengelegt werden, hat mir an sich gut gefallen, aber für mich haben die Passagen, die in der Vergangenheit gespielt haben zu sehr überwogen. Ich habe mich zwischenzeitlich immer wieder gelangweilt und war ungeduldig, weil ich viel lieber wissen wollte wie es in der Gegenwart weitergegangen wäre.

Yesim Meisheit und Steffen Groth, die Sprecherin und der Sprecher von Addie und Dylan, haben mir ganz gut gefallen. Ich fand beide Stimmen angenehm und habe gerne zugehört. Sie haben auch gut zu den beiden Hauptfiguren gepasst. Beide Stimmen haben auch gut zueinander gepasst, was ja bei solchen Büchern, wenn einzelne Kapitel aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben sind (und entsprechend gelesen werden), auch immer wichtig ist.

Insgesamt haben mir die beiden anderen Romane von Beth O’Leary besser gefallen. Ich bin mit hohen Erwartungen an den Roman rangegangen, weil ich die beiden anderen so toll fand und war vielleicht auch einfach deshalb etwas enttäuscht. In einigen Passagen gab es mir schlichtweg zu wenig Entwicklung und so war der Roman etwas langatmig (vor allem bei den Passagen aus der Vergangenheit). Die Charaktere der Hauptfiguren haben mir auch nicht so gut gefallen und so war das Hörbuch von Drive Me Crazy – Für die Liebe bitte wenden nicht so gut wie erhofft.

 

 

 

Ich danke Random House Audio für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!

Die Bücherdiebin von M. Zusak ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Die Bücherdiebin von Markus Zusak

In Markus Zusaks Roman Die Bücherdiebin geht es um Liesel Meminger, die im Januar 1939 im Alter von neun Jahren zu ihren Pflegeeltern Hans und Rosa Hubermann kommt.

Liesel ist mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer Mutter auf dem Weg nach Molching. Dort sollen die Kinder in eine Pflegefamilie kommen. Bevor sie allerdings ankommen, verstirbt ihr Bruder im Zug. Liesel und ihre Mutter beerdigen den Jungen und Liesel stiehlt auf dem Friedhof das Handbuch für Totengräber. Bei ihren Pflegeeltern angekommen, versteckt sie das Buch unter ihrer Matratze, auch weil sie es nicht lesen kann.

Liesel will am Anfang nicht bei ihren Pflegeeltern sein, gewöhnt sich aber bald an den rauen, aber herzlichen Umgang ihrer Pflegemutter. Rosa nennt ihren Mann Saukerl und auch ihre Tochter Saumensch, und zeigt so ihre Liebe, obwohl es nicht sonderlich freundlich wirkt. Mit der Zeit wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter immer enger und man merkt, dass Rosa trotz allem ein guter Mensch ist. Hans Hubermann ist ein ruhiger, sanfter Mann, der sich gerne um das junge Mädchen kümmert. Wenn Liesel nachts von Albträumen gequält wird, kommt er zu ihr und tröstet sie. Mit der Zeit findet er heraus, dass Liesel nicht lesen kann und bringt es ihr, obwohl er selbst auch nicht sonderlich gut lesen kann, bei. Da Hans nach dem ersten Weltkrieg der Witwe eines Kameraden das Versprechen gab, dass sie sich bei ihm melden könne, wenn sie etwas brauche, nimmt er deren Sohn während des zweiten Weltkriegs bei sich auf und versteckt den jungen Mann im Keller, da es sich bei ihm um einen Juden handelt.

Neben dem Leseunterricht mit ihrem Vater, geht Liesel in die Schule und spielt mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Besonders ist Liesel mit Rudi Steiner befreundet. Beide spielen gemeinsam Fußball, stehlen Äpfel und anderes Obst und Gemüse von den Bauern, und außerdem Bücher aus der Bibliothek der Frau des Bürgermeisters. Gemeinsam erleben die beiden einige Abenteuer.

Nachdem Liesel lesen gelernt hat, erfreut sie sich an der Bibliothek im Hause des Bürgermeisters, in die sie dessen Frau einlädt, nachdem sie Liesel beim Diebstahl eines Buches erwischt hat. Liesels Mutter macht eigentlich die Wäsche für einige Familien und auch nachdem diese es sich nicht mehr leisten könne, darf Liesel noch regelmäßig in der Bibliothek stöbern. Die Bürgermeistersfrau lässt häufig ein Fenster für Liesel offen und stellt ihr in der Weihnachtszeit sogar einen Plätzchenteller ans Fenster, den Liesel mit Rudi teilt.

Max, im Keller versteckt, freundet sich mit Liesel an und gestaltet ihr sogar ein Buch, das Liesel sehr liebt. Während der Luftangriffe kommt Max öfter hoch in die Wohnung und sieht aus dem Fenster, was er tun kann, denn alle Bewohner der Straße verstecken sich in einem Keller, der als Luftschutzbunker geeignet ist. Bei einem der ersten Angriffe beginnt Liesel der Menschen im Bunke vorzulesen und schafft es so, dass sich viele beruhigen und ihre Angst in den Hintergrund rückt. So liest sie von nun an bei jedem Luftangriff für ihre Freunde, Nachbarn und Familie. Bei einem Luftangriff mitten in der Nacht, sitzt Liesel, während alle anderen in ihren Betten liegen und schlafen, im Keller und schreibt ihre Geschichte auf. Die Bomben fallen auf ihre Straße kurz bevor die Sirenen heulen und den Luftangriff verkünden…

Die Bücherdiebin von M. Zusak ·Hörbücher

Rezension: Die Bücherdiebin von Markus Zusak

Die Bücherdiebin ist ein Jugendbuch beziehungsweise ein Roman für junge Erwachsene, das in der Zeit des Nationalsozialismus spielt. Ich habe den Roman von Markus Zusak als gekürzte Hörbuchversion gehört.

Liesel ist mir alleine schon deshalb sehr sympathisch gewesen, weil sie gerne liest. Ich fand es unglaublich berührend wie sie von ihrem Vater das Lesen beigebracht bekommen, außerdem mochte ich es auch, dass Liesel im Bunke für ihre Nachbarn und Freunde las. Diese Abschnitte haben mir besonders gut gefallen und ihren Charakter sehr sympathisch gemacht. Auch, dass Liesel sich so eng mit Max anfreundet, dass sie Angst davor hat, dass er nach Dachau gebracht wird und dass er für sie schon zur Familie gehört, fand ich sehr sympathisch.

Liesel Pflegeeltern waren mir ebenfalls sympathisch, weil sie für ihre Ideale einstehen. Hans Hubermann ist hin- und hergerissen zwischen dem Wissen, das falsch ist, was mit den Juden geschieht und seiner Angst vor den Konsequenzen. Sein eigener Sohn scheint ihn nicht nur dafür nieder zu machen, dass Hans nicht führertreu ist, sondern lebt auch noch selbst für den Führer und geht als Soldat an die Front. Die Tochter der Familie kommt im Hörbuch nicht so raus, und ihre Ansichten zu Hitler und dessen Ideologien werden nicht so offen thematisiert.

Die Geschichte wird vom Tod erzählt, der immer wieder auf Liesel trifft und das junge Mädchen ziemlich gern zu haben scheint. Ich fand die Erzählsituation am Anfang etwas befremdlich und fand es auch komisch, dass ein Mann, das Hörbuch eingesprochen hat, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass ein Mann (also der Tod) von der Geschichte eines jungen Mädchens berichtet, dann war es in Ordnung. Die Idee, dass der Tod die Geschichte erzählt, fand ich allerdings ziemlich gut und ich mochte es, dass er immer wieder erwähnt hat, wann er wie auf Liesel getroffen ist. Erst am Ende wird klar wie der Tod eigentlich von Liesels gesamtem Leben wissen kann: durch ihre eigenen Aufzeichnung, die der Tod gefunden hat.

Liesels Geschichte, zumindest der Abschnitt, von dem wir im Buch (bzw. Hörbuch) erfahren, ist geprägt von Leid, Verlust und Kummer, dennoch haben die Kinder der Straße Spaß, wenn sie gemeinsam Fußball spielen. Für viele ist selbst im Kriegsalltag der Führer vollkommen egal, manche hassen ihn sogar, weil er ihnen so viel Leid bringt. Dennoch leiden alle an und verharren in regelloser, ängstlicher Starre, wenn es um Ungerechtigkeiten direkt vor ihrer Nase geht. Man hat das Gefühl, dass diese Menschen nichts sehnlicher wollen als diesen Krieg zu überleben und dass er schnell beendet wird, womit man am Anfang ja sogar noch rechnete.

Das Hörbuch war, wie oben erwähnt, gekürzt. Ich muss sagen, dass ich den Stoff natürlich so ungefähr kannte und auch schon häufiger von dem Buch gehört und gelesen habe, bisher kam ich aber nie dazu, das Buch zu lesen oder den Film zu sehen. Das lag unter anderem auch daran, dass ich das Thema für ziemlich traurig hielt (was es war) und dass mir das Buch eigentlich zu lang war dafür, dass es sicherlich recht traurig und emotional anstrengend zu lesen sein wird. Beim Hörbuch hatte ich dann gehofft, dass dies nicht ganz so schlimm zum Tragen kommen würde. Es gab tatsächlich ein oder zwei Stellen, an denen ich mir dachte, dass die Handlung doch jetzt bitte mal weitergehen könnte, weil ich das Gefühl hatte, man bewegt sich nur auf der Stelle. Das wäre in der Buchversion sicherlich noch „schlimmer“ gewesen, sodass ich froh war, zum Hörbuch gegriffen zu haben. Ich habe zwar schon das Gefühl, dass an der ein oder anderen Stelle gekürzt worden sein könnte, aber große Lücken in Handlung sind mir nicht aufgefallen.

Boris Aljinovic hat das Hörbuch als Sprecher eingesprochen und ist somit wohl die Stimme des Todes, der als Erzähler in Liesels Geschichte fungiert. Ich hatte ja oben bereits geschrieben, dass ich es am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig fand, dass ein Mann die Geschichte eines jungen Mädchens spricht. Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich das aber vollkommen in Ordnung und fand die Stimme sehr passend.

Alles in allem hat mir das Hörbuch zu Die Bücherdiebin von Markus Zusak gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter, auch wenn sich natürlich aufgrund der Thematik um einen sehr traurigen Roman handelt.

 

 

 

Ich danke Random House Audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Hörbücher ·Unter Verdacht von J. Fellowes

Inhaltsangabe: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht von Jessica Fellowes

In dem Kriminalroman Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht verfasst von Jessica Fellowes geht es um die 19-jährige Louisa und die nur ein paar Jahre jüngere Nancy, die mehr oder weniger gemeinsam einen Mordfall aufklären wollen.

Louisa Cannon lebt kein schönes Leben mit ihren Eltern in London, denn ihre Eltern müssen viel arbeiten und haben keine Zeit für ihre Tochter. Als kurz nach dem Tod ihres Vaters ihr Onkel Stephen bei ihnen einzieht, wird Louisas Situation bald unerträglich, denn er möchte sie zwingen seine Schulden im Bett seiner Gläubiger abzuarbeiten.

Louisa schreibt kurzerhand an die Familie Mitford, die derzeit ein Kindermädchen sucht. Louisa hatte ihre beste Freundin Jennie mit der ältesten der Mitford Schwestern in der Stadt getroffen und hofft so, dass sie eine Chance auf die Stelle hat, obwohl sie nicht so wirklich Vorerfahrungen hat. Als Louisa nichts von den Mitford hört, hält sie die Stelle schon für verloren bis sie in Stephens Tasche einen Brief für sich entdeckt. Da er gerade mit ihr unterwegs zu seinem Gläubiger ist, klaut sie den Brief und springt aus dem anfahrenden Zug. Von Guy Sullivan, der sich auf den ersten Blick in Louisa verliebt, und dessen Kollegen von der Bahnpolizei wird sie gerettet. Nachdem Louisa den Brief gelesen hat, muss sie sofort zur Familie Mitford, denn dort soll sie sich noch heute vorstellen.

Viel zu spät kommt Louisa bei den Mitfords an, kriegt die Stelle aber dennoch, da Nancy sie gerne als neues Kindermädchen hätte. Kurz darauf erfahren sie von dem Mord an Florence Nightingale Shore, die damals gleichzeitig mit Lord Redesdale in Ypern stationiert war. Florence Nightingale Shore wurde im Zug getötet und am nächsten Bahnhof gefunden und das etwa zu der Zeit als Louisa dort war.

Nancy ist fasziniert von dem Mord und ermittelt mal mehr und mal weniger eifrig. Immer wieder gibt es neue Hinweise, doch im Großen und Ganzen vergehen zwei Jahre, in denen Louisa sehr gerne bei den Mitfords arbeitet, bis die Verhaftung ins Rollen gebracht wird.

Guy und Louisa besuchen gemeinsam den Cousin des Opfers, der von seiner Cousine eine beachtliche Summe erbte und somit ein Motiv hat. Dass er am Stock geht, zeigt aber, dass er Miss Nightingale nicht ermordet haben kann. Weiterhin finden Guy und Louisa heraus, dass der Mann, der sich als Roland Lucknor ausgibt, gar nicht Roland heißt, dass in Mabels Wohnung – die Freundin von Florence Nightingale Shore – eingebrochen wurde und dass Florence in Ypern die Vertuschung eines Mordes beobachtet hat.

Obwohl Guy und Louisa inzwischen ihre Anstellungen aufgrund ihrer Ermittlungen verloren haben, geben sie nicht auf und ermitteln weiter. Am Abend von Nancys Geburtstag wollen sie nun endlich den Täter überführen. Dafür brauchen sie aber die Unterstützung von Nancy und Lord Redesdale. Gemeinsam planen sie, Mabel und Florences‘ Cousin zu befragen, und so herauszufinden, ob Mr. Lucknor der Mörder von Miss Nightingale Shore ist. Als Louisa die Wahrheit erkennt, ist es beinahe schon zu spät für sie…