Hörbücher ·Was der Fluss erzählt von D. Setterfield

Inhaltsangabe: Was der Fluss erzählt von Diane Setterfield

Der Roman Was der Fluss erzählt von Diane Setterfield hat als Rahmenhandlung die Geschichte um Quietly. Quietly ist eine mythische Figur, die mit ihrem Stechkahn über die Themse fährt. Er hat dort die Aufgabe die Menschen, die auf der Themse in Not geraten auf die richtige Seite zu bringen. Wenn die Zeit von jemandem abgelaufen ist, bringt er ihn auf die andere Seite, wenn die Zeit aber noch nicht abgelaufen ist, bringt er sie zurück auf die richtige Seite. Diese Aufgabe wurde ihm übertragen, nachdem seine Tochter gestorben war und er sie ein Jahr später zurück geholt hat. Um sie zurückzuholen, musste er den Preis bezahlen und nun muss er seine Aufgabe auf der Themse erfüllen.

In einer kalten Winternacht wird ein kleines Mädchen aus der Themse gezogen und in das Gasthaus Swan gebracht. Dort wird sie von der Krankenschwester für tot erklärt, allerdings erwacht sie kurze Zeit danach wieder zum Leben. Kurz darauf erheben drei Familien Anspruch auf das Mädchen: die Vaughns, Mrs. White und Robin Armstrong.

Die Vaughns sind Helena und ihr Mann. Helena liebt den Fluss von klein auf, ihr Mann ist ein wohlhabender Geschäftsmann. Vor zwei Jahren wird ihre zwei-Jährige Tochter entführt. Obwohl sie den Entführern deren Geld sofort bezahlen, bekommen sie ihre Tochter nicht zurück. Da das Mädchen, das aus dem Fluss gezogen wird, vier Jahre alt ist, würde es vom Alter her passen und erklärt auch, warum sie das Mädchen nicht 100%ig sicher als ihre Tochter identifizieren können.

Auch Mrs. White hält das Mädchen für ihre Schwester. Lily White lebt in ärmlichen Verhältnisse und arbeitet als Hausangestellte in der Pfarrei. Regelmäßig kommt ihr Halbbruder Victor bei ihr zu Besuch, isst ihr Essen, stiehlt ihr Geld und nutzt ihre Gebäude um darüber Alkohol zu schmuggeln. Lily behauptet steif und fest, dass es sich bei dem kleinen Mädchen um ihre kleine Schwester handelt, denn schließlich sei sie vor etlichen Jahren im Fluss ertrunken. Dabei versucht unter anderem der Pfarrer ihr klarzumachen, dass ein vier-jähriges Kind unmöglich ihre Schwester sein kann.

Robin Armstrong ist aus einer Vergewaltigung hervorgegangen. Robert Armstrong heiratet noch vor der Geburt seine Mutter. Er weiß, dass Beth vergewaltigt wurde, möchte dem Kind aber gerne ein Vater sein und behandelt ihn so wie seine anderen, eigenen Kinder. Robin hat aber eine verbrecherische Ader von seinem leiblichen Vater geerbt und ist so ständig wieder in Schwierigkeiten verstrickt. Seine Frau, von der seine Eltern nichts wussten, tötete sich kürzlich selbst und ertränkte zuvor die gemeinsame Tochter. Da er seine Tochter, weil er in Oxford Geld verdienen musste, seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat, ist auch er sich nicht sicher, ob das gefundene Mädchen seine Tochter ist oder nicht.

Im Laufe des Romans gibt es immer mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren, vor allem geht es um die Geschichten der Figuren. Und in diesen Geschichten offenbaren sich eben viele Verbindungen zueinander und man merkt, dass alle drei Familien, die Anspruch auf das Mädchen erheben, einander über Umwege kennen und so eigentlich schon vor dieser Geschichte miteinander verbunden waren.

Gerahmt wird die ganze Geschichte durch das Wirtshaus Swan in Radcot und die oben erwähnte Sage um Quietly. Außerdem gibt es einige Figuren, die sehr relevant sind, aber nicht zu den drei Familien gehören: Rita Sunday ist die Krankenschwester, die das Mädchen behandelt, die sich aber auch danach noch für das Kind engagiert. Margot Ockwell ist die Besitzerin des Wirtshauses Swan. Ihr Mann ist Joe Bliss, der zwar sehr kränklich ist, dafür aber auch ein sehr guter Geschichtenerzähler. Und es gibt noch den Fotografen Daunt, der das Mädchen gefunden hat und später auch Interesse daran hat, dass es ihm gut geht. Er fotografiert es mehrere Male nachdem es gefunden wurde und entwickelt eine Beziehung zu Rita. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden wieso das Mädchen zwischenzeitlich tot war und später wieder lebte.

Hörbücher ·Was der Fluss erzählt von D. Setterfield

Rezension: Was der Fluss erzählt von Diane Setterfield

Den Roman Was der Fluss erzählt von Diane Setterfield habe ich wieder als Hörbuch gehört. Zuerst möchte ich wieder auf die Geschichte selbst, den Inhalt und die Charaktere eingehen. Danach werde ich mich wieder mit dem Medium befassen.

In meiner Inhaltsangabe hatte ich ja angedeutet, dass alles als Rahmen die Sage um Quietly hat. Diese Sage wird im Laufe der Geschichte dann von einer Figur erzählt, sodass die Hörerin dann auch weiß, worum es dort ging. Mir hat sie persönlich gut gefallen. Ich mag solche Geschichten in der Geschichte und erst recht, wenn es sich dabei um solch eine mystische Sage handelt.

Den Inhalt hatte ich mir anhand der Informationen vom Verlag anders vorgestellt. Ich hatte damit gerechnet, dass die Figuren zusammen im Gasthaus Swan sitzen, das Mädchen hereinkommt und sich die Figuren dann ihre Geschichten erzählen und sie die ganze Zeit über im Swan bleiben. So hatte ich mir einen gemütlichen Abend mit Freunden und Bekannten vorgestellt, draußen ist das Wetter ungemütlich, aber drin ist es am Feuer lauschig. Leider war dem nicht so. Die Figuren sitzen zwar am Anfang zusammen, aber die eigentliche Handlung beginnt damit erst und der Hauptteil der Geschichte passiert weit nach diesem Abend. Nachdem ich mich daran mal gewöhnt hatte, fand ich das auch ganz okay.

Was mir gut gefallen hat, waren diese ganzen Nebenhandlungen und die Verstrickungen der Figuren untereinander. Jeder Figur, die eine annähernd wichtige Rolle spielt, bekommt eine Geschichte. Manche Geschichten sind ausführlicher, andere weniger ausführlich, aber ich hatte bei vielen Figuren dadurch das Gefühl, dass man sie viel, viel besser kennenlernt, weil man einfach so viel über ihre Herkunft erfährt. Natürlich ist es auch spannend wenn dann während der Handlung immer mehr von einer Figur aufgedeckt wird und wenn man dann auch mehr über die Verbindungen zu ihren Mitmenschen erfährt.

Und auch wenn es schon ein bisschen sehr mit dem Medium zu tun hat: Durch die vielen Nebenstränge und Rückblicke in die Vergangenheiten der Figuren und auch durch die pure Anzahl der Figuren selbst, ist der Roman unglaublich komplex. Wenn man ihn als Hörbuch hört, muss man wirklich ein gutes Namensgedächtnis haben, damit man immer weiß welche Figur welche Hintergrundgeschichte und welche Verbindungen hat. Ich hätte mir hier wieder einmal gerne eine Liste mit den Figuren gewünscht und dieses Mal nicht nur um zu wissen wie diese für die Rezension geschrieben werden, sondern eben auch um den Überblick während des Hörens zu behalten.

Noch einmal zur Geschichte: Ich mochte die Mischung aus Krimi, Abenteuer, Mythen und Sagen, Märchen, Roman und Liebesgeschichte. Mir hat die abwechslungsreiche Geschichte gefallen, ich habe mit den Figuren mitgefiebert, dass ihre Träume in Erfüllung gehen und man hofft natürlich, dass das kleine Mädchen zurück zu ihren richtigen Eltern kommt. Die Auflösung hat für mich trotz aller ungeklärten Details Sinn ergeben, denn es passte durchaus zur Atmosphäre des Romans.

Mir hat auch die Analogiebildung des Flusses gefallen, die am Anfang ziemlich offensichtlich gemacht wird: die Geschichte hat wie ein Fluss ziemlich viele Nebenflüsse, Nebenhandlungen, die alle in die Geschichte miteinfließen und diese zu einem immer reißenderen Strom machen.

Simone Kabst, die das Hörbuch eingesprochen hat, hat das wirklich gut gemacht. Ich finde, dass ihre Stimme gut zur kalten Jahreszeit und zur manchmal etwas heimeligen Atmosphäre des Romans gepasst hat. Besonders beeindruckend war aber, dass sie es geschafft hat mit ihrer Stimme die etlichen unterschiedlichen Charaktere zu porträtieren. Man wusste eigentlich immer, welche Figur gerade im Fokus stand, von wem die Gedanken und Gesprächsteile kamen. Ihre Stimme hat dazu beigetragen, dass man sich die Figuren vor seinem geistigen Auge vorstellen konnte und haben so zum Gesamtbild eindrucksvoll beigetragen. Ich halte das, was Simone Kabst da geleistet hat wirklich für eine unglaublich beeindruckende Leistung.

Die märchenhafte Atmosphäre, die etwas düstere Stimmung und der neblige Dunst der Themse, der die ganze Geschichte einhüllt, machen das Hörbuch wirklich perfekt für diese Jahreszeit. Ich kann Was der Fluss erzählt von Diane Setterfield also nur empfehlen.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Rezensionsexemplar!

Anne auf Green Gables von L. M. Montgomery ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery

Anne ist ein Waisenkind, das am Anfang von Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery erst noch nach Green Gables kommt. Marilla und Matthew Cuthbert sind Geschwister und betreiben gemeinsam eine Farm auf Prince Edward Island. Um Unterstützung bei der schweren Arbeit zu bekommen, wollen sie einen Jungen adoptieren, können aber nicht selbst ins Waisenhaus fahren und bitten deshalb eine Bekannte ihnen einen Jungen von 11 Jahren mitzubringen.

Als Matthew an den Bahnhof fährt, um den Jungen abzuholen, trifft er dort auf die rothaarige, geschwätzige Anne und da er das Mädchen nicht einfach am Bahnhof stehen lassen kann, nimmt er sie mit zurück nach Green Gables. Marilla ist alles andere als begeistert und versucht herauszufinden, wie es zu dem Missverständnis kommen konnte. Da Matthew die Kleine inzwischen ins Herz geschlossen hat, behalten sie sie, obwohl sie inzwischen wissen wie es zu dem Missverständnis gekommen ist.

In den folgenden Jahren stellt Anne, häufig aus Versehen, einiges an. Als der neue Pfarrer mit dessen Frau zu Besuch kommt, macht Anne aus Versehen Rheumamittel in den Kuchen, weil Marilla ihr Rheumamittel in eine Lebensmittelflasche umgefüllt hatte. An einem anderen Tag fällt Anne vom Dach, weil sie auf dem Dachfirst balancieren sollte, um eine Mutprobe zu gewinnen. Ziemlich am Anfang ihrer Zeit auf Green Gables lernt Anne ihre spätere Busenfreundin Diana Barry, die Tochter der Nachbarn, kennen. Beim gemeinsamen Tee trinken gibt sie ihr statt Saft den selbst gemachten Wein von Marilla. Als Diana sturzbetrunken nachhause kommt, verbietet deren Mutter ihr natürlich den Umgang mit Anne. Einige Zeit später sind Marilla und die Eltern von Diana über Nacht in der nächstgelegenen Stadt. Vollkommen verzweifelt kommt jemand von den Barrys herüber um Hilfe zu holen, denn die Kleinste Tochter ist schwerkrank. Weil Anne in ihrer Zeit vor dem Waisenhaus häufig bei Familien mit Kindern gelebt hat, wo sie hauptsächlich für die Kinderbetreuung zuständig war. Deshalb kennt sie die Krankheit und weiß sofort was sie tun können, um dem kleinen Mädchen das Leben zu retten. Bis der Arzt eintrifft, ist das Kind längst über den Berg und er meint auch, dass die Kleine ohne Annes Einsatz wohl nicht überlebt hätte.

Natürlich muss Anne auch mit ihren Freundinnen zur Schule gehen, was sie sehr gern tut, denn sie ist eine gute Schülerin und liebt es, viel zu lernen. Mit Gilbert Blythe verbindet Anne eine innige Feindschaft seitdem er sie Karotte genannt hat, denn da sie ihre roten Haare überhaupt nicht leiden kann, reagiert sie überaus empfindlich auf alle Beleidigungen, die damit zusammenhängen. Etwa ein Jahr vor ihrem Schulabschluss, bietet die Lehrerin den besten Schülern der Schule an, sie auf die Aufnahmeprüfung des Colleges vorzubereiten. Unter den Schülern sind die zwei Freundinnen von Anne, Jane und Ruby, aber unter anderem auch Gilbert und die Mitschülerin Josie, die alles tut, damit sie niemand mag. Diana darf nicht aufs College gehen, da ihre Eltern es nicht wollen.

Alle aus Avonlea, die zu der Aufnahmeprüfung zugelassen wurden, werden auch genommen, aber natürlich sind Anne und Gilbert, die von jeher eine Rivalität verbindet, die besten beiden. Anne macht Marilla und Matthew aber auch stolz, weil sie nicht nur das große Lehrerexamen in einem statt zwei Jahren schafft, sondern zusätzlich auch ein Stipendium für das Redmond College gewinnt, wo sie noch weitere ausgebildet werden könnte. Zu den Cuthbert-Geschwistern hat Anne im laufe der Zeit wirklich eine innige Beziehung entwickelt, denn vor allem Matthew, der sonst mit Frauen und Mädchen nicht einmal sprechen mag, liebt seine kleine Anne, die am Ende schon erwachsen geworden ist, sehr.

Anne auf Green Gables von L. M. Montgomery ·Hörbücher

Rezension: Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery

Was wäre die Welt ohne Phantasie?

Bei Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery habe ich wieder das Hörbuch gehört, worauf ich also in der Rezension auch eingehen werde.

Erst einmal zum Inhalt: Anne ist ein unglaublich sympathisches, junges Mädchen, das immer wieder in missliche Lagen gerät. Häufig ist das gar nicht selbst verschuldet, aber manchmal liegt es auch daran, dass sie eitel ist und andere Fehler hat. Aber wie sie einmal selbst zu Marilla sagt, heilen ihre Fehler und Missgeschicke häufig von ihren Charakterfehlern. Nachdem sie sich aus Versehen die Haare grün gefärbt hat, verliert sie ihre Eitelkeit, weil sie genau weiß, dass ihr das Missgeschick nicht passiert wäre, wenn sie weniger eitel wäre.

Viele der anderen Figuren sind natürlich nicht so vielschichtig, aber Marilla liebt Anne sehr und man bekommt immer mehr Einblicke in diese Figur. Matthew tut alles für seine Anne und schenkt ihr immer wieder Sachen, die eigentlich zu teuer sind, aber er tut es dennoch, weil er seine Ziehtochter sehr liebt. Die beiden verhalten sich am Anfang natürlich etwas gemein, weil es das Missverständnis gab und sie brauchen auch eine Zeit um herauszufinden wie man mit einem Kind umgeht und es am besten erzieht, aber sie geben sich wirklich Mühe und lassen Anne viele Freiheiten.

Die Geschichte selbst ist zwar für das Hörbuch etwas gekürzt, aber dennoch ganz süß. Anne kommt auf einen Hof, wo sie neben vielen häuslichen Pflichten auch eine gute Erziehung von Marilla bekommt. Die vielen kleinen Abenteuer, die sie auf Green Gables erlebt, wirken sehr episodenhaft, was mir gut gefallen hat. Die ein oder andere Begebenheit hatte ich ja vorher schon erwähnt und ich muss sagen, dass es natürlich noch einiges anders gab, dass Anne und ihren Freunden und ihren Zieheltern mit ihr passiert ist. Vieles davon ist witzig, manches tragisch und wieder anderes einfach typisch für das Heranwachsen eines jungen Mädchens. Obwohl das Verliebtsein kein Thema ist, kann man als junges Mädchen sicherlich häufig mit Anne mitfiebern.

Das Frauenbild in Anne auf Green Gables ist sehr ambivalent. Auf der einen Seite haben wir Frauen, die meinen, dass die höhere Bildung für Mädchen nicht notwendig sei und im Gegenteil sogar ihrer Gesundheit schade. Hierzu gehören beispielsweise Rachel Lynde, eine ältere Dame, die in Avonlea wohnt. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die die höhere Bildung für Mädchen sehr gut finden. Hierzu gehören natürlich Marilla und Matthew Cuthbert, die zwar auch meinen, dass ein Mädchen auch alles im Haushalt erledigen, kochen, backen und handarbeiten können muss, die Anne aber niemals vom Lesen oder Lernen für die Schule abhalten und als sie auf dem College aufgenommen wird sogar noch sehr, sehr stolz sind auf „ihre“ Anne. Ich mochte es sehr, dass man hier alle möglichen Lebensentwürfe aufgezeigt hat, weil es unter den Mädchen, die aus Avonlea aufs College gingen zum einen Mädchen gab, die danach noch als Lehrerinnen arbeiten wollten aber zum anderen auch welche gab, die danach nur noch Ehefrau und Mutter sein wollten und die nur für die Bildung alleine (bzw. um einen möglichst guten Ehemann zu finden) aufs College gegangen sind.

Jessica Schwarz, eine bekannte deutsche Schauspielerin, hat das Hörbuch eingesprochen. Ich brauchte ein paar Minuten, um mich an das Hörbuch zu gewöhnen, aber nachdem ich das mal getan hatte, mochte ich ihre Art und Weise sehr gerne. Ich konnte ihr unglaublich gut zuhören, obwohl ich nicht verträumt vor dem Hörbuch saß, um einfach nur mit geschlossenen Augen zuzuhören. Dennoch mochte ich es sehr gerne.

Das Hörbuch ist, wie viele andere Hörbücher auch, gekürzt, obwohl ich davon jetzt nichts gemerkt hatte. Ich vermute einfach mal, dass man einige der Begebenheiten aus Annes Kindheit weggelassen hat, die man nicht brauchte, um nachfolgende Episoden zu verstehen. Das geht ja bei einem Kinderbuch wie diesem recht einfach, weil natürlich ein gewisser Zusammenhang besteht, aber manche Begebenheiten für die Haupthandlung vermutlich weniger relevant sind.

Diesem Hörbuch ist, wie bei Der Trotzkopf auch, ebenfalls ein Booklet beigelegt, dass allerdings mehr darauf eingeht, worum es in dem Hörbuch geht (das hatte ich mir für andere Hörbücher gewünscht, deshalb fand ich das auch hier ziemlich gut), aber es geht hierin auch um die Autorin selbst und um den Erfolg des Werkes.

Ich hoffe auch hier, dass sich cbj audio entscheidet, noch die anderen Romane der Reihe als Hörbücher herauszugeben, weil mir der Reihenauftakt sehr gut gefallen hat. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery sehr gerne weiterempfehle und ich finde, dass das Buch nicht nur für junge Mädchen ein Genuss sein kann, sondern auch für alle anderen. Phantasie ist ein wichtiges Thema, denn Anne hat ihre eigene Sicht auf die Welt und diese Sicht kann für jeden eine große Bereicherung sein und gerade diese macht den Roman so lesens- bzw. hörenswert.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Rezensionsexemplar!

Der Trotzkopf von E. von Rhoden ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden

Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden ist ein Jugendroman der Backfischliteratur und stammt somit aus dem Jahr 1885. Ilse Macket ist die Hauptfigur und somit der Trotzkopf, um den es geht. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Vater, der sich sehr liebt und ihrer Stiefmutter Anne, die sich um das 15-jährige Mädchen bemüht, in Moosdorf. Da sich Ilse aber einfach nicht benimmt und ihren Eltern auf der Nase herumtanzt, wird sie auf Anraten des Pfarrers in ein Pensionat geschickt.

Ilse kommt in das Pensionat von Fräulein Raimar, in dem sie am Anfang Schwierigkeiten hat sich einzuleben. Ihre Stubenkameradin Nellie wird zu ihrer besten Freundin und so wird für Ilse der Übergang dann doch erleichtert. Nellie selbst ist ein Waisenkind und ihr Onkel lässt die junge Engländerin im Pensionat zur Gouvernante ausbilden. Da Ilse immer nur dann gelernt hat, wenn sie gerade Lust dazu hatte und bei ihren Aufgaben nie so hinterher war, hat sie im Vergleich zu den anderen Mädchen ziemlich viel aufzuholen. In einigen Fächern hat sie schon ganz gute Kenntnisse, aber bei den anderen Fächern dauert es teilweise sehr lange bis sie die Versäumnisse aufgeholt hat, dazu gehört beispielsweise auch das Englische.

Auch was das Handarbeiten angeht, hat Ilse noch einige zu lernen und so wird sie am Anfang sogar ausgeschimpft, weil ihre Handarbeit so schmutzig ist und ihr ständig Maschen herunterfallen. Als Fräulein Raimar die schlampige Arbeit sieht und Ilse damit konfrontiert, bekommt diese einen Wutanfall und soll sich in der Konsequenz entschuldigen, was diese aber nicht möchte.

Fräulein Güssow, eine Lehrerin im Pensionat, die Ilse besonders ins Herz geschlossen hat, erzählt dieser und Nellie im Zimmer der beiden Mädchen die Geschichte von Lucy. Lucy sei ein nettes liebes Mädchen gewesen, dass Fräulein Güssow in ihrer Jugend gekannt hat. Trotz all ihrer guten Eigenschaften war sie recht trotzig. Als sie sich dann in ihrer Jugend mit einem jungen Maler verlobte, gerieten die beiden kurz vor ihrer Hochzeit in Streit und der Maler löste die Verlobung. Seither hat sie nichts mehr von ihm gehört, weil sie damals nicht in der Lage gewesen sei, sich zu entschuldigen. Als Ilse vom Schicksal der armen Lucy hört, entschließt sie sich, sich doch bei Fräulein Raimar zu entschuldigen.

Nellie und Ilse spielen den anderen aber auch (zumindest) einen Streich: Weil vor ihrem Zimmer ein wunderschöner Apfelbaum blüht, an dessen Früchte sie aber nicht herankommen, beschließt Ilse nachts in den Baum zu steigen und ihre Freundin mit den leckeren Äpfeln zu versorgen. Ilse, die seit ihrer Abreise in Moosdorf nicht mehr auf einen Baum geklettert ist, vergisst kurzzeitig, dass sie nicht Zuhause ist und stößt einen Freudenschrei aus, den natürlich einige andere Mitschülerinnen hören. Von Panik erfasst, schauen die beiden aus ihrem Fenster und sehen ein Gespenst, das sich mit langen Armen in Ilses und Nellies Zimmer schwingt. Die herbeigerufenen Lehrerinnen kontrollieren das Zimmer von Nellie und Ilse, doch sie können nichts auffälliges entdecken und so bleibt dieser Streich unentdeckt.

Neben Tanzstunden und einem Ball, ist aber auch das Weihnachtsfest etwas ganz besonderes für die Pensionatsschülerinnen. Ilse bittet ihre Eltern, sie mögen ihr kein großes Weihnachtspaket schicken, dafür aber auch Nellie eines zusenden, da diese von ihrem Onkel keines bekommt. Ihre Eltern sind so gerührt von dieser Geste, dass sie beiden ein großes Paket schicken, worüber sich die Freundinnen sehr freuen.

Aber es kommt auch zu traurigen Vorkommnissen: Nach Ilse kommt eine neue Schülerin in das Pensionat, allerdings ist Lili noch sehr jung. Sie hängt ihr Herz an Ilse, da ihre eigene Mutter, sich kaum um das junge Mädchen kümmert. Als Lili innerhalb weniger Tage an einer Hirnhautentzündung erkrankt und stirbt und die Mutter aufgrund von Verpflichtungen im Theater nicht auftaucht, sind die Mädchen empört.

Nachdem Ilse über ein Jahr im Pensionat war, soll sie nun nachhause kommen und ihren kleinen Bruder kennenlernen, der in ihrer Abwesenheit geboren wurde. Weil ihr Vater verhindert ist, kann er sie nicht abholen, sodass Ilse alleine zurück nach Moosdorf fahren muss. Da ihr Vater die Reiseroute aber genau beschrieben hat, meint sie, dass das ja gar nicht so schwierig werden wird. Auf der Fahrt lernt sie außerdem eine ältere Dame kennen, die sein langes Stück des Weges begleitet. Am Abend des ersten Reisetages soll Ilse von Gontraus, Bekannten ihres Vaters, vom Bahnhof abgeholt werden.

Beinahe wäre sie dem Sohn Leon Gontrau davon gelaufen, da Fräulein Güssow sie davon gewarnt hat etwas von fremden Männern anzunehmen und Gontraus nach der Beschreibung von Ilses Vater ein Mädchen von etwa 12 Jahren erwartet haben und keine junge Dame. Nach der ersten Aufregung, fühlt sich Ilse bei der Übernachtung aber sehr wohl bei Gontraus und lässt sie von ihrem Vater zum Erntefest einladen.

Am Vormittag des Festes erhält sie von Nellie einen Brief, dass sie sich mit Dr. Althoff, einem Lehrer im Pensionat, verlobt hat für den Nellie schon lange geschwärmt hat. Auch Leo und Ilse fühlen sich zueinander hingezogen. Und als Ilses Onkel Kurt kurz vor dem Erntefest verschwindet und erst drei Wochen später ein Brief eintrifft, dass er geheiratet hat, scheint es für alle ein glückliches Ende zu geben…

Der Trotzkopf von E. von Rhoden ·Hörbücher

Rezension: Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden

Vom Trotzkopf von Emmy von Rhoden habe ich das Hörbuch von cbj audio gehört, sodass ich auch hier wieder auf den Inhalt und auch das Medium eingehen werde.

Zum Inhalt: Der Trotzkopf ist weit über 100 Jahre als, das darf man bei der Beurteilung natürlich nicht vergessen, denn das Frauenbild ist entsprechend archaisch. Der Wildfang Ilse muss endlich gezähmt werden und nachdem sie gezähmt ist, interessiert sich sogar direkt ein junger Mann für sie und will sie heiraten. Die einzige Frau, die ein Kind hat und arbeitet, stellt sich als Rabenmutter heraus. Ich meine hier Lilis Mutter, die nicht einmal zur Beerdigung ihrer eigenen Tochter gekommen zu sein scheint und sich zumindest nicht genug für die schlimme Krankheit ihrer Tochter interessiert, dass sie alles stehen und liegen lässt und sofort zum Pensionat reist.

Die Geschichte selbst hat mich an einigen Stellen an Hanni und Nanni von Enid Blyton erinnert, sodass ich immer erwartet habe, dass die Direktorin Fräulein Theobald und nicht Fräulein Raimar genannt wird und dass die Zwillinge gleich um die Ecke kommen. Mir persönlich hat der Ort der Pension gut gefallen und auch die anderen Schülerinnen waren sehr schön charakterisiert, wenngleich für mich der Unterricht ein bisschen kurz kam. Ich habe in meiner Inhaltsangabe versucht, auf alle Besonderheiten, die das Jahr für Ilse und ihre Freundinnen hatte, einzugehen. Der Unterricht kam – vielleicht weil das Hörbuch gekürzt ist – praktisch nicht vor. Natürlich wurde darauf eingegangen, dass Ilse in manchen Fächern besser mitkommt und bei anderen Fächern mehr aufzuholen ist, aber das war mir noch zu wenig, wenn man bedenkt, dass es ja eigentlich eine Schule ist.

Die Besonderheiten wie der Ball, der Tanzunterricht, das Klettern im Apfelbaum und solche Sachen machen das Pensionsleben sicherlich auch aus, weshalb ich es auch sehr gut fand, dass auch solche Sachen ausführlich geschildert werden. Ilses Charakterentwicklung, die man daran ganz gut ablesen kann, hat mir auch gut gefallen. Am Anfang klettert sie im Apfelbaum herum und etwa ein halbes Jahr später pflegt sie ein sterbenskrankes Kind.

Kommen wir nun zum Hörbuch selbst: Mir hat das Cover unglaublich gut gefallen und man kann sich auch gut vorstellen, dass Ilse so ausgesehen haben mag (in der Vorstellung der Autorin). Den CDs beigefügt ist ein keines Booklet, in dem nicht nur der Inhalt und ein Zitat der Erzählerin, sondern auch eine Einordnung der Backfischliteratur zu finden sind. Die kurze Inhaltsangabe habe ich mir schon für etliche Hörbücher gewünscht und bin deshalb froh, dass es hier eine gab.

Vor allem möchte ich aber die Einordnung hervorheben, die bei einem solch alten Werk für Kinder und Jugendliche notwendig ist. Ilses Geschichte ist sicherlich an einigen Stellen noch aktuell, denn das junge Mädchen sich verlieben wollen und Streiche spielen, hat sicherlich nichts an Aktualität verloren, aber dass ein Mädchen die Wahl hat, zu heiraten oder Gouvernante oder Lehrerin zu werden, ist dann doch etwas, das bei keinem Mädchen uneingeordnet stehen bleiben sollte.

Das Zitat von Heike Makatsch, die den Trotzkopf eingesprochen hat, finde ich besonders gut, denn er verweist auch noch einmal auf die lange Entwicklung der Emanzipation und dass die Lebenswelt für unsere Großeltern- oder Urgroßelterngeneration noch ganz anders aussah.

Heike Makatsch hat das Hörbuch zu Der Trotzkopf eingesprochen und ich finde, sie hat das unglaublich gut gemacht. Ich habe wirklich gerne das Hörbuch gehört und muss sagen, dass Der Trotzkopf auch aufgrund der Erzählerin zu meinen Lieblingshörbüchern gehört. Deshalb möchte ich das Hörbuch von cbj audio gerne weiterempfehlen und ich hoffe derzeit, dass die Reihe, die vom Verlag gestartet wurde noch fortgesetzt wird und möglicherweise auch noch die anderen Bände der Reihe (die sich mit Ilse Macket beschäftigen, wenngleich sie nicht von der Autorin selbst geschrieben wurden) als Hörbuch herausgegeben werden.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

Die Bäckerei der Wunder von C. Escribà und S. Tarragó ·Hörbücher

Inhaltsangabe: Die Bäckerei der Wunder von Christian Escribà und Sílvia Tarragó

Der Roman Die Bäckerei der Wunder von Christian Escribà und Sílvia Tarragó führt die Leserin durch die Geschichte der Bäckerei. Begonnen wird bei den Eltern des ersten Besitzers, Mateu, der gar nicht in Barcelona geboren wurde und sich als Waise seinen Weg nach Barcelona bahnen muss. Dort sucht er nach seinen Brüdern, und arbeitet um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich lernt er fleißig und eröffnet die Bäckerei. Diese wird in mehreren Generationen in der Familie weitergegeben bis irgendwann Alba dort arbeitet.

Alba ist ein Wunderkind. Nicht weil sie etwas sehr gut kann, obwohl sie ausgezeichnet backt. Nein, sie ist ein Wunderkind, weil sie geboren wurde, obwohl ihre Eltern schon lange nicht mehr an den Segen eines Kindes geglaubt haben. Dennoch wird Alba 1926 während der winterlichen Weihnachtstage geboren. Sie kommt in eine liebevolle Familie, die sie zwar das Backen lehrt, ihr aber dennoch die Freiheit lässt zu tun, was sie will. Um ihre Großmutter und ihre Mutter zu unterstützen beginnt Alba bei einer Familie als Köchin zu arbeiten; ihr Vater und ihr Großvater sind bereits verstorben.

Alba liebt die Arbeit bei der Familie, denn die Kinder sind sehr goldig, die Eltern sind nett und lassen sie ab und zu übrig gebliebene Lebensmittel mitnehmen, was ja in den späten 40er Jahren durchaus relevant gewesen sein kann. Während sie dort noch arbeitet lernt Alba Enrique (leider weiß ich, weil ich es als Hörbuch gehört habe nicht wie man ihn schreibt) kennen. Die beiden verbindet eine Freundschaft und eine sanfte Liebe, sodass sie nach einiger Zeit heiraten.

Alba lernt aber noch einen jungen Mann kennen (bei dem ich nicht einmal versuchen kann ihn richtig zu schreiben), der mit seinen Eltern öfter bei der Familie für die Alba als Köchin arbeitet zu Besuch kommt und so erfährt wie überaus lecker die Speisen von Alba sind. Er schleicht immer wieder um sie herum und obwohl Alba ihrerseits ebenfalls eine Hassliebe zu ihm entwickelt, können die beiden aufgrund der Standesunterschiede nicht zusammen sein. Als er sie aber für einen Job in der Bäckerei Escriba empfiehlt, meint er, sie würde ihm nun etwas schulden. Alba möchte sich aber nicht auf den fordernden jungen Mann einlassen, sodass sie ihm immer mehr aus dem Weg geht.

Eines Tages bekommt Alba eine Chance: Sie bekommt das Angebot als Lehrling in der Bäckerei zu arbeiten. Da sie als Frau vorher nur im Verkauf arbeiten durfte, ist sie hocherfreut, denn sie hofft, dass sie damit ihrem Traum näher kommt irgendwann eine eigene Bäckerei zu besitzen. Natürlich schafft sie die Ausbildung ziemlich gut und wird immer erfolgreicher in der Bäckerei.

Der Mann, der ihr den Job verschafft hat, ist überrascht, dass Alba nun bei der anderen Familie aufhört und dass sie dort eine Ausbildung machen möchte, denn schließlich wird sie sowieso in den nächsten Jahren heiraten und aufhören, zu arbeiten. Alba heiratet Enrique unter anderem deshalb, weil er sie gewähren lässt, da auch er der künstlerische Typ ist.

Alba wird im Laufe des Romans immer älter, ihr Leben entwickelt sich, und man kann als Leserin ihre Reise über 25 Jahre lang verfolgen.

Die Bäckerei der Wunder von C. Escribà und S. Tarragó ·Hörbücher

Rezension: Die Bäckerei der Wunder von Christian Escribà und Sílvia Tarragó

Den Roman Die Bäckerei der Wunder von Christian Escribà und Sílvia Tarragó habe ich wieder als Hörbuch gehört. Hier werde ich also wieder auf den Inhalt und auf die Medialität eingehen.

Kommen wir zuerst zum Inhalt: Der Roman scheint die wahre Geschichte der Bäckerei wiederzugeben und ich hatte an der ein oder anderen Stelle das Gefühl, dass die Begebenheiten zwar interessant sind, aber ehre für jemanden, der aus der Familie kommt oder vielleicht auch nur die Bäckerei kennt, weil man teilweise auch sehr persönliche Dinge erfährt. Auch die soziopolitischen Hintergründe von Barcelona und Spanien waren recht spannend, wenngleich sie natürlich nur das Setting der Figuren vorgeben, aber dennoch großen Einfluss auf deren Leben haben. Da ich mich mit den ganzen politischen Veränderungen in Barcelona nicht auskannte, fand ich das durchaus ganz reizvoll und es war auch gut verpackt in die Geschichte.

Die Charaktere fand ich am Anfang ganz sympathisch, mein Problem war nur, dass ich mit den verschiedenen Generationen und Mitgliedern der Familie Escribà durcheinanderkam und nicht mehr weiß, wer eigentlich genau wer war. Vielleicht mochte ich Alba deshalb am Anfang so gerne. Mein Problem war nur, dass sie mir immer unsympathischer wurde, weil sie sich ziemlich egozentrisch entwickelt hat und ich am Ende einfach nur noch froh war, als das Buch endlich fertig war. Hinzu kam, dass ich bis jetzt nicht verstanden habe, wer Alba eigentlich ist. Ja, sie arbeitet in der Bäckerei und ja, sie hat eine sehr lange Verbindung zu dieser Bäckerei, weil sogar schon ihre Großmutter dort ihr Brot gekauft hat. Aber ist das die einzige Verbindung? Oder lag es an der interessanten Geschichte, die hinter Alba steckt zusammen mit der Tatsache, dass sie so eine enge Beziehung zur Bäckerei hat?

Bei Bäckerei der Wunder hatte ich an eine Geschichte gedacht, die hauptsächlich in der Bäckerei spielt. Ja, die Speisen und Gebäcke, die dort gefertigt werden, haben eine große Rolle gespielt. Das Interieur der Bäckerei wurde häufiger verändert und jeder Veränderung wurde auch beschrieben. Die Beschreibungen der traditionellen spanischen Süßspeisen und Gebäcke haben mir gut gefallen. Man hatte wirklich das Gefühl, dass man die Sachen beinahe schmecken kann. Im Buch sind vielleicht noch entsprechende Rezepte, aber leider nicht im Hörbuch. Über so etwas hätte ich mich aber sehr gefreut, weil man dann noch einmal ein ganz anderes Gefühl für das erwähnte Naschwerk bekommt. Ich hatte erwartet, dass die Haupthandlung in der Bäckerei spielt und die Konditoren und die Verkäufer dort immer wieder Zeugen von kleinen und großen Wundern werden, das sich beispielsweise zwei in der Reihe stehende Stammkunden ineinander verlieben, dass mit den Kuchen wiedersehen oder Abschiede gefeiert werden. Kurzum, dass die Bäckerei und das Naschwerk eine gewisse Magie ausstrahlen, die immer wieder zu kleinen Wundern im Alltag führen. Hier wurde ich allerdings herbe enttäuscht. Alba erzählt zwar von solchen Wundern, hier sei beispielsweise das Wunder ihrer Geburt erwähnt, bei dem eine Leckerei aus der Bäckerei Escribà eine Rolle spielt, aber so im Großen und Ganzen spielt das dort eher eine untergeordnete Rolle.

Über die ein oder andere Formulierung bin ich tatsächlich gestolpert, weil sie mir doch zu seltsam vorkam. Leider kann ich jetzt nicht genau sagen, welche das waren, weil es beim Hörbuch ja auch immer schwierig ist, die hinterher noch mal rauszusuchen, aber ich wollte es zumindest kurz erwähnen. Ich weiß auch nicht genau, ob die Formulierungen im Original auch so sind, oder ob das einfach daran liegt, dass manche Sachen schwierig zu übersetzen sind.

Die Idee über eine Familie und eine Bäckerei einen Roman zu schreiben, finde ich, an sich erst einmal nicht schlecht, aber die Umsetzung war für mich etwas schwierig. Es gab Stellen im Hörbuch, wo ich nicht mehr wusste, wo befinden wir uns hier auf der Zeitachse gerade. Um welche Generation geht es und wie alt ist Alba gerade. Das mag auch an der Medialität gelegen haben, aber ich vermute, es lag auch mit an der Geschichte selbst.

Julia Fischer, die Sprecherin des Hörbuchs, hat mir gut gefallen. Es war nicht so verzaubernd wie das ein oder andere Hörbuch, das ich zuvor gehört habe, aber mir hat die Stimme gut gefallen. Am Anfang war es etwas verwirrend, weil es natürlich um Mateu geht, der schließlich ein Mann ist und ich bin es inzwischen gewöhnt, dass Romane mit männlichen Protagonisten von Männern und diese mit weiblichen Protagonistinnen von Frauen eingesprochen werden. Aber da Alba gegen Ende immer präsenter wird, ist die Wahl einer weiblichen Sprecherin absolut verständlich. Bei dem Hörbuch handelt es sich übrigens um eine ungekürzte Fassung des Romans.

Alles in allem hat das Hörbuch zu Die Bäckerei der Wunder von Christian Escribà und Sílvia Tarragó meine Erwartungen leider nicht erfüllt. Ich hatte es ja immer wieder angedeutet, dass ich eine etwas andere Geschichte erwartet hatte. Ob ich deshalb enttäuscht bin, weil meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, oder ob es an den kleineren Schwächen des Romans selbst lag, kann ich natürlich nicht so richtig sagen, aber ich finde, dass der Roman noch etwas mehr Potential gehabt hätte. Das Hörbuch hat mir dennoch ganz gut gefallen und so empfehle ich es durchaus weiter.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Rezensionsexemplar!

Hörbücher ·Portugiesische Wahrheit von L. Sellano

Inhaltsangabe: Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano

In dem Kriminalroman Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano geht es um Henrik Falkner, der eigentlich aus Deutschland kommt und in Lissabon ein Antiquariat von seinem Onkel Martin geerbt hat. Henrik war in Deutschland Kriminalbeamter und ermittelt nun auch in Portugal. Dort hat er die Polizeibeamtin Helena kennengelernt, die ihm das ein oder andere Mal Informationen zuspielt und der er bei ihren Fällen hilft.

Neben Helena steht ihm auch noch ein Geistlicher, Bruno, der sich in der Stadt sehr gut auskennt und ihm einige Informationen zuträgt, zur Seite. Außerdem bekommt Henrik derzeit Besuch von seiner Mutter, Simone Falkner, zu der er ein sehr angespanntes Verhältnis hat.

Henriks eigentliche Aufgabe in Lissabon ist neben der Führung des Antiquariats, Mordfälle aufzuklären. Martin hat in den letzten Jahrzehnten alle möglichen Informationen über Mordfälle und Tötungsdelikte in ganz Lissabon gesammelt. Für manche Mordfälle, die noch nicht einmal entdeckt worden waren, hatte er sogar schon Informationen zusammengetragen. Diese Informationen sammelte er, um den Mann ohne Nabel zu jagen, der Martins Lebensgefährten vor etlichen Jahren ermordete. Dessen Schwester unterstützt Henrik ebenfalls, denn obwohl ihr Bruder schwul war und von der Familie ausgegrenzt wurde, liebte sie ihn und möchte ebenfalls wissen, wer ihn ermordet hat.

Die eigentliche Geschichte geht aber um den Kriminalfall eines vor 25 Jahren ermordeten Bauarbeiters, der im Fundament eines Pools versenkt wurde. Nach 25 Jahren soll der Pool renoviert werden und so werden die sterblichen Überreste des Mannes gefunden. Helena soll sich nun mit dem alten Mordfall befassen und da Henriks Mutter zufällig in dem Hotel absteigt, zu dem der Pool gehört, treffen die beiden, die sich offenbar im letzten Band gestritten hatten, wieder aufeinander.

Henrik findet heraus, dass es sich bei dem Mordopfer nicht wie zuvor angenommen um einen Bauarbeiter handelt, sondern um einen marokkanischen Gesandten. In der Nähe von Marokko gibt es wohl eine Wüste, und der sich große Wasservorkommen befinden. Marokko zählt diese Wüste zu seinem Eigentum, aber die Besitzverhältnisse waren damals unklar und sind es wohl auch heute noch. Aber gesichert ist, dass die Wasservorkommen, die unter der Wüste im Gestein gespeichert sind, viel Geld wert sein werden.

Henrik nimmt Kontakt zu einem Marokkaner auf, der Informationen zu dem Mordopfer haben soll. Wie sich herausstellt ist der Mann der Sohn des vor 25 Jahren angekommenen marokkanischen Gesandten. Außerdem lernt er noch einen Journalisten kennen, der ihm hilft den Verkauf der Wüste von vor 25 Jahren öffentlich zu machen, denn dass Wasser unter der Wüste lagert, scheint weder der aktuelle Besitzer zu ahnen noch die Öffentlichkeit. Angeblich sollte damals dort ein Solarpark errichtet werden.

Hörbücher ·Portugiesische Wahrheit von L. Sellano

Rezension: Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano

Auch bei Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano handelt es sich wieder um ein Hörbuch, sodass ich auch hier wieder auf das Format und auf den Inhalt eingehen werden.

Ich hatte mit dem Hörbuch ein ganz großes Problem: Man muss die Bände in der richtigen Reihenfolge hören bzw. lesen. Ich hatte zum einen gar nicht mitbekommen, dass es sich bei diesem Band nicht um einen ersten Band bzw. Einzelroman handelt und zum anderen bin ich es auch nicht gewöhnt, dass man bei Kriminalromanen die Bände in der richtigen Reihenfolge lesen muss. Sowohl Agatha Christie-Romane als auch die Regionalkrimis von Michael Kibler (Darmstadt-Krimis) funktionieren auch alleine und man muss sie auf keinen Fall in der richtigen Reihenfolge lesen. Klar man versteht die Hintergrundgeschichte um das Privatleben der Ermittler besser wenn man die Bände in der richtigen Reihenfolge liest (vor allem bei Michael Kibler), aber wenn man es nicht tut, versteht man dennoch das allermeiste. Bei Portugiesische Wahrheit ist das nicht so. Der Band beginnt total offen und man ist komplett aufgeschmissen, wenn man den Band davor nicht kennt, weil man einfach nichts von dem, was passiert und warum es passiert, versteht. Außerdem endet der Band auch total offen. Bruno, der Geistliche, den ich in der Inhaltsangabe erwähnt habe, ist verschwunden und bleibt auch am Ende des Bandes noch verschwunden. Ich muss also den nächsten Band noch lesen bzw. hören, um zu erfahren wie es mit ihm weitergeht. Ich habe ja am Anfang die ganze Zeit gehofft, dass ich noch reinkomme in die Geschichte, aber das war leider praktisch nicht möglich. Ich habe da noch nie erlebt, dass es bei einer Kriminalreihe notwendig ist, alle Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

So kommt es vermutlich auch, dass ich den Charakter des Henrik Falkner ziemlich unsympathisch fand. Er wird praktisch nicht beschrieben, weil der Erzähler erwartet, dass man den Protagonisten bereits kennt. Man erfährt nur durch die Handlungen von Henrik was für ein Charakter er so ist. Und da erfahren wir, dass er ständig wieder ausrastet, dass er es nicht schafft mal strukturiert zu ermitteln (die Ermittlungen um das vor 25 Jahren einbetonierte Mordopfer und die Ermittlungen um den Lebensgefährten von Martins Onkel laufen parallel). Diese hängen zwar auch eng zusammen, aber man muss wirklich aufmerksam zuhören um zu verstehen, welche Hinweise jetzt für welchen der Mordfälle wichtig sind.

Die Geschichte selbst, dass in einem Antiquariat Hinweise auf frühere Morde gesammelt werden und ein Ermittler diese von jemandem erbt und sie dann für aktuelle Mordermittlungen einsetzt, gefällt mir sehr gut, auch dass er dabei von einer einheimischen Polizistin unterstützt wird, fand ich sehr gut.

Was mich etwas gestört hat, waren die vielen Vorurteile, die den Figuren anhingen und die teilweise auch deren Handeln bestimmt haben: Helena Kollegen sind alle korrupt, deshalb hat sie so viele Schwierigkeiten auf Arbeit, weil ihr nur die Gerechtigkeit wichtig ist und sie eben nicht korrupt ist. Journalisten sind faul und trauen sich kaum einen etwas reißerischen Artikel zu veröffentlichen. Marokkaner sind Terroristen, die mit großen Feuerwaffen in ein Haus stürmen, weil sie dort den Mörder des Vaters ihres Anführers vermuten. Außerdem sind sie ungehalten, verprügeln fremde Menschen ohne Grund und geben total irrationale Vorgaben über die Schnelligkeit der Ermittlungen, während sie selbst nur auf Ermittlungsergebnisse warten; für einen Mordfall der 25 Jahre alt ist und bei dem es somit relativ egal ist, ob er heute oder morden aufgeklärt wird. Mir sind vor allem der erste und die letzten Vorurteile total gegen den Strich gegangen und das hat noch mehr dazu geführt, dass ich den Krimi einfach nicht so toll finden konnte.

Eine Sache hat mir aber ziemlich gut gefallen: Die Atmosphäre der Stadt, die Sehenswürdigkeiten, all das wurde ziemlich gut beschrieben und man hatte fast das Gefühl direkt in Lissabon Urlaub zu machen. Im Prinzip handelt es sich bei diesem Krimi auf jeden Fall um einen Regionalkrimi, der eben nicht irgendwo in Deutschland, sondern in Portugal spielt. Ich war zwar noch nie in Portugal, aber mir hat der Krimi deshalb nicht weniger gut gefallen, sodass ich mir vorstellen kann, wenn man schon mal in Portugal bzw. Lissabon war, dann haben die Beschreibungen noch einmal einen ganz besonderen Reiz auf die Leserin.

Kommen wir nach einer sehr langen Inhaltsrezension nun zum Medium: das Hörbuch ist von Richard Barenberg eingesprochen. Ich finde, dass der Sprecher das ziemlich gut gemacht hat, weil man wirklich das Gefühl hatte, dass hier der Erzähler spricht und dass die Ansichten der Figuren – vor allem die Henrik Falkners – gut rübergebracht werden. Leider haben mir auch bei diesem Hörbuch ganz häufig die Namen der Figuren gefehlt, weil ich mir alleine vom Hören die ganzen portugiesischen Namen nicht merken konnte und mir hier eine Liste mit den wichtigsten Namen und vielleicht sogar ein Stadtplan mit Lissabon, in dem die wichtigsten Orte eingezeichnet sind, gut getan hätte. Einfach damit ich mich etwas besser orientieren kann.

Abschließend muss ich sagen, dass ich den Kriminalroman Portugiesische Wahrheit von Luis Sellano zum Einstieg zur Reihe nicht empfehlen kann. Es bietet sich sicherlich eher an, vorne mit Band 1 Portugiesisches Erbe zu beginnen, weil dann viele der Probleme, die ich mit dem 5. Band hatte, wegfallen werden (hoffentlich!). Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen, auch dass die Stadt Lissabon, die Menschen dort und die Sehenswürdigkeiten eine große Rolle gespielt haben, fand ich spannend und sehr schön.

 

 

 

Vielen Dank an Random House Audio für das Rezensionsexemplar!