Bücherdämmerung

Was kommt nach Facebook? Von der Zukunft sozialer Medien von Klaus Sielker

Zu sozialen Netzwerken gehören inzwischen auch Lieblingsmarken und -künstler. Informationen werden selbst beschafft und sozialer Dialog (many to many). Facebook als ein maßgebliches Soziales Medium, Daily Soap mit mir bekannten Protagonist:innen und Mitgestaltungsmöglichkeiten leicht zugänglich. Klassische Medien verlieren immer weiter an Aufmerksamkeit, werden aber nicht einfach von heute auf morgen verschwinden. Außerdem wollen wir nicht immer überall aktiv mitgestalten, sondern manchmal auch einfach nur beschallt werden. „Second Screen“: auch für Buch nutzbar, indem man zusätzliche, soziale, intermediale Inhalte anbietet, und so die Vernetzung verschiedener Medien anbietet. Es wird immer mehr themenspezifische Apps geben. Es gibt verschiedene Typen von Internetnutzern: Creators, Conversationalists, Joiners und Spectators. Neue Dienste bedienen die anderen Bedürfnisse (verschiedene Kommunikationsarten), die diese Internetnutzertypen aber auch haben, sodass neue Apps entwickelt werden und sich auf dem Markt verbreiten. Soziale Kommunikation wird immer multimedialer, aber auch Metadaten werden geteilt (also bspw. Laufergebnisse, etc.), dadurch entstehen immer größere Datenmengen. Kommunikation mit Dingen könnte und ist teilweise schon der nächste Schritt (Smart Home). Technische Filter und Algorithmen beschränken die Inhalte, die wir angezeigt bekommen. Das ist auf der einen Seite Bevormundung, auf der anderen aber auch hilfreich, da so viel Müll herausgefiltert wird, der uns ohnehin nicht interessiert. Hier werden sich mutmaßlich aktive Mitgestaltungs- und Einstellungsmöglichkeiten entwickeln, sodass man den Algorithmus mitgestalten kann. Wie sich die Nutzung von solchen Apps, und wie die Weiterentwicklung der Hardware aussehen wird, war damals noch nicht abzusehen. Der Datenschutz wird eine Rolle bei den Innovationsmöglichkeiten spielen.

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Anders lesen – Von einer neuen Kulturtechnik von Stephan Selle

Traditionelle Lesen funktioniert linear: Vorne Titel und Autor, dann Text (mit Bildern oder ohne, etc.), am Ende gibt es einen Index, Literatur- und Abbildungsverzeichnisse und Werbung. Digitale Lesebücher sind mit elektronischer Tinte (E-Reader) geschrieben, während elektronische Bilderbücher aktive Bildschirme (von Tablets, Smartphones oder Computern) nutzen. Veränderungen im Bereich der E-Books werden kommen; sowohl im Hardware- als auch im Software-Bereich (bspw. automatische Zusammenfassungen, Vorleseoptionen, Vorsingoptionen, etc.). Semantisches Web: Wir lesen einen Abschnitt, den wir nicht verstehen (was wir aussprechen), so erfährt das Lesegerät von unserem Unverständnis und schaut automatisch nach und sucht Informationen aus dem Internet, die uns beim Verstehen helfen sollen. Kontexte sind zum Verstehen essentiell, durch digitale Lesegeräte können Kontexte beschafft werden. Wenn Lesegeräte uns aber zu gut kennen, könnten sie Texte unseren Lebensumständen anpassen (die Handlungen verlegen, die im Roman aufgeführten Orte als nächste Ausflugsziele empfehlen, etc.). Dadurch kann es natürlich zur Zensur kommen, Texte können im Nachhinein verändert werden und eine sehr genaue Kontrolle der Leser:in: Wer liest wann wie viele Seiten, wo stoppen Leser:innen, für welche Textstellen brauchen Leser:innen besonders lange. Wir würden so also zu gläsernen Lesern. Internet-TV-Serien ahmen Strukturen von Fernsehserien nach, allerdings gibt es auch Unterschiede: Serien werden staffelweise zur Verfügung gestellt und nicht jede Woche eine Folge; auch das Niveau der Inhalte verändert sich. Herkömmliche Bücher könnten immer ihre Existenzberechtigung haben, aber daneben entwickeln sich auch Buch-Videospiel-Mischformen, die dann eine neue Art von Autor:innen brauchen. Soziale Medien als Teil einer neuen Erzählform (bspw. fiktive Facebook-Seiten, die eine fiktive Biografie erzählen). Körpernahe Geräte (wie bspw. intelligente Brillen, Jacken, etc.) sind die Zukunft, über diese Geräte können dann Meiden über Apps konsumiert werden und daraus wird sich auch eine neue Literatur entwickeln.

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Der Buchhandel und seine Kunden – Von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Beziehungen von Detlef Bluhm

Vespasiano da Bisticci war ein bekannter und bedeutender Buchhändler in Florenz. Er war so bekannt, dass Fürsten, Könige, Bischöfe und alle anderen reichen und gebildeten Männer zu ihm kamen, damit er ihnen ihre Bibliotheken einrichtete. Bezüglich des Buchdrucks war er sehr skeptisch und äußerte sich auch dahingehend, dass seine Kunden sich schämen würden solch billig hergestellte Massenware in ihre Regale zu stellen. Auch heute gibt es Kritik: Durch die Digitalisierung würde die Fähigkeit, lineare Texte zu lesen, verschwinden, die Leistung des Gedächtnisses nachlassen, die Kommunikation verflachen, Verdummung zunehmen und die Buchästhetik leiden. Sicher ist, dass hierdurch auch die Chance für neue Produkte und Geschäftsmodelle entsteht. Die Buchbranche hat sich auf die Digitalisierung und das digitale Lesen nicht sonderlich gut eingestellt, sodass viele Internetunternehmen nun eine Vormachtstellung inne haben. Woher nehmen Leser:innen ihre Kaufpläne? Es gibt häufig Kund:innen, die sich in der Buchhandlung beraten lassen, die dann aber im Internet kaufen, aber es gibt auch viele andere Kund:innen, die im Internet recherchieren und dann in der Buchhandlung vor Ort ihre Bücher kaufen. Mit dem Onlinebuchhandel wird inzwischen aber auch ein guter Teil des Umsatzes gemacht. Es werden vor allem immer mehr belletristische Bücher digital gelesen. Der Kunde der Zukunft: Mobilität (zeitlich und räumlich), Besitz und zeitlich befristete Nutzung, Minimalismus und Shareeconomy, Zeitorientierung. Bluhm entwirft die Buchhandlung der Zukunft, die eher Treffpunkt und Veranstaltungsort als ökonomischer Betrieb ist. Auch ein kleiner E-Verlag hat sich per Zufall angeschlossen, weil sie die E-Books von Kund:innen als zweites Standbein digital publiziert. Die Buchhandlung bietet aber nicht nur Bücher und E-Books, sondern auch Kinofilme, Fernseh-Serien, Hörbücher, Musik und Spiele an, die man entweder kaufen oder mieten kann. Vernetzung mit Läden in der Nachbarschaft und so Bindung von Kund:innen an diese Geschäfte. Erfolgreich können solche Konzepte nur sein, wenn sie die digitale und die analoge Welt zusammenführen und das beste aus beiden vereinen.

Zitat Goethe: „Was ein Buch sey, bekümmert mich immer weniger; was es mir bringt, was es in mir aufregt, das ist die Hauptsache.“

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Moderne Content-Produzenten – Von neuen Buchformaten und Geschäftsmodellen von Katja Splichal

Wissenschaftsverlage agieren teilweise global und haben es inzwischeng eschafft, dass Autor:innen (also Wissenschaftler:innen) ihre Arbeit unentgeltlich zur Verfügung stellen, und ihnen das Prestige, das sie durch die Veröffentlichung in dem Verlag erhalten als Bezahlung ausreicht, außerdem kann auf Lektoren durch Peer Review-Verfahren (die nicht bezahlt werden müssen) verzichtet werden. Normale Publikumsverlage erweitern ihre Angebote um thematische Online-Plattformen, digitale Produkte (also bspw. Enhanced E-Books, Apps und Datenbanken) und entwickeln neue Formate (wie bspw. Shortbooks und Abstracts). Weiterhin gibt es neue Vertriebs- und Kommunikationskanäle. Netzwerke von verschiedenen Veröffentlichungsformen werden ermöglicht, Zusammenhänge zwischen Videos, Texten, etc. können mit Kommentaren aber auch untereinander verknüpft werden. Geschichten können im Digitalen auch Updates erfahren, ohne dass eine Neuauflage gedruckt werden muss. Durch neue Publikationssysteme ist die Gatekeeping-Funktion von Verlagen in die Hand der Nutzer:innen des Internets gewandert, da dort viele ihre Gedanken, Meinungen veröffentlichen, aber auch alle möglichen Inhalte veröffentlicht werden können, die zuvor in Verlegerhand waren (bspw. Do it Yourself-Anleitungen, Kochrezepte, Lexika, Wörterbücher, etc.). Durch Austauschmöglichkeiten im Internet ist ein reines Informieren über einen Sachverhalt kaum mehr möglich; häufig spielt das Meinungsbild der Öffentlichkeit ebenfalls eine Rolle. Individualisierung als Wert, der für Verkaufszahlen und Rezeption sorgt.

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Autoren im Netz – Von der Schriftstellerei im digitalen Zeitalter von Detlef Bluhm

Ambivalenz des Internets muss immer mitgedacht werden; hier auf der einen Seite, dass man Texte publizieren und distribuieren kann und auf der anderen Seite, dass diese Texte auch gestohlen werden können. Das Medium Internet (mit seinen verschiedenen Elementen, Bildern, Videos, Musik, etc.) hat Auswirkungen auf die Gedanken von Autor:innen und ermöglicht so neue Formen des Erzählens. Intermediales Erzählen (bspw. Apocalypsis von Lübbe oder Deathbook von Rowohlt) wird weiterentwickelt werden. Der Roman als Erzählform wird sich verändern und möglicherweise sogar ganz verschwinden. Serien adaptieren die Erzählweise von Romanen und nähern sich durch Sprache und Niveau dem Roman so weit an, sodass dies Auswirkungen auf die Romanrezeption haben könnte. Inzwischen gibt es immer mehr Selfpublishing und natürlich auch immer mehr Autor:innen, die sich bewusst dafür entscheiden, ihre Bücher selbst als E-Books herauszugeben. Dafür gibt es natürlich auch Services, die man als Autor:in einkaufen kann (wie bspw. Lektorat und Korrektorat, Marketing, Herstellung, Vertrieb und Pressearbeit). Verlage sollten die Konkurrenz hier ernster nehmen und eigene E-Book-only-Imprints entwickeln, aber auch Gratis-Bonusmaterial, Fortsetzungen und Reihen und kürzere Veröffentlichungsformen könnten eingeplant werden. Wenn Verlage ihre eigenen Ansichten nicht ändern und neue Produkte und Strategien entwickeln, könnten sie immer mehr ihre Bedeutung verlieren.

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Dichtung gegen Dumpinglohn – Von der Ökonomie des Schreibens von Dietmar Dath

Die Interessen von Verlagen und Autor:innen decken sich nur ansatzweise, da beide zwar keine Raubkopien wollen, aber Verlage auch alles tun würden um mehr Umsatz zu machen; auch wenn das dann gegen ihre Autor:innen gehen würde, wenn sie diese also beispielsweise schlechter bezahlen. Durch viele Umsatzschmälerungen, die Autor:innen durch Verlage und die Öffentlichkeit hinnehmen müssen (hier bspw. die kostenlose Veröffentlichung von noch nicht gemeinfreien Werken im Internet), müssen neue Erlösmöglichkeiten erdacht werden (also Micropayments, elektronische Subskriptionen von Leser:innen und parallele Veröffentlichungsformen). Forderung für die Arbeit, den Prozess und nicht das Endprodukt bezahlt zu werden. Der enge Zusammenhang zwischen Leser:in  und Autor:in: Wenn wir lesen und uns dafür interessieren was eine Autor:in denkt, warum interessiert uns dann nicht auch ihr finanzielles Auskommen?

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Bücher im digitalen Zeitalter – Von der Gutenberg- in die Turing-Galaxis von Thomas Macho

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise wie wir Bücher lesen. Neue Medien verdrängen nicht automatisch die älteren, sondern kommt es zu Wechselwirkungen und Synergien, sodass manche Vorteile von älteren Medien durch die Nachteile der neueren bemerkt werden. Bücher sind als einzigartige Objekte (bewegliche, leichte Speichermedien, relativ hohe Kapazität, gute Haltbarkeit) zu verstehen. Bücher werden nur dann gelesen, wenn sie neu sind. Sobald sie einige Monate alt sind, werden sie verramscht. Die Zuordnung zu bestimmten Genres, passt nicht mehr zu den neuen, digitalen Gegebenheiten, auch physische Experimente mit Büchern werden durch Genrezuordnungen erschwert, weil ein Buch nur über dieses System gefunden wird und ohne eindeutige Zuordnung nur schwerlich gefunden werden kann.

Ankündigungen ·Bücherdämmerung

Bücherdämmerung – Über die Zukunft der Buchkultur hrsg. Detlef Bluhm

Hallo ihr Lieben,

Die Bücherdämmerung – Über die Zukunft der Buchkultur herausgegeben von Detlef Bluhm ist ein Sammelband mit verschiedenen Beiträgen, die sich mit Bücher, Autor:innen, Lesen und Leser:innen beschäftigt und Prognose anstellt wie sich die Buchbranche in den nächsten Jahren verändern könnte. Da das Buch schon sieben Jahre als ist (aus dem Jahr 2014), und auch schon seit ein paar Jahren auf meinem Sub auf mich wartet, ist es nicht mehr so aktuell und bei der ein oder anderen Prognose muss man schmunzeln, weil man inzwischen weiß, dass die Buchbranche fünf Jahre nach 2014 nicht wie prognostiziert aussieht und dass es auch bei zehn Jahren schwierig wird, die Prognosen noch so einzuhalten.

Dennoch finde ich es – vielleicht auch gerade weil mein Blick eben sieben Jahre später stattfindet – total interessant mal auf diese Ideen, Prognosen und Thesen zu schauen und mich damit mal auseinanderzusetzen. Die Themen sind ziemlich breit gestreut und beschäftigen sich vor allem damit, wie Lesen in Zukunft aussieht, wie sich das Medium Buch entwickeln wird bzw. könnte und wie Leser:innen an ihre Bücher kommen werden.

In Future Lab entwickelt Detlef Bluhm eine Idee davon wie eine Buchhandlung der Zukunft aussehen könnte (ja er beschreibt das Weihnachtsgeschäft 2020, also ausgerechnet das Jahr, von dem wir inzwischen wissen, dass das Weihnachtsgeschäft dort ganz, ganz anders aussah), aber die Ideen, die er einbringt, fand ich total interessant und über den Tellerrand gedacht. Seine Buchhandlung hat ein breites Angebot: Nicht nur Bücher kann man dort kaufen, sondern auch Spiele und Musik. Sie ist ein Treffpunkt für Leute aus dem Viertel, bietet Lesungen und andere Events an und hat ein integriertes Café. Es gibt Möglichkeiten in digitalen Büchern zu stöbern und somit ein erweitertes Sortiment zu betrachten und natürlich gibt es viele digitale Angebote.

Bis der Beitrag dazu kommt, dauert es aber noch ein paar Monate, denn ich habe geplant einmal im Monat einen kurzen Beitrag zu den vielen Beiträgen aus dem Sammelband zu schreiben. Vielleicht und hoffentlich habt ihr Lust, euch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und wir können gemeinsam über das ein oder andere diskutieren. Vielleicht habt ihr selbst ja auch Bücher oder Texte zu den Themen gelesen und könnte Empfehlungen aussprechen. Über einen regen Austausch würde ich mich sehr freuen, aber hier erst einmal noch die Aufzählung der Artikel:

  1. Vorwort: Von Stanislaw Lem und der Zukunft der Buchkultur von Detlef Bluhm
  2. Bücher im digitalen Zeitalter – von der Gutenberg- in die Turin-Galaxis von Thomas Macho
  3. Dichtung gegen Dumpinglohn – Von der Ökonomie des Schreibens von Dietmar Dath
  4. Autoren im Netz – Von der Schriftstellerei im digitalen Zeitalter von Detlef Bluhm
  5. Moderne Content-Produzenten – Von neuen Buchformaten und Geschäftsmodelle von Katja Splichal
  6. Der Buchhandel und seine Kunden – Von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Beziehungen von Detlef Bluhm
  7. Anders lesen – Von einer neuen Kulturtechnik von Stephan Selle
  8. Was kommt nach Facebook? – Von der Zukunft sozialer Medien von Klaus Sielker
  9. E-Reader, Smartphones & Tablets – Von der Vielfalt und ihrer Bedrohung von Volker Oppmann
  10. Future Lab – Von erstaunlichen Perspektiven von Detlef Bluhm
  11. Urheberrecht – Von Eigentum und Diebstahl von Jan Hegemann
  12. Druckerschwärze versus Bytes? – Von der Koexistenz verschiedener Formate von Elisabeth Ruge

 

Da das Vorwort recht kurz ist, möchte ich die anderthalb Aussagen daraus hier direkt festhalten:

Vorwort: Von Stanislaw Lem und der Zukunft der Buchkultur von Detlef Bluhm

Wie sich die Buchkultur in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird ist ungewiss

Allerdings gibt es eine Gewissheit: Es wird das Buch immer geben; fraglich ist nur die Realisationsform

 

Und ich denke, das ist ein gutes Schlusswort, sodass mir nur noch bleibt, euch viel Spaß mit dem Projekt zu wünschen und ich hoffe auf einen regen Austausch.

Liebe Grüße
Vanessa