Bücherdämmerung

Druckerschwärze versus Bytes? – Von der Koexistenz verschiedener Formate von Elisabeth Ruge

Bücher begeistern mit ihrer Ausstattung, auch Bücher mit Schmuckausgaben oder als bibliophile Ausgaben. Bücher sind dann mit vielen Sinnen erfassbar: Das Gefühl das Faserung des Papiers ohne den Fingerspitzen und der Leineneinband, der Geruch der Druckerschwärze und das wertige Aussehen als Komplettpaket. Allerdings wurde in einer solche Ausgabe nur ein kleiner Teil von Notizen von Henning Ritter veröffentlicht. Sein ganzes Oeuvre hätte man so nicht veröffentlichen können; zu sperrig und zu teuer. Also wäre eine digitale Gesamtausgabe eine Möglichkeit gewesen. Hier wären zwei wesentliche Aspekte Verfügbarkeit und Searchability (man könnte so auch Strömungen und Zusammenhänge kenntlich machen). Neue Leseordnungen werden geschaffen. Digitale Texte bieten aber auch neue Chancen in Sachen Barrierefreiheit: Text-to-Speech-Funktionen und Refreshable Braille, vernünftig navigierbare Texte können von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen genutzt werden. Hier herrscht noch großes Innovationspotential. Stichwort: gesellschaftspolitische Verantwortung. Flexibilität und Offenheit um im Markt zu probieren, was gehen könnte und die Freiheit einfach zu experimentieren, offenere Entscheidungsprozesse gehören dazu. Relevanz von Verlagen in der Zukunft wird davon abhängen wie attraktiv sie für Leser:innen und Autor:innen sein werden. Offen für Innovation sein.

Adventskalender 2021 ·Bücherdämmerung

Urheberrecht – Von Eigentum und Diebstahl von Jan Hegemann

Durch Privilegien wurden Autorenrechte das erste Mal in den 1820er Jahren für Goethe anerkannt. In der Folge wurden auch für Drucker und Verleger Privilegien eingeführt, die eines gemeinsam haben: Sie schützen die handwerkliche, organisatorische und finanzielle Leistung des Druckers bzw. Verlegers. Privilegien sollen Autoren davor schützen, dass ihre Werke einfach nachgedruckt werden. Diese Privilegien gelten als Vorläufer der heutigen Urheber- und Leistungsschutzrechte. Es ging natürlich um das Recht am geistigen Eigentum und um finanzielle Rechte, aber es ging auch um veränderte Nachdrucke, da manche Nachdrucker, den Text inhaltlich stark veränderten. Daraus entwickelt sich dann 1965 das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte. Der Urheber gilt als Schöpfer des Werkes; also Werk im materiellen Sinne, nicht bloße Ideen und Schöpfer im Sinne, das etwas individuell, einzigartig und originell geprägt ist und nicht bloß gemacht wird. Die geistige und persönliche Beziehung des Urhebers zu seinem Werk soll geschützt werden (Urheberpersönlichkeitsrechts). Dazu gehören: Das Recht auf Erstveröffentlichung (also ob überhaupt und wenn ja wann und wie), namentliche Bezeichnung als Urheber (oder auch nicht, wenn unerwünscht oder das Verwenden eines Pseudonyms) und das Recht gegen Entstellung und Veränderung vorzugehen (auch im Digitalen ungemein wichtig). Diese Rechte sind unübertragbar und unveräußerlich. Nutzungs- und Verwertungsrechte hingegen sind übertragbar. Rechte des Urhebers müssen immer mit den Rechten der Gesellschaft (bspw. auf Nutzen zum Wohle der Allgemeinheit) abgewogen werden. Kunstwerke bauen aufeinander auf, Diskurse können nur entstehen wenn Zitate erlaubt sind, etc. Rückentwicklung des Rechts im Internet: Piraten veröffentlichen alles ohne Rücksicht auf Urheberrechte. Künstler:innen, die ihre Werke frei im Internet zur Verfügung stellen, und dafür von Sozialleistungen des Staates leben, entwickeln sich zurück zu Hofnarren oder Hofkünstlern, die direkt im Sold ihrer Könige und Kaiser stehen. Freiheit und das Recht des Autors in der digitalen Welt sind Grundfragen unserer Gesellschaft.

Bücherdämmerung

Future Lab – Von erstaunlichen Perspektiven von Detlef Bluhm

Quanten-Handy sind abhörsicher, allerdings stellt sich die Frage wann es ein entsprechendes globales Netz geben wird, da bisher der politische Wille fehlt, Quanten-Handys als adäquaten Ersatz zu verwenden. Video in Print bedeutet, dass kleine und vor allem flache Bildschirme in Print-Heften eingebettet werden. Hier konnten bis zu 40 Minuten Videomaterial aufgenommen werden, die allerdings wieder aufladbar waren. Digitale Kleidung fungiert als Leinwand, die von digitalen, multimedialen Elementen bespielt werden kann (also bspw. jeden Tag ein neues Gedicht, ein Video vom letzten Auftritt, Kleidung, die per App die Farbe ändert). 3D-Drucker sind in vielen Branche angekommen, werden aber in der Buchbranche bisher kaum bis gar nicht eingesetzt. Das virtuelle Buchregal ermöglicht das Stöbern in digitalen Büchern in Buchhandlungen und auf Messen. So können Buchhandlungen oder Verlage ihre Backlist zeigen, oder die Bücher präsentieren, die in der Buchhandlung sonst keinen Platz finden würden. Außerdem kann über das Regal nicht nur gestöbert und präsentiert, sondern auch gekauft werden. Der PC wird vielleicht im Arbeitsleben weiterhin eine Rolle spielen, aber aus dem Privatleben verschwinden. Dafür wird es immer mehr kleinere Geräte geben, Computer, die in Alltagsgegenstände eingearbeitet sind wie bspw. Brillen, Uhren (Google Glass oder Smart Watches) aber auch Kleidungsstücke oder anderen Schmuck. Stichwort hierzu ist Wearable Technology.

Bücherdämmerung

E-Reader, Smartphones & Tablets – Von der Vielfalt und ihrer Bedrohung von Volker Oppmann

Nicht nur Strukturen und Technologien verändern sich, sondern auch die Nutzungsweise von Texten. Was ist ein Buch? Kodifizierte Form, ein gebundener Stapel bedruckten Papiers (Transportmittel, Trägermedium), das Ideen und Gedanken (zu transportierender Inhalt, Content) von einer Leser:in zur nächsten transportiert. Die Frage danach welche Form den Inhalt am besten rüberbringt, eröffnet den Verlagen eine ganz neue Perspektive, so könnten auch Websiten, Datenbanken, Online-Dienste, Spiele und Software Verlagsprodukte und im weitesten Sinne auch Bücher sein. Elektronische Erscheinungsformen von Inhalten: Container-Formate (Text in seiner inhaltlichen Gestalt fixiert und danach nicht mehr verändert), Software-Anwendungen (App bspw. im Bildungsbereich oder Kinder- und Jugendbuch, Arbeit mit animierten, interaktiven oder anderen komplexen Inhalten), Browserbasierte Webservices (für kleinere Einheiten oder hoher Aktualitätsgrad, bspw. Wörterbücher oder Datenbanken) und Cloud-Services (anwender- und serverseitige Komponente, App kommuniziert über Internetverbindung mit serverseitiger Anwendung (um Daten nachzuladen), bspw. für Serienveröffentlichungen oder Geodaten, etc.). Erwartungen an das E-Book nicht allein durch E-Book, sondern auch durch E-Reading-Software; hierzu zählen Möglichkeiten Notizen oder Lesezeichen zu machen, Texte markieren, Social Reading. Veränderungen in der Wertschöpfungskette durch Digitalisierung, Kund:innen wollen integrierte Systeme, bei denen sie über ihren E-Reader direkt neue Bücher kaufen können und die dann auch direkt auf dem E-Reader erscheinen. Einzig unterscheidender Faktor bei E-Books ist die E-Reading-Software, da diese sämtliche Zusatzangebote zum Inhalt bereithält. So verschiebt sich die Produkthoheit vom Verlag zum Betreiber des E-Reading-Angebots. Die Grenzen zwischen Leihen, Kaufen, zwischen Shop und Bibliothek verschwimmen im digitalen Bereich. Gläserne Leser durch Such- und Kaufhistorie Nutzerprofile erstellt, Lesen selbst wird von Software aufgezeichnet, protokolliert und ausgewertet, somit ist man dem Anbieter ausgeliefert. Bedürfnisse von Autor:innen haben sich verändert; früher Teil am öffentlichen Diskurs, heute wirtschaftliche Interessen, was dann wiederum zu einer Konzentration auf den großen Plattformen führt um für Kund:innen attraktiv zu sein. Innovationen kommen nichts aus dem Nichts, stattdessen müssen sich die folgenden Fragen gestellt werden: Wer ist unser Kunde (und wer ist es nicht)? Wo ist unser Kunde? Wofür bezahlt uns unser Kunde, also was stellt einen Nutzen für ihn dar? Kundendatensammlungen sorgen auch immer für die Frage nach dem Verbraucherschutz und damit in Zusammenhang stehend die Frage danach was einen Wert für die Kund:in hat? Die Zukunft ist ungewiss, nur, dass es Leser:innen und Autor:innen gibt, die sich gegenseitig finden müssen, scheint klar zu sein. Leser:innen wollen ohne Probleme an ihre Inhalte kommen, ohne rechtliche, gerätetechnische oder softwareartige Hindernisse. Hier wird die Aufgabe von Anbietern in Zukunft liegen. Leser:innen wollen in Zukunft also ihre Bücher über ein Gerät kaufen, lesen und sich darüber austauschen. Neue Technologien könnten neue Nutzermöglichkeiten offenbaren, also bspw. über Kontaktlinsen oder Brillen Inhalte direkt vor dem Auge. Was aber unverändert bleibt: Durch sprachliche Zeichen werden virtuelle Welten in den Köpfen der Leser:innen geschaffen.

Bücherdämmerung

Was kommt nach Facebook? Von der Zukunft sozialer Medien von Klaus Sielker

Zu sozialen Netzwerken gehören inzwischen auch Lieblingsmarken und -künstler. Informationen werden selbst beschafft und sozialer Dialog (many to many). Facebook als ein maßgebliches Soziales Medium, Daily Soap mit mir bekannten Protagonist:innen und Mitgestaltungsmöglichkeiten leicht zugänglich. Klassische Medien verlieren immer weiter an Aufmerksamkeit, werden aber nicht einfach von heute auf morgen verschwinden. Außerdem wollen wir nicht immer überall aktiv mitgestalten, sondern manchmal auch einfach nur beschallt werden. „Second Screen“: auch für Buch nutzbar, indem man zusätzliche, soziale, intermediale Inhalte anbietet, und so die Vernetzung verschiedener Medien anbietet. Es wird immer mehr themenspezifische Apps geben. Es gibt verschiedene Typen von Internetnutzern: Creators, Conversationalists, Joiners und Spectators. Neue Dienste bedienen die anderen Bedürfnisse (verschiedene Kommunikationsarten), die diese Internetnutzertypen aber auch haben, sodass neue Apps entwickelt werden und sich auf dem Markt verbreiten. Soziale Kommunikation wird immer multimedialer, aber auch Metadaten werden geteilt (also bspw. Laufergebnisse, etc.), dadurch entstehen immer größere Datenmengen. Kommunikation mit Dingen könnte und ist teilweise schon der nächste Schritt (Smart Home). Technische Filter und Algorithmen beschränken die Inhalte, die wir angezeigt bekommen. Das ist auf der einen Seite Bevormundung, auf der anderen aber auch hilfreich, da so viel Müll herausgefiltert wird, der uns ohnehin nicht interessiert. Hier werden sich mutmaßlich aktive Mitgestaltungs- und Einstellungsmöglichkeiten entwickeln, sodass man den Algorithmus mitgestalten kann. Wie sich die Nutzung von solchen Apps, und wie die Weiterentwicklung der Hardware aussehen wird, war damals noch nicht abzusehen. Der Datenschutz wird eine Rolle bei den Innovationsmöglichkeiten spielen.

Bücherdämmerung

Anders lesen – Von einer neuen Kulturtechnik von Stephan Selle

Traditionelle Lesen funktioniert linear: Vorne Titel und Autor, dann Text (mit Bildern oder ohne, etc.), am Ende gibt es einen Index, Literatur- und Abbildungsverzeichnisse und Werbung. Digitale Lesebücher sind mit elektronischer Tinte (E-Reader) geschrieben, während elektronische Bilderbücher aktive Bildschirme (von Tablets, Smartphones oder Computern) nutzen. Veränderungen im Bereich der E-Books werden kommen; sowohl im Hardware- als auch im Software-Bereich (bspw. automatische Zusammenfassungen, Vorleseoptionen, Vorsingoptionen, etc.). Semantisches Web: Wir lesen einen Abschnitt, den wir nicht verstehen (was wir aussprechen), so erfährt das Lesegerät von unserem Unverständnis und schaut automatisch nach und sucht Informationen aus dem Internet, die uns beim Verstehen helfen sollen. Kontexte sind zum Verstehen essentiell, durch digitale Lesegeräte können Kontexte beschafft werden. Wenn Lesegeräte uns aber zu gut kennen, könnten sie Texte unseren Lebensumständen anpassen (die Handlungen verlegen, die im Roman aufgeführten Orte als nächste Ausflugsziele empfehlen, etc.). Dadurch kann es natürlich zur Zensur kommen, Texte können im Nachhinein verändert werden und eine sehr genaue Kontrolle der Leser:in: Wer liest wann wie viele Seiten, wo stoppen Leser:innen, für welche Textstellen brauchen Leser:innen besonders lange. Wir würden so also zu gläsernen Lesern. Internet-TV-Serien ahmen Strukturen von Fernsehserien nach, allerdings gibt es auch Unterschiede: Serien werden staffelweise zur Verfügung gestellt und nicht jede Woche eine Folge; auch das Niveau der Inhalte verändert sich. Herkömmliche Bücher könnten immer ihre Existenzberechtigung haben, aber daneben entwickeln sich auch Buch-Videospiel-Mischformen, die dann eine neue Art von Autor:innen brauchen. Soziale Medien als Teil einer neuen Erzählform (bspw. fiktive Facebook-Seiten, die eine fiktive Biografie erzählen). Körpernahe Geräte (wie bspw. intelligente Brillen, Jacken, etc.) sind die Zukunft, über diese Geräte können dann Meiden über Apps konsumiert werden und daraus wird sich auch eine neue Literatur entwickeln.

Bücherdämmerung

Der Buchhandel und seine Kunden – Von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Beziehungen von Detlef Bluhm

Vespasiano da Bisticci war ein bekannter und bedeutender Buchhändler in Florenz. Er war so bekannt, dass Fürsten, Könige, Bischöfe und alle anderen reichen und gebildeten Männer zu ihm kamen, damit er ihnen ihre Bibliotheken einrichtete. Bezüglich des Buchdrucks war er sehr skeptisch und äußerte sich auch dahingehend, dass seine Kunden sich schämen würden solch billig hergestellte Massenware in ihre Regale zu stellen. Auch heute gibt es Kritik: Durch die Digitalisierung würde die Fähigkeit, lineare Texte zu lesen, verschwinden, die Leistung des Gedächtnisses nachlassen, die Kommunikation verflachen, Verdummung zunehmen und die Buchästhetik leiden. Sicher ist, dass hierdurch auch die Chance für neue Produkte und Geschäftsmodelle entsteht. Die Buchbranche hat sich auf die Digitalisierung und das digitale Lesen nicht sonderlich gut eingestellt, sodass viele Internetunternehmen nun eine Vormachtstellung inne haben. Woher nehmen Leser:innen ihre Kaufpläne? Es gibt häufig Kund:innen, die sich in der Buchhandlung beraten lassen, die dann aber im Internet kaufen, aber es gibt auch viele andere Kund:innen, die im Internet recherchieren und dann in der Buchhandlung vor Ort ihre Bücher kaufen. Mit dem Onlinebuchhandel wird inzwischen aber auch ein guter Teil des Umsatzes gemacht. Es werden vor allem immer mehr belletristische Bücher digital gelesen. Der Kunde der Zukunft: Mobilität (zeitlich und räumlich), Besitz und zeitlich befristete Nutzung, Minimalismus und Shareeconomy, Zeitorientierung. Bluhm entwirft die Buchhandlung der Zukunft, die eher Treffpunkt und Veranstaltungsort als ökonomischer Betrieb ist. Auch ein kleiner E-Verlag hat sich per Zufall angeschlossen, weil sie die E-Books von Kund:innen als zweites Standbein digital publiziert. Die Buchhandlung bietet aber nicht nur Bücher und E-Books, sondern auch Kinofilme, Fernseh-Serien, Hörbücher, Musik und Spiele an, die man entweder kaufen oder mieten kann. Vernetzung mit Läden in der Nachbarschaft und so Bindung von Kund:innen an diese Geschäfte. Erfolgreich können solche Konzepte nur sein, wenn sie die digitale und die analoge Welt zusammenführen und das beste aus beiden vereinen.

Zitat Goethe: „Was ein Buch sey, bekümmert mich immer weniger; was es mir bringt, was es in mir aufregt, das ist die Hauptsache.“

Bücherdämmerung

Moderne Content-Produzenten – Von neuen Buchformaten und Geschäftsmodellen von Katja Splichal

Wissenschaftsverlage agieren teilweise global und haben es inzwischeng eschafft, dass Autor:innen (also Wissenschaftler:innen) ihre Arbeit unentgeltlich zur Verfügung stellen, und ihnen das Prestige, das sie durch die Veröffentlichung in dem Verlag erhalten als Bezahlung ausreicht, außerdem kann auf Lektoren durch Peer Review-Verfahren (die nicht bezahlt werden müssen) verzichtet werden. Normale Publikumsverlage erweitern ihre Angebote um thematische Online-Plattformen, digitale Produkte (also bspw. Enhanced E-Books, Apps und Datenbanken) und entwickeln neue Formate (wie bspw. Shortbooks und Abstracts). Weiterhin gibt es neue Vertriebs- und Kommunikationskanäle. Netzwerke von verschiedenen Veröffentlichungsformen werden ermöglicht, Zusammenhänge zwischen Videos, Texten, etc. können mit Kommentaren aber auch untereinander verknüpft werden. Geschichten können im Digitalen auch Updates erfahren, ohne dass eine Neuauflage gedruckt werden muss. Durch neue Publikationssysteme ist die Gatekeeping-Funktion von Verlagen in die Hand der Nutzer:innen des Internets gewandert, da dort viele ihre Gedanken, Meinungen veröffentlichen, aber auch alle möglichen Inhalte veröffentlicht werden können, die zuvor in Verlegerhand waren (bspw. Do it Yourself-Anleitungen, Kochrezepte, Lexika, Wörterbücher, etc.). Durch Austauschmöglichkeiten im Internet ist ein reines Informieren über einen Sachverhalt kaum mehr möglich; häufig spielt das Meinungsbild der Öffentlichkeit ebenfalls eine Rolle. Individualisierung als Wert, der für Verkaufszahlen und Rezeption sorgt.

Bücherdämmerung

Autoren im Netz – Von der Schriftstellerei im digitalen Zeitalter von Detlef Bluhm

Ambivalenz des Internets muss immer mitgedacht werden; hier auf der einen Seite, dass man Texte publizieren und distribuieren kann und auf der anderen Seite, dass diese Texte auch gestohlen werden können. Das Medium Internet (mit seinen verschiedenen Elementen, Bildern, Videos, Musik, etc.) hat Auswirkungen auf die Gedanken von Autor:innen und ermöglicht so neue Formen des Erzählens. Intermediales Erzählen (bspw. Apocalypsis von Lübbe oder Deathbook von Rowohlt) wird weiterentwickelt werden. Der Roman als Erzählform wird sich verändern und möglicherweise sogar ganz verschwinden. Serien adaptieren die Erzählweise von Romanen und nähern sich durch Sprache und Niveau dem Roman so weit an, sodass dies Auswirkungen auf die Romanrezeption haben könnte. Inzwischen gibt es immer mehr Selfpublishing und natürlich auch immer mehr Autor:innen, die sich bewusst dafür entscheiden, ihre Bücher selbst als E-Books herauszugeben. Dafür gibt es natürlich auch Services, die man als Autor:in einkaufen kann (wie bspw. Lektorat und Korrektorat, Marketing, Herstellung, Vertrieb und Pressearbeit). Verlage sollten die Konkurrenz hier ernster nehmen und eigene E-Book-only-Imprints entwickeln, aber auch Gratis-Bonusmaterial, Fortsetzungen und Reihen und kürzere Veröffentlichungsformen könnten eingeplant werden. Wenn Verlage ihre eigenen Ansichten nicht ändern und neue Produkte und Strategien entwickeln, könnten sie immer mehr ihre Bedeutung verlieren.

Bücherdämmerung

Dichtung gegen Dumpinglohn – Von der Ökonomie des Schreibens von Dietmar Dath

Die Interessen von Verlagen und Autor:innen decken sich nur ansatzweise, da beide zwar keine Raubkopien wollen, aber Verlage auch alles tun würden um mehr Umsatz zu machen; auch wenn das dann gegen ihre Autor:innen gehen würde, wenn sie diese also beispielsweise schlechter bezahlen. Durch viele Umsatzschmälerungen, die Autor:innen durch Verlage und die Öffentlichkeit hinnehmen müssen (hier bspw. die kostenlose Veröffentlichung von noch nicht gemeinfreien Werken im Internet), müssen neue Erlösmöglichkeiten erdacht werden (also Micropayments, elektronische Subskriptionen von Leser:innen und parallele Veröffentlichungsformen). Forderung für die Arbeit, den Prozess und nicht das Endprodukt bezahlt zu werden. Der enge Zusammenhang zwischen Leser:in  und Autor:in: Wenn wir lesen und uns dafür interessieren was eine Autor:in denkt, warum interessiert uns dann nicht auch ihr finanzielles Auskommen?