Bücherdämmerung

Der Buchhandel und seine Kunden – Von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Beziehungen von Detlef Bluhm

Vespasiano da Bisticci war ein bekannter und bedeutender Buchhändler in Florenz. Er war so bekannt, dass Fürsten, Könige, Bischöfe und alle anderen reichen und gebildeten Männer zu ihm kamen, damit er ihnen ihre Bibliotheken einrichtete. Bezüglich des Buchdrucks war er sehr skeptisch und äußerte sich auch dahingehend, dass seine Kunden sich schämen würden solch billig hergestellte Massenware in ihre Regale zu stellen. Auch heute gibt es Kritik: Durch die Digitalisierung würde die Fähigkeit, lineare Texte zu lesen, verschwinden, die Leistung des Gedächtnisses nachlassen, die Kommunikation verflachen, Verdummung zunehmen und die Buchästhetik leiden. Sicher ist, dass hierdurch auch die Chance für neue Produkte und Geschäftsmodelle entsteht. Die Buchbranche hat sich auf die Digitalisierung und das digitale Lesen nicht sonderlich gut eingestellt, sodass viele Internetunternehmen nun eine Vormachtstellung inne haben. Woher nehmen Leser:innen ihre Kaufpläne? Es gibt häufig Kund:innen, die sich in der Buchhandlung beraten lassen, die dann aber im Internet kaufen, aber es gibt auch viele andere Kund:innen, die im Internet recherchieren und dann in der Buchhandlung vor Ort ihre Bücher kaufen. Mit dem Onlinebuchhandel wird inzwischen aber auch ein guter Teil des Umsatzes gemacht. Es werden vor allem immer mehr belletristische Bücher digital gelesen. Der Kunde der Zukunft: Mobilität (zeitlich und räumlich), Besitz und zeitlich befristete Nutzung, Minimalismus und Shareeconomy, Zeitorientierung. Bluhm entwirft die Buchhandlung der Zukunft, die eher Treffpunkt und Veranstaltungsort als ökonomischer Betrieb ist. Auch ein kleiner E-Verlag hat sich per Zufall angeschlossen, weil sie die E-Books von Kund:innen als zweites Standbein digital publiziert. Die Buchhandlung bietet aber nicht nur Bücher und E-Books, sondern auch Kinofilme, Fernseh-Serien, Hörbücher, Musik und Spiele an, die man entweder kaufen oder mieten kann. Vernetzung mit Läden in der Nachbarschaft und so Bindung von Kund:innen an diese Geschäfte. Erfolgreich können solche Konzepte nur sein, wenn sie die digitale und die analoge Welt zusammenführen und das beste aus beiden vereinen.

Zitat Goethe: „Was ein Buch sey, bekümmert mich immer weniger; was es mir bringt, was es in mir aufregt, das ist die Hauptsache.“

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