Adventskalender 2019 ·Was in zwei Koffer passt von V. Peters

Rezension: Was in zwei Koffer passt von Veronika Peters

Dieser Erfahrungsbericht Was in zwei Koffer passt von Veronika Peters lief mir sozusagen zu – ich fand ihn in einem Bücherschrank. Kurzentschlossen nahm ich ihn mit und wusste gar nicht genau, worauf ich mich da einlasse. Das Buch lässt sich ziemlich gut runterlesen, es ist kurzweilig geschrieben und man kann sich meistens recht gut in die Erzählerin hineinversetzen.

Was mir aber an diesem Buch nicht so gut gefiel, war, dass der Autorin manchmal einige Jahre in die Zukunft springt und man als Leser, weil man oftmals gar nicht genau weiß, wie weit man gesprungen ist, überhaupt keinen Überblick über die Chronologie mehr hat. Ich habe mich oft gefragt, zu welchem Zeitpunkt ihres „Experiments“, wie die Autorin ihren Klosteraufenthalt selbst nennt, sich diese Gedanken und Vorgänge im Kloster zugetragen haben. Für all diejenigen, die sich mit dem Klosterleben nicht so gut auskennen, wie mich zum Beispiel, führt das unweigerlich zu Verwirrungen. Gleichzeitig ist dies natürlich verständlich, bedenkt man, dass sie vermutlich nicht von Anfang an geplant hat ihren Klosteraufenthalt in einem Buch zu beschreiben, sodass sie vieles aus ihren Erinnerungen rekonstruieren musste.

Außerdem hat mir gefehlt, dass die Autorin kaum reflektiert. Sie verweigert sich zum Beispiel ziemlich am Anfang des Buches der Beichte und spricht daraufhin nie wieder davon. Auch dem Zusammengehörigkeitsgefühlt scheint sie sich an vielen Stellen zu verweigern schließlich sind die Nonnen sich nicht sicher, ob sie sich in die Klostergemeinschaft vollständig einfügt und diskutieren auch deshalb über ihre Aufnahme ins Kloster. Dass sich Veronika auch mit ihrer Magistra, also ihrer Mentorin und Lehrerin in der Anfangszeit im Kloster, nicht gut stellt und mit ihr immer wieder aneinandergerät, fand ich ebenfalls komisch. Mir fehlte einfach an vielen Stellen die innere Einkehr, die Reflexion über ihre Verhalten und ihren Umgang mit den anderen und ihren Wunsch sich auf das Experiment komplett einzulassen. Ja, sie kommt nur mit sehr wenigen Habseligkeiten ins Kloster und ja, sie verschenkt irgendwann ihre Koffer, sie bricht viele Brücken nach außen ab, aber man hat immer das Gefühlt, dass so eine Art klösterliches Gefühl bei ihr ausbleibt. Sie erwartet, dass sie im Kloster unbehelligt ihren Traum von einem Leben ohne Geld und Wirtschaft leben kann, realisiert aber nicht, dass auch ein Kloster von irgendetwas leben muss. Und so sträubt sie sich auch gegen ihre neue Aufgabe als Leiterin des Buchladens. Sie soll dafür sorgen, dass dieser mehr abwirft und nicht nur hübsch aussieht, aber das will sie nicht, weil sie mit diesem wirtschaftlichen Kram (sie drückt das anders aus, aber im Grund scheint sie das zu meinen) nichts zu tun haben möchte. Sie will nicht auf’s Geld achten müssen, bedenkt aber nicht, dass Nonnen, die alt sind und nicht mehr arbeiten können auch von irgendetwas leben müssen. Ein Kloster ist eben ein Mikrokosmos, bei dem auch jeder seine Aufgabe hat und das Uhrwerk am Laufen halten muss, wenngleich mehr Pausen zum Beten, zur Einkehr und zum Gesang gemacht werden.

Ich hoffe, hier nicht zu sehr vorzugreifen, aber: Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen. Veronika Peters scheint alles vergessen zu haben, was sie während ihrer Zeit im Kloster gelernt hat und benimmt sich wie ein bockiges Kind. Mir fehlte bis zu einem gewissen Grad auch Ehrlichkeit in dem Buch, denn dass sie nicht über ihre Reflexion spricht kann ja auch bedeuten, dass sie zwar reflektiert hat, aber einfach nichts dazu schreibt und sie schreibt nicht, aus welchen Verhältnissen sie kommt. Ja, man weiß im Kloster – zumindest teilweise – aus welchen Verhältnissen sie kommt, aber sobald sie jemand, der es nicht weiß, darauf anspricht, blockt sie ab und offenbart auch dem Leser nichts, was diesem helfen könnte, ihr Buch besser zu verstehen.

Insgesamt ist Was in zwei Koffer passt – Klosterjahre von Veronika Peters zwar ein netter Erfahrungsbericht, von dem es in dieser Art wohl auch nicht so viele gibt, aber um wirklich gut zu sein, lässt sie den Leser einfach zu ratlos und mit zu vielen offenen Fragen zurück.

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