Im Tal der Hoffnung von S. Ziegler

Rezension: Im Tal der Hoffnung von Silke Ziegler

Im Tal der Hoffnung von Silke Ziegler ist ein Kriminalroman, der in Südfrankreich spielt. Der Krimi ist insofern interessant als dass er immer wieder die Perspektive wechselt. Zum einen erfahren wir von Adèle Nélard und ihrem Gefängnis, wir lesen von Raphaël Dumont und seinen Ermittlungen, die er zusammen mit Coralie durchführt. Aber auch davor erfahren wir schon von Coralie, da der Leser im Prolog von ihrer Gefangenschaft liest und somit direkt in die Thematik eingeführt wird. Darüber hinaus erfahren wir aber auch noch etwas über die Innenperspektive des Mörders; später stellt sich heraus, dass es sich scheinbar um Auszüge aus einem Roman handelt, dennoch stellt dieser die Innensicht des Mörders wohl ziemlich gut dar.

Abgesehen von diesen verschiedenen Perspektiven, behandelt der Roman auch die Umgebung und die Stadt Montpellier, wobei es sich nicht um einen Regionalkrimi handelt wie man sie heute häufig kennt (und ich sie ja auch schon gelesen und hier rezensiert habe). Obwohl einzelne Ecken von Montpellier beschrieben werden, würde man wohl nichts wieder erkennen und auch Sehenswürdigkeiten werden nicht erwähnt; dennoch kann man diesen Roman auch gut als Urlaubslektüre lesen.

Raphaël Dumont und Coralie Beladier haben mir als Figuren sehr gut gefallen und ich würde gerne noch weitere Abenteuer der beiden lesen. Was für mich etwas unrealistisch zu lesen war, war Coralies Meinungsänderung. Seit 8 Jahren versteckt sie sich und will mit niemandem über ihre Traumata sprechen, dann kommt Raphaël und sie beschließt nicht nur, mit ihm zusammenzuarbeiten, sich ihm zu öffnen, sondern auch noch mit ihm zu schlafen und eine Liebesbeziehung mit ihm anzufangen. Wie kann eine hochtraumatisierte Frau solch eine Entscheidung von heute auf morgen treffen? Kann sie ja eigentlich nicht; dafür wäre aber Coralies Innensicht an der ein oder anderen Stelle noch wichtig gewesen und hat mir hier ein bisschen für die Plausibilität gefehlt.

Schade fand ich auch, dass der Krimi so lange braucht bis er Fahrt aufnimmt. Das jüngste Opfer, Adèle, befreit sich sogar selbst. Weder die Polizei noch Raphaël haben etwas ausrichten können. Dennoch wird ständig nur in eine Richtung ermittelt und es kommen auch recht wenig Hinweise zusammen. Wobei das wohlgemerkt auch an der Art der Geschichte liegt: Wenn da über etwa 10 Jahre keine heißen Spuren kamen, wie soll die Polizei dann heute auf einmal etwas finden; wohlgemerkt wenn auch abgesehen von Adèles Entführung keine neuen Verbrechen passiert sind.

Noch ein Hinweis für diejenigen, denen die Leseprobe oder der Klappentext zu brutal erscheint: Der Krimi ist zwar nichts für zarte Nerven, aber richtig brutal ist er eigentlich nicht. Man darf sich nicht zu viel vorstellen und wer eine rege Phantasie hat, sollte diese auf Sparflamme einsetzen, aber richtig expliziert wird eigentlich wenig von den Verbrechen.

Insgesamt hat mir Im Tal der Hoffnung von Silke Ziegler wirklich gut gefallen und ich empfehle diesen Frankreich-Krimi gerne weiter.

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