Mit Burka und Bikini von Q. Loxton

Rezension: Mit Burka und Bikini von Qarnita Loxton

Als ich angefangen habe, den Roman Mit Burka und Bikini von Qarnita Loxton zu lesen, war mir die Hauptfigur Karima ziemlich unsympathisch. Ich weiß auch nicht, woran es lagt, aber ich habe es einfach nicht geschafft mich auf den Rhythmus des Buches einzustellen und mich mit ihr zu identifizieren, aber nachdem ich mal so etwa 100 Seiten gelesen hatte, wurde es leichter.

Karima ist eine überaus interessante Protagonistin. Sie lebt mit ihrem Mann in Kapstadt und in der gleichen Stadt lebt auch ihre Familie, die sie aber dennoch seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat. Als sie Anfang 20 war, sollte sie Rafiq heiraten, mit dem sie schon seit Jahren zusammen war und mit dem sie auch schon heimlich Geschlechtsverkehr hatte. Dabei wurde Karima schwanger, obwohl sie noch gar nicht fertig mit ihrem Studium war. Sie wollte das Kind nicht und merkt gerade zu diesem Zeitpunkt, dass sie eigentlich auch keine Ehe mit Rafiq möchte. Also löst sie sich von ihrer Familie, lässt das Kind abtreiben und löst ihre Verlobung. Als ihr Familie davon erfährt, verstößt sie sie und sie baut sich woanders ein Leben auf. Umso mehr man von Karima erfährt, desto mehr merkt man, dass sie ein sehr starker Charakter ist. Obwohl Karima selbst anerkannt werden möchte und will, dass ihre Familie sie liebt, obwohl sie mit den Familientraditionen und sämtlichen Konventionen gebrochen hat, hat sie ein großes Problem damit, anderen den gleichen Gefallen zu tun.

Hier ist vor allem Shireen zu nennen. Shireen wird in eine ungewohnte und überaus schwierige Lage gebracht: Sie ist selbst hochschwanger und muss nun mehr oder weniger tatenlos zusehen wie ihr eigener Ehemann eine andere Frau schwängert und sie heiratet. Obwohl die Idee von der zweiten Ehefrau, die sich ein muslimischer Mann rechtmäßig nehmen darf, eigentlich gar nicht so verkehrt ist, missbraucht Dhanyal dieses Recht. Eigentlich geht es darum, dass eine verwitwete Frau, eine Frau, die nicht für sich selbst sorgen kann, wieder jemanden hat, der für sie sorgt. Es geht also darum eigentlich einer wie auch immer benachteiligten Frau zu helfen und nicht eine junge, gesunde Frau zu schwängern und das Problem mit einer Heirat zu lösen. Obwohl sie in meinem westlichen Denken zu bemitleiden ist, hat sich Shireen meinen Respekt verdient. Sie tut das, was sie für richtig hält und ist nicht nur eine willenlose Schachfigur, die sie fügt, wenn ihr Ehemann etwas will. Für mich hat die Autorin klar gemacht, dass Shireen zwar nicht zu beneiden ist in ihrer Position, dass sie aber ebenfalls eine sehr starke Figur ist, die das tut, was für ihre Familie und ihre Liebe am besten ist.

Dennoch wurde Dhanyal mir ein bisschen zu negativ dargestellt: Er macht sich dauerhaft über Karima lustig. So macht er ihr Vorwürfe darüber, dass ihr Ehemann nicht da ist um, ihr in ihrem Elternhaus zu helfen und dass sie wohl gerade auch Krach mit ihm hat. Gleichzeitig hat er ihr aber bei ihrem ersten Telefonat aber gesagt, dass sie besser alleine kommen soll, da er es für besser halte, wenn sie niemanden mitbringe. Außerdem gibt er seiner Schwester immer noch Befehle und bittet sie nicht, obwohl sie lange ausgezogen ist und ihre eigenen Entscheidungen trifft. Darüber hinaus wird er seiner Schwester gegenüber höhnisch und meint, dass er zeitnah zwei Säuglinge bekommt, und stellt dann klar, dass er zwei Frauen geschwängert hat. Sein Verhalten wirkt dann so als sei er auch noch stolz darauf. Auch dass er vollkommen ausrastet als Karima die Hälfte des Hauses von Ouma erbt, macht ihn wütend und erst recht ihre Entscheidung, ihren Teil an Shireen zu überschreiben, denn er meint, dass er als Mann das alleinige Recht darauf habe. Daraufhin muss sich erst einmal seine Mutter einschalten und ihn daran erinnern, dass das Haus bisher immer nur Frauen gehört hat und er der erste Mann ist, dem es gehört, weil sie ihm ihre Hälfte überschrieben hat.

Diese Charakterbeschreibungen zeigen ganz gut, die Konflikte, die in dem Roman angelegt sind. Karima kommt nach einem zehn Jahre langen Streit zurück zu ihren Eltern und muss für sich selbst ihre Identität und ihre Lebensziele klären. Auch wenn in der kleinen muslimischen Gemeinschaft, in der ihre Familie lebt, jeder für den anderen da ist, gibt es auch dort Konflikte und nicht einmal die strengen gesellschaftlichen Konventionen können ihren Bruder davon abhalten fremdzugehen. Er macht es sogar – Karimas Ansicht nach – noch schlimmer als ihr Ehemann, weil der a) niemanden geschwängert hat und b) nicht vor hat die andere Frau zu heiraten. Karima muss für sich lernen, dass ihre Vergangenheit ihre Gegenwart beeinflusst und dass das nichts schlechtes ist und dass sich verschiedene Lebensentwürfe manchmal sogar vereinbaren lassen; selbst wenn man nicht damit rechnet.

Ein Absatz noch zu dem Klappentext: Ein paar Hinweise dazu: Karima trägt offen nie eine Burka, sie trägt ein muslimisches Überkleid, das Abaya genannt wird. Natürlich kommt die Alliteration Mit Burka und Bikini im Titel aber besser als Mit Abaya und Bikini. Darüber hinaus wird Karima von ihrer Familie zumindest am Anfang nicht besonders herzlich empfangen: Ihr Bruder behandelt sie schlecht, ihre Mutter spricht freiwillig kein Wort mit ihr, einzig ihre Schwägerin scheint sich zu freuen, dass sie da ist und ihre Nichten werden langsam warm mit ihr. Außerdem ist für mich eine Familie, die aus Bruder, Schwägerin, zwei Kindern und der Mutter besteht noch keine große Familie. Der Klappentext hat bei mir Erwartungen geweckt, die das Buch nicht halten konnte und so erkläre ich mir, die Schwierigkeiten, die ich hatte, in die Geschichte zu finden und mit Karima mitfühlen zu können.

Dennoch möchte ich Mit Burka und Bikini von Qarnita Loxton empfehlen, denn die Autorin zeichnet zwei – für mich – sehr starke Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, ihre eigenen Entscheidungen treffen und Respekt füreinander lernen, obwohl sie verschiedene Dinge vom Leben erwarten und inzwischen verschiedene Wertesystem haben.

 

 

 

Danke an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar!

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