Mord in Sunset Hall von L. Swann

Rezension: Mord in Sunset Hall von Leonie Swann

Wie ich oben schon schrieb, habe ich das Hörbuch zu Mord in Sunset Hall von Leonie Swann gehört. Ich muss leider gestehen, dass mir Glennkill und Garou natürlich etwas sagen, und ich auch die Cover kenne, aber ich habe die Bücher nie gelesen. Fangen wir mit der inhaltlichen Ebene an und ich gehe nachher noch auf die mediale Ebene ein:

Die Geschichte um Agnes und ihre Hausgemeinschaft entwickelt sich am Anfang sehr langsam. Agnes hat den Verdacht, dass sich der Mörder in ihrer Nähe aufhält und ermittelt vor allem im Dorf. Doch eigentlich passiert ermittlungstechnisch in der Wohngemeinschaft nicht so viel. Die einzige, die wirklich ermittelt ist Agnes, die anderen halten sich eher zurück. Der Erzählstil passt zu dieser langsam Entwicklung und zu den bisweilen etwas vergesslichen Bewohnern:

Die Charaktere hatten alle so ihre Eigenarten: Winston, der immer einen Schokoriegel zur Hand hat, Bernadette, die für ihr Leben gerne nascht, Edwina, die ständig Yoga macht oder Hettie versorgt und Charlie, die sich als neue Mitbewohnerin erst einmal in die Gemeinschaft einfügen muss. Der Marschall wird langsam vergesslich und verlegt den Revolver mit dem Lilith erschossen wurde und Agnes ist auch nicht mehr 100%ig klar im Kopf, da sie ihre Medikamente heimlich abgesetzt hat. Aber gerade diese Eigenheiten machten die Charaktere alle sehr liebenswert und es ist der Erzählerin wunderbar gelungen zu zeigen mit welchen Problemen die älteren Detektive zu kämpfen haben. Vor allem wenn es darum ging, dass der Kopf manche Sachen zusammenschmeißt und es nicht geling einzelne Beweise zu trennen und Aussagen festzuhalten, aber auch wenn es darum geht zu ermitteln: Mit dem Mörder kämpfen bei den begrenzten körperlichen Kräften? In den zweiten Tatort einsteigen und sich dort umkommen und Hinweise sammeln? Von der Polizei Ernst genommen werden?

Alles wichtige Aspekte, die auch gesellschaftlich relevant sind, weil man hier mal gemerkt hat, wie häufig ältere Menschen für verrückt, geistig eingeschränkt und verschroben gehalten werden, als Zeugen nicht für glaubhaft gehalten werden und somit aufgrund ihres Alters diskriminiert werden. Die Probleme, die die WG aufgrund ihres Alters hat, sind natürlich vielfach bekannt, aber manche Sachen, waren mir gar nicht so bewusst.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf die Idee der Senioren-WG eingehen: Agnes und Lilith haben die Idee, eine Senioren-WG zu gründen, weil sie nicht alleine im Altersheim sitzen wollen und dort dann nicht mehr die Chance haben, über ihr eigenes Leben zu bestimmen. So gründen sie eine WG, weil sie davon ausgehen, dass selbst wenn sie nicht mehr ganz so fit sind, sie sich dennoch gegenseitig unterstützen können und gemeinsam noch alles auf die Reihe kriegen. Das wird im Dorf nicht gerne gesehen (sie werden als Hippies angesehen), was sie allerdings nicht von ihrem Vorhaben abhält. Der Vorteil an der WG ist, dass sie gegenseitig aufeinander achten und ein kleines schwarzes Buch haben, in dem drin steht, ab wann wer von ihnen nicht mehr weitermachen möchte.

Soweit zum inhaltlichen, kommen wir nun zum medialen: Bei dem Hörbuch, das ich gehört habe, handelt es sich um die gekürzte Fassung, gelesen wurde sie von Anna Thalbach. Als ich anfing das Hörbuch zu hören, war ich wirklich genervt von der Stimme und habe mir kurz überlegt, ob ich das Hörbuch nicht unterbrechen sollte. Aber wenn man mal die ersten Kapitel durchgehalten hat, ist man sehr begeistert von der Sprecherin; ging zumindest mir so. Thalbach schafft es die Stimmung sämtlicher Persönlichkeiten in der WG, im Dorf, ja sogar die, der Polizisten, rüberzubringen. Sie spricht Agnes genauso überzeugend wie Edwina, und bringt die unterschiedlichen Charaktere in ihrer Stimme wirklich gut rüber. Sie schafft es sogar, meiner Ansicht nach, die Charakterisierung durch ihre Stimme vorzunehmen, und zu unterstützen. Zusätzlich zu den erwachsenen und älteren Charakteren, spricht sie auch noch Nathan, den Enkel des Marschall, den sie genauso überzeugend rüberbringt und der mir dann wirklich ans Herz gewachsen war.

Insgesamt konnte mich Der Mord in Sunset Hall von Leonie Swann nicht vom Hocker reißen, aber vor allem durch Anna Thalbachs Stimme hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.

 

 

 

Danke an den Hörverlag für das Rezensionsexemplar.

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