Der Seitensprung von B. Schlink ·Hörbücher

Rezension: Der Seitensprung von Bernhard Schlink

Da ich diese Erzählung als Hörbuch gehört habe, werde ich zu Der Seitensprung von Bernhard Schlink sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen.

Interessant finde ich vor allem, dass die Geschichte ursprünglich aus einem Sammelband mit Geschichten stammt und von Diogenes losgelöst als Einzelgeschichte aufgenommen und veröffentlicht wurde. Ich weiß nicht genau, woran das lag, aber ich finde die Idee dahinter ganz interessant.

Ebenfalls spannend finde ich den Titel der Geschichte: Der Seitensprung. Das lässt natürlich direkt eine Idee im Kopf entstehen, worum es in der Geschichte gehen könnte. Aber der Seitensprung von Paula und dem Juristen ist nur ein sehr untergeordneter Punkt in der Handlung. Natürlich hat der Seitensprung Konsequenzen, aber man erwartet irgendwie, dass dieser und die daraus erwachsenden Konsequenzen mehr im Mittelpunkt stehen würden. Dabei geht es sehr lange um Freundschaft.

Schaut man sich die Themen in der Geschichte an, sind diese sehr vielfältig: Freundschaft, Liebe und Ehe, Treue und Untreue sind natürlich sehr offensichtliche Themen. Aber die ganze Geschichte wird ja in der zweiten Hälfte der 80er Jahre und den darauf folgenden Jahren angesiedelt. Es geht um Freundschaft, die zwischen Ost- und Westdeutschen existiert und wie sich diese darstellt. Aufgrund meines Alters habe ich nie darüber nachgedacht, aber es ist ja ganz klar: Beide Teile Deutschlands hatten sehr unterschiedliche gesellschaftliche Systeme. Da ist es ganz klar, dass die Menschen in den beiden Deutschlands unterschiedliche Lebensentwürfe haben und dass so eine Freundschaft nicht symmetrisch ist. Dass das früher oder später zur Vergiftung der Freundschaft führt oder führen kann, scheint nur eine logische Konsequenz zu sein. Natürlich geht es auch um Politik und alles was damit zusammenhängt. Mir hat es unglaublich gut gefallen, mit welcher Präzision Bernhard Schlink diese Freundschaft entwirft. Die Verwicklungen, die daraus erwachsen, sind nicht klar und bleiben unvorhersehbar, aber wenn man die Geschichte hört, ist klar, dass alles genau so kommen musste.

Interessant ist auch, dass der eigentliche Protagonist keinen Namen bekommt. Der Jurist wird nie von seinen Freunden mit Namen angesprochen. Liegt es daran, dass er einfach ein Westdeutscher ist, der ihnen gelegen kommt und sie könnten auch jeden anderen Westdeutschen für ihre Pläne benutzen? Versucht der fiktive Ich-Erzähler selbst anonym zu bleiben, um keine beruflichen und politischen Repressalien fürchten zu müssen? Oder ist es für ihn einfach nicht notwendig seinen Namen zu nennen? Ehrlich gesagt, bin ich mir da nicht so sicher, aber eine Diskussion darüber könnte sicherlich interessant werden.

Charles Brauer ist ein sehr bekannter Name und obwohl ich wissentlich noch nichts von ihm gehört habe, sagte mir zumindest der Name etwas. Charles Brauer hat sowohl im Theater als auch im Fernsehen einige Rollen übernommen, aber natürlich macht er auch Synchronisationen und spricht Hörbücher ein. Für mich hat die Stimme sehr gut zum unbenannten Juristen in Der Seitensprung gepasst. Ich mochte es gerne ihm zuzuhören und konnte ganz in die Geschichte eintauchen.

Ich mag auch, dass auf dem Backcover der Pappverpackung des Hörbuchs ein Absatz zu Schlink, und Brauer ist. So kann man Autor und Vorleser besser einordnen. Vor allem mochte ich, dass es auch einen Absatz zum Inhalt gibt; wenngleich es diesmal nicht so viele Namen zum Nachschlagen gab. Hilfreich fand ich diesen Absatz dennoch.

Mir hat die Erzählung Der Seitensprung von Bernhard Schlink sehr gut gefallen und ich empfehle die Geschichte und vor allem das Hörbuch sehr gerne weiter; vor allem wenn man sich für Themen wie Freundschaft zwischen Menschen, die aus verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Systemen stammen und speziell für Deutsch-deutsche-Freundschaften interessiert.

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