Vorstadtgeflüster von A. Waxman

Rezension: Vorstadtgeflüster von Abbi Waxman

Vorstadtgeflüster von Abbi Waxman ist ein Einzelroman der Autorin, der allerdings locker mit dem Roman Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen zusammenhängt.

Die Figuren haben mir sehr gut gefallen, denn man hat nicht nur eine Hauptfigur, sondern mehrere Figuren, die dann teilweise sehr ausführlich beschrieben werden und auch eine gewisse Komplexität erhalten. Hier sei beispielsweise Ava genannt, die auf der einen Seite ihre Mutter liebt und auf der anderen Seite häufig mit ihr in Streit gerät. Man erfährt einiges darüber was in ihr so vorgeht und obwohl sie eben ein Teenager ist und sie selbst gar nicht genau weiß warum sie handelt wie sie handelt wird auch das ziemlich gut dargestellt.

Auch Annes Depression, ihr Charakter und der Betrug werden thematisiert und bei ihr fügt sich alles zusammen. Sie ist auf der einen Seite sehr kaltschnäuzig und auf der anderen Seite labil, weinerlich. Aber sie wirkt auch arrogant und liebt ihre Familie. Diese teilweise sehr gegensätzlichen Charaktereigenschaften werden dennoch bei Anne gut dargestellt und sie wirkt sehr authentisch; gerade auch weil sie eben so gegensätzliche Charaktereigenschafen in sich vereint.

Natürlich gibt es noch andere Figuren, auf die ich jetzt aber nicht einzeln eingehen möchte. Die Nachbarschaft besteht aus acht Erwachsenen und sieben Kindern, sodass natürlich nicht der Charakter von jedem einzelnen ausführlich geschildert werden kann, dennoch stehen viele der Figuren im Fokus und haben ihren Anteil an der Geschichte. Aufgrund der Anzahl der Figuren und der Geschehnisse in der Nachbarschaft ist die Auflistung der Figuren und die Abbildung vorne im Buch sehr praktisch.

Die Handlung selbst hat mir ebenfalls gut gefallen. Man weiß am Anfang noch nicht worauf die Geschichte eigentlich zusteuert (kein Verbrecher muss überführt, kein Paar zusammengeführt werden), aber das macht es gerade so spannend. Es wird das mehr oder weniger normale Leben in einem Vorort beschrieben, der so oder so ähnlich auch in Deutschland existieren könnte. Die Familien haben mit Untreue, schlechten Noten, Krankheit und ihren ganz persönlichen Problemen zu kämpfen. Und obwohl hier eben das normale Leben geschildert wird, ist das Buch keineswegs langweilig, sondern hat mir im Gegensatz sogar richtig gut gefallen und war noch dazu unglaublich spannend. Weil es sich um so normale Menschen handelte, konnte man total gut mitfiebern und hat sich natürlich für alle einen guten Ausgang gewünscht, obwohl es auch hier Figuren gab, die weniger sympathisch waren und welche, die sympathischer waren.

Interessant fand ich auch die Eigendynamik, die der Betrug entwickelt hat. Hier sei zum einen der Betrug selbst, das Entdecken des Ehemanns und der darauffolgende Bruch der Eheleute gemeint und das Leid der Kinder, weil ihre Mutter ausgezogen ist. Aber ich meine auch die Auswirkungen, die der Betrug auf die anderen Paare hatte und auf die Gerüchteküche der Welt, in der sie sich bewegen, weil natürlich alle Kinder und vor allem deren Eltern von der Affäre erfahren haben und daraufhin alle möglichen Gerüchte in Umlauf geraten. Die Familien in der Straße haben daraufhin aber natürlich auch das Thema, ob sich die Paare betrügen oder nicht und jeder stellt seinem Partner früher oder später die Frage, ob es einen Betrug gibt oder zumindest wird das Thema von jedem mal thematisiert. Gleichzeitig merkt man, dass sich die Welt dennoch weiterdreht, denn die anderen Paare haben natürlich noch ihre eigenen Probleme: Iris wünscht sich noch ein zweites Kind, Julie ist an Krebs erkrankt und Frances und Michael haben nach etlichen Jahren Ehe praktisch keinen Sex mehr, obwohl sie sich sehr lieben.

Diese ganz normalen Menschen mit ihren ganz normalen Leben, ihren Problemen und ihren Geschichten hat mich unglaublich fasziniert. Obwohl nichts großes, weltbewegendes oder aufregendes geschieht, schafft es Abbi Waxman einen komplexen, spannenden Roman zu schreiben, der an manchen Stellen traurig, an anderen unglaublich witzig ist und dabei einfach nur sehr realitätsnah wirkt. Auch das Cover hat mir sehr gut gefallen, sodass ich den Roman Vorstadtgeflüster von Abbi Waxman sehr gerne weiterempfehle.

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