Juno und die Reise zu den Wundern von J. Hoersch

Rezension: Juno und die Reise zu den Wundern von Judith Hoersch

Juno und die Reise zu den Wundern von Judith Hoersch ist eine Mischung aus Reiseroman und Märchen.

Ein Reiseroman deshalb, weil Juno in der ganzen Welt herumreist und sowohl die Menschen als auch die Kultur und die Natur der bereisten Länder eine große Rolle spielen. Ein Märchen deshalb, weil die Städte, Länder und Gegenden, in die Juno reist, gar nicht existieren und der Laden von Mr. James auch auf mysteriöse Weise auftaucht und wieder verschwindet. Hier finden sich also die märchenhaften Elemente.

Die Parallelen zu Anne auf Green Gables sind relativ offensichtlich: Juno und Anne sind beide rothaarig und haben mit ihren Haaren ein paar Probleme und sind nicht vollends glücklich mit ihnen. Außerdem haben beide Mädchen eine große Portion Phantasie, die sie vor allem in ihrer Kindheit, häufig zum Tagträumen veranlasst und die Erwachsenen um sie rum in den Wahnsinn treibt, weil die Mädchen dann unaufmerksam sind.

Juno war mir aber, obwohl mir Anne so sympathisch war, nicht wirklich sympathisch. Ich weiß auch nicht woran das genau lag, aber vielleicht war sie mir einfach zu tagträumerisch. Sie zieht in die Stadt ohne eine Idee zu haben was sie mit ihrem Leben anstellen will, was natürlich für junge Menschen sehr normal ist, aber sie macht sich nicht einmal Gedanken darüber was sie mal mit ihrem Leben anfangen möchte. Weder versucht sie immer wieder neues und macht verschiedene Praktika noch fängt sie mal mit einem Studium an und versucht dort verschiedene Fachrichtungen aus oder sowas. Sie arbeitet nicht mal und verdient sich so ihren eigenen Lebensunterhalt. Auch hatte ich nicht den Eindruck, dass ihr Vater so viel Geld hat, dass er sie so gut unterstützen kann. Und dennoch versucht sie nicht einmal, sich einen Job zu suchen. Diese Lebenseinstellung fand ich sehr kritisch; zumal ich mich gefragt habe, wovon sie lebt und ihre Reise bezahlt.

Mich hat auch gestört, dass die Länder alle nur als „Land der 1001 Gerüche“ oder „Land des blinzelnden Kamels“ und so weiter bezeichnet wurden. Man hatte das Gefühl, dass diese Länderbezeichnungen auf realexistierende Länder verwiesen, aber eben nicht genau genug, dass ich wirklich das Gefühl hatte, dass man sich durch die Welt bewegt. Durch diese abstrakten Bezeichnungen war für mich die ganze Geschichte zu märchenhaft. Ich hatte mir gewünscht, dass Juno in richtige Länder reist, damit man das Gefühl hat, dass die wirkliche Welt ein schöner, wundervoller Ort ist und man hier überall Wunder entdecken kann. Leider ist dadurch die Botschaft des Buches ein bisschen verloren gegangen, was ich sehr schade finde, weil das Buch dadurch sehr viel verloren hat.

Die Idee des Buches selbst fand ich total schön, mir hat es gut gefallen, dass Juno in die Welt reist und dort nicht nur schöne Erfahrungen macht, sondern auch merkt, dass die Welt Licht und Schatten braucht, da nur diese beiden Teile die Welt komplett machen. Vor allem, dass Juno mutig immer wieder neues ausprobiert und sich nicht einschüchtern lässt, dass sie ihren Horizont erweitert auch wenn es mal schwierig ist und dass sie merkt, wenn man mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Welt geht, dass diese dann zurück lächelt. All das hat mir gut gefallen und die Geschichte für mich ein bisschen gerettet.

Die Paratexte mit der Karte am Buchende und -anfang zusammen mit der Legende haben mir geholfen mich in Junos Welt zu orientieren und mir deshalb gut gefallen, leider stehen auch jede Menge Länder auf der Karte, in die Juno gar nicht reist, was dann eher verwirrend war und was mich auf mehr hat hoffen lassen. Auch gut gefallen hat mir die Zusammenstellung der Lektionen, die nicht nur gebündelt am Ende der Kapitel standen, sondern auch am Ende noch einmal auf drei Seiten gesammelt waren.

Für mich gab es aber auch noch ein Missverhältnis in der Aufteilung. Am Anfang geht es sehr lange um Junos Kindheit, um ihr Leben in der schielenden Stadt und erst nachdem das Buch gefühlt (und auch in echt) fast halb rum ist, macht sie sich los auf ihre Reise. Die Reisethematik kriegt so, meiner Ansicht nach, sehr wenig Raum, obwohl sie doch das Hauptthema ist und die Kindheit von Juno für die Reisen eigentlich keine signifikante Rolle spielt.

Insgesamt sehe ich das Potential dieses Buches und es hat für mich ein paar gute Ansätze gehabt. Leider konnte mich Juno und die Reise zu den Wundern von Judith Hoersch aber nicht komplett überzeugen, wenngleich mir einiges natürlich sehr gut gefallen hat.

 

 

 

Danke an den Diederichs Verlag für das Rezensionsexemplar!

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