Der gute Mensch von Sezuan von B. Brecht

Rezension: Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht

Bertolt Brecht eröffnet mit seinem Stück Der gute Mensch von Sezuan dem Leser/Publikum eine Welt, in der es nicht gerecht zugeht. Derjenige, der etwas besitzt, muss andere schlecht behandelt haben, sonst wäre er niemals an seinen Besitz gelangt. Die Götter merken bald, dass es in Sezuan scheinbar nur einen guten Menschen gibt, und auch als sie weiterreisen, lernen sie zwar den ein oder anderen guten Menschen kennen, aber dieser lebte dann in unwürdigen Bedingungen. Auch Shen Te muss aufpassen, weil sie sonst alles verliert, sodass es nicht nur darum geht, wie nett und menschlich die guten Menshcen sind, sondern auch darum wie sich die Armen Verhalten. Wenn diese immer mehr nehmen und nicht bereit sind einmal zurückzustecken, dann kann ein Mensch noch so gut sein, er wird nicht lange überleben und sogar noch im Gegenteil schneller zugrundgerichtet, da er sich gegen die Habgier und Bosheit der anderen nicht wehren kann. Shen Te erfindet zu diesem Zweck Shui Ta und hat auch die Schwierigkeit sich nicht nur gegen die anderen Menschen des Viertels zu wehren, sondern noch mehr die Schwierigkeit, sich gegen Sun nicht wehren zu können. Sie liebt ihn und will alles für ihn tun, und ist so auch bereit, den Laden der Alten zu opfern. Sie fordert gar nicht, dass er arbeitet und das Geld selbst zusammenbekommt, dass er braucht um die Stelle in Peking zu bekommen, stattdessen will sie ihren Laden für ihn opfern. Dies ist umso unverständlicher, als dass sie in der Verkleidung Shui Tas noch erfährt, dass sie gar nicht mitkommen soll nach Peking. Dennoch will sie ihn heiraten, obwohl sie böse auf ihn ist.

Die Figuren sprechen öfter direkt zum Publikum, das hat mehrere Vorteile: Die Bühne wird zum Publikum hin geöffnet. Die Zuschauer sind also Teil der Inszenierung und sind auch den Figuren als Teil ihrer Welt bewusst. Weiterhin kann man so das Innenleben, die Gefühle und Gedanken, einer Figur nicht nur offenbaren, sondern auch in einem Monolog zeigen. Und diese Passagen wirken auflockernd, da sie zwischen den ganzen Dialogen Abwechslung bedeuten, die den Zuschauer wieder zurück in das Stück zieht. Vor allem der Schluss, der hier als Epilog bezeichnet wird und somit den epischen Aspekt Brechts epischen Theaters offen zeigt, sei hier erwähnt, da er die Ebenen auch inhaltlich durchbricht. Ein Schauspieler legt dar, dass der Inhalt des Stücks vielleicht so wirkt, als hätten sie kein Geld, nichts neues zeigt, aber gerade damit verweisen sie ja wieder zurück auf das Stück, denn auch dort haben die Figuren wenig Geld und zeigen dem Zuschauer in der realen Welt nichts neues, denn auch dieser weiß – mutmaßlich während des Krieges wurde das Stück geschrieben – wie es ist, kein Geld zu haben. All dies finde ich sehr faszinierend und deshalb noch einmal dezidiert untersuchenswert, weshalb ich dieses Theaterstück Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht gerne weiterempfehle.

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