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Unwort des Jahres 2018

Hallo ihr Lieben,

das Unwort des Jahres 2018 wurde heute, Dienstag den 15. Januar 2019, in Darmstadt von der Jury bekannt gegeben. Die Jury besteht aus Prof. Dr. Nina Janich, Stephan Hebel, Dr. Kersten Sven Roth, Prof. Dr. Jürgen Schiewe und Prof. Dr. Martin Wengeler. Die Unwörter können von jedem oder jeder vorgeschlagen werden, dafür muss man eine E-Mail an die entsprechende Adresse senden (diese findet man übrigens auf der Seite zum Unwort des Jahres) und die Quelle des Wortes angeben. Danach diskutieren die Mitglieder Jury die diversen Möglichkeiten und wählt ein Unwort des Jahres aus. Mitte Januar wird das Unwort dann bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben.
Im Jahr 2018 wurden 902 Vorschläge (darunter 508 verschidene Vorschläge) eingesetzt und der (zugegeben sehr zweifelhafte) Gewinner ist: Anti-Abschiebe-Industrie. Tatsächlich hatte ich die Begriffe Lügenpresse, Gutmensch und Volksverräter, also die Begriffe der Vorjahre vor der Wahl der Jury schon einmal gehört und auch das Wort des Jahres 2017 (Alternative Fakten) war so omnipräsent, dass ich auch dieses Wort bereits kannte. Aber das Wort Anti-Abschiebe-Industrie war mir bis heute nicht so geläufig, wobei ich nicht ausschließen würde, dass ich es schon einmal gehört hatte. Was bedeutet dieses Wort nun? Es geht darum, dass Menschen die rechtliche Seite von Abschiebungen prüfen und sich so Anwälte beispielsweise damit auseinandersetzeh, ob eine Abschiebung rechtens ist oder nicht. Nun gibt es natürlich Asylbewerber bei denen die Abschiebung rechtlich gesehen stimmig ist und solche, bei denen diese es nicht ist. Aber natürlich könnte man jetzt Geld damit verdienen, dass man als Anwalt auch diese Menschen verteidigt und so Geld aus der Abschiebung oder eben Anti-Abschiebung zieht. Und genau das ist, was die Jury an diesem Begriff auszusetzen hat. Er impliziert laut Jury, dass es Menschen gibt, die mit der Abschiebung von Flüchtlingen Geld verdient wird und zwar auch mit solchen, die zuvor beispielsweise kriminell geworden sind. Die Jury kritisiert, dass dieser Begriff impliziert, dass den Menschen, die Flüchtlinge verteidigen (nicht alle selbstverständlich!) egal sei, was für Menschen das wären, sondern dass sie einfach nur Geld mit ihnen verdienen wollen.
Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden; wenn nicht, bitte ich um Entschuldigung und Berichtigung. Schade fand ich dieses Jahr besonders, dass es ziemlich schwierig war an Informationen heranzukommen, denn ich habe seit letzter Woche nach dem Datum für die Veröffentlichung gesucht, allerdings online nichts gefunden.
Was denkt ihr über dieses Unwort im speziellen und die Wahl des Unwortes im Allgemeinen? Ist sie eine gute Möglichkeit um Sprachkritik zu betreiben und für bestimmte Sprachbildungstendenzen zu sensibilisieren?

Liebe Grüße
Vanessa

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