Der geteilte Himmel von C. Wolf

Rezension: Der geteilte Himmel von Christa Wolf

Die Inhaltsangabe zur Erzählung Der geteilte Himmel von Christa Wolf findet ihr oben.

Mir persönlich hat gut gefallen, dass Rita etwa in meinem Alter ist. Das sorgt dafür, dass man sich relativ gut mit ihr identifizieren kann, außerdem hat mir die Weiterentwicklung des Charakters gut gefallen. Rita ist am Anfang ein schüchternes, naives beinahe noch jugendliches Mädchen, das im Laufe der Zeit erwachsener wird, sodass sie am Ende sogar pflüge wird. Sie kann mit der Haltung ihres Freundes zum sozialistischen System nichts anfangen, denn für sie ist es ein gutes System, auch wenn sie die Mängel überall bemerkt und sieht, wo das System an ihre Grenzen stößt. Vielleicht liegt es daran, dass Manfred schon ein paar Jahre älter ist als Rita, aber er ist desillusionierter, er scheint so oft von seinen Eltern und vom System enttäuscht worden zu sein, dass er nur noch die Flucht sieht. Rita hingegen schien mir immer Verständnis zu heucheln, denn sie kann seine Bedenken und Gedankengänge – so war zumindest mein Gefühl – in den seltensten Fällen nachvollziehen. Obwohl ich mich am Anfang mit Rita identifizieren konnte, wurde sie mir immer unsympathischer und ich kann nicht mal genau sagen, woran es lag. Vielleicht war es ihre naive Art, vielleicht, dass sie mit der rational-kühlen Art ihres Freundes nichts anzufangen wusste und diese Charaktereigenschaften nicht zu schätzen weiß.

Was bei Christa Wolf meistens ganz schön ist: Man kann die Regimekritik oder die faktische Darstellung der Fehler des DDR-System gut erkennen und dennoch ist sie nicht allzu offensichtlich. Diese Ansätze findet man schon in Medea. Stimmen (obwohl Medea. Stimmen deutlich später als Der geteilte Himmel erschien, hatte ich Medea davor gelesen). Zwei Systeme werden hier einander gegenübergestellt, sodass nicht nur Rita und Manfred aufeinander treffen, sondern eben auch das östliche und das westliche System, welche sich zwar gegenüberstehen, gleichzeitig aber dennoch eine Liebe und Einheit bilden. Solche Metaphern mag ich immer und kann sie auch aus zensurtechnischen und damit praktischen Gründen gut verstehen.

Insgesamt war ich von der Erzählung Der geteilte Himmel von Christa Wolf aber eher mäßig überzeugt. Für mich hat sie sich in weiten Strecken gezogen und ich habe, obwohl das sicherlich möglich gewesen wäre, keinen rechten Zugang zu den beiden Hauptcharakteren gefunden, sodass sie mir beide irgendwie nicht ganz sympathisch wurden, obwohl sie sicherlich ihre guten Eigenschaften haben. Deshalb finde ich das Werk zwar wichtig – auch gerade in Anbetracht der Tatsache, dass a) immer noch weniger Frauen schreiben, b) Christa Wolf aus der DDR kam und c) die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte Deutschlands ein wichtiger Teil der Identitätsbildung bei jungen Menschen ist – kann es aber nicht vollumfänglich weiterempfehlen.

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