Liebe, fertig, los! von R. Gibson

Rezension: Liebe, fertig, los! von Rachel Gibson

Wie immer bei Rachel Gibson hat auch hier der deutsche Titel des Romans sehr wenig mit dem Inhalt zu tun. Liebe, fertig, los! Könnte man als Titel für einen Roman verwenden, in dem es um ein Rennen geht und die Protagonisten deshalb irgendwie zusammengeführt werden. Aber nein, so etwas gibt es hier nicht.

Besonders toll finde ich an diesem ersten Band der Seattle Chinooks-Reihe die Länge. Eigentlich stehe ich ja auch Bücher, die nicht ganz so lang sind, aber hier hatte die Länge wirklich einen positiven Effekt, weil man das Gefühl hatte, dass die Protagonisten sich wirklich kennen lernen konnten; wobei es mir am Ende dann doch etwas zu plötzlich kam alles.

Die Handlung des Romans ist in drei Zeitebenen unterteilt: Georgeanne als kleines Mädchen, das ein Gespräch von ihrer Mutter und ihrem Arzt belauscht, bei dem sie erfährt, dass der Arzt sie, Georgeanne, für zurückgeblieben hält und ihrer Großmutter deshalb empfiehlt, sie auf Benimmschulen zu schicken, damit sie, weil sie ja auch hübsch ist, zumindest einen Ehemann findet, der sie versorgt. Der nächste Abschnitt behandelt die 24 Stunden rund um die beinahe-Hochzeit mit Virgil. Hier lernen wir Georgeanne als das schutzbedürftige Mädchen kennen, das sie etwa 15 Jahre später geworden ist. Eigentlich immer noch nicht erwachsen, aber sehr hübsch und anziehend für Männer. Mit 28 Jahren hat sie sich noch einmal ein gutes Stück weiterentwickelt. Eigentlich ist Georgeanne nämlich nicht zurückgeblieben, sie hat nur Legasthenie und nachdem sie gelernt hat, damit umzugehen kann sie lesen und schreiben (in der Schule wurde sie als dumm abgestempelt und hat dort deshalb in den 80er Jahren keine Förderung erhalten). Sie ist erwachsen geworden, ist erfolgreich, kümmert sich um ihre Tochter und ist auch sonst eine sehr bodenständige, selbstbewusste Frau geworden, die für sich selbst sorgen kann. Diese Entwicklung hat mir unglaublich gut gefallen und auch wie sich ihre Beziehung zu sich selbst, zu John und ihrem gesamten Leben entwickelt hat, mochte ich.

Ich fand es sehr ansprechend wie John und Georgeanne ihre Probleme aufgebürdet bekamen (Georgeanne wurde neben den oben beschriebenen Problemen, von ihrer Mutter verlassen, weil diese sie nicht wollte und John hat erst seinen Sohn und später seine Frau verloren; ihn durch eine Krankheit und sie durch Selbstmord und wurde so (an den Rand des) in den Alkoholismus getrieben). Die Figuren entwickeln sich gekonnt weiter, wobei Georgeanne die beeindruckendere Entwicklung durchmacht.

Was ich kürzlich gesehen habe: Der Roman Kein Tag zum Verlieben ist nicht nur der 7. Band der Seattle Chinooks-Reihe, sondern ist dort auch die Protagonistin eine gewisse Lexie Kowalsky. Somit ist dieser Roman eng mit dem ersten Band der Reihe verknüpft, weil hier die Tochter heiraten soll (und offenbar ebenfalls von ihrer eigenen Hochzeit flüchtet).

Die Geschichte insgesamt hätte an der einen oder anderen Stelle etwas gerafft oder gekürzt werden können, aber insgesamt fand ich die Länge aufgrund der darin involvierten Figurenentwicklung und der verschiedenen Zeitstufen sehr toll, vor allem auch weil es diese ermöglichen sich besser in eine Figur hineinzudenken, weil man sie „von klein auf kennt“. Ich bin auch in diesem Kontext also gespannt auf den Roman Kein Tag zum Verlieben und möchte den Vorgänger Liebe, fertig, los! Der Autorin gerne weiterempfehlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.