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Rezension: Endlich frei von Mahtob Mahmoody

Ich muss zuvor sagen, ich hatte sowohl Nicht ohne meine Tochter als auch Aus Liebe zu meiner Tochter von Bett Mahmoody gelesen. Die beiden Bücher haben mich tief bewegt und beeindruckt und als ich dann sah, das Mahtob nun ihre Geschichte herausgebracht hat, wollte ich sie auch unbedingt lesen. Nun ja, wie das immer so ist hat es dann noch eine ganze Zeit gedauert, bis ich dann letztendlich wirklich dazu kam, ihn zu lesen. Das Buch beschreibt in verschiedenen Abschnitten, wie ich es in der Inhaltsangabe beschrieben habe, das Leben von Mahtob. Ich las dann während ich das Buch schon las, einige Rezensionen auf den entsprechenden Seiten und muss sagen, dass ich einen Aspekt genauso bestätigen kann. Das Buch hat seine Längen und vor allem die Zeit in den diversen christlichen Schulen, die sicherlich nur dazu dienen ihre eigene Geschichte zu reflektieren, wirken naiv, und so als sei die Autorin in ihren Ansichten festgefahren und könnte andere Ansichten kaum als das anerkennen was sie sind: Andere Meinungen. Ich hätte wirklich nicht so viele Infos über ihre Zeit in den Schulen und Auseinandersetzung mit ihrem Glauben gebraucht. Aber abgesehen davon habe ich bei vielen Rezensionen den Kopf geschüttelt. Dort wurde bemängelt, dass Mahtobs wankelmütiges Auftreten (mal habe sie ihrem Vater verziehen dann mal wieder nicht) total unglaubwürdig rüberkommen. Und ich finde, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wenn sie total kohärent gesagt hätte, ja ich habe ihm verziehen, dann hätte ihr das niemand glauben können, aber dass sie auch keine 20 oder 25 Jahre in Verbitterung gelebt haben kann und sie ihm niemals verziehen hat, dass hätte auch niemand geglaubt. Natürlich kann man das nachvollziehen, wenn man sich die Autorin als lebendiges Wesen vorstellt und nicht als irgendeine Romanfigur. Mahtob hat eben viele Facetten und eine davon möchte ihrem Vater vergeben, möchte ihn vielleicht sogar wieder lieb haben, aber eine andere kann (und will) das vielleicht nicht. Also hat sie ihm vergeben, aber nur so lange er sie in Ruhe lässt, so lange eben wie sie das Gefühl hat, ihr Leben wieder im Griff zu haben und nicht durch Entscheidungen bestimmt zu werden, die irgendwelche Erwachsenen vor etlichen Jahren getroffen haben und von einer (doch im Verhältnis recht kurzen Zeitspanne). Sie kann ihm aber nicht verzeihen, wenn er sich gerade mal wieder in ihr Leben einmischt. Wenn er mal wieder kommt und sie in Angst versetzt. Und das ist eben auch so ein Thema. Sie hat immer noch Angst vor ihrem Vater, obwohl sie es eigentlich überhaupt nicht möchte. Sie möchte wenn nicht von ihm geliebt, so doch zumindest von ihm in Ruhe gelassen werden und wenn er sich dann mal wieder in ihr Leben mischt, bekommt sie Angst. Mit Sicherheit ohne es zu wollen und dann ist sie wütend: auf die Angst selbst, weil sie ihr Leben bestimmt, auf ihren Vater, weil er ihr Angst macht und auf sich selbst, weil sie sich Angst machen lässt. Und dann ist sie so ängstlich, dass sie wütend wird, wie ein Hundchen, dass zubeißt, weil man es in die Ecke drängt. Und wenn sie wütend ist, kann sie ihrem Vater nicht verzeihen. So ist die Situation zumindest wie sie sich mir darstellt.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das Ende zu abrupt kam. Man hat auf den letzten Seiten überhaupt keine richtige Entwicklung mehr gesehen, aber auch einmal scheint sie ja für sich das Gefühl zu haben, dass sie wieder frei ist. Mich hätte interessiert, was sie in der Zeit, in der sie wieder mit dem Freund ihres Vaters in Kontakt getreten ist, gefühlt, gedacht und erlebt hat. Das hätte für mich mit in das Buch hineingehört und vielleicht dazu geführt, dass man den Titel besser versteht. Denn dieser Freiheitsprozess (der Prozess also, sich freizukämpfen) den kann man gut an Mahtob erkennen, aber für mich fehlte die Erklärung für den Zustand, den sie am Ende erreicht hat: Freiheit. Auch die Verschiebung der verschiedenen Perspektiven war für mich am Anfang schwierig. Mahtob erzählt von einem Traum aus ihrer Kindheit, aber nach der Zeit im Iran, dann von einer Frau, die sie wohl vor Jahren oder so im Flugzeug kennengelernt hat und dann setzt sie mit der Zeit vor dem Iran ein, aber wenn ich das richtig im Kopf habe, springt sie auch unabhängig davon immer wieder in der Zeit um gewissen Dinge zu erläutern oder kleinere Anekdoten zu erzählen. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Klarheit gewünscht.

Gut finde ich auch, auch wenn es beim Lesen etwas störend ist, dass die Flucht nur sehr bruchstückhaft beschrieben ist, das macht sie vorher noch sehr deutlich und sie beschreibt in dem Zuge auch, weshalb. Sie kann sich nicht mehr an alles erinnern und will nur eigene Erinnerungen wiedergeben. Die Lösung das Ganze also in einzelnen Episoden darzustellen, hat mir, um die Konsistenz zu wahren, sehr gut gefallen.

Insgesamt ist Endlich frei von Mahtob Mahmoody ein toller Erfahrungsbericht, der den Eindruck vermittelt, dass die Dinge genau so geschehen sind oder zumindest genau so beschrieben sind wie sich die Autorin erinnert. Das macht das Buch sehr sympathisch und hat mir gut gefallen. Und hier noch ein kleines Augenzwinkern an den Verlag: Wenn ihr Bloggern schon anbietet, dass sie Rezensionsexemplare bekommen können und ihr schreibt, dass ihr euch in den nächsten Tagen bei demjenigen meldet, dann macht es auch. Ich warte immer noch (seit beinahe zwei Jahren) auf eine Antwort des Verlages, ob ich das Buch als Rezensionsexemplar bekomme. Niemand sagt etwas, wenn man es nicht bekommt, aber Bescheid möchte man dann doch wissen.

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