Das weite Land von A. Schnitzler

Rezension: Das weite Land von Arthur Schnitzler

Das weite Land von Arthur Schnitzler ist eine Tragikomödie. Die fünfte Akte sind durchaus sinnvoll gewählt, weil sich die Situation zwischen den Eheleuten Hofreiter immer weiter hochschaukelt. Der dritte Akt stellt dabei den Hochpunkt dar, weil sich Friedrich wieder eine andere Frau sucht, die sogar so jung ist, dass sie eigentlich seine Tochter sein könnte (wobei ich nicht sicher bin wie alt Friedrich genau ist, aber ich schätze ca. Mitte 40). Die nächsten beiden Akte deuten schon darauf hin, dass das Ende nicht uneingeschränkt gut sein kann und dass es irgendwie zu einer Katastrophe kommen wird.

Die Charaktere haben mir teilweise recht gut, manchmal auch weniger gut gefallen, aber gut ausgestaltet waren sie mehr oder weniger alle. Genia ist die einsame Frau, die den ganzen Tag Zuhause sitzt. Ihr Mann arbeitet und wenn er nicht arbeitet, dann ist er auf Spaß aus, denn er sagt selbst, dass überhaupt das Wichtigste sei, dass einem das Leben, die Konversationen, einfach alles Spaß mache. Genia hingegen scheint abgesehen von den Gesellschaften, von den vergnüglichen Nachmittagen und Ausflügen mit ihren Bekannten keinen rechten Lebenssinn zu haben, zumal ihr Sohn Percy in England ist. Sie scheint sehr vereinsamt zu sein, was durch die dauerhafte Affäre ihres Mannes mit Adele Natter nur noch verstärkt wird. So wird sie von ihrem Mann immer weiter in ihre Untreue getrieben. Ja, ich weiß, dass man einem Individuum nicht seine freie Willensbildung absprechen kann, aber Friedrich scheint im ganzen Stück nichts zu tun was man auch nur annähernd als liebevoll bezeichnen kann.

Genia wehrt sich gegen die Avancen von Korsakow, obwohl sie ihm sehr zugetan ist. Daraufhin erhält sie Vorwürfe ihres Mannes. Für mich wirkte das so, als ob er sie für seine Affären bestrafen wollte. Er betrügt sie nicht nur, sondern wirft ihr auch vor, dass sie es ihm nicht gleichtut, weil er dann ja gar kein schlechtes Gewissen mehr haben müsste. Aber er kommt nicht auf die Idee, dass er einfach aufhören könnte seine Frau zu betrügen, um kein schlechtes Gewissen mehr haben zu müssen. Als sie ihn dann doch betrügt, weil sie merkt, dass ihr Ehemann sich immer weiter von ihr entfernt, macht er ihr auch wieder Vorwürfe, weil sie ihm untreu geworden ist. Er stellt sie auf eine Stufe mit sich selbst und bestraft sie nun auch noch, indem er ein Duell mit dem Betrüge fordert. Ich mochte Friedrich überhaupt nicht, und er wurde mir von Akt zu Akt immer unsympathischer.

Darüber hinaus ist es eine interessante Geschichte, denn es geht um Liebe, Betrug, Verrat und wie man zu seinen Mitmenschen steht und sich ihnen gegenüber verhält. Außerdem zeigt das Theaterstück was geschieht, wenn man nur hinter seinem eigenen Spaß her ist und welche Konsequenzen das für die eigenen Mitmenschen hat.

Insgesamt ist Das weite Land von Arthur Schnitzler sehr aktuell, obwohl es schon über 100 Jahre alt. Die Themen können auch das heutige Publikum noch ansprechen und haben von ihrer Aussagekraft nichts eingebüßt, natürlich gehört Schnitzler darüber hinaus zum deutschen Kanon und auch deshalb ist dieses Buch es wert, dass man es liest. Ich mochte auch die ganzen Verwicklungen, einziger Nachteil für mich war (abgesehen von Friedrich, der als Figur natürlich so angelegt sein muss, damit die Tragikomödie Sinn ergibt), dass es sehr viele Figuren gab. Mir hat aber auch die Raumgestaltung und die sehr ausführlichen Kulissenanweisungen unglaublich gut gefallen (hier musste ich an Tennessee Williams denken, wobei dieser ca. 50 Jahre nach Schnitzler geboren wurde). Aber die sehr ausführlichen Nebentexte könnten auch schlichtweg damals so üblich gewesen sein.

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