Adventskalender 2019 ·Der Notar in der Fall von J. Gotthelf

Rezension: Der Notar in der Falle von Jeremias Gotthelf

In der Erzählung Der Notar in der Falle von Jeremias Gotthelf sucht Luise nach einem Ehemann und ihre Wahl fällt auf Notar Stößli. Der Autor verwendet weite Teile der Geschichte dazu von Luises Hintergrund zu erzählen. Er beschreibt, welchen Charakter Luise hat, beschreibt ihr Aussehen, ihre Beziehung zu den Menschen in ihrem Dorf und zu ihren Freundinnen. Außerdem wird beschrieben wie sich Luises Gedanken entwickeln. Wie sie sich Gedanken darüber macht, dass alle ihre Freundinnen nach und nach heiraten, dass sie dann keine Zeit mehr für sie haben und dass Luise immer mehr vereinsamt. Luise ist eigentlich kein schlechter Mensch, sie ist ziemlicher Durchschnitt und mit ihrer Tat, damit, dass sie ihren zukünftigen Ehemann belügt, macht sie sich im Grund erst interessant. Dies ist das erste, was Luise macht, was man nicht sofort wieder vergessen würde. Und doch ist es etwas, das ihr Notar eigentlich nicht erträgt. Als er erfährt, dass eine Frau und sogar seine Frau ihn so belogen hat, dass sie ihn so manipulieren konnte, wird er wütend. Er fühlt sich gehörnt und möchte eigentlich am Liebsten sofort die Scheidung. Erst die kluge Reaktion der Tante Spendvögtin sorgt für Beruhigung in der Beziehung, wobei diese nicht plötzlich super wird, sondern sich nach und nach verbessert. Der Autor geht hier sehr behutsam vor, baut die Geschichte langsam auf und zeigt so auf, wieso sich Luises Verhalten so entladen konnte und es zu dieser Eskalation kommen konnte.

Der Erzähler verwendet einen zarten Humor, und macht immer wieder augenzwinkernde Vorausdeutungen und Rückverweise, sodass man nicht nur das Gefühl hat, der Erzähler weiß schon wie die Geschichte endet und betrachtet dieses Ende mit einer gehörigen Portion Humor, sondern er findet auch Luises Schicksal recht traurig, weshalb er ihre Tat irgendwie gutheißt. Ich will gar nicht bestreiten, dass sie nicht richtig gehandelt hat, aber ich finde es unglaublich schön beschrieben, wie positiv Luise dargestellt wird, und dass sie dennoch keinen Mann zu finden scheint.

Jeremias Gotthelf hat ein ziemliches Händchen dafür, seine Charaktere bis zum Ende liebevoll zu gestalten, sie passen in die Geschichte, geben ihr, die notwendigen Wendungen und sein Erzähler sorgt mit einem Spritzer Humor dafür, dass diese Erzählung Der Notar in der Falle (auch Titel ist ja schon humorvoll) mir wirklich Spaß gemacht hat.

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