Die Bürde der Sieben von A. Carter

Rezension: Blackcoat Rebellion – Die Bürde der Sieben von Aimée Carter

Der zweite Band der Blackcoat Rebellion-Trilogie von Aimée Carter behält sehr viel Unvorhergesehenes für den Leser bereit.

Beginnen wir mit den Sachen, die mir an Die Bürde der Sieben nicht so gut gefallen haben: Am Anfang geht es sehr langsam voran. Es wird vieles aus dem ersten Band noch einmal wiederholt und die gesamte Welt wird noch einmal erklärt so als würde man erwarten, dass manche Leser erst mit dem zweiten Band einsteigen. Ich hätte es besser gefunden, wenn man die wichtigsten Ereignisse einfach am Anfang kurz beschreibt, dann hätte man sie optional lesen können.

Hinzu kommt, dass ich sehr verwirrt war über die Stimmung zwischen Kitty und Knox. Ja, die beiden sind auch im ersten Band häufiger aneinander geraten, aber sie haben eigentlich immer zusammengearbeitet. Aber der Band beginnt damit, dass sie sich ständig uneins sind und sich streiten. Das führt dann natürlich auch dazu, dass Kitty ihm nicht vertraut und Benjy stirbt, aber mir wurde einfach nicht klar, was die Beziehung der beiden so dermaßen verändert hat.

Allgemein ist Kitty in diesem Band etwas anstrengender gewesen. Sie vertraut niemandem, will ständig alles selbst machen und arbeitet mit niemandem zusammen. Im Gegenzug scheint ihr aber auch niemand zu vertrauen: Scotia erzählt ihr erst nach und nach, was die Blackcoats in Anderswo planen, was mit Knox ist, hatte ich oben schon beschrieben. Auch von ihm bekommt sie kein Vertrauen. Dadurch hat sie das Gefühl alles selbst machen zu müssen und erschwert die Operationen, die geplant sind. Das sorgt natürlich auf der einen Seite für Spannung, aber auf der anderen Seite ist es auch ein bisschen störend, weil ständig etwas schief geht.

Und damit komme ich zum letzten Punkt, der mich gestört hat: Kitty kann nie auch nur mal zehn Seiten durchatmen. Der Band selbst spielt innerhalb von wenigen Tagen und ich habe mich wirklich gefragt, warum Kitty nicht einfach zusammenklappt. Sie wird so häufig verprügelt und geschlagen, dass ich es nicht mehr zählen kann, sie isst praktisch nichts, schläft praktisch nicht und sie ist emotional durch Benjys Tod vollkommen am Ende. Und das bedeutet natürlich auch für den Leser: Es passiert ständig irgendwas, man kann nicht mal durchatmen. Sobald alles gut zu werden verspricht, kann man davon ausgehen, dass spätestens 5 Seiten später die Situation komplett verändert ist und in den 5 Seiten bereits drei Wendungen passiert sind, mit denen man nicht gerechnet hat.

Ihr könnt es euch also denken: Es ist ein unglaublich spannender Roman. Man fiebert mit Kitty mit, die sich vor allem in Anderswo als unglaublich widerstandsfähig und hart herausstellt und sie versucht auch für die Menschen dort zu kämpfen. Bei einem Mädchen in ihrer Hütte wird ein Schokoriegel gefunden und sie versucht zu verhindern, dass das Mädchen bestraft wird, weil sie meint, dass man wegen eines Schokoriegels nicht bestraft werden sollte. Man wünscht ihr so sehr einen guten Ausgang der Geschichte, weil sie so einen netten lieben Charakter hat. Natürlich hat sie auch negative Eigenschaften, wie oben beschrieben, aber unterm Strich ist sie wirklich ein netter Mensch. Sie macht im zweiten Band sogar eine Entwicklung durch: Am Anfang ist ihr nichts wichtiger als mit Benjy zusammen die Rebellion zu überleben, aber irgendwann versteht sie, dass es auf den Einzelnen nicht ankommt, und dass jeder ersetzbar ist. Wichtig ist nicht, dass jemand einzelnes überlebt, sondern dass die Rebellion in ihrer Gesamtheit erfolgreich ist.

Interessant fand ich auch die Darstellung von Gut und Böse: Es gibt einige Figuren, bei denen kann man sich auch als Leser nicht sicher sein, ob die Figur gut oder stellt ist und man merkt dabei immer wieder, dass es auf die Perspektive ankommt, ob eine Figur nun gut oder schlecht ist. Manche Figuren, die gut wirken, entpuppen sich als schlecht und bei einigen ist es anders herum, aber die meisten haben ein unglaublich breites Spannungsfeld an Emotionen und Gefühlen und auch an Handlungsweisen. Man kann gar nicht sagen, dass eine Figur einfach nur gut oder schlecht ist und das wirkt wunderbar realistisch. Bei allzu klaren Stereotypen guten oder schlechten Figuren würde es nicht authentisch wirken.

Die spannende Erzählweise, dass ständig etwas passiert und die ausgefeilten Charaktere haben bei mir für ein schönes Lesevergnügen gesorgt und ich freue mich schon auf den abschließenden Band der Blackcoat Rebellion-Trilogie von Aimée Carter, deshalb empfehle ich auch Die Bürde der Sieben gerne weiter.

 

 

 

 

 

Vielen Dank an den Dragonfly Verlag für das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.