Herzblitze von K. Valentin

Rezension: Herzblitze von Kristina Valentin

Herzblitze von Kristina Valentin geschrieben, die auch unter dem Pseudonymen Kristina Günak und Kristina Steffan schreibt, hat unter dem Nachnamen Valentin bisher nur drei Bücher veröffentlicht. In Herzblitze geht es um die frisch getrennte Feli, die von einem Blitz getroffen das letzte Jahr vergisst.

Die Idee ist wirklich interessant: Ein partieller Gedächtnisverlust, der sich einzig und allein auf das letzte, ziemlich bescheidene Jahr beschränkt. In dem Jahr ist viel passiert und man merkt erst einmal wie viel in einem Jahr eigentlich passieren kann, wenn das ganze Jahr weg ist. Hier gehören nicht nur die oben beschriebenen persönlichen Veränderungen, sondern auch Freundschaften und Familienbeziehungen dazu. Manche Sachen ändern sich, von denen man das eigentlich gar nicht will, und bei wieder anderen kann man sich nicht erklären warum man da nicht schon längst etwas dran geändert hat.

Interessant finde ich wirklich, dass diese Art von Büchern eigentlich eher jüngere Leute ansprechen und damit auch eher jüngere Protagonisten haben. Mit 46 Jahren ist Feli natürlich noch nicht alt, aber älter als viele andere Protagonistinnen in ähnlichen Büchern. Durch ihren partiellen Gedächtnisverlust steht sie jetzt vor den Fragen: Was will sie mit ihrem Leben eigentlich anfangen? Ist ihr bisheriges Leben so verlaufen wie sie sich das gewünscht hat? Was muss sie dringend ändern, um wirklich glücklich zu sein und wer sind die wichtigen Menschen in ihrem Leben? Für Feli ist es endlich mal Zeit an sich selbst zu denken und zu spüren, dass es ganz in Ordnung ist, wenn man mit Waffeln, eingekuschelt in eine Decke auf dem Sofa sitzt und Serien suchtet.

Und neben dieser reflektierten, selbstfindenden Seite, hat das Buch noch eine (eigentlich zwei) weitere: Eine Liebesgeschichte. Felis Ex-Mann hat sie nicht nur betrogen, er lacht sie aus, behandelt sie schlecht, interessiert sich nicht für ihre Gefühle, erpresst sie emotional (wenn ich das Büro in deinem Haus nicht benutzen darf, müssen wir das Haus verkaufen) und versucht immer noch über ihre Lebensentscheidungen zu bestimmen. Aber Feli lernt auch, dass es noch andere Männer gibt: Sebastian, ihr neuer Arbeitskollege, ist nicht nur nett und hilfsbereit, sondern auch für Feli da und sie scheint ihm wichtig zu sein. Er glaubt an sie und ihre Fähigkeiten und so entspinnt sich nach und nach eine zarte Liebe.

Aber Herzblitze hat noch eine Seite, die sehr behutsam das ganze Buch begleitet. Durch einen Unfall oder eine Krankheit kann das Leben jederzeit vorbei sein, also sollte man es nicht nur mit Bedeutung füllen und glücklich leben. Auch der Abschied von geliebten Menschen wird in diesem Buch thematisiert, weil Feli in einem Bestattungsinstitut arbeitet. Trauer und Tod werden hier nicht mit der pauschalen Gefühlskeule beschrieben, sondern sachte und zart. Trauer ist nicht einfach nur Verlust, sondern auch Gedanken, Liebe, Vermissen und Trost. Das zeigt Feli bei jedem einzelnen der Trauerfälle immer wieder und diese Seite des Romans hat Herzblitze für mich zu etwas sehr bedeutetem gemacht.

Ich fand den Roman nicht nur schön und traurig, sondern auch in seiner Traurigkeit schön und so empfehle ich Herzblitze von Kristina Valentin gerne weiter.

 

 

 

Vielen Dank an den Diana Verlag für das Rezensionsexemplar!

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