Der Trotzkopf von E. von Rhoden

Rezension: Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden

Vom Trotzkopf von Emmy von Rhoden habe ich das Hörbuch von cbj audio gehört, sodass ich auch hier wieder auf den Inhalt und auch das Medium eingehen werde.

Zum Inhalt: Der Trotzkopf ist weit über 100 Jahre als, das darf man bei der Beurteilung natürlich nicht vergessen, denn das Frauenbild ist entsprechend archaisch. Der Wildfang Ilse muss endlich gezähmt werden und nachdem sie gezähmt ist, interessiert sich sogar direkt ein junger Mann für sie und will sie heiraten. Die einzige Frau, die ein Kind hat und arbeitet, stellt sich als Rabenmutter heraus. Ich meine hier Lilis Mutter, die nicht einmal zur Beerdigung ihrer eigenen Tochter gekommen zu sein scheint und sich zumindest nicht genug für die schlimme Krankheit ihrer Tochter interessiert, dass sie alles stehen und liegen lässt und sofort zum Pensionat reist.

Die Geschichte selbst hat mich an einigen Stellen an Hanni und Nanni von Enid Blyton erinnert, sodass ich immer erwartet habe, dass die Direktorin Fräulein Theobald und nicht Fräulein Raimar genannt wird und dass die Zwillinge gleich um die Ecke kommen. Mir persönlich hat der Ort der Pension gut gefallen und auch die anderen Schülerinnen waren sehr schön charakterisiert, wenngleich für mich der Unterricht ein bisschen kurz kam. Ich habe in meiner Inhaltsangabe versucht, auf alle Besonderheiten, die das Jahr für Ilse und ihre Freundinnen hatte, einzugehen. Der Unterricht kam – vielleicht weil das Hörbuch gekürzt ist – praktisch nicht vor. Natürlich wurde darauf eingegangen, dass Ilse in manchen Fächern besser mitkommt und bei anderen Fächern mehr aufzuholen ist, aber das war mir noch zu wenig, wenn man bedenkt, dass es ja eigentlich eine Schule ist.

Die Besonderheiten wie der Ball, der Tanzunterricht, das Klettern im Apfelbaum und solche Sachen machen das Pensionsleben sicherlich auch aus, weshalb ich es auch sehr gut fand, dass auch solche Sachen ausführlich geschildert werden. Ilses Charakterentwicklung, die man daran ganz gut ablesen kann, hat mir auch gut gefallen. Am Anfang klettert sie im Apfelbaum herum und etwa ein halbes Jahr später pflegt sie ein sterbenskrankes Kind.

Kommen wir nun zum Hörbuch selbst: Mir hat das Cover unglaublich gut gefallen und man kann sich auch gut vorstellen, dass Ilse so ausgesehen haben mag (in der Vorstellung der Autorin). Den CDs beigefügt ist ein keines Booklet, in dem nicht nur der Inhalt und ein Zitat der Erzählerin, sondern auch eine Einordnung der Backfischliteratur zu finden sind. Die kurze Inhaltsangabe habe ich mir schon für etliche Hörbücher gewünscht und bin deshalb froh, dass es hier eine gab.

Vor allem möchte ich aber die Einordnung hervorheben, die bei einem solch alten Werk für Kinder und Jugendliche notwendig ist. Ilses Geschichte ist sicherlich an einigen Stellen noch aktuell, denn das junge Mädchen sich verlieben wollen und Streiche spielen, hat sicherlich nichts an Aktualität verloren, aber dass ein Mädchen die Wahl hat, zu heiraten oder Gouvernante oder Lehrerin zu werden, ist dann doch etwas, das bei keinem Mädchen uneingeordnet stehen bleiben sollte.

Das Zitat von Heike Makatsch, die den Trotzkopf eingesprochen hat, finde ich besonders gut, denn er verweist auch noch einmal auf die lange Entwicklung der Emanzipation und dass die Lebenswelt für unsere Großeltern- oder Urgroßelterngeneration noch ganz anders aussah.

Heike Makatsch hat das Hörbuch zu Der Trotzkopf eingesprochen und ich finde, sie hat das unglaublich gut gemacht. Ich habe wirklich gerne das Hörbuch gehört und muss sagen, dass Der Trotzkopf auch aufgrund der Erzählerin zu meinen Lieblingshörbüchern gehört. Deshalb möchte ich das Hörbuch von cbj audio gerne weiterempfehlen und ich hoffe derzeit, dass die Reihe, die vom Verlag gestartet wurde noch fortgesetzt wird und möglicherweise auch noch die anderen Bände der Reihe (die sich mit Ilse Macket beschäftigen, wenngleich sie nicht von der Autorin selbst geschrieben wurden) als Hörbuch herausgegeben werden.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

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