Heidis Lehr- und Wanderjahre von J. Spyri ·Hörbücher

Rezension: Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri

Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri habe ich als Hörbuch gehört, sodass ich sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen werde.

Die Charaktere in Heidi sind meistens recht nett. Sowohl Peters als auch Klaras Großmutter sind beide unglaublich freundliche und nette ältere Dame und entsprechend ziemlich genau dem, was man sich unter einer Großmutter vorstellt. Der Großvater ist zu Heidi sehr nett, wird von den Dorfbewohnern zwar sehr kritisch gesehen und ist sich mit diesen auch nicht ganz grün, liebt aber seine Enkelin offenbar sehr. Seltsam fand ich nur, dass er gar nicht darauf reagiert hat als Dete ihm Heidi gebracht hat, denn schließlich hätte er ja durchaus Argumente wie Ist das überhaupt meine Enkelin? Oder Ich weiß gar nichts über Kindererziehung und ähnliches hervorbringen können. Klara scheint gar nicht zu ahnen wie sehr ihre Freundin unter dem Heimweh leidet, das sie kurz nach ihrer Ankunft schon befällt. Ich denke aber nicht, dass es bei Klara Kaltschnäuzigkeit oder etwas derartiges ist, sondern vermute, dass diese sich einfach nicht in Heidi hineinversetzen kann. Peter ist ebenfalls ein netter Kerl und obwohl er ein ganz anderes Leben führt als Heidi, verstehen sich die beiden von Anfang an gut und werden schnell gute Freunde.

Heidi ist von der so anderen Welt in Frankfurt verwirrt und kann sich dort nicht einfügen, ansonsten ist sie aber ein sehr offenherziges, nettes und freundliches Mädchen. Etwas verwundert hat es mich als sie von ihrer Tante auf die Alm ihres Großvaters gebracht wird, weil sie sich dagegen überhaupt nicht wehrt, obwohl sie doch eigentlich eine gute Beziehung zu ihrer Tante haben sollte; schließlich hat sie dort mehrere Jahre gewohnt und kann sich an ihre Eltern nicht einmal mehr erinnern. Hinzu kommt noch, dass sie den Almöhi ja gar nicht kennt und von nun an dort leben soll, zumal es sich um eine ganz fremde Umgebung handelt. Das hat mich irgendwie befremdet.

Es gab für mich aber auch zwei ziemlich negative Figuren: Dete und Fräulein Rottenmeier. Dete bringt ihre Nichte einfach zu einem Mann, den diese nicht kennt, damit sie eine Stellung in Frankfurt annehmen kann. Das kann man vielleicht noch nachvollziehen, aber dass sie Heidi dann auch einfach aus ihrer Umgebung wieder herausreißt um sie als Gesellschafterin mit nach Frankfurt zu nehmen, fand ich seltsam. Zumal sie ihrer Nichte Versprechungen macht, von denen sie genau weiß, dass sie nicht haltbar sind. Hierzu gehört etwa, dass Heidi zurück zur Großmutter möchte und Dete meint, dass sie ja schon am nächsten Tag zurückfahren könne wenn sie Frankfurt nicht mag. Außerdem fand ich es seltsam, dass sie sich – zumindest im Hörbuch – gar nicht mehr nach dem Kind erkundigt. Sie bringt ihre Nichte in einen mehr oder weniger fremden Haushalt und schaut dann gar nicht mehr nach ihr. Natürlich ergibt es nur so Sinn, dass Heidi so lange dort bleibt, denn sonst hätte sie ihrer Tante vielleicht ihr Leid geklagt und wäre schon früher nachhause zurückgekehrt, aber gerade deshalb finde ich das Verhalten von Dete einfach nur scheußlich.

Auch Fräulein Rottenmeier ist so eine Person. Sie behandelt Heidi ständig schlecht und von oben herab. Sie stellt sie als schreckliche Person da, die Tiere ins Haus holt und ständig für Radau sorgt, außerdem weiß sie sich nicht zu benehmen, lügt und scheint auch noch dumm zu sein. Dass sie selbst überhaupt keinen Blick für das Kind hat und ich absolut nicht verstehe wieso Herr Sesemann dieser Person seine geliebte Tochter anvertraut, kann ich nicht begreifen. Aber natürlich ist die Figur genau so angelegt und sie soll den Aufenthalt in Frankfurt für Heidi ja offenbar so schrecklich wie möglich machen, damit diese zurück nachhause kehren kann.

Die Handlung selbst hat mir gut gefallen, wenngleich es sich hier natürlich um die mittleren Kindheitsjahre von Heidi handelt. Wie ich oben schrieb ist Heidi am Anfang etwa fünf und wird am Ende des Romans ungefähr neun Jahre alt sein. In diesen Jahren erlebt sie viele Abenteuer und findet einige neue Freunde. Sie lernt und wird erwachsener, hat aber auch noch viel zu lernen, denn schließlich wird sie erst am Ende des Romans eingeschult.

Das Hörbuch ist gekürzt und ich weiß leider nicht genau wo, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Fokus im Original eher noch auf den Jahren bei ihrem Großvater liegt. Hier hätte ich mir noch mehr Abenteuer gewünscht, denn schließlich wird nur der Beinaheabsturz einer Geiß und das Essen mit Peter und die wunderschöne Natur beschrieben, aber ich bin sicher man kann in den Bergen noch mehr Abenteuer erleben. Hier weiß ich leider nicht, ob nicht das ein oder andere davon weggelassen wurde.

Das Booklet, das den CDs beiliegt, ist nicht so hilfreich, schafft es aber dennoch einige Begriffe von früher zu erklären, außerdem gibt es ein Geleitwort der Sprecherin, Martina Gedeck, eine Inhaltsangabe und eine Einordnung des Textes. Diese hat mir besonders gut gefallen.

Martina Gedeck, die Sprecherin, sagte mir vom Namen her nichts, aber ich finde sie hat ihren Job ganz gut gemacht. Der Text ist teilweise in Dialekt geschrieben und mit vielen älteren Begriffen gespickt, die wir teilweise nicht mehr verwenden. Sie hat es gut geschafft die Atmosphäre des Buchs rüberzubringen und mir hat auch ihr Dialekt gefallen. Er wirkte nicht gekünstelt oder zu modern, sondern hat wunderbar zur Sprache des Buchs gepasst.

Alles in allem hat mir Heidis Lehr- und Wanderjahre von Johanna Spyri ganz gut gefallen und ich würde gerne den nächsten Band ebenfalls als Hörbuch hören. Von mir gibt es also eine Empfehlung für dieses Hörbuch von cbj audio.

 

 

 

Danke an cbj audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

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