Garbenheimer Tragödie von W. Borchers

Rezension: Garbenheimer Tragödie von Wolfgang Borchers

Bei Garbenheimer Tragödie von Wolfgang Borchers handelt es sich zwar um den dritten Band der Lahn-Dill-Krimi-Reihe, aber man kann die Bände auch einzeln lesen.

Was mir an dem Band gut gefallen hat, war, dass Hanne und die beiden Zwillinge Imke und Anke so viel Ermittlungsarbeit geleistet haben und der Frauenanteil im Team endlich mal bei mehr als 50% lag. Ich mochte Anke und Imke auch eigentlich ganz gerne, wenngleich deren Charaktere noch nicht so wirklich final ausgearbeitet waren und weitere Bände mit den beiden sicherlich spannend gewesen wären. Auch die Verwechslungen, da es sich um Zwillinge handelte, haben mir gut gefallen.

Die anderen Charaktere wurde mir aber zunehmend unsympathischer. Leo und Carola haben sich mal wieder gestritten und es beginnt damit, dass Leo nicht mehr bei Carola lebt, sondern im Hotel. Sie haben sich gestritten, da er sich mehr für die Arbeit interessiert und vor allem regelmäßig Überstunden macht oder mit seinen Kollegen nach der Arbeit noch einen Trinken geht, wenn sie Zuhause auf ihn wartet. Statt, dass er ihr zeigt, dass sich sein Verhalten ändert, dass sie ihm wichtig ist, verbreitet er überall schlechte Laune. Hinzu kommt das ständige Rauchen der Ermittler. Gefühlt besteht der gesamte Krimi aus Rauchen und Essenspausen und weniger aus Ermittlungsarbeit; aber dazu gleich mehr. Leo ist ein wirklich starker Raucher und so raucht er auch in öffentlichen Gebäuden, also im Polizeirevier, bei Verhören, in Wohnungen und im Wagen.

Hanne raucht ebenfalls ständig. Sie raucht sogar bei sich Zuhause, obwohl sie einen kleinen Sohn hat. Aber sie raucht auch bei den Befragungen der Familie des Opfers, obwohl man ja eigentlich riecht ob irgendwo geraucht wird oder nicht und sie raucht auch im Büro. Eigentlich sollte sie doch verantwortungsbewusst sein und sich entsprechend verhalten, aber da sie sich nicht entsprechend verhält, war sie mir irgendwann auch unsympathisch, obwohl ich Frauen als Ermittlerfiguren immer gut und spannend finde.

Dirk Ross ist ständig nur am Essen. Mal davon abgesehen, dass seinetwegen die Ermittlungen nicht vorankommen, weil er sich ständig noch irgendwo etwas zu Essen holen oder Mittagspause machen muss, ist er auch noch dreist und unverschämt. Ich glaube, ich habe noch nie einen solch unverschämten Charakter kennengelernt. Als er mit Anke bei einer Befragung ist, bietet die Zeugin ihnen jeweils ein Stück Kuchen an. Als Anke ablehnt, meint Dirk, dass das ja nichts macht, er würde auch beide essen. Und so frisst er der Zeugin die letzten beiden Stücke Kuchen weg. Und solche Handlungen ziehen sich einfach durch den kompletten Krimi, fängt er doch auch schon einmal an zu essen als Hanne ihr Beförderungsfrühstück mitbringt und die anderen Kollegen noch auf Leo warten wollen, der zu einem Einsatz gerufen wurde.

Ich verstehe nicht, wieso fünf Ermittler mehrere Tage brauchen, um ein paar Alibis zu verifizieren. Es gibt nicht so viele Akten, die aus der Tasche vom Opfer verschwunden sind und dennoch dauert es fast eine Woche bis sie merken, dass diese Akten nur gestohlen wurden, um die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken. Sie vernachlässigen dabei komplett das restliche Umfeld des Opfers und tun dem Täter damit einen Gefallen, da er natürlich davon ablenken wollte. Dirk verbringt von den 8 Stunden Arbeitszeit am Tag unter Garantie mehr als die Hälfte davon mit Essen und in der Mittagspause. Die anderen rauchen erst einmal eine, wenn sie nichts anderes zum Gespräch beizutragen haben.

An der ein oder anderen Stelle merkt man auch, dass dem Krimi ein ausführlicheres Lektorat nicht geschadet hätte. Beispielsweise sprechen der Ermittler von GDO und meinen, dass die Abkürzung ja für Gottes Krieger Orden stehen könnte. An späterer Stelle steht dann auch Gottes Diener Orden. Ich vermute, dass der Autor erst von Gottes Krieger Orden schrieb, es sich dann anders überlegte. Die Abkürzung überall angepasst hat, aber nicht daran gedacht hat, auch die ausgeschriebene Version zu ändern. Einem externen Lektorat wäre das hoffentlich aufgefallen.

Aber es gibt auch noch einen positiven Punkt: Es werden auch hier, wie in Regionalkrimis üblich, einige Sehenswürdigkeiten von Wetzlar genannt. Hier sei die Spilburg oder der Optikparcours oder das Forum genannt. So etwas mag ich ja immer sehr und so hat mir auch dies hier gefallen, wenngleich es mir eigentlich schon fast zu wenig war, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Es wäre ja auch komisch, wenn in jedem Kapitel oder so eine Sehenswürdigkeit genannt werden würde.

Insgesamt hat mir Garbenheimer Tragödie von Wolfgang Borchers nicht so sonderlich gut gefallen, hinzu kommt, dass der letzte Band der Reihe mit einem Cliffhanger endet und man so komplett in der Luft hängend zurückgelassen wird, was ich sehr schade finde.

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