Die Bücherinsel von J. Mommsen

Rezension: Die Bücherinsel von Janne Mommsen

Die Bücherinsel von Janne Mommsen ist der zweite Band der Inselbuchhandlung-Reihe, den man aber auch unabhängig von den anderen Bänden lesen kann.

Als ich mir das Buch aussuchte, fand ich die Idee, dass eine Analphabetin in einem Lesekreis mitmacht, total spannend. Zum einen natürlich wie kommt sie darauf und zum anderen die Frage wie sie sich dort zurecht findet, aber darüber hinaus finde ich auch das Thema an sich spannend und ich habe gehofft, dass ich einiges darüber erfahre wie man die Welt wahrnimmt, wenn man nicht lesen kann. Und wie es heute in Deutschland möglich ist Analphabetin zu sein, hatte ich ebenfalls gehofft zu erfahren.

Dass Sandra bei vielen Sachen Hilfe braucht, dass sie manche Sachen einfach ignoriert, das wurde durchaus beschrieben. Beispielsweise gibt es bei ihr auf der Fähre Schilder, die sie nicht liest, was ihr aber auch nichts ausmacht, dass sie ihren Arbeitsvertrag nicht lesen konnte und bei den Bewerbungsunterlagen Hilfe gebraucht hat, ist ja auch klar und wird thematisiert. Aber ansonsten wird wenig auf ihren Alltag eingegangen. Wie geht man beispielsweise im Supermarkt damit um, wenn man nicht lesen kann? Wie navigiert man sich durch Internetseiten, wenn man nicht lesen kann? Oder will man das gar nicht, weil man die Inhalte, die einen dann ja potentiell interessieren würden, ebenfalls aus Texten bestehen, die man eh nicht lesen kann? Solche Sachen wurden überhaupt nicht thematisiert. Dass sie mit Leuten über Messenger kommuniziert und dann meist mit Emojis oder Sprachnachrichten antwortet, war nur am Rand Thema. Schade fand ich auch die Begründung warum sie Analphabetin geblieben ist. Sandra ist die Tochter von Schaustellern, ist zwar in die Schule gegangen, aber immer nur ein paar Wochen überall wo sie waren und so hat ihr nie einer der Lehrer lesen beigebracht und sie brauchte es auch gar nicht für ihr Schaustellerleben. Zum einen wirkten ihre Eltern dadurch wenig liebevoll, denn welche Eltern würden es wissentlich zulassen, dass ihre Kinder nicht lesen lernen? Und zum anderen ist Analphabetismus ein wirklich wichtiges Thema und es wirkte so abgewiegelt. So nach dem Motto: Ja, es gibt Leute, die nicht lesen können, aber das sind ja nur Schausteller, ein kleiner Teil der Gesellschaft. Dass das Problem tiefer geht und sehr komplexe Ursachen haben kann, wurde überhaupt nicht thematisiert, was meiner Lesefreude wirklich einen herben Dämpfer versetzt hat.

Schade fand ich auch, dass an zwei Stellen Fehler im Text waren; leider habe ich mir die Seitenzahlen nicht notiert, aber einmal sagte Sandra was und sie erwiderte dann auch wieder etwas. Und einige Seiten später sitzt Greta an Sandras Schreibtisch, obwohl das für mich aus dem Kontext überhaupt keinen Sinn ergab und dort eigentlich Sandra hätte stehen müssen. An ein paar Stellen war es auch so, dass Gerke gerade zurück nach Hamburg gefahren war und im nächsten Abschnitt plötzlich wieder aufgetaucht ist, was ich sehr irritierend fand.

Darüber hinaus mochte ich aber die Atmosphäre auf der Insel sehr gerne und fand auch den Lesekreis ganz interessant. Natürlich hätte ich es schön gefunden, wenn Sandra noch häufiger ihre Hörbücher gehört hätte, denn obwohl sie davon eine große Sammlung Zuhause hat, hört sie während des gesamten Romans kein einziges Hörbuch, wobei das vielleicht auch auf die Doppelbelastung (Lesen lernen und arbeiten) zurückzuführen sein könnte. Dennoch mochte ich die Größe der Insel, die Charaktere und die Atmosphäre ganz gerne und vor allem die Naturbeschreibungen haben mir sehr gut gefallen, denn sie vermitteln eine schönes, sommerlich-warmes Meeressetting.

Alles in allem war ich eher enttäuscht von Die Bücherinsel von Janne Mommsen, obwohl ich mich so sehr auf den Roman gefreut hatte.

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