Ein Garten für Zwei von E. Sternberg ·Hörbücher

Rezension: Ein Garten für Zwei von Emma Sternberg

Ein Garten für Zwei von Emma Sternberg habe ich als Hörbuch gehört, sodass ich sowohl auf das Medium als auch auf den Inhalt eingehen werde.

Als erstes möchte ich hier erwähnen, dass ich die Romane Fünf am Meer und Azurblau für Zwei der Autorin sehr gerne mochte. Entsprechend habe ich mich auf Ein Garten für Zwei gefreut und entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen. Vielleicht lag es daran, dass ich vom Buch enttäuscht wurde; ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Kommen wir aber zu den Gründen:

Vielleicht habe ich vom Buch einfach etwas anderes erwartet. Zur Handlung selbst komme ich gleich, aber nun erst mal den Charakteren. Lu ist eine toughe, kluge Anwältin. Sie kämpft immer für ihre Mandanten und gewinnt in den allermeisten Fällen. Sie arbeitet gut und gerne mit ihren Kollegen zusammen und ist entsprechend beliebt bei ihnen. Ihr Chef mag sie ebenfalls sehr und so ist sie scheinbar so eine Art Tochterersatz für ihn geworden, was aber nicht heißt, dass er sich für sie und ihre Belange interessiert. So ist Lu. Eigentlich. Denn im Roman verhält sie sich teilweise ganz anders. Sie verhält sich an so vielen Stellen unglaublich dämlich und unreflektiert und wird dabei noch von ihren Kollegen gestützt. Hier meine ich beispielsweise, dass sie nicht begreift, dass der plötzliche Tod ihres Bruders sie aus der Bahn wirft. Sie begreift einfach nicht, dass es für sie ein großer Verlust ist, den sie erst einmal verarbeiten muss. Stattdessen versucht sie immer weiter alles zu geben statt sich von Anfang an mal ein bisschen Zeit für sich und ihre Trauer zu nehmen. Ihr Chef ist ratlos als er merkt wie unaufmerksam sie ihre Arbeit macht. Ich finde es, ehrlich gesagt, eher überraschend, dass ihre Kollegen sich nicht mehr unterstützen. Offenbar hat sie niemandem vom Tod ihres Bruders erzählt, was aber irgendwie auch nicht sein kann, schließlich hat sie die Nachricht erhalten während sie gerade in der Kanzlei war. Ihre unreflektierte Art zieht sich dann auch leider immer weiter durch den Roman.

Ich könnte jetzt noch viel über alle anderen Charaktere im Roman schreiben, mache ich aber nicht, weil das den Rahmen wirklich sprengen würde und es auch eigentlich gar nicht viel mehr dazu zu sagen gibt. Aber zu Nico möchte ich noch etwas schreiben, schließlich ist er der zweite Protagonist im Roman. Nico hat seine Meinung von Lu und nachdem er sie sich einmal gebildet hat und sie mit den Erfahrungen, die er mit seiner Ex-Freundin gemacht hat, unterfüttert hat, bleibt er dabei. Offenbar ist es nicht notwendig zu akzeptieren, dass Lu anders sein könnte bis zu dem Punkt, an dem sie sich ganz offensichtlich anders verhält und sich endlich seinem Lebensstil anpasst. Nico war mir einfach nur unsympathisch, denn er war noch weniger als Lu dazu in der Lage offen auf andere Figuren zuzugehen und seine vorgefasste Meinung über sie zu ändern.

Und jetzt sind wir schon mitten in dem Problem beziehungsweise bei den Problemen, die ich mit der Handlung hatte. Lu spürt im Laufe der Handlung, dass ihr ihr Job fehlt, deshalb fängt sie an für Nele zu kämpfen, obwohl diese es nicht wirklich möchte. Statt sich einen Mittelweg zwischen ihrem Garten und ihrem alten Job zu suchen, schmeißt sie in Berlin alles hin und verlagert ihr Leben nach Kleinwiesental, wo ihr Garten liegt; natürlich ohne das vorher mit der Besitzerin des Gartens geklärt zu haben. Ich habe mich am Ende wirklich gefragt, wie es sein kann, dass sie ihren alten Job vermisst und sie auch wieder aufblüht, sich besser fühlt als sie ihren Job wieder ausübt und ihn dennoch hinschmeißt. Das wirkte so als hätte sie das alles nur getan, damit sie auf keinen Fall wie Nicos Ex-Freundin ist. Und dass sie dann auch noch zu ihm und in sein Haus zieht, um bloß ihr ganzes altes Leben hinter sich zu lassen, hat alles noch unemanzipierter wirken lassen. Wo ist die toughe Anwältin hin?

Außerdem hatte ich etwas ganz anderes von der Handlung erwartet. Ich dachte, dass es Lu allmählich besser geht, weil sie gemeinsam mit jemand anderem in ihrem Garten arbeitet, dabei sind die Episoden, in denen sie wirklich im Garten arbeitet eher in der Minderheit. Das fand ich unglaublich schade, weil ich etwas in Richtung Der geheime Garten von Frances Hodgson Burnett als Liebesgeschichte erwartet hatte und damit leider herbe enttäuscht wurde.

Ein Logikfehler war für mich auch, dass sie nach dem Tod ihres Bruders überhaupt keinen Kontakt zu ihren Eltern hat. Ja, ihre Mutter und Lu haben ein schwieriges Verhältnis, aber dass sich ihre Eltern in den nachfolgenden Monaten nicht mal bei ihrer Tochter melden, um herauszufinden wie es ihr geht, fand ich sehr unrealistisch.

Die Themen, die im Roman aufgegriffen werden, hatte ich so nicht erwartet. Hier meine ich beispielsweise die Themen Abdrift und Wasserverschmutzung. Die Abdrift, die dafür sorgt, dass Pestizide und andere „Pflanzenschutzmittel“ weit über die Felder hinaus verteilt werden, ist ein Problem, das hier von beiden Seiten beleuchtet wird. Auch der Bauer ist nicht glücklich, dass sich diese Mittel schwerlich besser dosieren lassen, muss aber auch von etwas leben und beschwert sich, dass niemand Rücksicht darauf nimmt wie viele Vorschriften er einhält und wie viel Papierkram er jeden Tag zu erledigen hat. Ich mochte es, dass der Bauer nicht nur als der miese Umweltverschmutzer dargestellt wurde, finde aber, dass man diese Themen besser kenntlich machen sollte. Menschen, die sich für den Roman aufgrund dieser Themen interessieren würden, kriegen so kaum eine Chance ihn zu lesen. Das ist sehr schade.

Ich mochte Vanida Karun, die Sprecherin des Hörbuchs, sehr gerne. Mir hat ihre Stimme gut gefallen und sie hat gut zu Lu gepasst.

Das Hörbuch selbst kommt in der physischen Version auch in schönem Gewand daher. Das Cover passt optisch zu den anderen beiden Romanen der Autorin. Das Zitat aus dem Roman, die Beschreibungen zur Autorin und zur Sprecherin sind nützliche Informationen und vor allem die Beschreibung hilft natürlich den Inhalt noch einmal kurz zusammengefasst zu erhalten. Die Rezepte klingen ganz interessant, werden aber, wenn ich mich recht erinnere, im Roman nicht erwähnt; sicher bin ich mir gerade aber nicht.

Insgesamt war ich von dem Hörbuch Ein Garten für Zwei von Emma Sternberg leider etwas enttäuscht, weil ich etwas anderes erwartet hatte und Lu mir als Figur auch nicht sonderlich sympathisch war.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Hörbuch-Rezensionsexemplar!

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