Verborgene Magie von L. Nieland

Rezension: Witches of Stanhope: Verborgene Magie von Laura Nieland

Witches of Stanhope: Verborgene Magie von Laura Nieland ist bisher ein Einzelband um die junge Hexe Emilia Walsh.

Emilia ist ein sympathischer Charakter, weil sie unglaublich mutig ist. Sie steht auf und wendet sich gegen die Traditionen, weil sie manche von ihnen für überholungsbedürftig hält. Dennoch hält sie den Zirkel, nachdem sie mal erfahren hat, was hinter diesem steckt, für sinnvoll. Emilia befindet sich zwischen den Traditionen des Zirkels und ihrem modernen Leben. Ich finde es toll wie die Autorin überzeugend einen unglaublich komplexen Charakter entworfen hat. Normalerweise wollen solche Charaktere, die alte Traditionen abschaffen wollen, alles verändern und nicht nur einzelne Regeln. Aber bei Emilia ist es so, dass es nur einige wenige Regeln gibt, die ihr nicht passen und die sie gerne anpassen würde.

Die anderen Charaktere haben mir ebenfalls gut gefallen. Ryan ist ein gleichzeitig liebevoller, aber auch draufgängerischer Charakter. Er scheint sich wirklich in Emilia verliebt zu haben, kämpft um sie, und ist verletzt von ihrem distanzierten Verhalten. Oliver, Emilias bester Freund, habe ich bis zum Schluss nicht richtig durchschaut. Er mag Emilia, kann sich ihr aber nicht anvertrauen, weil das gegen die Regeln des Zirkels verstoßen würde. Sein Verhalten wirkt deshalb etwas kalt und distanziert, obwohl er so eigentlich gar nicht zu sein scheint. Tara ist ebenfalls verletzt von Emilias Distanziertheit, aber ich hätte gerne noch mehr darüber erfahren, was in ihr vorgeht. Roxanne und Emilias Brüder, Max und Jason, sind recht sympathisch. Max bleibt, wahrscheinlich weil er noch so jung ist, eher im Hintergrund, aber Jason versucht immer für seine Schwester da zu sein, weiß aber auch nicht wie er mit den Traditionen des Zirkels umgehen soll. Roxanne ist zwar zurückhaltend und hat Angst vor den ältesten Hexen, springt Emilia aber dennoch immer wieder bei und beschützt sie.

Einzig Sophies Wandlung konnte ich nicht so recht nachvollziehen, weil sie Emilia am Anfang immer wieder ärgert und ihr später hilft und sogar vieles dafür tut, damit Emilia nicht ihren Geliebten opfern muss. Gerne hätte ich über diesen Sinneswandel noch mehr erfahren.

Die Handlung selbst fand ich unglaublich spannend. Die Idee, dass eine Bedrohung die Welt ins Chaos stürzen könnte, wenn die Hexen dem Teufel nicht ihr Liebstes oder ihre: Liebste:n opfern, fand ich tragisch und spannend zugleich. Durch Emilias Dilemma und ihre Versuche eine Lösung für das Problem zu finden, hat man die Welt, in der sie lebt besser kennengelernt und gemerkt, welche Möglichkeiten eine Hexe (oder ein Hexer) so hat.

Ich habe nicht ganz verstanden, warum eine Hexe (oder ein Hexer) immun ist gegen die Opferung, die Menschen aber nicht. Das ist natürlich der grundsätzliche Konflikt im Roman, und es ist etwas doof, dass es dafür keine bessere Begründung gab. Ich hätte gerne verstanden, warum eine Hexe keine andere Hexe opfern kann, während man Menschen durchaus opfern kann. Dennoch mochte ich den Roman und fand diesen Konflikt auch gut, denn nur so ergibt die ganze restliche Handlung Sinn. Vielleicht hätte man noch das Verhandlungsgespräch zwischen den ersten Hexen des Zirkels und dem Teufel mit einstreuen können. Hier hätte der Teufel ja durchaus eine starke Position gehabt und er hätte einfach verlangen können, dass Menschen nicht immun sind. So hätte man eine überzeugende Begründung für den Konflikt erhalten.

Emilia versucht immer wieder ihren eigenen Weg zu gehen und versucht sich aus den starren Regeln und dem engen Korsett des Zirkels zu lösen. Ich hatte immer den Eindruck, dass es sich bei dem Roman um einen Selbstfindungsroman von Emilia handelt, die nicht in die Aufgaben und Rollen, die von ihrer „Familie“ vorgegeben werden, gepresst werden will und versucht ihre eigene Persönlichkeit und ihren eigenen Weg zu finden. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es die Leserin auch immer wieder anregt das eigene Lebenskonzept zu hinterfragen und mit den eigenen Wünschen abzugleichen.

Ich hoffe sehr, dass Laura Nieland die Reihe fortsetzt, denn ich finde, dass dieser Band sich wunderbar als ersten Band einer Reihe eignet, weil einige Fragen am Ende offen geblieben sind und weil die Welt nun ja etabliert ist und man daran einfach noch weitere Abenteuer anschließen könnte.

Alles in allem ist Witches of Stanhope: Verborgene Magie von Laura Nieland ein toller Jugend-Fantasyroman und ich hoffe auf viele, viele Fortsetzungen um die junge Hexe Emilia und ihre Familie und Freund:innen.

 

 

 

Vielen Dank an Digital Publishers für das Rezensionsexemplar!

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