Hörbücher ·Unter Verdacht von J. Fellowes

Rezension: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht von Jessica Fellowes

Da ich den ersten Teil der Die Schwestern von Mitford Manor-Reihe Unter Verdacht von Jessica Fellowes als Hörbuch gehört habe, werde ich sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen.

Louisa Cannon hatte kein leichtes Leben und kann überhaupt nicht glauben, dass ihr mal etwas gutes geschieht (wie beispielsweise die Hilfe von Guy oder die neue Stelle). Sie ist eigentlich ein guter Mensch und verabscheut es, stehlen zu müssen, weiß sie sich aber nicht anders zu helfen, wenn sie wirklich dringend Geld braucht (beispielsweise für die Fahrkarte nachhause). Sie ist zwar neugierig und recht klug, schließlich schafft sie es, Lady Redesdale davon zu überzeugen, dass sie Ahnung von Kindern hat, aber nicht die geborene Detektivin. Die Rolle, in die sie nach und nach reinrutscht, passte irgendwie so gar nicht zu ihr und ich habe nicht so richtig verstanden, warum sie überhaupt ermittelt; am Anfang wohl um Guy zu helfen und später um ihren Job wieder zu bekommen beziehungsweise die Familie Mitford zu schützen.

Guy ist ein überaus schüchterner Mensch, verliebt sich aber auf den ersten Blick in Louisa und verhälts ich ihr gegenüber mehr als einmal sehr freundlich. Er hat Ambitionen irgendwann zur Metropolitan Police zu gehen und hofft, dass der Mord an Miss Nightingale Shore ihm dabei helfen kann. Dennoch scheint er den Fall nicht nur für die Lorbeeren bearbeiten zu wollen, sondern um der Frau Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Nancy Mitford lebt ein unbeschwertes Leben fernab des ganzen Trubels. Zuhause in Mitford Manor lebt sie beschützt und geborgen und ist so umso schockierter als sie von Louisas Lebensumständen erfährt. Dennoch versucht sie für Louisa auch eine gute Freundin zu sein, denn schließlich wünscht sie sich auch nichts sehnlicher als mit Louisa befreundet zu sein. Sie ist verdammt neugierig und die eigentliche Idee der Untersuchung des Mordfalles geht sogar von ihr aus. Doch so richtig viel Durchhaltevermögen hat sie nicht, denn obwohl der Mordfall am Anfang ihr Interesse weckt, verliert sie dieses auch schnell wieder als sich keine neuen Hinweise ergeben.

Und das ist auch gerade eine Sache, die mich daran gestört hat: Der Mordfall findet nur im Hintergrund statt, obwohl dieser die Rahmenhandlung darstellt. Immer wieder gibt es über lange Strecken keine Ermittlungen und keine neuen Hinweise und so wird der Mordfall erst nach zwei Jahren aufgeklärt. Ich hatte so den Eindruck, dass der Roman eigentlich kein Krimi werden sollte, dieser dann aber doch immer wieder Einzug gehalten hat. Ich habe mich für Die Schwestern von Mitford Manor unter der Prämisse interessiert, dass ich den Roman für einen Kriminalroman gehalten hatte, und so wurden meine Erwartungen enttäuscht. Wenn man eher mit einem historischen Roman rechnet, wird man wahrscheinlich nicht so enttäuscht, dafür ist der Untertitel „Unter Verdacht“ aber irgendwie falsch gewählt, weil ich hierhinter eher einen Krimi erwarten würde.

Dennoch fand ich den Roman spannend. Ich mochte die Handlung, ich mochte die Verdächtigungen und die zarte Liebe, die sich auch sehr langsam entwickelt, zwischen Guy und Louisa. Außerdem mochte ich es, dass Louisa sich mit etwas Glück und Hilfe von außen ein neues, besseres Leben aufgebaut hat. Dass sie am Anfang so dermaßen von ihrem Onkel bedrängt und beinahe vergewaltigt wurde, hat mir weniger gut gefallen und hätte mich beinahe dazu bewogen, das Hörbuch direkt am Anfang abzubrechen.

Die Idee, dass man in jedem Band eine andere Schwester in den Vordergrund rückt, finde ich zwar ganz interessant, passt aber für mich auch eher zu einem historischen Roman als zu einem Krimi, bei dem man davon ausgeht, dass das Ermittlerteam bestehen bleibt. Schade finde ich es dann natürlich auch, dass Nancy im zweiten Band wahrscheinlich eine eher untergeordnete Rolle spielen würde, denn ihre Schwestern spielen im ersten Band auch keine große Rolle. Nancy hatte ich nach dem ersten Band ins Herz geschlossen, so fände ich es schade mich nun von ihr verabschieden zu müssen.

Die Schwester von Mitford Manor: Unter Verdacht wurde von Juliane Köhler eingesprochen. Für mich hat die Stimme der Sprecherin gut zum Genre eines historischen Romans gepasst. Die Stimme klingt zeitlos und passte so sowohl zu Louisa, als auch zu Florence Nightingale Shore, mit deren Ermordung der Roman ja beginnt. Die MP3-CDs sind zwar gekürzt, allerdings sind mir keine nennenswerten Kürzungen aufgefallen, wobei ich mich gefragt habe, ob der Krimi durch die Kürzungen weniger oder sogar mehr in den Vordergrund getreten ist. Sollte um die eigentliche Ermittlung herum noch mehr passieren, das gar nicht zum Krimi gehört, dann würde die Print-Ausgabe (und der ungekürzte Download) noch mehr in Richtung historischer Roman tendieren, wenn es andersherum ist, dann würde ich die ungekürzte Version gerne lesen (oder hören), denn dann würde der Roman vielleicht doch eher Richtung Krimi gehen und hätte mir wahrscheinlich besser gefallen.

Als kleiner Hinweis: Die Romane werden von Pendo publiziert, die Hörbücher von Random House Audio, wobei bisher nur die ersten beiden Romane als Hörbücher veröffentlicht wurden (Band 3 ist schon im Mai 2021 erschienen).

Alles in allem habe ich von Die Schwestern von Mitford Manor: Unter Verdacht von Jessica Fellowes etwas anderes erwartet und war so etwas enttäuscht. Die Idee eine Reihe historischer Romane über (real existierende) Schwestern zu schreiben und mit jedem Band eine andere Schwester in den Vordergrund zu rücken, finde ich an sich nicht schlecht, aber ich kann mir vorstellen, dass Leser:innen, die Krimis mögen, gleichermaßen von diesem Genremischmasch enttäuscht sind, wie Leser:innen, die sich auf einen historischen Roman gefreut haben.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Hörbuchrezensionsexemplar!

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