Mord im Gewächshaus von E. C. Bunce

Rezension: Myrtle Hardcastle 1 – Mord im Gewächshaus von Elizabeth C. Bunce

Mord im Gewächshaus von Elizabeth C. Bunce ist der erste Teil der Myrtle Hardcastle-Reihe und behandelt den Mord an Myrtles Nachbarin Miss Wodehouse. Es handelt sich um einen Kinder- beziehungsweise Jugendkrimi.

Charakterlich ist Myrtle durchaus mit Flavia de Luce (Reihe von Alan Bradley) und Enola Holmes (Reihe von Nancy Springer) vergleichbar, wobei ich sie als deutlich warmherziger und freundlicher empfand. Vor allem Flavia war mir bei dem einen Band, den ich bisher von ihr gelesen habe, nicht sonderlich sympathisch, weil sie ihren Schwestern leid zufügt ohne über die Konsequenzen nachzudenken oder weil ihr diese egal sind. Außerdem kümmert sich Flavias Vater nicht um seine Töchter, was vor allem bei der jüngsten Tochter problematisch ist, einfach weil er keinerlei Interesse an seinen Kindern zeigt. Myrtles Vater zeigt Interessen an seiner Tochter, er hat eine Gouvernante engagiert und er kann sich aus zeitlichen Gründen, weil er eben als Staatsanwalt arbeitet, um die Familie zu versorgen, nicht um seine Tochter kümmern. Das ist zwar auch nicht sonderlich toll, aber er gibt sich zumindest Mühe und hat eine Vertrauens- und Aufsichtsperson für seine Tochter engagiert.

Miss Judson und Mr. Hardcastle sind eigentlich ganz nette Charaktere. Miss Judson kann zwar auch streng zu Myrtle sein, ist aber grundsätzlich auch recht fortschrittlich eingestellt und unterstützt ihren Schützling dementsprechend sehr häufig wenn es darum geht, dass sie etwas neues lernen möchte. Sie ist dafür, dass Myrtle Fahrrad fährt, da sie sich so auch selbstständig im Umkreis bewegen kann. Außerdem ist sie aber auch ein sehr ruhiger und sanfter Charakter, der häufig wie der bedachte und sprichwörtliche Fels wirkt.

Mr. Hardcastle hat nicht immer so viel Zeit für seine Tochter wie man es sich vielleicht wünschen würde, ist aber grundsätzlich auch fortschrittlich eingestellt und unterstützt es, dass seine Tochter möglichst viel verschiedenes lernt, das man vielleicht auch nicht unbedingt braucht als Ehefrau und Mutter. Dennoch hat er auch ein paar nervige Eigenschaften, wenn er Myrtle nicht glaubt, dass ihre Nachbarin ermordet wurde oder sich mehr für Priscilla als für Miss Judson interessiert.

Die Geschichte selbst ist spannend und hält einige Wendungen bereit. Bei vielen Krimis dauert es erst einmal einige Seiten bis der Mord passiert oder entdeckt wird und die Ermittlungen wirklich losgehen. Hier wird der Tod eigentlich sofort entdeckt, denn das erste Kapitel beginnt direkt mit der Entdeckung des Todes, allerdings dauert es dann doch einige Seiten bis den Behörden klar wird, dass es sich um einen Mord handelt.

Myrtle ermittelt in dieser Zeit schon einmal und wird dabei von Miss Judson unterstützt, wobei sie während ihrer Ermittlungen einige neue Freunde findet: Peony, die Katze, mischt sich lautstark in die Ermittlungen ein, auch Mr. Blakeney und Dr. Munjal, der Gerichtsmediziner, und Caroline, seine Tochter.

Darüber hinaus gibt es während der Ermittlungen einige Wendungen, da immer wieder neue Hinweise und Beweise auftauchen, die auf verschiedene Verdächtige hinweisen. So scheint die offensichtliche Lüge von Mr. Hamm ganz klar auf ihn als Mörder hinzudeuten, aber auch für Priscilla gibt es eindeutige Beweise. Dadurch bleibt die Handlung von Anfang bis Ende spannend.

Neben der Hauptgeschichte um die Ermittlungen, gibt es noch allerlei persönliche Verwicklungen, die ich ja teilwiese bereits angedeutet hatte. Auf der einen Seite sind da die vielen neuen Bekanntschaft und Freundschaft, die Myrtle schließt, auf der anderen Seite ist da auch ihr Vater, der offenbar auf der Suche nach einer neuen Frau ist, und deshalb mit der Nachbarin, Priscilla, „ausgeht“. Außerdem sind Blumenschauen, Blumenzüchtungen und der Garten wichtige Themen, die immer wieder erwähnt werden und durch die ganze Handlung führen.

Die Kapitelüberschriften wirken etwas altertümlich, was aber gut zu der Zeit, in der der Krimi spielt (ausgehendes 19. Jahrhundert), passt. Besonders gut haben mir auch die passenden, fiktiven Zitate aus dem von Myrtle geschriebenen Handbuch für Ermittler, gefallen. Sie stimmen wunderbar auf das nächste Kapitel ein und passen gut zur Atmosphäre. Auch die Erklärungen in den Fußnoten haben mir gut gefallen, weil sie den Krimi auflockern und die Leser:in teilweise direkt ansprechen und so Myrtle als Erzählerin des Romans direkt mit der Leser:in kommunizieren kann.

Alles in allem hat mir der erste Teil der Myrtle Hardcastle-Reihe Mord im Gewächshaus von Elizabeth C. Bunce sehr gut gefallen und ich hoffe jetzt schon auf einen zweiten Teil, deshalb gibt es von mir eine klare Empfehlung für Myrtle und Peony.

 

 

 

Danke an Knesebeck für das Leseexemplar!

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