Leseaktionen ·Montagsfragen

Montagsfrage: 11. April 2022

Montagsfrage: Wie empfindlich reagiert Ihr auf Tipp-, Rechtschreib- oder Übersetzungsfehler in einem Buch?

Hallo ihr Lieben,
Sophia möchte diese Woche von uns wissen wie sehr uns Rechtschreibfehler (und sowas) stören. Das ist eine tolle Frage, weil ich das Thema am Wochenende gerade hatte!
Zum einen: Mich stören Rechtschreibfehler. Sehr sogar. Teilweise erwähne ich übermäßig viele Rechtschreib- und Tippfehler sogar in meinen Rezensionen, weil sie mich irgendwann wirklich in meinem Lesefluss stören. Am Wochenende habe ich ein Buch von einem relativ kleinen Verlag gelesen und bin über einige Rechthschreibfehler und häufig einfach kleinere Vertipper gestolpert. Dass man bei “erst” statt “ernst” keine Chance hat so etwas über die Rechtschreibprüfung zu finden, und auch beim Korrekturlesen “drüberfliegt” kann ich zwar verstehen, stören tun mich solche Fehler aber schon. Manchmal waren es aber auch Fehler, die man mit einer Rechtschreibprüfung und erst recht im Lektorat hätte vermeiden können.
Bei übermäßig vielen Fehlern frage ich mich dann auch immer, ob das Lektorat geschlafen hat oder ob ein externe:r Lektor:in (das outsourcen viele Verlage ja) einfach nicht die Kapazitäten hatte das ordentlich zu machen, weil er/sie als Selbstständige:r einfach zu wenig für den Text kriegt?
Bei kleineren Verlagen drücke ich dann gerne auch mal ein Auge zu und versuche das nicht zu krumm zu nehmen, aber vor allem bei größeren Verlagen finde ich das wirklich schade, weil es mir ab einem gewissen Punkt die Lesefreude nimmt.
Zum anderen: Was ich manchmal noch “schlimmer” finde, sind Übersetzungsfehler: Da gibt es sicherlich etliche Kategorien, aber besonders interessant finde ich jene, bei denen man das Gefühl hat, dass der/die Übersetzer:in sich mit der Landeskultur des Originaltextes nicht sonderlich gut auskennt. Ein (viel zitiertes) Beispiel: In Gilmore Girls (ja, die Serie) gibt es eine Szene (sogar mehrere aber ich meine hier eine spezielle ^^), in der Lorelai sich mit Dean (Freund von Lorelais Tochter Rory) über die vergessenen Red Vines (also “Weingummis” grob übersetzt) unterhält. Red Vines sind eine typisch amerikanische Süßigkeit, die in etlichen amerikanischen Serien auftaucht. Man kann das natürlich einfach mit Rote Weingummis übersetzen, oder ganz allgemein mit Gummibärchen. Da steckt dann sicherlich eine gewisse Interpretation drin, aber inhaltlich entspricht das in etwa dem Original. Im ersten Band der Buchreihe zur Gilmore Girls-Serie läuft Dean Lorelai hinterher, weil sie ihren “Rotwein” vergessen hat… Das ist definitiv nicht richtig. Ich weiß nicht, ob es im Original einen Druckfehler gab, ob der/die Übesetzer:in das schlichtweg übersehen hat oder einfach nichts mit Red Vines anfangen konnte (womit wir wieder beim Punkt oben mangelnde kulturelle Kenntnisse des Landes des Originaltextes sind), aber hier wurde der Text in der Übersetzung ganz massiv verändert; vor allem wenn man es im Kontext der Szene betrachtet.
Solche Übersetzungsfehler finde ich immer ganz schlimm, weil sie den Text so massiv verändern und direkt eine Figureninterpretation (würde man bei Gilmore Girls wohl nicht machen, aber das ist ja auch nur ein Beispiel) verändern würden.

Wie ist das bei euch? Stören euch Tipp-, Rechtschreib- oder Übersetzungsfehler oder lest ihr da einfach drüber hinweg?
Liebe Grüße
Vanessa

Ein Gedanke zu „Montagsfrage: 11. April 2022

  1. Hey Vanessa,

    ich erwähne Rechtschreibfehler auch in meinen Rezensionen, wenn sie stark gehäuft vorkommen. In seltenen Fällen habe ich auch schon einen Stern oder einen halben für mangelhafte Orthografie abgezogen. Das kommt bei mir aber wirklich fast nie vor.
    Was die Übersetzungen angeht fällt tatsächlich auch mir oft auf, wenn ÜbersetzerInnen Popkulturreferenzen nicht kennen oder verstehen. Erst kürzlich bin ich in “Never Doubt” von Emma Scott über so ein Beispiel gestolpert, das nicht wahnsinnig schlimm war, mir aber einfach aufgefallen ist. Auch wenn an der Übersetzung von Inka Marter nichts auszusetzen ist, musste ich schmunzeln, als ich die Aufschrift eines T-Shirt als “Ich schwöre feierlich, dass ich nichts Gutes im Schilde führe” übersetzt sah. Hier wurde deutlich, dass die Übersetzerin wohl die Referenz zu Harry Potter übersehen hatte, dessen bekanntes Zitat “I solemnly swear that I am up to no good” gemeinhin als “Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut” übersetzt wird.

    Liebe Grüße
    Sophia

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