Emma von J. Austen ·Hörbücher

Rezension: Emma von Jane Austen

Emma von Jane Austen gehört zu deren zweiter Schaffensperiode, zu der auch Überredung und Mansfield Park gehören. Da ich diesen Roman der Autorin wieder als Hörspiel gehört habe, werde ich sowohl auf den Inhalt als auch auf das Medium eingehen.

Emma Woodhouse empfand ich beim ersten Hören als sehr anstrengenden Charakter. Obwohl sie eigentlich keine bösartige Figur ist, macht sie allen in ihrem Leben – mit ihrem Vater als einziger Ausnahme vielleicht – das Leben schwer. Sie meint sich als Heiratsvermittlerin betätigen zu müssen und nimmt eine junge Frau unter ihren Schutz, der sie mehrmals die Liebe zu verschiedenen Männern einredet. Durch Missverständnisse und Standesunterschiede und auch durch romantische Verklärung geht besagte junge Frau, Harriet, immer wieder leer aus, hält aber an der Freundschaft zu Emma immer weiter fest. Auch andere stößt Emma mit ihrer gedankenlosen Art vor den Kopf und stellt sich damit, rückblickend betrachtet, eigentlich immer wieder selbst bloß. Beim ersten Hören fand ich Emma noch unmöglich, verwöhnt und deshalb arrogant (denn ihr Vater vergöttert sie, was ihrem Charakter nicht gerade zuträglich ist). Beim zweiten Hören fand ich Emma dann schon erträglicher, denn sie schadet sich immer wieder selbst und irgendwann hatte ich nur noch Mitleid mit ihr, wodurch sie mir sympathischer wurde.

Dadurch, dass es sehr viele Figuren waren, war ich zwar etwas verwirrt, aber durch das Booklet (und die darin enthaltene Namens- und Sprecher:innenliste) konnte ich mir meistens herleiten welche Figur mit wem wie verwandt oder bekannt und befreundet war. Ich würde es allerdings auch nicht ausschließen, wenn manche Figuren kaum oder gar nicht im Hörspiel vorkommen, obwohl sie im Roman präsenter sind, aber das weiß ich nicht.

Da es eben sehr viele Figuren gibt, bleiben viele relativ farblos oder sehr einseitig in ihrem Verhalten. Hier seien beispielsweise Harriet und Emmas Vater genannt. Harriet Smith verliebt sich immer wieder aufs Neue in irgendwelche Männer und lässt sich genauso schnell aber auch wieder von dieser Liebe abbringen, außerdem hängt sie an Emma, die ihr mehr als einmal Herzschmerz zufügt. Viel mehr erfährt man von Harriet aber den ganzen Roman über nicht. Mr. Woodhouse ist zwar eigentlich ein Gentleman, bleibt hinter diesen Ansprüchen aber zurück, weil er sich ständig um irgendwas sorgt: seine Tochter könnte sich erkälten, heiraten und von ihm wegziehen, Einbrecher könnten sein Hab und Gut stehlen.

Die Geschichte selbst ist natürlich eine Liebesgeschichte, deren Ende man irgendwie von Anfang an absehen konnte und ich hatte genau damit gerechnet, aber mehr will ich hier dazu gar nicht sagen. Natürlich gibt es zwischendrin jede Menge Verwicklungen, aber auch andere Abenteuer wie Ausflüge und Verlobungen von anderen Figuren. Dadurch geschieht immer etwas und es wird nicht langweilig, was auch an der Straffung für das Hörspiel liegen kann. Ich fand den Roman aber durchweg spannend.

Die Cover der „Reihe“ gefallen mir sehr gut und vor allem das von Emma ist wirklich schön. Auch das Booklet, das zum Hörspiel gehört, hat mir gut gefallen. Ich mag es, dass ich die Figurennamen und die Sprecher:innen einfach nachschlagen kann. Außerdem gefällt es mir, dass im Booklet noch einmal einige Gedanken zu Emma verschriftlicht wurden, auf die ich während des Hörens gar nicht kam. So ergibt sich aus dem Booklet ein wirklicher Mehrwert, der mir gut gefallen hat.

Die Sprecher:innen haben ihren Job durchweg gut gemacht. Vor allem haben mir Laura Balzer als Emma Woodhouse und Gerd Wameling als ihr Vater Mr. Woodhouse gut gefallen. Die Stimmen der Sprecher:innen passen gut zu den Figuren. Die Musik und auch die Hintergrundgeräusche runden das Hörspiel ab und lassen Bilder im Kopf entstehen, was mir bei Emma besonders positiv aufgefallen ist und sehr gut gefallen hat.

Insgesamt hat mir die recht klassische Inszenierung des Hörspiels zu Emma von Jane Austen vom Hörverlag in Zusammenarbeit mit dem Radio Bremen und dem hr2 Kultur gut gefallen und ich mochte nicht nur die Geschichte, sondern auch die Inszenierung selbst sehr gerne und empfehle das Hörspiel deshalb gerne weiter.

 

 

 

Vielen Dank an Der Hörverlag für das Hörspiel-Rezensionsexemplar!

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