Miss Elizas englische Küche von A. Abbs

Rezension: Miss Elizas englische Küche von Annabel Abbs

Miss Elizas englische Küche von Annabel Abbs behandelt die wahre Geschichte um die Publikation des ersten Kochbuchs und die Freundschaft zwischen Eliza Acton und Ann Kirby.

Am Anfang wirkte Eliza auf mich sehr sympathisch. Sie wird von den damaligen gesellschaftlichen Umständen in die Rolle als alte junge Jungfer gezwungen, bemitleidet, verachtet und ausgelacht. Das hat ihr bei mir einige Sympathiepunkte eingebracht. Außerdem behandelte sie Ann so freundlich und sie kämpfte für ihr Recht, ihre Gedichte unter ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen. Leider hat sich meine Ansicht von ihr mit der Zeit gewandelt. Ich fand ihren Umgang mit Ann immer schwieriger, weil sie davon ausgeht, dass ihre Angestellte ihr vertraut ohne ihr aber das gleiche Maß an Vertrauen entgegen zu bringen und sie diese Diskrepanz nicht einmal bemerkt. Hinzu kam, dass sie sich ständig Gedanken darum macht, wie sie unabhängig sein kann. Sie überlegt nicht, was das Beste für Ann wäre oder bespricht sich gar mit ihr. Außerdem ist ihr Verhalten ihrer Tochter gegenüber unglaublich furchtbar.

Ann ist ein netter Mensch und sehr gläubig. Obwohl sie so viel Leid und Armut in ihrem jungen Leben erfahren musste, ist sie sehr naiv. Sie glaubt wirklich daran, dass die Anstalt, in der ihre Mutter untergebracht wird, etwas gutes für sie tut. Ich habe mich dabei gefragt was sie glaubt, von welchem Geld die Gehälter der Ärzte und Pflegerinnen, das Essen und das Holz bezahlt werden. Außerdem wird sie von Eliza als ziemlich intelligent beschrieben, aber diesen Eindruck kann ich irgendwie nicht bestätigen. Vielleicht lag es auch an ihrer Naivität und natürlich ist mir klar, dass sie kaum gebildet sein kann. Woher soll denn eine gute Bildung kommen? Intelligenz hat selbstverständlich nicht zwangsläufig etwas mit Bildung zu tun, aber mir fallen keine Situationen ein, in denen sich Ann als besonders klug hervorgetan hätte. Hier kommt ihr vielleicht auch ihre Schüchternheit in die Quere, denn sie glaubt beispielsweise lange Zeit, dass Eliza, wenn sie von „unserem Kochbuch“ spricht sich und ihre Mutter meint (die mit dem Kochbuch überhaupt nichts zu tun hat).

Einige Fehler (Rechtschreibfehler, falsche Bezeichnungen, fehlende Wörter) haben mich dann doch gestört, obwohl sie mir am Anfang weniger aufgefallen sind. Insgesamt waren es dann aber doch einige, die irgendwann auf mich störend wirkten.

Den Anhang mochte ich sehr, obwohl ich es schade fand, dass es nur eine gute Handvoll Rezepte gab, aber wahrscheinlich durfte man mehr aus rechtlichen Gründen nicht verwenden. Ich mag es ja bei solchen Romanen, die auf wahren Begebenheiten und dem Leben von einer echten Person beruhen, eine Einordnung der Autorin zu bekommen wie sich die Quellenlage dargestellt hat. Schwierig finde ich es vor allem, dass über Ann so wenig bekannt ist und sich die Hälfte des Romans mit ihr beschäftigt (die Kapitel werden abwechselnd aus Anns und aus Elizas Sicht erzählt). Somit ist die eine Hälfte dieser Geschichte mehr oder weniger komplett fiktiv. Das ist sehr schade, wenn man, wie ich, damit rechnet, dass es sich hier um eine wahre Geschichte (wies es auf dem Cover steht) handelt (obwohl mir natürlich klar ist, dass vor 200 Jahren niemand dabei war und der oder die Autor:in viele Lücken selbst füllen muss).

Leider kann ich auch nicht nachvollziehen warum der Verlag diese Geschichte als Geschichte einer Freundschaft framet. Eliza war, meiner Ansicht nach, dafür nie ehrlich genug und man merkt auch nicht, dass die beiden sich wirklich aufeinander einlassen; wie es bei einer Freundschaft notwendig wäre. Das liegt sicherlich auch daran, dass die beiden aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen und somit eine Freundschaft schon überaus schwierig aufzubauen ist.

Am Anfang habe ich mich schon darüber gewundert, dass die Figuren mehr im Vordergrund stehen als das Kochbuch und die Entwicklung der Rezepte, aber ich dachte, das liegt daran, dass man eben erst die Figuren einführen will. Leider hat sich das im Laufe der Handlung nicht gebessert und das Kochbuch ist eigentlich die ganze Zeit eher im Hintergrund geblieben. Die damaligen Zustände (auch der Lebensmittel) wurden ausführlich beschrieben, die Probleme bei den gängigen Rezeptbüchern wurden auch erwähnt, aber wie sich die Rezepte entwickeln, die ein Rezept immer wieder ausprobiert und verfeinert wird, das wird nur sehr oberflächlich geschildert. Hier hätte ich mir mehr Showing und weniger Telling gewünscht.

Insgesamt hat mir Miss Elizas englische Küche von Annabel Abbs zwar gefallen, aber ich hatte mir mehr erhofft. Eliza war nicht wirklich sympathisch, Ann und vor allem ihr Leben rein fiktiv. Hinzu kommt, dass das Kochbuch leider keine so große Rolle spielt wie erhofft und erwartet. Somit war der biographische Roman etwas enttäuschend für mich.

 

 

 

Danke an btb für das Rezensionsexemplar!

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