Morphium von A. Christie

Inhaltsangabe: Morphium von Agatha Christie

In dem Kriminalroman Morphium von Agatha Christie muss Hercules Poirot mal wieder seine grauen Zellen benutzen, um einen Unschuldigen vor einer Verurteilung zu retten. Elinor Carlisle fährt zusammen mit ihrem Vetter und Verlobten Roderick Welman zu ihrer gemeinsamen Tante Laura, da sie die Nachricht erhielten, dass sich eine junge Frau zu sehr in das Leben der Tante einschleicht. Und tatsächlich scheint Mary, die Tochter des Pförtners, eine sehr große Rolle im Leben der älteren Dame zu spielen.

Nachdem Elinor und Roddy nach ihrer Tante gesehen haben, fahren sie wieder ab. In der nächsten Woche hat Laura noch einen zweiten Schlaganfall und die beiden eilen zurück. Elinor setzt sich zu ihrer Tante und als diese wünscht ein Testament zu machen, wird der Mörder ein erstes Mal aktiv; allerdings bleibt dieser Mord lange im Dunkeln, denn die alte Frau war schwach und krank und wenngleich Dr. Lord einen Verdacht hat, spricht er ihn nicht aus, weil er sich ohne Untersuchung nicht sicher sein kann. Diese wiederum kann er nicht anordnen ohne Verdacht zu erregen.

Roddy und Elinor trennen sich wieder und lösen ihre Verlobung, unter anderem weil Roddy sich in Mary verliebt. Er fährt für einige Wochen weg, da er sich klar werden möchte, wen er liebt und wie anhaltend diese Liebe ist. Wochen später haben Elinor und Mary jeweils Testamente gemacht. Elinor setzt als ihren einzigen Erben Roddy ein, weil sie ihn noch immer liebt und Mary setzt als Erbin eine Tante in Neu-Seeland ein, die sie nicht kennt, die aber die Schwester ihrer Mutter ist.

Als Ende Juli Elinor wieder im Haus ihrer Tante ist, um dieses auszuräumen und die Sachen ihrer Tante durchzugehen, ist auch Mary da, um die Sachen ihres Vaters, der ebenfalls ein paar Wochen zuvor gestorben ist, durchzugehen. Mary ist dort zusammen mit Jessie Hopkins, der Gemeindeschwester, denn diese möchte Mary helfen, da sie sich gut verstehen. Elinor bereitet Mittagessen vor und als sie merkt, dass sie zu viel bereitet hat, lädt sie Mary und Hopkins in ihr Haus ein. Kurz darauf stirbt Mary an Morphiumvergiftung und Elinor wird verhaftet.

Sie hat offenbar schon vor Wochen, vor dem Tod ihrer Tante, ein Röhrchen Morphiumtabletten gestohlen, sie hatte die Gelegenheit, sie bot der Jüngeren zuerst etwas von dem Brot, und sie hat nicht nur ein, sondern zwei Motive: Hätte ihre Tante ein Testament gemacht, hätte sie vielleicht weniger geerbt und ihr Verlobter trennte sich von ihr, weil er in Mary verliebt war. Deshalb wird Elinor des Mordes an Mary Gerrard angeklagt.

Hercules Poirot wird von Dr. Lord, dem im Städtchen praktizierenden Arzt, engagiert, den Fall aufzuklären, denn obwohl der Arzt um Elinors Eifersucht weiß, glaubt er nicht an ihre Schuld und möchte sie frei sehen. Gelingt es Poirot den Mord aufzuklären und den Mörder verhaften zu lassen?

Morphium von A. Christie

Rezension: Morphium von Agatha Christie

Bei Morphium von Agatha Christie handelt es sich um einen Gerichtskrimi. Im Prolog bekommt der Leser schon erzählt, dass Elinor Carlisle für einen Mord vor Gericht steht. Erst danach wird aufgedröselt wie es so weit kommen konnte. Über viele Seiten erfährt der Leser die Vorgeschichte. Er erfährt vom anonymen Brief, vom Tod der Tante und der Erbschaft, von der gelösten Verlobung und erst danach geschieht der zweite Mord. Dann gibt es einen großen Sprung zu den Ermittlungen von Poirot, bei denen dieser nach und nach entschlüsselt, welcher Zeuge was gesehen hat. So kommt der Detektiv nach und nach dahinter, wer außer Elinor noch ein Motiv haben könnte und er kann so vor Gericht endlich den Fall auflösen. Diese Struktur fand ich besonders toll, da der Mord offenbar mühevoll in Kleinstarbeit auflösen lässt, vorher aber unglaublich viele Zeugen befragt werden müssen. Hier sieht man mal wie ein Mordfall von der Struktur her aufgebaut sein kann. Und man hat gerade durch diese Struktur die Chance die Figuren ein bisschen besser kennenzulernen.

Immer wieder deutet der Detektiv an, dass die Zeugen ihn alle anlügen, sodass der Leser zumindest darüber aufgeklärt wird. Dies ermöglicht es dem Leser zumindest in gewisser Weise mitzuraten, aber dadurch, dass Poirot verschiedene Theorien verfolgt, was natürlich sinnvoll ist als Detektiv, bleibt auch der Leser lange im Dunkeln. Darüber hinaus hat mir das Ende gut gefallen, denn im Gerichtssaal löst Poirot den Fall zwar eigentlich auf, aber als Leser bekommt man davon nichts mit, weil Poirot seine Aussage macht und danach direkt die Verteidigungsrede und eine Rede des Richters erfolgen. Erst als Poirot mit seinem Auftraggeber Dr. Lord spricht, bekommt auch der Leser die gesamte Auflösung, obwohl ihm vorher durch die Zeugen- und Expertenaussagen schon vieles klar wird. Diese häppchenweise Auflösung fand ich sehr spannend, weil sie mehr Dynamik in das Ende bringt.

Man lernt am Anfang die Figuren besser kennen und hat so die Möglichkeit, Einblick in deren Gefühle und Gedanken zu haben. Dies liegt an der oben beschriebenen besonderen Struktur. Dies ist insofern bemerkenswert als dass dies bei Christie nicht allzu häufig ist. Gerade deshalb hat es mir wohl auch so gut gefallen, weil man einfach einen besseren Zugang zu den Figuren hat, als sonst bei Christie. Dennoch ist nicht eine Figur dabei, bei der man besonders mitfiebert; vielleicht abgesehen von Elinor Carlisle bei der man nicht sicher ist, ob sie schuldig ist oder nicht.

Insgesamt hat mir Morphium von Agatha Christie wirklich gut gefallen und ich empfehle diesen Gerichtskrimi sehr gerne weiter, denn gerade die besonderes Struktur macht diesen Krimi so lesenswert.