Harun und das Meer der Geschichten von S. Rushdie

Rezension: Harun und das Meer der Geschichten von Salman Rushdie

„Verschiedene Teile des Meeres enthielten verschiedene Erzählformen, und da alle Geschichten, die jemals erzählt worden waren, sowie viele, die gerade erzählt und ausgedacht wurden, hier zu finden waren, stellte das Meer der Geschichtenströme die größte Bibliothek des Universums dar. Und da die Geschichten hier in flüssiger Form aufbewahrt wurden, behielten sie die wundersame Fähigkeit, sich zu verändern, sich in neue Versionen ihrer selbst zu verwandeln, sich mit anderen Geschichten zu vereinen und dadurch zu wieder neuen Geschichten zu werden, so daß das Meer der Geschichtenströme, im Gegensatz zu einer Bibliothek, weit mehr war als ein Lagerraum für Erzählungen“ (Rushdie, S. 86).

Ja, das ist ein sehr langes Zitat, aber man bekommt damit ein Gefühl für diesen Roman, der eigentlich eher ein Märchen ist. Es geht um Geschichten, Bücher und Kapitel (die Armee der Leute in Kahani besteht aus Buchseiten und ist in Kapitel gefasst). Eigentlich ist dieses Märchen wohl ein Buch für Kinder, aber die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Recht wenn sie schreibt, dass dieses Buch für Kinder und für Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Mir gefiel besonders gut, dass das Buch so unglaublich witzig und herzlich geschrieben ist; man spürt förmlich die Liebe zum Buch. Das ist übrigens eine implizierte Empfehlung an jeden, der Bücher liebt.

Die Charaktere, vor allem Harun und Raschid, haben mir unglaublich gut gefallen. Raschid ist ein toller Vater und hält immer weiter an dem inneren Kind fest, obwohl ihn seine Frau verlässt und auch sein Sohn ihm große Vorwürfe macht und auch Harun lernt durch seine Reise nach Kahani, dass das innere Kind nicht erdrückt werden darf und dass es sich lohnt, an Dingen, die einem Freude bereiten, festzuhalten, auch wenn alle anderen sie doof finden.

Dieses Buch bringt so viele verschiedene Themen auf, die man sich auf jeden Fall zu Herzen nehmen sollte. Und das ist wohl der Teil, den ich oben meinte mit, dass dieses Buch sehr herzlich geschrieben ist.

Obwohl es sich nur um ein etwa 280 Seiten dickes Büchlein handelt, passiert in Harun und das Meer der Geschichten sehr viel, was man ja auch schon an meiner Inhaltsangabe merkt. Das liegt natürlich auch daran, dass es sich hier um eine Phantasie-Welt handelt, die bekanntermaßen immer erst einmal erklärt werden muss. Obwohl ich das Genre eigentlich nicht so unglaublich gerne habe, fand ich dieses Märchen überhaupt nicht langweilig, denn es passiert eigentlich die ganze Zeit etwas und da die Welt sehr schnell erklärt sein muss, beschränkt sich der Erzähler auf das Notwendigste.

Für mich ist Harun und das Meer der Geschichten von Salman Rushdie auf jeden Fall ein kleines Juwel und ich rate jedem, der Bücher und Geschichten mag und dieses Buch noch nicht kennt, es zu lesen. Und natürlich ist das auch eine Leseempfehlung für jeden, der kein absoluter Büchernarr ist, sondern einfach nur gerne liest, Märchen oder Fantasy mag.

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