Ein Schritt ins Leere von A. Christie

Rezension: Ein Schritt ins Leere von Agatha Christie

Ein Schritt ins Leere ist einer der Krimis ohne die berühmten Ermittler. Da ich vorher häufig von den normalen Ermittlern gelesen habe, musste ich mich an Bobby und Frankie erst einmal gewöhnen. Der Mord an Alex Pritchart wird von der Polizei überhaupt nicht als Mord erkannt. Die beiden Hobbydetektive gehen sehr stümperhaft vor. Beispielsweise bringen sie sich beide in Gefahr, indem sie sich nicht absprechen wer als nächste wohingeht und auch keine Notfallzeichen ausmachen. Beispielsweise könnte Bobby ja jeden Abend bei Frankie anrufen, um nachzufragen, ob seine Chauffeurdienste benötigt werden. Wenn sie nicht rangeht oder sein Anruf ausbleibt, wüsste der jeweils andere, dass etwas passiert sein könnte. Und auch dass sie nie die Polizei oder sonst wen ins Vertrauen ziehen, spricht ja eigentlich Bände. Ich habe mich beim Lesen immer gefragt, wie man so unverantwortlich sein kann; es rächt sich eben auch am Ende. Davon abgesehen scheinen sie mir auch die falschen Leute ins Vertrauen zu ziehen und sie denken nicht darüber nach, dass manche der Aussagen nicht stimmen könnten. Bei vielen anderen Detektiven hat man das, dass die Detektive diejenigen Aussagen ausschließen, die nicht zum Rest passen und meistens ergibt sich aus diesen Differenzen, wer der Täter ist. So wäre es auch hier vermutlich recht offensichtlich geworden, wenn die beiden Detektive einfach mal die ein oder andere Aussage hinterfragt hätten.

Spannend geschrieben ist der Krimi dennoch und häufig fiel es mir schwer, ihn aus der Hand zu legen. Und die vielen Verwechslungen tragen noch zusätzlich zum Spannungsfaktor bei. Die Frau, die Bobby auf dem Foto wiedererkannt hat, ist nicht die Frau, die sich als dessen Schwester vorstellt und auch nicht die Frau von dem Foto, das in den Zeitungen abgedruckt ist. Der Mann, der die Klippe hinunterstürtzte ist nicht Alex Pritchart, sondern Alan Carstairs.

Mit den Charaktern hatte ich aber so meine Probleme. Frankie ist das reiche, gelangweilte Mädchen. Und weil sie sich eben so langweilt und so reich ist, kann sie sich viel herausnehmen und leisten. Sie belügt einen Anwalt und weil sie weiß, dass er ihr vergeben wird, weil sie aus einem alten Adelgeschlecht stammt, nutzt sie das aus. Auch andere Leute vertrauen ihr, gerade weil sie von Adel ist. Und sie bringt sich und auch Bobby in Gefahr, weil sie sich langweilt und sie meint, ein Detektivspiel sei spannend. Dass sie dabei vielleicht wirklich den Mörder aufschrecken, und der ja durchaus dazu fähig ist zu morden, bedenkt sie irgendwie nicht. Gleichzeitig ist sie Bobby eine gute Freundin. Sie mag ihn und sorgt sich um ihn, und sie versucht ihn aus der Schusslinie zu bringen wenn es darum geht, dass er verletzt oder bestraft werden könnte. Bobby hingegen ist eigentlich ein ziemlich durchschnittlicher Mann. Er hat keinen besonders guten Job, war früher im Militär und versucht sich jetzt irgendwie durchzuschlagen. Wenn er sich langweilt, macht er eben ein Picknick oder er geht golfen. Alles weniger gefährlich, wenngleich er bei der einen Sache beinahe umgebracht wird und bei der anderen Zeuge eines Mordes wird. Er ist ein netter Kerl, ein bisschen gutmütig vielleicht, aber das ist Frankie auch. Mich hat wirklich gestört, dass sie als reiches und gelangweiltes Mädchen sich selbst in Gefahr bringt, um ihrer Langeweile zu entfliehen.

Insgesamt ist der Krimi Ein Schritt ins Leere von Agatha Christie eine durchaus spannende Lektüre, ich kann sie jedem empfehlen und wenn man Frankies Art ausblendet, ist sie auch durchaus sympathisch. Ich mochte ihre resolute Art und ich mochte Bobbys Beschützerinstinkt. Am Ende dachte ich mir sogar, dass es schade ist, dass die beiden nur in einem Fall ermitteln.

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