Adventskalender 2019 ·Das Bücherhaus von J. Kaag

Rezension: Das Bücherhaus von John Kaag

Das Bücherhaus von John Kaag ist mit dem Untertitel Eine philosophische Liebesgeschichte untertitelt. Man rechnet also mit einer – mehr oder weniger – autobiographischen Geschichte darüber wie ein Mann, der eine verfallende Bibliothek retten möchte, sich in eine Mitstreiterin verliebt und mit ihr zusammenkommt. Zumindest waren das meine Erwartungen an das Buch, die leider sehr hoch waren. Leider deshalb, weil dann die Wahrscheinlichkeit immer sehr groß ist, dass ich enttäuscht werde. Tatsächlich hatte ich wirklich etwas ganz anderes erwartet als das was das Buch wirklich ist.

Bei Das Bücherhaus handelt es sich eigentlich fast gar nicht um eine Liebesgeschichte. Ja, John Kaag und seine Kollegin Carol kommen am Ende zusammen und heiraten und ja, sie waren am Anfang eben nicht zusammen sogar im Gegenteil noch mit anderen Partnern verheiratet, aber das macht noch keine Liebesgeschichte aus. Für eine Liebesgeschichte hat mir der Einblick in die Figuren gefehlt. Man erfährt auf weiten Strecken des Buches nicht was Carol denkt und man erfährt bedauerlicherweise auch nicht was John denkt. Das mag daran liegen, dass die Geschichte autobiographisch ist, aber es fehlte halt wirklich. Darüber hinaus nimmt die Liebesgeschichte auch einen unglaublich kleinen Umfang ein. Hin und wieder erfährt man mal so in einem Halbsatz nach dem Motto Wir sind jetzt übrigens zusammen, was so im Hintergrund los war.

Hinzu kommt noch die unglaublich verworrene Erzählweise. Weil sich das Leben von John Kaag und Philosophie immer wieder abwechseln, gibt es praktisch keine durchgehende Erzählung. Das ist insofern in Ordnung als dass er die Philosophie immer wieder auf das wahre Leben anwendet, was eine komplett andere Perspektive auf die Philosophie wirft und mir persönlich gut gefallen hat. Aber leider sorgt das auch dafür, dass man ziemliche Schwierigkeiten hat, der Liebesgeschichte zu folgen, weil man ja im Gegensatz zum Autor nicht weiß wann sich was wie abgespielt hat und für mich diese Informationen nicht so klar waren.

Das klingt jetzt sehr negativ, ist so aber gar nicht gemeint. Bei mir lag es einfach daran, dass ich eben eine Liebesgeschichte erwartet habe und die nicht kam und kommen wollte. Ich glaube, ich habe bis Seite 200 gewartet und danach wurde es langsam besser, weil Carol dann eine immer größere Rolle spielte ergo ließ sich dann so langsam die Liebesgeschichte erkennen. Daraus geht für mich folgende Konsequenz hervor: Es handelt sich um ein Philosophiebuch.

In Das Bücherhaus fasst John Kaag gekonnt viele amerikanische Philosophen zusammen. Er beschreibt darüber hinaus, auch deren Ursprünge in der altgriechischen Philosophie und der europäischen Philosophie. Wer sich mal mit Philosophie beschäftigt hat, wird wohl kaum einen Namen vermissen, wer dieses Werk nutzen möchte sich unterhaltsam über die Philosophie der letzten etwa 2200 Jahre zu informieren wird hier eine gute Zusammenfassung finden. Zumal viele philosophische Richtungen anhand von praktischen Beispielen (aus dem Leben des Autors) untermauert werden und somit besonders verständlich sind. Wenngleich dieser Roman nicht gänzlich unanspruchsvoll ist, kann man ihn doch mit ein wenig Hintergrundwissen gut verstehen und auch als einführendes Werk in die Philosophie ist er gut zu gebrauchen; wenngleich der Schwerpunkt natürlich auf der amerikanischen Philosophie liegt.

Insgesamt ist Das Bücherhaus von John Kaag ein unterhaltsames Werk, das man einfach unter einem anderen Untertitel vermarkten müsste, weil dieser falsche Erwartungen weckt und der Leser enttäuscht zurückbleibt. Als Liebesgeschichte habe ich den Roman weniger verstanden, viel mehr als philosophisches Werk mit vielen anschaulichen Beispielen aus der Realität; wie der Autor die Philosophie auch verstanden sehen möchte, weniger als Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm als als praktisches Hilfsmittel in allen Lebenslangen.

 

 

Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar!

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