SuB-Experiment Buch auf Bewährung

Kurz reingelesen: Das blaue Zimmer von Georges Simenon

In dem Kriminalroman Das blaue Zimmer von Georges Simenon geht es um einen jungen Mann und eine junge Frau, die eine Affäre miteinander haben und sich regelmäßig heimlich in einem kleinen Hotel treffen. Dort bewohnen sie für wenige Stunden gemeinsam Das blaue Zimmer. Als eines Tages der Ehemann von Andrée in dem Hotel auftaucht, flüchtet Tony durch ein Fenster in den Hinterhof und kann von dort ungesehen mit seinem Auto verschwinden. Immer wieder gibt es Vorblenden (also eigentlich sind die Erzählungen dieser Geschehnisse Rückblenden) von der Gerichtsverhandlung. Man erahnt schon, dass Andrée ihren Mann umgebracht hat, aber die Gutachter, der Richter, jeder möchte wissen, ob Tony nicht geahnt hat, dass Andrée vor haben könnte, ihren Mann zu ermorden…

Die Geschichte ist sehr verworren, denn wir haben ständig diesen Wechsel zwischen den Zeiten. Der Erzähler wirkt so extrem unzuverlässig, denn er hält keine Zeitlinie durch. Die Erzählung ist nicht linear und wirkt so von Anfang an extrem verwirrend. Wir befinden uns in der Gegenwart und der Erzähler springt in die Vergangenheit um von den Treffen von Tony und Andrée zu berichten und erzählt besonders von dem einen Treffen, dann springt der Erzähler teilweise noch weiter in der Vergangenheit um vom Anfang der Affäre zu berichten und dann springt er wieder in die Gegenwart, aber ohne dort Zeit oder Raum zu erläutern. Es sind vielmehr die Fragen, die sich Tony stellt: Konnte er damals ahnen, dass Andrée ihren Mann umbringen würde? Hat er es vielleicht sogar gewusst? Wollte er es? Hat sie damit gerechnet, dass er auch seine Frau umbringen würde? Dieses ständige in der Zeit springen wirkt unglaublich nervig. Ich hatte irgendwann überhaupt keine Lust mehr weiter zu lesen und habe auch nur mit Mühe und Not meine 20 Seiten geschafft. Ich weiß, dass Simenon als Autor wohl einen sehr eigenen Stil hatte. Er hat sich hingesetzt, sein Buch geschrieben und danach ist er einfach umgekippt, weil er zwischendurch nichts gemacht hat. Ich finde, das merkt man sehr. Der Roman wirkt, als hätte ihn niemals ein Lektor gesehen. Wenn man dieses Buch als Erstlingswerk sehen würde, würde man es wahrscheinlich keines zweiten Blickes würdigen, weil es so verworren wirkt. Ob ich das wirklich lesen möchte? Ich habe zumindest in den letzten Tagen ein oder zwei Mal daran gedacht, ob ich dem Buch noch eine Chance geben möchte. Ob ich es aber wirklich will? Ich weiß es nicht. Ich werde da noch einmal sehr gut drüber nachdenken müssen.

Edit: Inzwischen kann ich euch übrigens berichten, dass es dieses Buch nicht auf meinen Sub geschafft hat.

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