Die Detektive vom Bhoot-Basar von D. Anappara

Rezension: Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara

Der Roman Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara spielt im heutigen Indien, wenngleich auch nicht ganz klar ist wann genau der Roman spielt. Leider wird auch nirgendwo erwähnt auf welchem wahren Kriminalfall dieser Roman beruht. Mir hat besonders gut gefallen, dass ich bisher nicht so wahnsinnig viele Romane aus Indien (mir fällt gerade ehrlich gesagt keiner ein) gelesen habe. Auch von indischen Autoren habe ich bisher nicht so viel gelesen. Allein deshalb schon hat der Roman mir gut gefallen.

Mir hat diese unbedarfte Sicht auf die Welt, die die Detektive also die drei Kinder haben, sehr gut gefallen. Es wirkt wie ein Jugendroman, was ja ach von dem Standpunkt her logisch ist als dass meistens ja das Alter der Protagonisten und das Alter der Leser recht nah beieinander ist. Sprich Kinderbücher haben meist auch Kinder als Protagonisten. Dennoch ist dieses Buch hier ganz sicher nicht für Kinder geeignet. Vielleicht kann man es Jugendlichen zu lesen geben, aber man sollte damit rechnen, dass dieses Buch einen bleiben Eindruck hinterlassen könnte.

Somit kommen wir zu der unglaublichen Fülle an Gesellschaftskritik, die Anappara in ihrem Roman vereint. Es geht um die Entführungen von Kindern, die spurlos verschwinden, und um die sich, außer den Eltern am Anfang keiner Sorgen gemacht. Es geht um eine Gesellschaft, die nicht gut auf sich aufpasst, auch weil die Eltern gar keine Zeit dafür haben. Am liebsten würden die Eltern ihre Kinder immer in die Schule bringen und abholen, aber das geht nicht, weil sie den ganzen Tag arbeiten müssen. Die Kinder müssen entweder im Haushalt helfen (wie beispielsweise Jais Schwester Runu-Didi, die nur ein paar Jahre älter als Jai und damit selbst noch ein Kind ist) oder sie müssen irgendwo arbeiten und Geld verdienen (Faiz geht manchmal nicht in die Schule, weil er arbeiten muss, damit seine Familie über die Runden kommt). Darüber hinaus hat mich eine Szene unglaublich traurig gemacht und ist mir im Gedächtnis geblieben. Nachdem einige Kinder verschwunden sind, unterhalten sich zwei Männer an den öffentlichen Waschräumen und Toiletten (weil es keine privaten Badezimmer gibt) darüber, dass sie gar nicht merken würden, wenn bei der Fülle an Kindern welche verschwinden würden. Die Verhältnisse, in denen diese Familien leben, sind sehr, sehr traurig und so weit weg von dem Standard, den ich kenne, dass man sich fragt wie Menschen heute noch so leben können. Und nicht weit von ihnen gibt es Menschen, für die sie arbeiten, die sich einen Dreck um ihre Arbeiter kümmern. Jais Schwester verschwindet und die Mutter möchte ein paar Tage frei haben, um nach ihrer Tochter suchen zu können. Ihre Chefin droht ihr, dass sie sich eine andere Arbeiterin sucht, wenn sie nicht wieder auftaucht. Die Tochter sei ja bestimmt einfach mit ihrem Freund weggelaufen.

Diese Gesellschaftskritik wird deutlich, wenn klar wird, dass in Indien regelmäßig Kinder verschwinden. Sie werden einfach so von der Straße weg entführt und als billige Arbeitskräfte oder als Sexsklaven verkauft. Diese Kinder sehen in der Regel ihre Familien nicht wieder. Das ist ein ganz reales Problem in Indien, das vor allem die Armen trifft, weil die zum einen wohl mehr Kinder haben und zum anderen auch nicht die Mittel haben, die Polizei zu zwingen, nach ihren Kindern zu suchen.

Was mich verwirrt hat, waren diese drei Zwischenspiele. Die drei Geschichten, haben zwar mit der eigentlichen Hauptgeschichte zu tun, aber sie haben keine direkte Verbindung zu ihnen (außer die Zweite, weil diese den Protagonisten im Laufe der Handlung erzählt wird). Auch die jeweiligen Überschriften – immer die gleiche – Diese Geschichte wird euch das Leben retten fand ich irgendwie seltsam.

Dennoch hat mir Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara sehr gut gefallen und ich bin froh, dass ich mal ein solches Buch gelesen habe. Ich empfehle es jedem, der mal ein Buch abseits des üblichen lesen möchte, gerne weiter. Aber man sollte mit einer ganzen Ladung an Gesellschaftskritik, die einen auch bisweilen sehr traurig machen kann, rechnen.

2 Gedanken zu „Rezension: Die Detektive vom Bhoot-Basar von Deepa Anappara

  1. Hallo,

    das klingt interessant, das Buch steht schon auf meiner Wunschliste. 🙂

    Ich habe schon Bücher indischer Autoren gelesen, wie zum Beispiel „Das Gleichgewicht der Welt“ von Rohinton Mistry. Das ist allerdings schon länger her – das war noch zu Zeiten meines ersten Blogs auf Blogspot, deswegen habe ich die Rezension noch nicht auf meinem WordPress-Blog. Das sollte ich mal ändern! Aber das war auch so ein Buch voller Gesellschaftskritik, die dem Leser ganz schön an die Nieren gehen kann. Aus meiner Rezension: „Außerdem braucht man ab und zu einfach eine Verschnaufpause, denn immer wenn man denkt, jetzt kann es für unsere Helden doch unmöglich noch schlimmer kommen, kommt es schlimmer. Und dennoch will man weiterlesen, weiterlesen, weiterlesen… Zumindest ging es mir so.“

    Ich glaube, indische Bücher sind oft harter Tobak, weil es eben noch so viel Missstände in der Gesellschaft gibt.

    LG,
    Mikka

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