Time to Love von B. O'Leary

Rezension: Time to Love von Beth O’Leary

Der Roman Time to Love von Beth O’Leary ist gleich in doppelter Hinsicht ein Liebesroman: Eileen und Leena scheinen sich neu zu verlieben, wobei das bei Leena nicht so offensichtlich ist, denn schließlich hat sie lange Zeit der Handlung noch einen Freund. Aber darüber hinaus ist dieser Roman auch ein Roman über Freundschaft, über Liebe in der Familie, über Generationsunterschiede und -gemeinsamkeiten und über Trauer. Von Time to Love von Beth O’Leary habe ich wieder das Hörbuch gehört, allerdings werde ich erst auf den Inhalt und dann auf das Medium eingehen.

Die Charaktere, darunter vor allem Leena und Eileen, sind beide sehr liebenswürdig, obwohl es auch Momente gab, da hätte ich sie schütteln können. Mich hat beispielsweise gestört, dass Leena ihrem Freund glaubt und nicht ihrer Großmutter, als es darum geht, ob er sie betrügt oder nicht, aber das lässt sich natürlich damit begründen, dass sie nicht wahrhaben wollte, dass er sie betrügt. Eileen hingegen erwartet von ihrer Enkelin, dass diese sich um ihre Mutter kümmert, weil Marian ja so schrecklich um ihre Tochter trauert, gleichzeitig scheint sie nicht wahrzunehmen, wie schlecht es Leena immer noch mit ihrer Trauer um ihre Schwester geht. Aber von solchen Kleinigkeiten sind beide Charaktere wirklich sehr sympathisch.

Auch viele der anderen Charaktere haben mir gut gefallen: Arnold, Betsy und Jackson, und all die anderen Dorfbewohner, von denen es einige Leena schwerer machen und andere leichter. Fitz, Martha und Bee, die Eileen herzlich in ihrer Mitte aufnehmen und sie in ihren Plänen unterstützen und ihr Gesellschaft in der großen Stadt leisten.

Die Geschichte selbst hat mir auch gut gefallen, wenngleich ich es schade fand, dass Leena und Eileen so wenig Kontakt miteinander hatten und auch am Anfang wenig Zeit miteinander verbringen bevor Eileen aufbricht. Die Idee, dass zwei Menschen ihr Leben tauschen, um mal ein bisschen rauszukommen und die Perspektive zu wechseln, fand ich sehr erfrischend und lustig. Natürlich ist klar, dass das nicht so einfach ist: Exemplarisch werden die Schwierigkeiten deutlich als Leena nicht mit Jacksons Hund umgehen kann oder sich bei dem Meeting der Nachbarschaftswache auf den falschen Platzt setzt und Eileen total überfordert von der Hektik und Verwirrung der Großstadt London ist. Aber mir haben da noch ein paar Sachen gefehlt: Sämtliche Sachen, die man in der eigenen Stadt hat, wurden irgendwie vernachlässigt (damit meine ich sowas wie Arzttermine, etc.) und dass die beiden Frauen auch Schwierigkeiten gehabt haben dürften alles, was sie für zwei Monate Aufenthalt brauchen mit dem Zug zu transportieren, wurde nicht mit einer Silbe erwähnt. Das ist natürlich für die Handlung nicht relevant, war aber dennoch irgendwie schade und sorgt ein bisschen dafür, dass dieses sehr unrealistische Experiment noch etwas unrealistischer wurde.

Mir haben aber die Ideen, dass so zwei Generationen aufeinander treffen, gut gefallen. Hier hat wirklich ein Austausch stattgefunden und wenngleich man einige Unterschiede gemerkt hat, hat man auch gemerkt, dass sich diese zwei Generationen teilweise gar nicht so unähnlich sind. Das hat mir gut gefallen. Auch die Art und Weise wie Freundschaft und Liebe dargestellt wurden, hat mich sehr berührt. Und vor allem wie die Traueraufarbeitung von Leena und Marian vonstattengeht, war sehr interessant, wobei man hier noch ein bisschen ausführlicher darauf hätte eingehen können.

Kommen wir zum Medium: Das Hörbuch war eine digitale Version, sodass diese nicht gekürzt war. Ich muss sagen, dass das bisher mein liebstes Hörbuch in diesem Jahr war, da mir die Stimmen unglaublich gut gefallen haben: Ja, Stimmen. Plural. Eileen wird von einer anderen Sprecherin gesprochen als Leena, weil die Kapitel im Buch auch so aufgeteilt sind und ich muss sagen, dass mir die Realisation sehr gut gefallen hat. Beide Sprecherinnen haben ihre Sache sehr gut gemacht und ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt wie ich schmunzelnd, total gebannt vor dem Laptop saß und einfach nur zugehört habe. Gabriele Blum und Merete Brettschneider haben mich vollkommen in ihren Bann gezogen und ich kann und will gar nicht bewerten welche von beiden ihren Job besser gemacht hat. Die Stimmen haben auch untereinander super harmoniert und man hatte beim Sprecherinnenwechsel nicht plötzlich das Gefühl, dass man sich auf die Stimme vollkommen neu einstellen muss oder man rausgerissen wird oder dergleichen.

Für mich war Time to Love von Beth O’Leary wirklich ein unglaublich gekonntes Hörbuch, das mir sehr viel Freude bereitet hat und das ich sehr gerne weiterempfehle.

 

 

 

Danke an Random House Audio für das Rezensionsexemplar!

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