Adventskalender 2020 ·Das Glück der blauen Stunde von B. Henrichs

Rezension: Das Glück der blauen Stunde von Bertina Henrichs

Das Glück der blauen Stunde von Bertina Henrichs ist ein netter, zeitgenössischer Roman, in dem es um das Glück in den kleinen Dingen, um Freundschaft, Familie und die Liebe geht.

Wer sich die Inhaltsangabe durchliest, stutzt vielleicht an der ein oder anderen Stelle: Das kommt einem doch irgendwoher bekannt vor. Ich habe Das Glück der blauen Stunde von Bertina Henrichs und Fünf am Meer von Emma Sternberg innerhalb weniger Wochen gelesen und so fiel mir die Ähnlichkeit natürlich erst recht auf. Okay, das eine spielt in Frankreich, das eine beginnt in Deutschland und führt die Protagonisten in die USA. Aber ansonsten? Eine Frau in den 30ern lebt mit ihrem Freund zusammen, dieser entpuppt sich als Arsch und sie muss nun mit dem Erbe alleine umgehen. Beide Frauen sich eigentlich ziemlich mittellos und das Erbe bedeutet für sie das ganz große Geld. Geld, das Haus alleine zu unterhalten, haben sie eigentlich nicht, aber sie wollen es ja ohnehin bald verkaufen. Beide Häuser liegen direkt am Meer. Während das eine in einem kleinen Ort liegt, in dem sie Protagonistin viele neue Kontakte knüpft, liegt das andere Haus etwas einsamer, dafür leben aber fünf lebenslustige Senioren in dem Haus, zu denen die Protagonistin Kontakt knüpfen muss. Beide Protagonistinnen sind sich auch ziemlich ähnlich, eher etwas ruhiger und erwarten gar nicht, dass sie den Mut haben, an einem fremden Ort neu anzufangen. Die Familiensituation ist auch ähnlich: Beide haben keinen Kontakt zum Vater bzw. ist er tot, in beiden Romanen ist die Mutter tot. Die Mutter hatte eine Cousine, mit der sie sich ganz leidlich gut verstand und die aus irgendeinem Grund dachte, dass sie der Tochter jener Cousine ihr Vermögen vermachen sollten, da die beiden alten Damen wohl auch niemanden hatten, wem sie es sonst vermachen konnten. Ich fand diese Parallelen alle sehr augenscheinlich, und fand es komisch, dass viele wirklich offensichtlich sind. Ich hatte das ja bei der Rezension zu Fünf am Meer von Emma Sternberg schon mal erwähnt.

Dennoch hat mir die Geschichte nicht schlecht gefallen, aber mir hat noch ein bisschen was gefehlt. Zum einen ist da die Geschichte selbst: Vielleicht hätte man die Atmosphäre der Provence noch etwas mehr entfalten können, vielleicht hätte man das Leben dort mit den Gerüchen, Geschmäckern, den Lichtverhältnissen, den Landschaftsbeschreibungen und dem Lebensgefühl noch besser beschreiben können? Ja, einige Ansätze dazu waren da. Die Protagonistin riecht auch mal Dinge und sie kocht offenbar typisch französisches Essen, außerdem wird die Landschaft durchaus als wunderschön beschrieben, aber wenn man auf diese Aspekte noch einen größeren Fokus gelegt hätte, wäre der Roman vielleicht noch etwas schöner geworden.

Auch mit dem Charakter von Delphine konnte ich nicht so viel anfangen. Irgendwie hatte sie immer etwas an sich, das ich nicht ganz einordnen konnte, sodass sie mir immer etwas unsympathisch war, obwohl ich wirklich nicht sagen kann, woran das lag. Vielleicht ist sie zu schüchtern? Zu naiv? Zu in sich gekehrt? Ich weiß es nicht genau. Möglicherweise hatte ich auch einfach erwartet, dass Delphine noch etwas mehr Selbstreflexion und Entwicklung an den Tag legt. Irgendwie wirkt dieser Roman von außen ja so, als würde die Protagonistin über sich selbst hinauswachsen und merken, dass sie ein neues Leben führen möchte und in der Konsequenz ihr Leben umstellen. Das tut Delphine zwar in Ansätzen (beispielsweise malt sie wieder), aber vielleicht hätte man auch darauf noch mehr einen Fokus legen können; auch wenn der Roman dann nochmal 100 Seiten länger geworden wäre.

Kurzum: Ich hätte mir etwas mehr erhofft von einem Buch mit einem so schönen Cover, vor allem da ich auch bisher gute Erfahrungen mit Bertina Henrichs gemacht habe. Dennoch kann ich Das Glück der blauen Stunde von Bertina Henrichs empfehlen; man sollte eben nur nicht zu viel erwarten.

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