Der Mann im braunen Anzug von A. Christie

Rezension: Der Mann im braunen Anzug von Agatha Christie

Bei Der Mann im braunen Anzug von Agatha Christie handelt es sich einen relativ frühen Krimi der Autorin, denn dieser stammt aus dem Jahr 1924. Anne Beddingfeld, die Ermittlerin dieses Krimis, kommt leider nur in diesem einen Krimi vor. Colonel Race, der ebenfalls als Ermittler auftritt, kommt später noch in weiteren Büchern vor.

Deshalb würde ich auch gerade mal mit dem Charakter der Hauptfigur anfangen: Anne Beddingfeld, als Tochter eines relativ armen Wissenschaftlers, hat nie ein behütetes Leben geführt, weil sie sich um einen Haushalt kümmern musste und ihr Vater sich mehr auf seine Arbeit und Ausgrabungen konzentriert hat als auf die Erziehung seiner Tochter. Sie ist also unglaublich stark und weiß genau was sie will. Außerdem weiß sie nicht nur wie sie bekommt, was sie sich wünscht, sondern auch wie sie mit Männern reden muss, damit diese sie respektieren. Mit ihrem Vater musste sie mehr als einmal schimpfen, weil er mitten im Winter ohne Mantel aus dem Haus geht. So weiß sie auch wie ihr Leben von nun an weitergehen soll. Sie schafft es, nach London zu kommen und sich nach Südafrika einzuschiffen. Außerdem flüchtet sie vor ihren Entführern, obwohl sie dennoch Angst hat. Hinzu kommt, dass sie auch noch klug ist. Nach so einer Detektivin suche ich schon länger. Ich war total begeistert von der jungen Frau und dachte, dass sie sicherlich meine neue Lieblingsdetektivin wird. Und dann fand ich leider heraus, dass es nur diesen einen Krimi mit ihr gibt.

Die anderen Charaktere werden, wie bei Christie üblich, nicht so sonderlich ausführlich gezeichnet, was aber auch gar nicht schlimm ist. Man bekommt dennoch einigen Informationen über sie und um ihre Beweggründe halbwegs zu verstehen und sie als Verdächtige zu haben, reichen die Charakterbeschreibungen durchaus.

An dem Roman gibt es eine Besonderheit: Die Erzählweise. Die Geschichte wird vornehmlich aus der Sicht von Anne erzählt, da sie gebeten wurde davon zu berichten. Gleichzeitig werden einige Passagen aber durch die Tagebucheinträge von Sir Eustace Pedler unterstützt. Er hat ihr sein Tagebuch als sein literarisches Erbe vermacht, damit sie damit machen kann, was sie möchte. Sie füllt die Lücken, die es unweigerlich in einer Erzählung, die aus der Sicht einer Person entstanden ist, gibt, damit ausgefüllt. Allerdings erfahren wir von Anfang an, dass Pedler sich selbst als unzuverlässigen Erzähler offenbart, denn er meint, dass er in seinem Tagebuch niemals etwas negatives über ihn selbst schreiben würde. Das macht diese Tagebucheinträge besonders spannend.

Die Geschichte an sich hat mir auch gut gefallen, vor allem weil es sich hier wirklich mal um eine Reise handelt. Die Geschichte beginnt in der Nähe von London, geht dann in London weiter und findet dann in weiten Teilen auf dem Meer und in Südafrika selbst statt. Auch dort reisen die Figuren noch einmal etwas. Ich mag es ja sehr gerne, wenn Romane auf Reisen erzählt werden.

Hinzu kommt noch, dass Christie auch (zumindest ein bisschen was) von den Örtlichkeiten in Südafrika beschreibt und man so einen groben Eindruck von dem fernen Land erhält, zumal man das ja bei einem solchen Roman mit einem so exotischen Ort irgendwie erwartet; vor allem wenn man die Entstehungszeit werden die Leser:innen von damals davon sicherlich fasziniert gewesen sein.

Alles in allem hat mir Der Mann im braunen Anzug von Agatha Christie wirklich gut gefallen und ich muss sagen, dass der Krimi bisher zu meinen Lieblingswerken der Autorin gehört. Das Frauenbild ist an einigen Stellen doch schon veraltet, aber davon abgesehen ist Anne ein starker Charakter, von dem ich gerne mehr gelesen hätte.

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