Der kleine Gasthof an der Schlei von I. Bartels ·Hörbücher

Rezension: Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels

Ich habe Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels als Hörbuch gehört und werde deshalb sowohl auf den Inhalt eingehen, als auch mich mit dem Medium befassen.

Isa ist eine sympathische junge Frau, die in der Vergangenheit große Verletzungen erlitten hat. Sie wurde von ihrer Mutter verlassen und hat in den letzten Jahren keinen Kontakt mehr mit ihr gehabt. Isa kann nicht verstehen, warum ihre Mutter sie verlassen hat und lieber durch die Weltgeschichte reist als bei ihrer Tochter zu sein. Außerdem hat Isa erst kürzlich eine Panikattacke gehabt, die sie alles gekostet hat und so hat sie noch immer Hemmungen zu kochen. Mich hat sehr enttäuscht, dass die Panik dann irgendwann so runtergespielt wurde, keine Rolle mehr gespielt hat. Das hätte doch wunder nach Konfliktpotential geliefert; Jette hätte beispielsweise Isa helfen können über ihre Panikattacken hinweg zu kommen. Dass sie Jette so einfach ihren zweiten Weggang verziehen hat, habe ich auch nicht ganz verstanden, schließlich wurde sie erneut von ihrer Mutter verlassen und enttäuscht, aber thematisiert wurde das kaum.

Jettes Erklärung wirkte für mich auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Sie wurde mir zwar im Laufe der Handlung sympathischer, aber vor allem am Ende als sie das zweite Mal, nach dem Streit mit Isa, verschwindet, wurde sie mir wieder weniger sympathisch. Einen richtigen Zugang habe ich zu ihr leider die ganze Zeit über kaum gefunden.

Jette behauptet, dass Luise nicht wollte, dass sich Jette um ihre Tochter kümmert und sie Isa lieber bei sich in Nordernby behalten wollte. Jette hatte keine Chance die Herausgabe ihrer Tochter zu verlangen, auch wenn es ihr schwer gefallen ist. Ich habe einfach nicht verstanden wieso a) eine Mutter ihrer eigenen Tochter nicht zutraut, sich um ein Kind zu kümmern und b) Jette sich nicht durchgesetzt hat, und c) Isa Jette diese Erklärung einfach so abkauft und d) wieso Luise allen so sympathisch war, obwohl sie ihrer eigenen Tochter deren Tochter abgenommen hat. Das ergab für mich alles überhaupt keinen Sinn. Aber ich hatte so den Eindruck, dass die Autorin dann am Ende eben noch eine gute Erklärung brauchte warum Jette sich nicht um Isa gekümmert hat und das schien ihr wohl das Sinnvollste. Klar, eine Vergewaltigung und dass Jette deshalb keine Verbindung zu ihrer Tochter aufbaut, wäre ungemein tragisch gewesen und vor allem hätte es nicht erklärt warum sie als Erwachsene besser damit klarkommt (außer, dass sie die Vergewaltigung inzwischen verarbeitet haben könnte), aber es hätte nicht ganz so unlogisch gewirkt.

Schwierig fand ich auch, dass die Nordernbyer am Anfang so unsympathisch waren. Meta, Momme und ein paar andere scheinen Isa nicht gerade willkommen zu heißen, sie sind gemein, nehmen ihre Probleme nicht ernst und machen sich sogar noch über ihre Pleite in London lustig. Ja, Isa kommt mit ihrem Lebenskonzept nicht klar und ist deshalb weggezogen, aber sie verurteilt ja nicht die Personen, die das Konzept für sich gut finden. Sie sagt nur, dass es sich nicht ihr Lebensweg ist. Die Nordernbyer verurteilen aber allesamt Isa, weil sie ihr schönes Dörfchen Nordernby verlassen hat. Als ob Isa die einzige wäre, die weggezogen ist.

Der Bürgermeister war natürlich der große Gegenspieler in dem Roman. Er musste natürlich möglichst unsympathisch sein, damit sich alle gegen ihn stellen, aber ich habe nicht verstanden, warum niemand zur Polizei geht. Der Bürgermeister veranlasst die Bank die Schulden sofort einzutreiben. Er bringt die Bankangestellten dazu gegen das Bankgeheimnis zu verstoßen. Er scheint Bestechungsgelder zu bezahlen und hat seine Finger auch sonst in unlauteren Machenschaften zu haben. Dennoch kommt niemand auch nur auf die Idee, dass man damit zur Polizei gehen könnte, was ich unglaublich unlogisch finde.

Svenja Pages hat das Hörbuch eingesprochen, das ich als digitales Hörbuch in einer Leserunde bekommen habe. Am Anfang fand ich es sehr schwierig mich an die Sprecherin zu gewöhnen, weil ich ihre Stimme schon fast zu ruhig fand. Aber mit der Zeit bin ich etwas besser mit ihr warm geworden. Ich finde sie hat die verschiedenen Stimmen gut gesprochen, vor allem wenn es um Meta, Momme und Johann ging. Man konnte die Figuren meistens gut voneinander unterscheiden, zumal diese drei Figuren ja auch sprachliche Auffälligkeiten hatten: Meta spricht leichten Dialekt und man hört ihr ihr Alter an, Momme spricht deutlichen Dialekt und Johann, der aus Dänemark kommt, hat natürlich einen leicht dänischen Akzent.

Alles in allem war Der kleine Gasthof an der Schlei von Inken Bartels ein nettes Hörbuch, das man gerne hört und mir ganz gut gefallen hat.

 

 

 

Danke an den Audiobuch Verlag für das Veranstalten der Hörrunde und das Rezensionsexemplar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.