Die Heldin von Numbani von N. Drayden

Rezension: Die Heldin von Numbani von Nicky Drayden

Die Heldin von Numbani ist ein Technik-Sci-Fi-Jugendbuch von Nicky Drayden, das im Overwatch-Universum angesiedelt ist.

Das Worldbuilding kommt in diesem Jugendbuch ein bisschen kurz, was zum einen sicherlich damit zu tun hat, dass es sich bisher um einen Einzelroman (ich weiß gar nicht, ob noch weitere folgen sollen, auch wenn es sich anbietet), der noch dazu nur etwa 320 Seiten umfasst, handelt. Weiterhin ist der Roman ja im Universum der Spielserie Overwatch angesiedelt, was natürlich für eine Background-Story sorgt. Da ich das Spiel nicht kannte, gingen mir diese Informationen zwar verloren, was ich aber nicht so schlimm fand. Für jemanden, der tief in diesem Subgenre drin ist, könnte es dann aber doch zu wenig Worldbuilding gewesen sein.

Am Anfang hatte ich so das Gefühl, dass die Geschichte des Buches zwar in der Overwatch-Welt spielt, jemand, der das Spiel spielt, aber kaum Figuren, Kampftechniken und ähnliches wiederkennt, weil diese einfach nicht vorkommen im Buch. Nach einer etwas umfangreicheren Recherche sind mir aber doch ein paar bekannte Gesichter untergekommen. Im Spiel gibt es eine Figur, die Lucio heißt, und die auch im Buch vorkommt. Außerdem findet sich auf der Website zu Overwatch ein Video zur Hintergrundgeschichte von Orisa, die ebenfalls in Buch und Spiel vorkommt. Diese Hintergrundgeschichte ist zwar nur recht oberflächlich beschrieben, aber ich habe eigentlich alles aus dem Buch wiedererkannt, denn im Grunde geht es im Buch um die Entwicklungsgeschichte von Orisa. Hier können Spieler:innen sich also über mehr Infos und das Wiedersehen mit bekannten Figuren freuen. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass mir allzu viele Infos fehlen und ich konnte das Buch gut verstehen auch ohne das Spiel zu kennen.

Orisa war mir sehr sympathisch. Ich mochte ihre Art und Weise und fand sie war ein sehr sympathischer Roboter. Efi, ihre Entwicklerin, stehe ich etwas skeptischer gegenüber. Grundsätzlich mochte ich Efi recht gerne und fand sie sehr sympathisch. Sie benimmt sich sehr mutig und heldenhaft, ist klug und versucht anderen zu helfen, obwohl sie sich in ihrer eigenen Roboterwerkstatt am wohlsten fühlt. Aber man hat an vielen Stellen gemerkt, dass sie erst elf Jahre alt ist und sich häufig auch so verhält. Natürlich hält es die Spannung hoch, wenn sie ihre eigenen – dem Alter geschuldeten Fehler – immer wieder korrigieren muss, aber mich hat dieses kindliche Verhalten leider häufig gestört. Wäre sie nur ein bisschen erwachsener und hätte sich auch entsprechend verhalten, hätte sich der Roman nicht so häufig im Kreis gedreht, was ihm nicht geschadet hätte.

Ich hatte in meinem Leseupdate geschrieben, dass es sich hier um einen Ego-Shooter handelt, allerdings muss ich sagen, dass es sich hier um eine fantastische, technisierte Welt handelt, die nicht wie ein typischer Ego-Shooter wirkte, sondern eher wie eine Fantasy-Welt eben.

Mir persönlich hat die Welt verdammt gut gefallen und einige der Neuerrungen, die es in Numbani gibt, fand ich sehr hilfreich und würde ich mir auch für heute schon wünschen. Auch der Konflikt zwischen Omnic-Befürwortern und -Kritikern kam mir recht bekannt vor und erinnert an Konflikte zwischen Menschen, die voll und ganz hinter der Technik (und deren Vor- und Nachteilen) stehen und Menschen, die das eher kritisch sehen und für die die Nachteile vor dem Nutzen überwiegen.

Ich kenne mich mit diesem Subgenre zwar nicht aus, fand es aber sehr erfrischend, dass der Roman in einer afrikanischen Großstadt der Zukunft spielte. Ich habe das Gefühl, dass futuristische Szenarien sonst häufig eurozentristisch sind; vielleicht irre ich mich damit auch, ist nur ein Gefühl. Aber hier mal eine andere Welt, einen anderen kulturellen Hintergrund hinter der futuristischen Welt zu haben, fand ich sehr toll und erfrischend.

Grundsätzlich hat mir Die Heldin von Numbani von Nicky Drayden sehr gut gefallen und ich würde sehr gerne noch weitere Bücher aus dem Overwatch-Universum lesen. Für jemanden, der das Spiel mag, gibt es sicherlich einiges, was ihn oder sie an diesem Buch erfreut und jemand, der kein komplexes Worldbuilding wünscht (als Einstieg in dieses Subgenre zum Beispiel), kann damit sicherlich auch seinen Spaß haben. Zumindest ging es mir so.

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