Die kleine literarische Apotheke von E. Molini

Rezension: Die kleine literarische Apotheke von Elena Molini

Die kleine literarische Apotheke von Elena Molini ist ein Roman, in dem es angeblich um Bücher und Literatur geht, der aber vor allem ein Frauenroman mit einer Liebesgeschichte ist.

Fangen wir bei Blu an: Eigentlich ist sie als Buchhändlerin potentiell ein sympathischer Charakter, aber sie verwendet so viele Schimpfwörter, ist chaotisch, hat ihren Landen nicht wirklich im Griff und scheint auch kein tieferes Interesse daran zu haben sich erwachsen zu verhalten und beispielsweise eine Lesung weiter zu planen als dass sie einen Autor und Gäste braucht, dass ich unglaubliche Schwierigkeiten hatte mit ihr warm zu werden. Das schlimmste waren ihre ständig immer wieder aufkommenden abwertenden Aussagen und ihre abfälligen Urteile, die sie immer wieder über neue Figuren fällt, obwohl sie diese gar nicht kennt; zumal das ein oder andere sogar offen rassistisch war, was sie so von sich gibt.

Ich selbst lese gerne auch mal Frauenliteratur, aber leider habe ich nach dem Klappentext und dem Cover (das übrigens wirklich schön ist) etwas anderes erwartet. Ich habe ja schon häufiger über Erwartungen gesprochen und dass es immer schwierig ist, wenn diese nicht erfüllt werden. Hier war das leider auch so. Ich fand es zwar gut, dass Blu immer wieder Bücher empfiehlt und man hinten auch (dazu später mehr) eine literarische Apotheke findet, aber ich hätte mir eine engere Verknüpfung zwischen den empfohlenen Werken und den Figuren, denen sie empfohlen werden und der Handlung gewünscht. Leider tauchen die Kund:innen nur kurz auf, schildern ihre Probleme, bekommen einen Titel empfohlen (ohne dass man als Leser:in nachempfinden kann, warum gerade dieser Titel empfohlen wird) und die Figur verschwindet wieder und man erfährt leider auch nur selten, ob und warum dieser das Buch gefallen und vor allem geholfen hat. Das war schade und hätte ruhig noch etwas mehr ausgearbeitet werden können.

Hinten im Buch befinden sich einige „Beipackzettel“ mit den Buchempfehlungen von Blu und warum, wie und in welcher Weise die „Arznei“ eingenommen werden sollte. Ich hätte mir hier noch mehr Erklärungen gewünscht warum welches Buch bei den Symptomen hilfreich ist und man hätte die Beipackzettel noch besser in die Handlung einbinden können, indem man beispielsweise während der Handlung auf den Anhang verwiesen hätte.

Zum Ende hin wurde die Geschichte leider auch immer abstruser und das Ende habe ich ehrlich gesagt gar nicht wirklich verstanden, was ich hier aber aus Spoilergründen nicht näher erläutern möchte. Ich fand aber vor allem einige der Entwicklungen dann doch sehr seltsam und irgendwie unnötig.

Da ich mich leider mit italienischen Fernsehsendungen, Stars und der italienischen Literatur so gar nicht auskenne, sind mir einige Anspielungen und Verweise auch verloren gegangen. Ich denke, dass das italienische Publikum hier noch einige „Bonbons“ erhalten hat, die einem internationalen Publikum mit mangelnden Kenntnissen der italienischen Popkultur schlichtweg entgehen, was sehr schade ist. Hier hätte eine Übersetzung vielleicht Abhilfe schaffen können, indem diese Hinweise und Verweise in einem separaten Anhang erläutert werden.

Die derbe Ausdrucksweise kann teilweise auch aus der Übersetzung resultieren, denn manche der Sätze wirkten für mich unrund, manchmal wurden (zusammengesetzte) Ausdrücke verwendet, die so im Deutschen nicht existieren (wenn beispielsweise zusammengesetzte Begriffe aus zwei falschen Bestandteilen so zusammengesetzt werden wie sie im Deutschen gar nicht bestehen) und der Stil wirkte einfach flapsig. Vor allem wenn man einen etwas literarischeren Roman erwartet hat, wirkte das im Verhältnis einfach enttäuschend; aber auch unabhängig davon hat mir der Stil nicht gefallen.

Insgesamt empfand ich Die kleine literarische Apotheke von Elena Molini als große Enttäuschung und finde es schade, dass der Verlag mit der Aufmachung und dem Klappentext andere Erwartungen schürt als der Roman halten kann. Davon abgesehen haben mir der Stil, der flapsige Ton und die furchtbaren Kommentare der (unsympathischen) Protagonistin die Leselust komplett verdorben.

 

 

 

Danke an den Diana Verlag für das Veranstalten der Leserunde und das Leserundenexemplar!

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